Rezension: Söldner, Skalden, Steppenelfen

Vorbemerkung: Blickt man in sein DSA- Regal, wird es ziemlich bunt, tummelt sich doch dort mittlerweile ein ausgesprochen Tsa- gefälliges Farbgemisch. Neu für mich ist dabei die lilafarbene Reihe mit den Meisterpersonenbänden, die ich bisher nicht auf dem Schirm hatte. Mit „Söldner, Skalden, Steppenelfen“ möchte ich nun auch diese Lücke schließen und etwas genauer unter die Lupe nehmen, was Ulisses den Spielern als Angebot zur Ausstaffierung von Abenteuern an NSCs vorsetzt.

In Zahlen:
– Meisterpersonen Aventuriens (3. Band)
– 206 Seiten
– Erschienen am 16.10.2014

I. Inhalt und Aufbau
Insgesamt bietet der Band die Vorstellung von stattlichen 64 unterschiedlichen Meisterpersonen. Der Aufbau eines jeden Beitrages ist dabei identisch gestaltet: Zunächst wird in einem In- Game- Text eine typische Szene aus dem Leben eines Vertreters vorgestellt, damit man eine klarere Vorstellung von dieser Figurenklasse entwickeln kann. Darauf folgt ein umfangreicher Wertekasten. Für Begegnungen mit den Spielerhelden oder anderen NSCs wird zudem grob das Konfliktverhalten umrissen. Eine Namensliste soll dabei helfen, eigene Figuren zu gestalten. Sollte dieser NSC zudem von den Helden für eine Dienstleistung in Anspruch genommen werden, gibt es zur Orientierung eine kurze Liste mit denkbaren Diensten. Für den Spielleiter besonders wichtig sind die darauf folgenden Hinweise zur Darstellung dieser Figurenklasse. Zuletzt folgen jeweils zwei Abenteuervorschläge, in denen konkrete Figuren im Rahmen eines Szenarios vorgestellt werden, in dem die Helden als Feinde oder Verbündete mit der Figur in Kontakt treten können. Zu jeder Figur ist zudem ein Infokasten beigefügt, der Wissenswertes vorstellt, was zu dieser Meisterperson passt.

Natürlich ist bei einem Band mit diesem Grundmuster Vielfalt ein primäres Ziel, trotzdem gibt es natürlich in der Struktur thematische Gemeinsamkeiten: Alle hier vorgestellten Personen sind im Norden Aventurien anzutreffen. Dies schlägt sich einerseits in den unterschiedlichen Rassen sichtbar nieder, die schwerpunktmäßig im Norden liegen: So sind natürlich auffällig viele orkische und elfische Charaktere vorhanden. Bei den Menschen sind dagegen auch viele „bodenständige“ Figuren im Fokus, wie der Deichbauer, die Schankmagd oder der Zimmermann. Ebenso findet man eindeutig regional verankerte Charaktere, z.B. mit den Schwerpunkten Thorwal und Bornland. Ebenso erhalten natürlich auch die Schwarzen Lande ihre Berücksichtigung mit Figuren wie dem Dämonenprediger, der Nekromantin und dem Dunklen Ritter. Im Anhang finden sich als Hilfestellung zur Charakterausgestaltung noch Listen von Eigenschaften, äußerlichen Merkmalen, Namen und Seelentieren.

Von der Aufmachung her präsentiert sich „Söldner, Skalden, Steppenelfen“ ausgesprochen hochwertig, kommt der gesamte Band doch vollfarbig daher. Zu jeder einzelnen präsentierten Meisterfigur gibt es eine passende Illustration, die den Charakter anschaulicher werden lässt. Natürlich hat eine derartige Aufmachung auch einen entsprechenden Preis mit 34,95 Euro.

II. Kritik
Das Spektrum der Meisterfiguren in „Söldner, Skalden, Steppenelfen“ ist in der Tat ausgesprochen breit gefächert, letztlich ist von allem etwas dabei: vom Adeligen über die Bürgerlichen bis hin zu den Leibeigenen, vom edlen und selbstlosen Götterdiener bis zum finstersten Nekromanten, vom gnadenlosen Kämpfer bis zum einfachen und wehrlosen Bauern, als Rassen die Menschen, Orks, Elfen und Zwerge und Exoten wie die Grolme. Sprich: Hier finden sich im Prinzip Figuren für alle möglichen denkbaren Szenarien, in den Extremen vom Himmelsfahrtkommando in die Schattenlande bis hin zum harmlosen Besuch eines bornischen Volksfestes.

Gerade diese Palette sehe ich als eine große Stärke des Bandes an. Die hinführenden Geschichten sind im Regelfall natürlich maximal ein Blitzlicht aus dem Leben des Beispielcharakters, sorgen aber zumeist dafür, dass man einen guten Eindruck von dem Potential der jeweiligen Figur erhält. So wirken sogar die Charaktere interessant, die gerade nicht im klassischen Sinne heldenhaft konzipiert sind, wie z.B. der Deichbauer oder der Landwehr- Soldat. Gerade solche NSCs erhalten hier ein Gesicht und ein tiefergehendes Profil, nachdem sie in vielen regulären Abenteuerbänden oft als klare Nebenfiguren in ein paar Zeilen oder sogar lediglich im Rahmen einer Zufallstabelle vorgestellt werden, hier aber nun gleichberechtigt abgehandelt werden neben mächtigeren Figuren wie z.B. den Bewohnern der Schattenlande wie dem Dunklen Ritter oder der Nekromantin, die ja als klare Antagonisten gedacht sind und als solche im Regelfall mehr Aufmerksamkeit und somit auch Ausgestaltungsraum erhalten.

Die Darstellungstipps können sich natürlich nur auf das Nötigste beschränken, sind aber durchaus dazu geeignet, eine ordentliche Basis zu ermöglichen, um Motive, Handlungsmöglichkeiten und Eigenschaften zu ermitteln. Grundsätzlich kann man neben dem konkreten Beispielcharakter aus der Hintergrundgeschichte auch eigene Figuren erstellen, die an eine eigene Story angepasst sind.

Bei einer solchen Fülle an Einzelcharakteren bleibt es natürlich nicht aus, dass nicht immer jeder Geschmack getroffen wird: So gefällt mir z.B. die Hintergrundgeschichte der Nachtalbin hervorragend, weil sie die Kälte und Gnadenlosigkeit dieser Eiselfe besonders treffend unterstreicht, während mir der offensichtlich als Karikatur angelegte Engasaler Pikenier viel zu bemüht und klischeehaft angelegt ist.

Auch wenn der Band kein durchgehendes Bindeglied und nur eine grobe regionale Orientierung hat, gelingt es weitgehend gut, die entsprechende Atmosphäre der Settings zu treffen, in denen man die einzelnen Figuren antrifft, was z.B. den harten Alltag der Orks im steten Konkurrenzkampf betrifft wie auch die harten geografischen Bedingungen, mit denen Firungeweihter, Nachtalbin oder Nivesenjäger tagtäglich kämpfen müssen oder auch die von starken feudalen Einflüssen geprägte Lebenswelt der bornischen Figuren.

Als nette Ergänzung empfinde ich vielfach die knappen Anregungen für Einführungsszenarien. Diese sind natürlich immer nur in knappen Zeilen umrissen, regen bei mir aber die Fantasie sehr an, weil da einige schöne Ideen dahinterstecken, die ich mir gut als eigenes Abenteuer vorstellen könnte. Mit der Charakterbeschreibung als Basis hat man ja ohnehin eine zentrales Element (in dem Fall den Antagonisten/Auftraggeber/Schutzbefohlenen etc.) schon relativ lebhaft vor Augen.

Natürlich stellt sich bei einem solchen Band immer auch die Frage, ob man ihn wirklich benötigt oder ob er letztlich eher schönes Beiwerk in der allgemeinen Publikationswut des Ulisses- Verlag darstellt. Die Frage lässt sich nur schwer beantworten, letztlich hängt das auch davon ab, wie viel Zeit und Kreativität man selbst in die Figurenentwicklung investieren möchte und inwieweit man z.B. bei Kaufpublikationen die dort vorgestellten NSCs noch um weitere Figuren ergänzen will. Seinen Sinn erfüllt der Band aber in jedem Fall, wer Interesse an Anregungen zur NSC- Entwicklung hat oder einfach nur einen Spielabend um einige spannende Nebenfiguren anreichern möchte, kann hier wenig falsch machen.

III. Fazit
„Söldner, Skalden, Steppenelfen“ bietet eine Fülle von sorgfältig ausgearbeiteten Meisterfiguren, die eine ausgesprochen breite Palette an Figuren für alle möglichen Arten von Abenteuern vorstellt. Als zusätzliches Werkzeug für den Spielleiter beinhaltet der Band massenhaft Anregungen, entweder zur direkten Übernahme eines Beispielcharakters oder eben zur Ausgestaltung eigener Figuren.

Bewertung: 5 von 6 Punkten
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