Retro- Check – alte Abenteuer unter der Lupe

Auf stolze 30 Jahre bringt es DSA mittlerweile. Nachdem ich diesen runden Geburtstag bisher noch nicht sonderlich berücksichtigt habe, möchte ich dies nun bis zum Jahresende in unregelmäßiger Folge nachholen. Da der Schwerpunkt hier auf Rezensionen liegt, werde ich dem Ansatz auch in dieser Hinsicht treu bleiben. Allerdings werde ich in der Retro- Rubrik eben keine neuen Publikationen unter die Lupe nehmen, sondern mich dabei dem ursprünglichen DSA in seinen Kinderschuhen widmen, indem ich mir ein paar echte Klassiker vorknöpfe.

Natürlich können diese Uralt- Publikationen in der Machart heutigen DSA- Bänden kaum das Wasser reichen und vieles mag dabei aus heutiger Sicht nur noch albern und kurios wirken. Und dennoch finden sich schon hier viele wichtige Grundlagen für das heutige Aventurien, nur eben noch in einem sehr groben und unfertigen Gewand, vor allem in einer Welt, die nicht im Ansatz so dicht beschrieben war, wie es im Jahr 2014 der Fall ist.

Da ich tatsächlich die meisten Abenteuerbände besitze, ist die Auswahl relativ groß. Ich möchte mich daher auf einige besondere Exemplare konzentrieren, die ich entweder als richtungsweisend in ihrem Inhalt oder Aufbau ansehe, die ich als besonders kurios- interessant empfinde oder die mir schlichtweg aus den unterschiedlichsten Gründen einen Heidenspaß bereitet haben. Dabei ist für mich vieles natürlich auch mit meinen Anfangstagen als Spieler verbunden, so dass an der einen oder anderen Stelle durchaus auch eine gehörige Portion Nostalgie mitschwingen dürfte. Schwierig ist natürlich immer auch die Frage, inwieweit die damaligen Abenteuer nach heutigen Qualitätsansprüchen noch ansatzweise mithalten können.

Bisher habe ich folgende Bände ins Auge gefasst:

Im Wirtshaus zum Schwarzen Keiler, das erste reguläre Einzelabenteuer nach der alten Basis- Box

Der Wald ohne Wiederkehr, in dem ein vollkommen anderes Bild von Nostria und Andergast geboten wird

Die Verschwörung von Gareth, in der ein Großteil des Hochadels des Mittelreichs eingeführt wird

Der Wolf von Winhall mit dem ersten Auftritt meines persönlichen Lieblings- Reichgroßgeheimrats, garniert mit einer Wehrwolfplage

Mehr als 1000 Oger, das quasi erste spielbare Großereignis des jüngeren Aventurien

Die Seelen der Magier, das einige der Grundlagen für den heute noch dominanten Borbarad- Plot beinhaltet

Staub und Sterne, das für mich bis auf den heutigen Tag beste Abenteuer

Natürlich ist diese Auswahl sehr subjektiv und auch teilweise etwas willkürlich gewählt, allerdings finde ich, dass gerade diese Bände die Anfänge gut vermitteln können, gerade auch mit ihren aus moderner Sicht klar erkennbaren Schwächen und Abweichungen von heute gültigen Normen.

Ich bin aber auch sehr gerne offen für weitere Vorschläge, was die Betrachtung anderer Klassiker angeht, sollte also jemand in der Hinsicht einen Wunsch haben, versuche ich das nach Möglichkeit (Verfügbarkeit des Bandes, Zeit zum Schreiben etc.) aufzunehmen.

Als erster Band wird dann bald Im Wirtshaus zum Schwarzen Keiler als erste Rezension den Reigen beginnen, wobei es allein schon Spaß macht, die alten Bände überhaupt aus dem Regal zu kramen und sich den Inhalt wieder anzulesen bzw. in Erinnerung zu rufen.
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Retro- Check – alte Abenteuer unter der Lupe

12 Gedanken zu “Retro- Check – alte Abenteuer unter der Lupe

  1. Wen man Wünsche äußern darf: Orklandtrilogie. Die hat mich einst als Spieler sehr begeistert, später beim Angucken sehr verärgert. Da wäre ich tatsächlich gespannt, wie die bei „gestandenen“ DSA’lern ankommt!

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  2. Staub und Sterne habe ich damals sogar geleitet und den Turm von Liscom von Fasar, crazy das ich den Namen noch kenne ohne nachzuschlagen, damals mit meinem Kaligraphieset auf DIN A1 aufgemalt habe.

    Leider fand meine Gruppe das nicht so beeindruckend.
    Schön am Abenteuer war der Sandboxteil der gorischen Wüste. Als jungspielleiter wusste ich nur überhaupt nicht was ich daraus verwenden sollte. Wir kamen dann leider nie zum Ende, aber aus heutiger Sicht fand ich die Rettung durch den Deus-ex-machina Drachen/NSC irgendwie schon damals etwas fahl.

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  3. Schöne Sache. Klassiker sind immer fein. Auf die Liste müßte (mMn als Haßobjekt) noch so ein Melchers-Stimmungsporno. Auf alle Fälle sollten aber DIE zwei gegensätzlichen Pole an Abenteueranlage der Ausbau-Reihe Erwähnung finden: Schatten über Travias Haus vs. Elfenblut.

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  4. Oh ja, BORBARADS FLUCH gehört definitiv dazu, dann aber auch DURCH DAS TOR DER WELTEN. Zwei Abenteuer, die zeigen, wohin sich DSA auch hätte entwickeln können …

    Eigentlich dürfen auch DAS SCHIFF DER VERLORENEN SEELEN und DIE SIEBEN MAGISCHEN KELCHE nicht fehlen. Zwei Abenteuer, die ich erst ‘letztens’ (bei unserem Spielrhythms: vor etlichen Monaten) für meine Runde geleitet habe – nach DSA1-Regeln, mit eigens dafür ausgewürfelten Charakteren und ausschließlich so, wie sie geschrieben waren. Das war ein herrlicher Spaß! 😀

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  5. Alles sehr interessante Abenteuer, ich seh schon, ich muss noch tiefer in die Trash- Kiste reingreifen. Solos sind auch eine gute Idee, eigentlich auch ein guter Anlass, da mal wieder was durchzuspielen.

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  6. Danke für den geplanten Rezireigen.
    Hier wurden ja schon Vorschläge unterbreitet. Gib dabei aber acht, dass Du wirklich nur die alten Abenteuer nimmst, dh diejenigen, die wirklich den Präfix „Retro“ verdienen. Der sog. „Melcher-Stimmungsporno“ etwa ist mE zu jung.

    Wenn ich auch Vorschläge unterbreiten darf, dann schließe ich mich Greifenklaue an: Die Orkland-Trilogie. (Meine Meinung dazu: Die wird mE erst ab dem letzten Band gut. So ist in jenem Band die erste, investigative Hälfte gut gelungen, während die zweite Hälfte einen Dungeon präsentiert, der dem Anliegen seines Hausherrn mE voll gerecht wird: (Nur) mit Köpfchen kann man – und wird man tatsächlich – überleben. Super Teil!)

    Der Solo-Vorschlag ist auch gut. Allerdings musst Du die Solos dann auch gründlich spielen, was relativ aufwändig ist. 🙂 Auch hier natürlich nur frühe Solos, die Liebliche Yasmina etwa ist deutlich zu jung! Stattdessen Nedime, Borbarads Fluch, Schwarze Sichel, Sümpfe des Lebens, Geheimnis der Zyklopen, Quell des Todes. Auch damals gab es schon qualitative Unterschiede. Dass etwa das Geheimnis der Zyklopen ein besseres Abenteuer ist als Borbarads Fluch, hat nichts mit den Inhalten zu tun. (Heutzutage das Raumschiff in Borbels Fluch zu bemängeln, geht mE klar an der Sache vorbei. Das gehörte damals dazu, und *wir* 12-15 Jährigen. In Golarion (Pathfinder) zB gibt es derlei auch. Wir haben es also nicht mit einer naiven Jugendsünde der Rollo-Frühzeit zu tun, sondern – ganz nüchtern – mit einer Designentscheidung Pro oder Contra.)

    Wenn der Titel Verschwörung von Gareth fällt, denke ich an deb Autor, Reinhold H. Mai. Das ist nämlich mE eine der interessanteren Retro-DSA-Autoren. Er schrieb drei Abenteuer, bevor er in den Anfängen von DSA2 leider den Abgang machte. In dieser Reihenfolge: Verschwörung, Seuche an Bord, Gaukelspiel. Die Herangehensweise an Struktur und Stil ist jeweils gleich und hebt sich von allen anderen Abenteuern der Zeit ab. Ich weiß nicht, ob er es selbst war oder er es unter redaktionellem Druck von Uli tat, aber leider hat er über diesen wirklich schönen Absatz jeweils noch Schienen gelegt, die eigtl nicht nötig gewesen wären. (In diesem Sinne gefällt mir Seuche an Bord auch am besten, weil es tatsächlich am „freiesten“ zu spielen ist.)

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  7. Ich muss ohnehin jetzt erstmal eine Pause einlegen, weil gerade zuviel neues Material reinkommt, da muss ich gucken, was da wie reinpasst.
    Ich nehme mir da als Klassiker- Definition eh kein besonderes Merkmal raus, zeitlich würde ich aber in der Tat „Staub und Sterne“ als Grenze zum „modernen“ Aventurien sehen, weil da der wichtigste Handlungsplot seinen Anfang nimmt, der seitdem alles andere klar dominiert.
    Allerdings krieg ich im Moment gerade richtig Bock auf die sogenannten Melcher- „Stimmungspornos“, weil ich die Dinger richtig klasse finde und gerade „Stromaufwärts“ und „Die Tage des Namenlosen“ zu meinen Lieblingen gehören.

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  8. Seh ich ja grad erst:

    „Wenn der Titel Verschwörung von Gareth fällt, denke ich an deb Autor, Reinhold H. Mai. Das ist nämlich mE eine der interessanteren Retro-DSA-Autoren. Er schrieb drei Abenteuer, bevor er in den Anfängen von DSA2 leider den Abgang machte. In dieser Reihenfolge: Verschwörung, Seuche an Bord, Gaukelspiel. Die Herangehensweise an Struktur und Stil ist jeweils gleich und hebt sich von allen anderen Abenteuern der Zeit ab. Ich weiß nicht, ob er es selbst war oder er es unter redaktionellem Druck von Uli tat…“

    Hust. Wer erlöst Rillenmanni da raus?

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  9. (Hoffen wir mal, dass Tagschatten das hier noch liest. Ich zumindest habe seine Antworten erst heute gesehen.)

    Tagi, worauf ganz genau bezieht sich Deine Frage? Woraus soll ich erlöst werden? Ich kann ja derzeit nur raten, daher antworte ich mal ins Blaue hinein: Mein Kontext hier in der Diskussion sind DSA-Abenteuer. Wenn ich also „alle anderen Abenteuer der Zeit“ schreibe, meine ich damit natürlich nur DSA-Abenteuer. Die kenne ich wiederum ganz gut, daher müsste man mir erst einmal darlegen, dass andere DSA-Abenteuer eine ebensolche Anlage haben wie die aus Reinholds Feder. Spätestens als Leser Deiner Rezis wiederum weiß ich aber natürlich, dass meine Aussage nur DSA-Gültigkeit haben kann.

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