Tatzelwürmer und Taranteln – Tiere im Rollenspiel

Schlicht und einfach „Tiere im Rollenspiel“ lautet der Titel des letzten Karnevals der Rollenspielblogs im Jahr 2014. Für mich bietet das den Anlass, einmal Gedanken darüber anzustellen, welche unterschiedlichen Arten von Tieren in einer Rollenspielwelt verwendet werden und welche Funktion sie einnehmen. Grundsätzlich würde ich dabei zwischen drei unterschiedliche Erscheinungsformen klassifizieren. Als Referenz für das eine oder andere Beispiel nehme ich dabei wie üblich Bezug zum DSA- Kosmos

1. Gewöhnliche Tiere in bekannter Erscheinungsform

Das Pferd oder Pony als Reittier, der Hund als treuer Begleiter des Jägers, der Ochse, die Ziege oder das Schaf als die traditionelle Lebensgrundlage des Bauern, in mancherlei Hinsicht unterscheidet sich (eine eher bodenständige) Rollenspielwelt nicht unbedingt stark von der irdischen Realität. Naturgemäß werden solch bekannte und allgegenwärtige Konzepte für den weniger exotischen Bereich eines Settings gerne übernommen, fügen sie sich doch trotzdem gut ein und schließen an Vorstellungen an, die den Lesern und Spielern gegenwärtig sind.

In vielerlei Hinsicht bedeutet dies ja nicht, dass nicht auch ein gewöhnliches Tier plotrelevant sein kann, sei es eben als langjähriger Begleiter eines Helden (natürlich auch mit eigenen Werten ausgestattet, wohlmöglich auch mit eigener Ausrüstung) oder als Gegner, wenn sich die Höhle eines ausgewachsenen Bären als eher ungünstiger Schlafplatz entpuppt, sich aber nach der Tötung der vermeintlichen Bestie herausstellt, dass besagtes Tier im Mittelpunkt der Verehrung einer dörflichen Gemeinschaft steht.

Dabei muss sich nicht unbedingt auf heute noch existierende Tiere beschränkt werden, auch bereits ausgestorbene Spezies können – oft aufgrund ihrer Ausmaße – ihren Weg in eine solche Welt finden, in Aventurien sind es z.B. der Säbelzahntiger als besonders gefährlicher Gegner oder die Hornechse, die ihre Verwandtschaft mit dem irdischen Triceratops nicht leugnen kann. Somit bietet der Griff in die Fiktion quasi auch die Möglichkeit einer „Wiederauferstehung“.

2. Die gängige Fantasy- Fauna

Das Genre hat seine Wurzeln in jahrtausendalten Sagen, in denen viele unnatürliche Wesenheiten kreiert wurden, die sich bis heute als gängige Bewohner einer Fantasy- Welt gehalten haben. So ist der Drache auch heute noch als mächtiger Gegner ein fester Bestandteil vieler Spielwelten, genauso wie das Einhorn von einer geheimnisvoll-melancholischen Aura geprägt ist.

Ebenfalls häufig wird auf das Konzept zurückgegriffen, Tiere zwar in ihrer normalen Erscheinungsform zu belassen, sie allerdings mit Fähigkeiten auszustatten, die sie zum Teil fast menschlich wirken lassen, z.B. die Vertrautentiere von Hexen, die eine besondere Bindung zu ihrer Bezugsperson aufgebaut haben und quasi untrennbar mit ihr verbunden sind. Vorbild ist dabei wieder die irdische Vorstellung, die Hexen nicht selten z.B. Katzen oder Eulen als ständige Begleiter zuweist.

3. Setting- eigene Tiere

Schwierig wird es dann, wenn es gilt, eigene Tiere für ein Setting zu entwickeln, muss man doch mit seiner Kreativität über Millionen von Tierarten hinausgehen, die bereits bekannt sind. Somit lassen sich bei vielen Tieren, die für eine spezielle Hintergrundwelt geschaffen wurden, ebenfalls klar Anlehnungskonzepte erkennen. So liegt dem aventurischen Tatzelwurm selbstverständlich der Drache als Vorlage zugrunde, der hier aber um seinen bestialischen Gestank erweitert wurde, genauso wie bei vielen anderen Echsenwesen. Manche Tiere erhalten zudem einfach Setting- typische Namen, dahinter steht aber oft ein Tier nach einem klaren irdischen Vorbild, so ist die Khoramsbestie im Prinzip nichts anderes als ein Wildhund.

Eine spezielle Idee ist dabei auch die Einführung sogenannter Tierkönige, wobei es sich eben um das erste Exemplar einer jeden Rasse handelt, was mit dem Merkmal der Unsterblichkeit und meist noch anderen mächtigen Fähigkeiten verbunden ist.

Ebenso sind gigantische Varianten von bekannten Tieren denkbar, meist mit der Dreingabe „Riesen-“ verbunden, wie z.B. die Riesenschildkröte oder der Riesenskorpion, die so konzipiert sind, dass sie beeindruckend wirken, sei es als Ansprechpartner oder als totbringende Gegner.

Natürlich lässt sich immer wieder auch die eine oder andere Kuriosität beobachten, ein sehr schönes Beispiel stellt dabei für DSA der unlängst kreierte Amöbendelphin dar, wobei man unterschiedliche Lebensformen miteinander kombiniert hat, um ein möglichst exotisches Ergebnis zu erhalten.

Verwendung im Rollenspiel

Auch wenn im typischen Plot im Regelfall die menschlichen oder menschen-ähnlichen NSCs die zentraleren Elemente sind, so sind Tiere im Rollenspiel unverzichtbar und haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten: Wie schon angesprochen könne sie als treue Begleiter fungieren, die oft auch vom Spieler selbst geführt werden und dabei wichtige Aufgaben erhalten können, wenn z.B. die Eule der Hexe als Aufklärer unterwegs ist oder der Wachhund den anschleichenden Feind wittert.

Als Gegner können Tiere natürlich einerseits in einer gewissen Masse zwischen 1W6- 1W20 auftreten und durch ihre Vielzahl eine Bedrohung im Bereich zwischen „lästig“ bis „tödlich“ darstellen. Besondere Exemplare können dazu eine ganz spezielle Herausforderung verkörpern, wie das Vordringen in die Höhle eines Riesenlindwurms, den ein einzelner Held alleine kaum bezwingen kann.

So oder so dienen Tiere als Teil des Hintergrundes als ein belebendes Element, wenn sie z.B. die Besonderheit eines bestimmten geografischen Gebiets unterstreichen sollen, wenn man sich im hohen Norden dem Angriff einiger Rauhwölfe erwehren muss, während man die Khom auf dem Rücken eines Kamels durchquert.

Die Jagd als Konfrontation zwischen Mensch (oder anderen humanoiden Spezies) und Tier stellt zudem eine der ältesten Grundlagen für Heldentaten dar und genießt einen wichtigen Stellenwert im Rollenspiel, ist sie doch abseits der großen Städte eine notwendige Lebensgrundlage, kann aber durchaus auch im Mittelpunkt eines Abenteuers stehen, wenn z.B. ein besonders seltenes Tier eingefangen werden soll.

So oder so sind dem Einsatz von Tieren im Rollenspiel nur wenig Grenzen gesetzt, sind sie doch ein unverzichtbarer Bestandteil, so kommt kein einziger DSA- Band ohne Tiere aus, sei es als bloße Zufallsbegegnung oder eben als zentrales Plotelement, gibt es doch sogar Abenteuer, die schon in ihrem Titel verraten, dass ein Tier im Mittelpunkt steht, z.B. „Der Zorn des Bären“, „Der Basiliskenkönig“ oder „Der Wolf von Winhall“.
Advertisements
Tatzelwürmer und Taranteln – Tiere im Rollenspiel

Ein Gedanke zu “Tatzelwürmer und Taranteln – Tiere im Rollenspiel

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s