Wie ich bewerte

Vorbemerkungen

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Blogs sollen ja Rezensionen sein. Grund genug, hier einmal offenzulegen, nach welchen Maßstäben ich dabei vorgehe. Klar ist, dass eine Rezension immer ein subjektives Konstrukt ist, der Verfasser geht mit bestimmten Einstellungen und Vorlieben an die Bewertung und wird diese garantiert nie ganz ausblenden können. Dabei gibt es allgemeine, aber Setting- spezielle Präferenzen: Für mich gilt beispielsweise, dass ich mich in Stadt- oder Detektivabenteuern wohler fühle als in Wildnisszenarien. Auf Aventurien bezogen hat wohl jeder Spieler zudem seine besonderen Lieblinge oder auch Abneigungen, so bin ich gerne in Thorwal und im Horasreich, kann dafür mit dem Süden oder Maraskan weniger anfangen.

Was die Machart von Abenteuern angeht, sind die extremen Pole, vom Railroading bis hin zur Sandbox, von der Kampagne über den Einzelband bis zum Szenario, ja ausgesprochen vielfältig vertreten, hier würde ich mich nach Möglichkeit immer für die gesunde Mitte entscheiden.

Wichtig für mich ist aber vor allem eine gut erzählte Geschichte, die den Helden einen attraktiven Schauplatz und interessante Figuren bietet, sie aber nicht zu Statisten degradiert, die darauf warten müssen, dass ihnen der Plot endlich den Erzschurken zum fröhlichen Verdreschen anreicht, sondern die ihnen im definierten Rahmen genügend Handlungsfreiheit gewährt.

Ziel der Rezension kann und soll dann auch auf keinen Fall eine Kaufempfehlung sein (z.B. lese ich gerne Filmkritiken, ein Verriss hält mich aber niemals davon ab, mir selbst einen Eindruck zu verschaffen), es ist lediglich meine Meinung, die dann gerne eine Diskussionsgrundlage oder eben schlichtweg eine Abgleichmöglichkeit für den Leser sein kann, eventuell natürlich ebenso eine Rückmeldung an den Autor (zumindest einer hat sich auch schon mal eine Rezension seines Abenteuers hier durchgelesen). Was ich mag, muss längst nicht repräsentativ sein, was mir überhaupt nicht zusagt, kann möglicherweise für andere ein Meisterwerk darstellen.

Das Bewertungsraster

Trotzdem habe ich mir ein Bewertungsraster (wenn auch ein eher grobes) zurechtgelegt, eben nicht, um zu objektivieren, sondern um für mich Unterscheidungsmöglichkeiten zu definieren. Ich habe mich dabei für eine Bewertung von 1-6 Punkten entschieden, wobei 6 Punkte die Höchstmarke darstellen, ein Punkt den Tiefstwert.

6 Punkte = herausragend: Das Abenteuer stellt für mich einen absoluten Meilenstein in der DSA- Geschichte dar, Setting, Figuren und Handlung sind vollständig passgenau aufeinander abgestimmt, Schwachpunkte sind total vernachlässigbar. Solche Titel sind für mich z.B. unter den neueren Titeln die „Quanionsqueste“ oder die dicke Gareth- Box, dann solche Klassiker wie „Staub und Sterne“ oder Perlen wie „Die unsichtbaren Herrscher“ oder „Die Herren von Chorhop“.

5 Punkte = gut: Das Abenteuer nutzt die Möglichkeiten eines DSA- Produktes so aus, dass man optimal unterhalten wird, bietet eine interessante Story und schön ausgearbeitete Charaktere, ohne eben revolutionäre Ideen zu bieten oder schlichtweg: Man hat sehr viel Spaß an dem Inhalt. Referenztitel hierfür bei neueren Titeln wären für mich „Bahamuts Fluch“, „Mit wehenden Bannern“ oder im Anthologie- Bereich „Dämmerstunden“, die Königsmacher- Kampagne, als Klassiker z.B. „Das große Donnersturm-Rennen“.

4 Punkte = überdurchschnittlich: Das Abenteuer verfügt über weit mehr Licht als Schatten, die Handlung ist motivierend und spannend, weist allerdings auch den einen oder anderen Schwachpunkt auf. Hintergrund und Schauplätze sind passend und anschaulich gestaltet, erlauben aber auch keine „Aha“- Effekte. Als Titel würde ich „Rabenblut“, „Drei Millionen Dukaten“ oder „Stadtstreicher“ in diese Kategorie setzen.

3 Punkte = durchschnittlich: Das Abenteuer bietet solide Kost, beinhaltet eine gute Grundidee, die aber nur teilweise ebenso gut umgesetzt wird und auch schwächere Phasen erkennen lässt. Vor allem wird auf konventionelle Storybögen gesetzt, neue Wege werden nicht beschritten (oder eben nur unzureichend umgesetzt). Hier würde ich z.B. die „Jahr des Feuers“- Kampagne oder die Bände der „Drachenchronik“ nennen.

2 Punkte = schwach: Das Abenteuer mag über gute Grundideen verfügen, diese werden aber nur mit deutlichen Mängeln umgesetzt, die Handlungsfreiheit der Helden wird zu sehr eingeschränkt oder der Meister muss zu viele Storylücken selbstständig füllen. Als aktuelles Beispiel kommt mir hierzu im Moment die Reihe „Erben des schwarzen Eises“ in den Sinn.

1 Punkt = mies: Der Titel markiert meiner Meinung nach einen ziemlichen Tiefpunkt in der DSA- Historie, die Geschichte ist hanebüchen, die Figuren überwiegend eher nervtötend oder unglaubwürdig gestaltet. Als treffendstes Beispiel fällt mir hier sofort „Tal der Finsternis“ ein, das nach einem an und für sich vielversprechenden Klappentext einfach nur allerhöchstens unfreiwillig komische Spielabende nach sich zog.

Grundsätzlich sind dies – wie schon angemerkt – nur grobe Orientierungen, in eine konkrete Bewertung können noch viele individuelle Faktoren einfließen, z.B. eine zu großzügige oder zu geizige Vergabe von Abenteuerpunkten, ein schlampiges Layout, in Anthologien oft auch einfach Platzmangel (z.B. häufig fehlende Karten). Somit ist die Punktvergabe bei einer Rezension ohnehin meist nur der (oft schwer auszudrückende) Versuch, Vergleichbarkeit unter getesteten Titeln herzustellen, interessanter ist hoffentlich im Regelfall der Begleittext, in dem die Meinungsbildung ausführlich begründet wird.
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