Rezension: Phex- Vademecum

Vorbemerkung: Tatsächlich waren die letzten Wochen ziemlich DSA- intensiv, sind doch zum Jahresende noch einige neue Bände erschienen mit „Schloss Strobanoff“, „Der letzte Tyrann“ und der seitenstarken „Historia Aventurica“. Jetzt aber bin ich bei der letzten Neuerscheinung des Jahres angelangt. Und passenderweise ist es ein Bändchen, auf das ich mich wirklich sehr gefreut habe, erhält doch mit dem „Phex- Vademecum“ mein aventurischer Lieblingsgott sein Brevier.

In Zahlen:
– Vademecum- Reihe
– 157 Seiten
– Erschienen am 11.12. 2014

I. Aufbau und Inhalt
Als Aufhänger bzw. Hintergrundgeschichte wird die Idee verwendet, dass es sich bei dem Vademecum um die gesammelten Hinweise eines Phexgeweihten an seinen Schüler handelt, der sich nun mithilfe des Breviers eigenständig entwickeln soll, ohne seinen Meister permanent an der Seite zu haben. Stilistisch ist dies damit verbunden, dass der Leser häufig direkt angesprochen wird. Vielfach wird aber auch auf kursiv gedrückte Quellentexte zurückgegriffen, die dann oft von dem unbekannten Verfasser kommentiert werden.

Wie die anderen Bände der Reihe beginnt auch dieses Vademecum mit einer Reihe von Gebeten, die hier aufgrund des Charakters des Gottes der Diebe und Händler oft einen sehr profiorientierten Charakter haben. Deutlich praktischer orientiert sind in der Folge die Liturgien, die häufig die Intention haben, ihren Urheber aus einer Bredouille zu befreien oder die hilfreich bei der Entschlüsselung von Geheimnissen oder den Untiefen der Buchführung sein können.

Die Gottesdienste und Rituale unterstreichen in der Summe vor allem den meist verborgenen Charakter von Kulthandlungen, ist die Verehrung des Fuchsgottes doch oft etwas, was hinter verschlossenen Türen stattfindet und von einem kleinen Kreis der Eingeweihten ausgeübt wird, wobei sich auch Kuriositäten finden, so kann unter Umständen auch ein Einbruch als rituelle Handlung angesehen werden.

Als zu Phex gehörige Halbgötter werden Nandus, Aves und Mada genannt (was nebenbei im Zusammenhang mit den Aussagen aus der Historia Aventurica verglichen ziemlich interessant wirkt). Bei Nandus erfolgt zudem noch ein Exkurs, wie mit der Bannung von dessen Sohn Borbarad umzugehen ist und wie diese aus Sicht der Phexkirche zu bewerten ist.

Bei einer Gottheit, die materielle Besitztümer zu schätzen weiß, spielen natürlich auch geheiligte Artefakte eine Rolle, zu nennen sind dabei z.B. der Mondsilberschlüssel, der jede Tür öffnen kann oder auch die legendären Waffen des Phex, sein Wurfstern und die Axt Sternenschweif. Calamans Hand (oder auch die Firnglänzenden Finger genannt) ging sogar in die jüngere Geschichte ein, da sie das Merkmal eines der Gezeichneten wurde, was auch zeigt, dass Phex eine Gottheit ist, deren Wirken häufig sehr unmittelbar spürbar ist.

Der Aufbau der Phexkirche wird in seiner Doppelbödigkeit beschreiben, gibt es doch schließlich durchaus eine offizielle Kirche, die von Priestern geleitet wird und als Anlaufstelle für alle Gläubigen dient. Ein wesentlicher Bestandteil der Kirche ist aber genauso die Arbeit im Verborgenen, weshalb viele Priester ihre Identität verbergen und inoffiziell agieren. Überraschenderweise geht diese Geheimhaltung so weit, dass manche Novizen lange gar nicht erfahren, wozu sie eigentlich genau ausgebildet werden. Passend dazu wird die Eigenheit der Phextempel angeführt, dass auch diese oft keinen offiziellen Charakter haben, sondern man einige Mühen auf sich nehmen muss, um diese zu finden, um dort seinen Geschäften nachgehen zu können.

Bei den Prinzipien des Glaubens betont das Vademecum vor allem die Menschenfreundlichkeit des listigen Gottes, wobei seine Anhänger darauf achten sollen, nicht Macht und Stärke als Gewaltmittel zu missbrauchen.

Auch zu regionalen Ausprägungen findet sich ein Kapitel, welches die Unterschiede zwischen den Eigenheiten im Mittelreich, im Horasreich, genauso wie im hohen Norden als auch im tiefen Süden beschreibt. Dabei wird deutlich, dass der Phex- Glaube, anders als einige andere Glaubensgemeinschaften weniger klare regionale Schwerpunkte hat, wo er eine Art „Hauptgott“ ist (wie Firun im Norden oder Boron in Al`Anfa oder Efferd generell in Küstenstädten), sondern er überall über Anhänger verfügt, die aber oft andere Bedürfnisse oder Gegebenheiten aufweisen. Natürlich ist dies vielfach mit dem Charakter einer oft im Verborgenen arbeitenden Kirche erklärbar, genauso existieren nur wenig echte Orden, sondern andere Konstrukte, die sehr Phex- nah orientiert sind, weil sie dessen Glaubensgrundsätze verkörpern, wie z.B. die Mada Basari als eine Art Händlerorden und die Nachrichtenagentur Nandurion, die den Handel mit Informationen zum Leitmotiv ausgerufen hat.

Neben diesen Texten, die aus der Perspektive von aventurischen Figuren verfasst sind, existiert noch ein umfangreiches Kapitel zur Darstellung eines Phexgeweihten aus Spielersicht. Dabei werden mögliche Spielarten vorgestellt, die vor allem berücksichtigen, wie man mit der Identität seines Charakters unter seinen Mitspielern umgehen will, vor allem, ob man diesen preisgeben möchte, dass sein Charakter Phex geweiht ist. Hier werden Vor- und Nachteile unterschiedlicher Herangehensweisen beschrieben, was zudem an einigen Beispielen verdeutlicht wird. Zum Schluss folgen noch einige Liturgien mit regeltechnischer Beschreibung.

Da Phex Rätsel zu schätzen weiß, finden sich zudem im gesamten Band immer wieder diverse Rätselpassagen, die ihre Inhalte nur demjenigen offenbaren, der die richtige Methode zur Entschlüsselung finden kann.

II. Kritik
Phex als Gottheit mit seiner einerseits düsteren Anlage als Gott der Diebe, der aber auch immer für eine augenzwinkernde Komponente steht und Lösungen präferiert, die mehr auf den Verstand als auf Gewalt setzen, fand ich schon immer interessant. Und in der Hinsicht halte ich das Vademecum auch für absolut gelungen. Vor allem durch seine Konstruktion als letzte Weisungen eines Mentors an seinen fast ausgelernten Schüler transportiert es genau diese Atmosphäre und diese Leitsätze des listigen Gottes. Der rote Faden sorgt auch dafür, dass beim Lesen ein Gefühl der Authentizität entsteht und man somit wirklich ein wenig in die Schülerrolle schlüpft und sich vom Meister informieren lässt.

Vor allem der Charakter einer Gemeinschaft, die nur einen kleinen Teil ihrer Tätigkeiten im Licht der Öffentlichkeit vornimmt, wird treffend betont. Somit sind es zum Teil ja wirklich Geheimnisse, die hier vermittelt werden, allerdings verbleibt auch dabei oft im Bereich der Andeutungen. Wichtig ist auch, dass dies in den Hinweisen zum Spielen eines Phexgeweihten auch auf die Spielerperspektive erweitert wird und auch der Frage nachgegangen wird, inwieweit es sinnvoll ist, die Heimlichkeit auch auf die Gruppenebene zu übertragen und welche Vor- und Nachteile dies mit sich bringen kann. Dabei wird eben sowohl die Perspektive im Spiel selbst unter den Charakteren berücksichtigt als auch unter den Spielern. In diesem Zusammenhang wäre es meiner Meinung nach allerdings auch sehr interessant gewesen, einige Gedanken darüber anzustellen, wie denn ein Phexgeweihter gegebenenfalls mit einer Entdeckung seiner wahren Identität durch seine Mitstreiter umgehen sollte oder wie eine mögliche Offenbarung gestaltet werden könnte.

Die Rätselaufgaben fügen sich grundsätzlich passend ein, da Geheimniskrämerei eine wichtige Facette dieser Gottheit ist, wobei es sich hier wohl auch um eine Geschmackssache handelt, ich persönlich habe an solchen Knobeleien weniger Spaß und finde es teilweise etwas störend, dass einige Rätsel den Fließtext betreffen und so meinen Lesefluss unterbrechen.

Als vollkommen richtig sehe ich auch den Umstand an, dass der Händlerperspektive ebenfalls viel Platz eingeräumt wird, die auf den ersten Blick natürlich weniger spektakulär erscheint als die eines Diebes. Somit erhält auch der „alltäglichere“ Typus den notwendigen Raum zur Gestaltung, der einer Heldengruppe als Verhandlungspartner gegenübersteht oder auch selbst Teil der Gruppe ist.

Interessant ist der Blick auf Phex selbst, bei dem beide Facetten betont werden: So fördert der Gott das listige Vorgehen und belohnt damit durchaus auch Aktionen, die einem praiosgefälligen Kodex mit Sicherheit offenbar konträr gegenüberstehen, trotzdem wird aber auch ein vorhandener Ehrbegriff unterstrichen, im Endeffekt steht Phex für Menschenfreundlichkeit und trotz einer gewissen Profitorientierung wird dies auch als Leitlinie für die Geweihtenschaft vorgegeben. Interessanterweise deckt sich diese sich diese Beschreibung meinem Verständnis nach nicht unbedingt mit den Passagen in der ebenfalls fast zeitgleich erschienenen Historia Aventurica, die ein deutlich berechnenderes Bild entwirft. Hier folgt das Vademecum eher der traditionellen Lesart, die ich auch deutlich bevorzuge, macht dies Phex doch besonders interessant, wenn der Grauschleier, der den Diebesgott umgibt, eine positive Färbung erhält und im Gegensatz zu manch strenger Gottheit (z.B. Rondra, Firun, Boron oder Praios) das Abenteuer des Lebens in Aventurien mit einer gehörigen Portion Verschmitztheit angegangen wird und die angestrebten Lösungswege eine elegante Komponente aufweisen sollen.

III. Fazit
Insgesamt stellt das Phex- Vademecum eine gelungene und interessante Beschreibung vom Wesen des Glaubens selbst und andererseits der Ausgestaltung der Geweihtenschaft dar, wobei vor allem der Umgang mit der Heimlichkeit hilfreich erläutert wird.

Bewertung: 5 von 6 Punkten
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