Neues aus Uthuria?

Nachdem sich für den Bereich von Aventurien gerade jede Menge Entwicklungen anbahnen (neuer Stoff für Gareth- Liebhaber, die drei DSA5- Abenteuer als muntere Setting- Verteilung über den Kontinent und in der großen Metaplot- Fortführung die Wiederaufnahme der Splitterdämmerung), geht es nun auch für den Südkontinent weiter.

Zunächst aber – anders als bisher – in Form eines Einzelbandes, welcher die horasischen Kolonisationsversuche thematisiert. „Der Schrecken der Schädelbucht“ richtet sich laut Ankündigung (http://www.ulisses-spiele.de/produkte/958/der-schrecken-der-schaedelbucht/) daher erneut eher an aventurische Helden (der Band erhält daher anscheinend auch eine aventurische Nummerierung).

Die nächste Kampagne soll laut Marie Mönkemeyer im Ratcon Workshop 2013 eher in Richtung Südosten gehen und von einem orientalischen Flair geprägt werden, wobei es erneut Verknüpfungen zu Aventurien geben soll. Das klingt natürlich alles noch sehr vage, sicherlich wird es im weiteren Verlauf des Jahres konkretere Informationen zum Inhalt geben bzw. vielleicht ja auch schon neue Publikationen.

Von Beginn an wurde Uthuria mit dem neuen Konstrukt der Regionalkampagne beworben, d.h. der Verbindung von Abenteuer und Hintergrundinformationen, die also nicht in gesonderten Bänden erscheinen. Nun, nachdem mit der „Grünen Hölle“ die erste Veröffentlichungsserie abgeschlossen ist, stellt sich die Frage, inwieweit sich dieses Vorgehen bewährt hat?

Der Vorteil erschließt sich natürlich zunächst in der Kompaktheit, alles was man an Hintergrundinformationen benötigt, ist in den Bänden erhalten. Somit sollte allein die Lektüre des jeweiligen Bandes genügen, um losspielen zu können. Problematisch wird dies natürlich in dem Moment, wo zwischen den Bänden Querverbindungen gesetzt werden. Es scheint mir nur sehr schwer möglich, einzelne Bände losgelöst von den anderen zu spielen, entweder man entscheidet sich für die gesamte Kampagne oder man bekommt schnell Schwierigkeiten. Zwar werden immer Möglichkeiten angeboten, die einzelnen Handlungsepisoden auch losgelöst vom Rest zu spielen, allerdings dürfte es sehr unübersichtlich werden, wenn man z.B. nicht über die Informationen aus dem ersten Band verfügt.

Realistisch wiederum wirkt dieses Vorgehen, wenn man Uthuria wirklich aus einer Entdeckerperspektive spielt. Es gibt für die Aventurier höchstens eine vage Vorstellung der gesellschaftlichen Verhältnisse, Machtstrukturen und geografischen Gegebenheiten auf dem Südkontinent, das meiste stammt aus dem Bereich der Mythen und Legenden. Konsequenterweise wird auch der Spielleiter in denselben Zustand versetzt, man erhält Einblick in das Gebiet, in dem die Helden sich gerade aufhalten, dahinter existiert nur fremder Horizont, da eine komplette Weltenbeschreibung fehlt.

Wichtig allerdings ist, dass bei dieser Konzeption in Zukunft daran gedacht wird, dieses System entweder konsequent weiterzuführen oder die Weltenbeschreibung zu gegebener Zeit nachzureichen. Sprich: In ersterem Fall muss darauf geachtet werden, dass jede neue Kampagne unabhängig von den vorherigen Erscheinungen spielbar sein muss und nicht auf dort stehende Hintergrundinformationen zurückgreift. Sonst wird Uthuria sehr schnell unübersichtlich werden, wenn man quasi gezwungen ist, jede Publikation zu besitzen, um das Geschehen und alle Protagonisten und Völker richtig einordnen zu können. Will man dies ändern, muss es umgekehrt irgendwann eine Art von Weltenbeschreibung geben, die alle zentralen Setzungen und notwendigen Basisaspekte in einem Band für Spieler und Spielleiter zugänglich gestaltet.

Mir gefällt die grundsätzliche Idee, einen Kontinent Stück für Stück zu erschließen, eben die Entdeckerrolle auszuleben. Das halte ich ohnehin für das Alleinstellungsmerkmal Uthurias. Aventurien zeichnet sich deutlich durch seine mittlerweile sehr hohe Beschreibungsdichte aus, was es den Spieler einerseits ermöglicht, die meisten Spielsituationen mit viel Hintergrundmaterial auszugestalten, aber andererseits durchaus auch Freiheiten einschränkt. Myranor und Tharun weisen in vielen Gebieten klar erkennbare Herrschaftsstrukturen auf und verfüge beide über eine umfassende Weltenbeschreibung, wenn auch – allein ob des Alters – weniger detailliert als Aventurien.

Zudem lässt dies den Autoren hoffentlich noch weit mehr offenen Gestaltungraum für kreative Ideen, schließlich scheint ja vieles bislang höchstens intern festgelegt, hat man eine neue Idee, z.B. für eine neue Spezies oder ein bislang noch nicht erschlossenes Gebiet, so lässt diese sich in den Kontinent montieren, ohne dass dies mit der allgemeinen Weltenbeschreibung kollidiert.

Vor allem aber erscheint mir wichtig, dass gerade in diesem Punkt der Entwicklungsfreiheit kreativ vorgegangen wird, so dass nicht einfach uthurische Varianten von schon existierenden Kulturen und Regionen Aventuriens oder Myranor auftauchen. Sprich, ich erwarte schon, dass die neue Kampagne mit orientalischen Anleihen eine deutliche Abgrenzung von den Verhältnissen im Kalifat vornimmt. Für die Zukunft erscheint mir zudem interessant, wie sich die Kolonien der einzelnen aventurischen Fraktionen untereinander verhalten werden, noch dürften diese ja relativ isoliert voneinander spielbar sein. Was aber passiert, sobald die Interessensphären sich berühren? Hier erscheint mir viel Potential zu liegen, gerade weil Uthuria ja – anders als Myranor – eine direkte Verbindung zu Aventurien aufweist und Handlungsverbindungen möglich sind. Spannend erscheint mir in diesem Kontext auch die Frage, wie sich die einzelnen Mächte mittel- bis langfristig gegenüber den Einheimischen positionieren, als Eroberer oder Handelspartner?
Es bleibt also aufregend auf dem Südkontinent!

2 Comments

  1. Halle Engor,
    danke für deine Zuversicht. 😉

    @Konzept der Regionalkampagne: Wenn das grundlegende Konzept beibehalten wird (was ich sehr befürworte), ist es tatsächlich ideal, wenn die einzelnen Kampagnen wirklich alleine funktionieren. Das ist uns – entgegen mancher Unkenrufe – in Grüne Hölle weitestgehend gelungen. Da ist aber noch ein bisschen Luft nach oben.

    @Nächste Regionalkampagne: Keine Angst, wenn sie kommt, dann wird das kein zweites Kalifat. Nicht ansatzweise. Versprochen.

    @Gestaltungsraum: Behalte in den nächsten Tagen mal den Ulisses-Blog im Auge. Da tut sich was. Ein bisschen zumindest. 😉

    Viele Grüße,
    Tobi

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