Rezension: "Orden und Bündnisse"

Vorbemerkung: Aventurien ist eine facettenreiche Welt, die nicht nur von unterschiedlichen Regionen und deren Machthabern bestimmt wird, sondern ebenso von einer Vielzahl von Organisationen unterschiedlichster Couleur geprägt wird, die oft im Hintergrund die Fäden in der Hand halten. „Orden und Bündnisse“ ist der dritte Band aus der Reihe „Organisationen Aventuriens“ und nimmt wieder eine Reihe von Gruppierungen in den Fokus, mit einem Schwerpunkt auf kirchlichen Organisationen.

In Zahlen:
– Band Q12
– 176 Seiten
– erschienen am 13.3.2014

I. Aufbau und Inhalt
Insgesamt beinhaltet der Band die Vorstellung von 22 unterschiedlichen Organisationen (wobei bei den Logen des Horasreichs vier verschiedene Logen vorgestellt werden). Der Aufbau der einzelnen Kapitel folgt dabei immer dem gleichen Schema: Nach einer Kurzcharakteristik wird zunächst die jeweilige Geschichte präsentiert. Dem schließt sich die aktuelle Aufstellung der Gruppierung an, wobei die Struktur erläutert wird (z.B. Ränge, Titel und Niederlassungen) sowie die allgemeinen Feinde und Verbündeten mit einigen exemplarischen Aussagen, die die Verhältnisse zu relevanten anderen Gruppen illustrieren sollen. Im Regelfall erfolgt zudem eine Auswahl von wichtigen Persönlichkeiten. Zuletzt wird auf die konkrete Verwendung im Spiel eingegangen, d.h. mögliche Konstellationen werden aufgeworfen, in denen die Helden mit der Organisation in Kontakt geraten können, sowohl als Konkurrent als auch als potentieller Auftraggeber. Zumeist wird auch die Möglichkeit berücksichtigt, Helden als Mitglieder der Organisation zu spielen, wozu ein denkbarer Hintergrund geschildert wird. Grau unterlegte Kästen geben dazu noch Auskunft über einige wohlgehütete Geheimnisse, die gleichzeitig auch einen Ausgangspunkt für das eine oder andere Abenteuer darstellen können. Zudem enthält der Band am Ende noch einen Logengenerator, mit dessen Hilfe man sich seine eigene Loge erstellen kann.

II. Kritik
Anders als z.B. Regional- oder Regelbände kann ein solch allgemeiner Band, der unterschiedliche Organisationen aus allen Lebensbereichen Aventuriens vorstellen will, keinen roten Faden enthalten. Die Spannbreite ist enorm hoch: Es gibt Kirchenorganisationen (z.B. die Draconiter, die Bannstrahler), Geheimbünde (die Al´Adamantin, die Dornen der Rose), Wirtschaftsunternehmen (Handelshaus Abdul und Söhne, die Nordlandbank), die horasischen Logen und Kampfverbände (die Basaltfaust). Mit der Borbaradkirche und den Bluttemplern sind auch zwei Vertreter der Mächte der Schattenlande enthalten, die z.B. keine Angaben über eine Mitgliedschaft der Helden enthalten, also eher nicht dahingehend geöffnet werden. Ebenso differenziert die Gruppengröße teils enorm, einige der Organisationen haben nur wenige Dutzend Mitglieder, andere mehrere hundert. Manche Gruppierungen wie die Al´Adamantin stellen eine eher lokale Interessensvertretung dar, während andere auf dem gesamten Kontinent mit Niederlassungen verbreitet sind.

Ziel ist natürlich, das Spiel in Aventurien um möglichst viele interessante Varianten zu erweitern, viele der vorgestellten Organisationen haben einige Möglichkeiten zu bieten, den Helden wichtige Aufträge zu verschaffen bzw. ihnen gewichtige Steine in den Weg zu legen. Die Artikel dienen daher auch in erster Linie dazu, entweder bereits bekannte Organisationen auf den neusten Stand der aventurischen Geschichte zu bringen oder weniger bekannten Gruppierungen ein Profil zu verschaffen bzw. sogar neu einzuführen. Ein Beispiel für letzteres ist die Brabacische Vereinigte Occidental- Compagnie, die sich aktiv in den Handel mit Uthuria und Myranor einbringen will. In vielen Artikeln wird somit auch fleißig der Metaplot weitergesponnen, wenn z.B. in der Vorstellung besagter Handelsvereinigung die kommenden Vorstöße Brabaks nach Uthuria erste Konturen erhalten.

Auf der positiven Seite bringt dies natürlich mit sich, dass im Prinzip für jeden etwas dabei sein sollte, was den eigenen Spielgeschmack angeht, da so viele unterschiedliche Organisationen aus allen Regionen und Lebensbereichen Aventurien vorgestellt werden, zudem hier viele Informationen gebündelt werden, die sich in den letzten Jahren aus der in Gänze fast unüberschaubaren Zahl an Publikationen ergeben haben. Das Kapitel über die Draconiter beispielsweise enthält unter anderem Angaben über Ereignisse aus dem Jahr des Feuers und der Drachenchronik (sowie den dazu gehörigen Romanen von Michael Masberg), der Artikel über die Borbaradkirche verarbeitet teilweise die Informationen aus dem Computerspiel Demonicon, um nur zwei Beispiele zu nennen. Hier zeigt sich, dass die jeweiligen „Upgrades“ Sinn ergeben, schließlich ist in den letzten Jahren vieles passiert, was Veränderungen ergeben hat.

Der Aufbau der einzelnen Kapitel erscheint sinnhaft und schlüssig, den allgemeinen Informationen schließen sich jeweils spezielle Angaben für eine konkrete Spielbarkeit mit vielen interessanten Abenteueranlässen an. Allerdings merkt man auch deutlich, dass den Autoren jeweils nur begrenzter Platz (zwischen 6-8 Seiten) zur Verfügung stand, es reicht jeweils für einen groben Überblick, nicht jedoch für ausgesprochen viel an Detailinformationen. Diesen Punkt sehe ich allerdings nicht allzu kritisch, letztlich soll der Band doch wohl auch dazu dienen, zusätzlichen Hintergrund zu liefern, wenn eine bestimmte Organisation im Rahmen eines Abenteuers auf die eine oder andere Weise mit den Helden in Kontakt tritt.

Der große Nachteil liegt dabei für mich ebenso klar auf der Hand: Nicht alle der vorgestellten Organisationen dürfte für jeden Leser von gleichem Interesse sein (wer weniger Interesse an Kirchenorganisationen hat, dürfte beispielsweise nur sehr partiell fündig werden), gerade den eher regional aktiven Gruppierungen begegnet man nur dann, wenn man in den betreffenden Gebieten Abenteuer spielt, sonst ergibt sich der Mehrwert nicht. Je nachdem, um welche Organisationen es sich handelt, dürften zudem viele Informationen auch nicht für jeden wirkliche Neueheiten darstellen. So bin ich z.B. von dem Kapitel über die Bannstrahler etwas enttäuscht. Hier fährt man zwar viel über die Ordensstruktur, die Haltung wirkt aber auf einem alten Stand, wird doch wieder das Klischee der sturen und unflexiblen Praiosjünger bedient, die tendenziell eher unnahbar für liberale Einflüsse sind (wie es ja bei vielen Helden umgekehrt der Fall sein dürfte). Aus den Resultaten der Quanionsqueste hatte ich hier ein frischeres, differenzierteres Bild erwartet.

Zudem finde ich die einzelnen Artikel teilweise stark unterschiedlich im Schreibstil: Einige sind sprachlich sehr schön und spannend geschrieben und wecken beim Leser eine gewisse Neugier auf die beschriebene Gruppierung, wobei mir die Basalfaust und die Brabacische Vereinigte Occidental- Compagnie besonders positiv aufgefallen sind, andere Kapitel wirken eher dröge verfasst und bleiben eher bei einer statischen Beschreibung. Die Horaslogen z.B. erscheinen von ihrer grundsätzlichen Konstruktion eine gute Idee, stinkreiche Adelige, die in Hinterzimmern konspirativ zusammensitzen, können immer einen interessanten Abenteueranlass bieten, die vorgestellten Logen erscheinen dann aber eher ziemlich profan angelegt und wirken eher kurios denn spannungsfördernd.

III. Fazit
Der Band hinterlässt bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck. Sehr gut geschriebene Kapitel (z.B. die Basaltfaust, die letzte Schwadron, Abdul und Söhne oder die Brabacische Vereinigte Occidental- Compagnie), die auch direkt eine gewisse zur Organisation gehörende Atmosphäre vermitteln, wechseln sich mit Gruppierungen ab, die auf mich entweder eher uninteressant wirken (die Al´Adamantin oder die Horaslogen) oder schlichtweg wenig Neues zu bekannten Fakten hinzufügen (die Bannstrahler). Allerdings dürfte dies normal sein, bei einem Band, der ein so breites Spektrum anlegt. Die Spielbarkeit der einzelnen Organisationen und die Anschaulichkeit der Beschreibung sind umgekehrt in allen Fällen gegeben, so dass man auch hier eine Publikation erhält, die vielen Regionen Aventuriens spielbare Facetten hinzufügen bzw. diese ergänzen. Somit stellt „Orden und Bündnisse“ für mich insgesamt einen soliden Band mit einigen Highlights dar, der aber eben in einigen Kapiteln auch deutlich weniger interessant ist.

Bewertung: 3/6 Punkten
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2 Gedanken zu “Rezension: "Orden und Bündnisse"

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