Myranor – ein 2. Blick

Zu Beginn dieses Blog habe ich ja geschrieben, dass ich Myranor nicht berücksichtigen werde, weil ich mich in der Vergangenheit nicht besonders für das Setting erwärmen konnte. Zu merkwürdig erschien mir die alte Myranor- Box: Lange hatte man auf das Setting gewartet und dann wirkte es irgendwie fremder, als ich es mir vorgestellt hatte. Und das, obwohl ich die Überfahrt im Zuge der Lamea- Expedition ziemlich spannend fand. Aber sprechende und laufende Katzen und Löwen waren doch nicht das, was ich mir erwartet hatte, zumindest habe ich es damals darauf reduziert.

Also blieb Myranor in der Folge von mir vollkommen unbeachtet, als einziges Abenteuer kannte ich „Palast der Goldenen Tiger“, mit dem ich ebenfalls nichts anfangen konnte. Mittlerweile aber werden die Abenteuer vom Uhrwerk- Verlag erstellt, der in den Foren und in den Rezensionen immer ausgesprochen lobend erwähnt wird. Dass die dort in der Tat gründlich und mit Liebe zum Detail arbeiten, hat mir dann zuletzt der gelungene Tharun- Weltenband bewiesen. Also habe ich beschlossen, Myranor eine zweite Chance zu geben. Der Januar war ohnehin etwas langweilig, da bis auf „Blackguards“ keine Neuerscheinungen stattfanden. Also habe ich mich informiert, mit welchem Band ein Einstieg am besten machbar sein sollte. Und siehe da, das daraufhin bestellte „Unter dem Sternenpfeiler“ verschafft eine komplett neue Sichtweise: Myranor erweckt plötzlich einen viel „runderen“ Eindruck, die Struktur ist klar erkennbar und das Konzept, nach dem der Kontinent konstruiert ist, klingt reizvoll.

Einen quasi antiken Ergänzungsentwurf zum eher mittelalterlichen Aventurien (bei dem ja eher nur der Süden größere römische Anleihen vornimmt) finde ich ausgesprochen sinnig. Zudem hat man hier eine angemessene Kontinentgröße gewählt, so dass nicht die Gefahr besteht, dass eine zu kleinschrittige Beschreibung vorgenommen wird. Diese Entwicklung gibt es ja in Aventurien mittlerweile recht deutlich. Das mag dort weitgehend auch funktionieren und hilfreich sein, als Ergänzung erscheint es mir aber dann stimmig, dass die anderen Kontinente weniger dicht erschlossen werden und genügend weiße Flecken zum freien Austoben übrig lassen.

Die alte Box habe ich damals als relativ fix für den Markt hingeschrieben wahrgenommen, hier gefällt mir die durchdachte Vorgehensweise. Man erhält sowohl einen geografischen als auch einen gesellschaftlichen Überblick. Sowohl die einzelnen Völker als auch deren Kulturen und Lebensbereiche haben eine gute Gliederung erhalten und es genügend Abenteueranreize sind ebenfalls vorhanden. Das wundert mich grundsätzlich nicht, schaut man sich die entsprechende Schreiberriege an, sind hier doch viele DSA- Veteranen versammelt, die teilweise im Bereich von Aventurien als Autoren nicht mehr oder nur noch selten aktiv werden.

Natürlich gibt es auch Elemente mit denen ich noch etwas fremdle, z.B. futuristische Einflüsse. Aber auch da wirken einige Aspekte heute stimmiger eingebaut, wie die Luftschiffe, die in die Welt und die Abenteuer tatsächlich gut hineinpassen. Und das Fremdartige und zu Fantastische (wenn es denn sowas überhaupt gibt, das ist ja vor allem persönliches Empfinden) reduziert sich doch sehr, wenn man sich die Bevölkerungszahl vor Augen hält. Vieles ist wohl auch eine Frage der Gewöhnung, Elfen, Zwerge und Orks entsprechen schlichtweg einfach nur eher unseren gängigen Fantasie- Vorstellungen als katzenähnliche Wesen. Wichtig ist doch am Ende eher, was dann aus der Thematik auf narrativer Ebene gemacht wird. Von daher lohnt es sich auch hier, dem Setting eine neue Chance zu geben.

Schön finde ich auch die Machart vieler Myranor- Produkte, vollfarbige Hardcover- Bände haben schon was, wirken so deutlich lebendiger als die Ulisses- Bände (nicht ohne Grund wird dies ja auch für DSA5 geändert). Das schlägt sich natürlich auch in der Preisgestaltung nieder, in Anbetracht der Wertigkeit (z.B. im Vergleich mit den alten Schmidt Spiele- Publikationen) hat das aber durchaus seine Berechtigung. Zumal die Auflagefolge auch eher dezent ist, was wohl auch der Verlagsgröße geschuldet ist.

Somit erscheint mir Myranor als mittlerweile deutlich ausdifferenzierter Kontinent in der Tat einen 2. Blick wert, d.h. ich werde hier in Zukunft auch Myranor- Publikationen thematisieren bzw. mir Gedanken zu aktuellen Entwicklungen und Ankündigungen machen. Die Uhrwerk- Bände, die ich bislang gelesen habe, legen zumindest den Eindruck nahe, als läge die Lizenz dort in sehr guten und verantwortungsvollen Händen.
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