Von Splittern und Scherben

Beobachtet man aktuell die entsprechenden Diskussionen im Netz, dann hat man das Gefühl, dass das momentane DSA- Großprojekt, die „Splitterdämmerung“ ziemlich in Scherben liegt. Grund dafür ist die jüngst erfolgte Ankündigung, dass der geplante Teil zum Agrimoth- Splitter mit dem Titel „Der Träumeschmied“ zumindest nicht in der geplanten Form erscheinen wird.

Ausschlaggebend ist offenbar ein erhebliches Terminproblem, dadurch ausgelöst, dass Autor Martin John nicht in dem geplanten Zeitfenster abliefern können wird. Eine Weitergabe an einen anderen Autor hält Ulisses für keinen gangbaren Weg, müsse sich ein anderer Schreiber doch erst zeitintensiv in das Thema und die Notizen des Vorgängers einarbeiten und mit heißer Nadel stricken. Ebenso ist ein Aufschub keine Lösung, widerstrebt dies doch dem Ziel, die Splitterdämmerung komplett unter DSA4 abzuhandeln, also bevor ab Mai die 5. Edition an den Start geht.

Alternativ ist geplant, das Schicksal des Splitters auf anderen Kanälen zu thematisieren (z.B. dem Aventurischen Boten) und die Handlung um Leonardo den Mechanikus später eben in einem „splitterfreien“ Abenteuer zu publizieren.

Kritik reibt sich nun an der Frage, inwieweit dies ein kundenfreundliches Verhalten ist, nachdem der Band schon länger angekündigt worden ist und eben nicht irgendein Abenteuer darstellt, sondern Bestandteil des Zyklus ist, der momentan den wichtigsten Teil des aventurischen Metaplots weiterführt. Dem wird entgegengehalten, dass es niemand im Interesse haben könnte, wenn der Band auf die Schnelle zusammengekloppt wird und dadurch Mängel aufweist, zudem sei es dem bisherigen Autor gegenüber nicht fair, ihm einfach den Band wegzunehmen.

Ich sehe das etwas zwiespältig: Sicherlich ist es verdammt unglücklich, wenn ein derart wichtiges Abenteuer doch etwas abrupt und unerwartet nicht erscheint, vor allem, wenn es schon lange als Teil eines Zyklus angekündigt wurde.

Allerdings gehe ich davon aus, dass ein Verlag, der natürlich ein kommerzielles Interesse verfolgen muss, alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten abgeklopft hat, den Band regulär erscheinen zu lassen, will man keinen Verdienstausfall in Kauf nehmen. Die angegebenen Gründe kann ich da nachvollziehen. Gerade in Bereichen, in denen viele Leute sehr viel Herzblut in ihr Hobby stecken, steckt viel Knowhow bei den Spielern. Insofern fallen Fehler (sei es im Hintergrund, in der Präsentation oder sehr gerne auch in den Wertekästen) extrem schnell auf und werden dann wortreich diskutiert. Die Gefahr bei einer fixen Übergabe ist da natürlich sehr groß, dass das Endprodukt Unstimmigkeiten aufweist, wenn es zu einen Zeitpunkt auf den Markt kommt, an dem es noch Bearbeitungszeit benötigt hätte. Und auch persönlich fände ich einen Band ziemlich ärgerlich, dem man anmerkt, dass er nicht ausgereift ist.

Sehr enttäuscht wäre ich vor allem dann gewesen, wenn der Band gar nicht erscheinen würde, dazu finde ich das Schicksal von Leonardo, für mich eine der wichtigsten Figuren der DSA- Historie, viel zu bedeutend, als dass es in Boten- Artikeln und -szenarien abgehandelt werden sollte.

Eher unproblematisch sehe ich die Tatsache, dass damit nur noch 5 von 7 Splittern in Abenteuerform verarbeitet werden. Ich bin bisher von den Abenteuern der Splitterdämmerung durchaus angetan, allerdings definitiv nicht wegen der Splitter. Unterm Strich sehe ich diesen Aspekt bislang fast durchgehend eher als Schwachpunkt der Bände, das thematische Bindeglied, also die Splitter selbst, finde ich bisher vergleichsweise nachrangig eingebracht. Für mich das das bislang eher eine Art von Aufräumaktion unter den namenhaften Erben Borbarads, die jetzt fast ein Jahrzehnt als Schurkenfiguren mitgeprägt haben und langsam einer nach dem anderen ihr (verdientes?) Schicksal erfahren, naturgemäß mit einem hohen Epikfaktor. Auch wenn bisher das Echo auf die Bände stark unterschiedlich war (Bahamuts Ruf, Schleiertanz und Träume von Tod kamen eher positiv weg, Firuns Flüstern und Schleierfall ernteten nicht wenig Kritik), haben mir die Abenteuer viel Spaß bereitet. Von daher sehe ich den temporären Ausfall eines Bandes weniger dramatisch, solange eben nur eine Verschiebung stattfindet, kein kompletter Ausfall.

Zumal Martin John zuletzt mit „Der letzte Tyrann“ ein gutes Abenteuer für Myranor geschrieben hat, das lässt mich darauf hoffen, dass mit der entsprechenden Zeit eine gute Lösung dabei herauskommt. Vielleicht gibt es ja bei einem späteren Erscheinen auch noch die Möglichkeit, eine Art „Beipackzettel“ zu entwickeln, in dem man skizziert, wie man den Band nachträglich in den Zyklus einbinden kann (wohlgemeint nicht vor dem Erscheinen des Bandes und auch nur als Option). Da es ja eh nur eine lose Klammer zwischen den Bänden gibt, ist eine klare Reihenfolge ja ohnehin nicht notwendig. Nimmt man den Umfang alle Teil der Splitterdämmerung – zumal ja noch drei Abenteuer folgen – dürften viele Gruppen sowieso noch sehr lange beschäftigt sein, bis man an einem irgendwie gearteten Endpunkt angelangt ist. Für viele Spieler dürfte es dann vielleicht doch noch die Möglichkeit geben, den Band bei ihrem Durchspielen zu integrieren.

In der Zwischenzeit freue ich mich erstmal auf „Seelenernte“, den nächsten Band. Der ist nämlich von Stefan Unteregger, der zuletzt mit seiner Arbeit an der „Quanionsqueste“ wirklich brilliert hat, da bin ich mir fast sicher, dass das auch ein Abenteuer wird, das höheren Qualitätsansprüchen standhält.
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