Abenteuerflut im Mai – Ein Zwischenfazit zu den DSA5- Betatestabenteuern

Der Mai war sicherlich der ereignisreichste DSA- Monat seit ewigen Zeiten: Das Betaregelwerk und gleich drei Testabenteuer haben für reichlich Lesestoff gesorgt, zusammen kommen alle vier Bände auf fast 500 Seiten. Nach den ersten Eindrücken will ich mich an ein erstes Zwischenfazit wagen: Dabei klammere ich allerdings das Betaregelwerk erst einmal völlig aus, auch weil ich letztlich kein Regelexperte bin (auch wenn ich die Diskussionen verfolge und auch hin und wieder meinen Senf dazugebe). Mehr aber interessiert mich nach wie vor die narrative Seite und deshalb möchte ich einen kleinen Vergleich der drei neuen Abenteuer wagen. Anders als bei den Rezensionen bemühe ich aber darum, weitgehend spoilerfrei vorzugehen.

Von Grundsatz her muss ich dem Verlag erst einmal ein großes Lob zollen: Dass ein offener Betatest auch entsprechendes Material verlangt, um die Regeln wirklich in der Praxis zu überprüfen, versteht sich natürlich von selbst. Aber am ersten Tag gleich drei Abenteuer mit unterschiedlichen Schwerpunkten bereitzustellen, die alle sofort spielbar sind, halte ich für nicht selbstverständlich, hier hat Ulisses gut geplant und sorgfältig vorbereitet.

Aventurisches Allerlei

Neben den Regelschwerpunkten sorgen die Abenteuer auch für eine schöne atmosphärische Abwechslung: Alle drei Abenteuer spielen in unterschiedlichen Regionen Aventuriens und fangen den jeweiligen Flair ihrer Region überwiegend gut ein: So transportiert „Die Gunst des Fuchses“ das Venezianisch-Leichte Belhankas hervorragend, was sich auch mit einer inhaltlichen Vorgabe ergänzt, die deutlich eher phexisch und kaum rondrianisch angehaucht ist. „Das Tal des Todes“ versetzt die Helden umgekehrt in eine Dschungelregion des tiefen Südens, also weitab von der Zivilisation und vor allem die erste Hälfte des Abenteuers, die die Reise zum Zielort thematisiert, zeigt es dessen Tücken und die damit verbundenen Strapazen auf. „Die Quelle des Nagrachs“ schließlich beinhaltet die anschauliche Beschreibung eines bornischen Dorfes, geprägt vom Leben in einer eher unwirtlichen und sumpfigen Gegend, zudem beeinflusst von Aberglaube und Leibeigenschaft.

Alle drei Abenteuer erfüllen zudem einen Wunsch, den ich schon vor einiger Zeit geäußert habe: Statt den großen Metaplot zu bedienen, werden eher kleinere und überschaubare Plots geliefert. Lediglich „Die Quelle des Nagrach“ tangiert mit dem Erwachen des Bornlands einen übergeordneten Handlungsstrang, das Abenteuergeschehen selbst dürfte aber in Gänze allerhöchstens eine kleine Fußnote darstellen, da die Ereignisse relativ weit weg von Fokus der Öffentlichkeit stattfinden. Trotzdem sind alle Abenteuer so gestaltet, dass man am Ende aus Heldensicht nicht wenig geleistet haben dürfte, auch ohne großen Epikfaktor wird jeweils eine in sich schlüssige und abenteuerliche Aufgabe gestellt. Hier war meine Befürchtung, dass der Regeltest die Story überlagern könnte, zumindest weitgehend hat sich dies nicht bewahrheitet.

Einschränkend muss man natürlich feststellen, dass an einigen Ecken und Enden schon auffällt, dass deutlich weniger Platz für Beschreibungen zur Verfügung steht. Verdeutlicht kann dies an einem Vergleich zwischen „Die Gunst des Fuchses“ und dem unlängst erschienenen Hardcover- Band „Namenlose Nacht“ werden: Beide Bände haben unter anderem einen Maskenball mit einer immens hohen Personendichte im Mittelpunkt der Handlung, jeweils mit einer Teilnehmerzahl von mehr als 200 Personen. In „Die Gunst des Fuchses“ stehen zur Beschreibung der Figuren 7 Seiten zur Verfügung, in „Namenlose Nacht“ sind es dagegen satte 30 Seiten. Hier müssen sich die Angaben auf das Wesentliche beschränken, „Die Quelle des Nagrach“ und „Das Tal des Todes“ mit einer eher kleinen Figurenriege haben sehr kurze Anhänge im Vergleich zu sonstigen Abenteuern.

Das heißt aber nicht, dass die Testabenteuer grundsätzlich zu grob verfasst sind, allerdings ist die Handlung schlichtweg kürzer und dürfte deutlich weniger Spielabende in Anspruch als ein normaler Vollpreistitel. Sehr positiv ist dafür z.B. die oft kritisierte Ausstattung mit Kartenmaterial und Ortsbeschreibungen, dies ist in allen Abenteuern ausgesprochen vorbildlich geregelt, vor allem natürlich in „Die Gunst des Fuchses“, wo die Schauplatzbeschreibung im Zentrum des Bandes steht, wichtige Gebäude erhalten Grundrisspläne und Übersichtskarten illustrieren Reisewege, genau das fehlt nicht selten in Abenteuern und sorgt für Zusatzarbeit für den Meister.

Maue Belohnung

Etwas befremdet hat mich bei allen drei Abenteuern die Vergabe der Abenteuerpunkte, die mit maximal 45 und minimal 30 im Vergleich zu DSA4 ausgesprochen reduziert wurde. Ich bin kein Rechenexperte, deshalb ist mir noch nicht ganz klar, ob sich das gegenrechnet mit den Möglichkeiten, seine Eigenschaften und Fertigkeiten auszubauen. Trotzdem hinterlässt es bei einem so harten Kontrast zu den sonst immer dreistelligen Punktebelohnungen das Gefühl, am Ende ausgesprochen knausrig belohnt zu werden. Da bin ich denn gespannt, wie das bei größeren Vollpreisbänden oder Kampagnen ausfällt.

Etwas schade finde ich, dass der Einsteigercharakter nicht noch etwas unterstrichen wurde: Gerade bei „Die Quelle des Nagrach fällt z.B. auf, dass man eben mehr als nur die Kenntnis des neuen Betaregelwerks braucht (und das wird auf allen drei Bänden als einzige notwendige Referenz angegeben). Immer wieder finden sich Begriffe die z.B. das Erwachen des Bornlandes oder auch die Namen von Dämonen, mit denen DSA- Veteranen selbstverständlich umgehen können, Neueinsteiger wären hier für knappe Zusatzinformationen (und sei es nur ein kleiner Kasten mit ein paar Zeilen Text) sicherlich sehr dankbar. Da die Abenteuer auch kostenlos als PDF- Dateien erhältlich sind, wird wohl auch der eine oder andere DSA- Novize einen Blick riskieren, diesem Umstand hätte man an dieser Stelle etwas mehr entgegen kommen können.

DSA für lau

Das digitale Angebot allerdings sorgt natürlich umgekehrt dafür, dass man hier nur loben kann: Immerhin erhält man alle drei Abenteuer und das Grundregelwerk gratis, selbst wenn man – wie ich – bedrucktes Papier eindeutig bevorzugt, ist der Preis immer noch extrem niedrig und dürfte kaum Gewinne für den Verlag erzielen. Mir ist natürlich klar, dass Ulisses dies nicht aus reiner Nächstenliebe praktiziert: Ziel ist natürlich eine möglichst breite Anzahl an Testern und somit eine hohe Rückmeldungsrate und wohl auch ein gewisser Werbeeffekt. Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass die Bände zwar etwas kürzer als normale Publikationen der letzten Jahre sind, inhaltlich aber in sich geschlossene Handlungen und ausgearbeitete Plots bieten, mit denen man einige Spielabende ausfüllen kann. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, zumal DSA im Normalfall eben kein allzu kostengünstiges Hobby ist.

Kurz und gut: Das Abenteuertrio ist sicherlich nicht perfekt, an einigen Stellen gibt es noch Verbesserungsbedarf, überwiegend sind es aber in der Tat die netten, kleinen Titel für Zwischendurch, die ich mir erwartet hatte. Wenn das ein Nebeneffekt von DSA5 ist, dass neben den großen und epischen Abenteuern und Kampagnen hin und wieder etwas reduziertere Spannungsbögen in geringer umfassten Dimensionen erscheinen, dann hat es sich allein deshalb schon gelohnt. Um nicht zu spoilern, verweise ich für konkretere Anmerkungen zu den Abenteuern allerdings auf die Einzelrezensionen hier im Blog. Interessant finde ich in dem Zusammenhang aber, dass es sich bei dem veröffentlichten Softcover- Format anscheinend auch nur um eine Arbeitsversionen handelt, die genau wie das Regelwerk selbst noch einmal überarbeitet werden sollen, um anschließend später als Einsteigeranthologie zu erscheinen. Hier bin ich dann auf den Vergleich sehr gespannt, welche Verbesserungen noch vorgenommen werden.

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