Wie war 2014?

Wieder einmal neigt ein Jahr seinem Ende zu, vor allem eines, das es in Sachen DSA in sich hatte. 2014 stand sicherlich primär unter dem Vorzeichen des Betatests von DSA5, der tatsächlich dafür gesorgt hat, dass so rege wie selten zuvor diskutiert wurde und der Blick in die einschlägigen Foren binnen weniger Stunden seitenweise neue Einträge zutage fördern konnte. Aber das war natürlich längst nicht alles, mit einer Rate von 1-2 Publikationen monatlich gab es natürlich noch viele andere neue Bände, wobei vor allem die Splitterdämmerung (endlich wieder) stark erweitert wurde. Berücksichtig werden dabei natürlich nur Veröffentlichungen, die ich kenne und im Regelfall auch rezensiert habe, von daher fehlen z.B. die „Myranische Magie“, das aventurische Kochbuch oder im Computerspiel- Bereich die „Skilltree Saga“.

DSA5 als dominanter Faktor

Den Jahreshöhepunkt erlebte DSA dieses Mal wohl schon im Mai, als die Redaktion die (mehr oder weniger) geneigte Leserschaft mit ihren Gedanken zur neuen Edition vertraut machte und das Beta- Regelwerk anlässlich der RPC in Köln erschien. Von da ab war die Diskussion im Gange, die bis heute anhält, wobei die unterschiedlichsten Aspekte nach und nach in den Vordergrund rückten, seien es nun Leiteigenschaften, Kampfalternativen oder Schicksalspunkte. Als positiver Nebenaspekt waren aus meiner Sicht vor allem die drei Abenteuer anzusehen, die flankierend herausgegeben wurden. Besonders „Die Spur des Fuchses“ ist ein schönes kleines Abenteuer im Horasreich, wobei die Spieler sich kreativ richtig austoben können, während sie einen Einbruch in eine horasische Villa planen. Aber auch „Die Quelle des Nagrach“ und „Das Tal des Todes“ bieten kleine überschaubare Handlungsbögen, allerdings in einem wesentlich engeren Konzept, das eine klare Ereignislinie vorsieht. Schön war für mich dabei die Tatsache, dass hier drei Abenteuer vorliegen, die weniger episch angelegt sind und schnell spielbar sind, nachdem 2013 zuvor eher von großen Kampagnen geprägt war. Als weiteres Betatestabenteuer wurde als kleine (kostenlose!) Dreingabe später noch „Der Fluch des Drachengrafen“ nachgeliefert. Das Kurzabenteuer zeichnet sich vor allem durch seine Genese aus, wurde es doch von Daniel Simon Richter vor den Augen der Fans verfasst, die ihm zudem Inputwünsche mitgeben durften. Das führt zu unübersehbaren Handlungsbrüchen, was bei einem Abenteuer in diesen Dimensionen und zum Nullpreis allerdings vertretbar ist.

Es darf auch episch sein

Allerdings wurden selbstverständlich auch die Freunde von deutlich epischeren Erzählsträngen bedient, 2014 stand sicherlich auch im Zeichen der verspäteten Fortführung der Splitterdämmerung, nachdem ein Jahr Sendepause herrschte. Nun aber sind gleich drei neue Publikationen erscheinen, die sich vor allem mit dem weiteren Schicksal prominenter Antagonisten auseinandersetzen.

Den sicherlich ungewöhnlichsten Ansatz wählt dabei „Firuns Flüstern“, das die Helden in den hohen Norden führt, um dort das Schicksal Gloranas zu erfüllen. Helden ist hier tatsächlich sehr ambivalent gemeint, spielt man doch gleich zwei Heldengruppen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Neben einer konventionellen Heldenkombo ist auch eine reine Orkgruppe vorgesehen. Für beide Gruppen führt der Weg immer weiter nach Norden, wobei es durchaus die Möglichkeit gibt, die Auswirkung der Handlungen der jeweils anderen Gruppe zu verspüren. Interessant und gelungen ist dabei vor allem die unkonventionelle Reise der Orkgruppe, wobei die Spieler auch mit einer anderen Weltanschauung konfrontiert werden.

„Schleierfall“ setzt da an, wo 2012 „Schleierspiel“ endete und bringt Bewegung in den Metaplot um Aranien, wo oronische Umtriebe nach wie vor vorhanden sind und eine starke Bedrohung darstellen. Leider jedoch knüpft der Band nur rudimentär an die Ereignisse seines rundum gelungenen Vorgängers an und enthält viele kleine Fehler in den einzelnen Episoden, was zu einer äußerst durchwachsenen Bewertung in der DSA- Gemeinde führte.

Deutlich positiver wurde dafür „Träume von Tod“ aufgenommen, was sich mit dem Schicksal der Rabenmark auseinandersetzt und mit Lucardus von Kemeth einen ausgesprochen düsteren und zugleich doch charismatischen Antagonisten aufweist. Eine große Stärke des Bandes ist dabei vor allem die beklemmende Atmosphäre, die bei den Horrorelementen rund um die dämonisch pervertierte Ogermauer beginnt und bei den teilweise abgestumpften Bewohnern der besetzten Gebiete seine Fortführung findet.

Auf in die Hauptstadt!

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Anreicherung der hervorragenden Gareth- Box, die nun ergänzt wurde um zwei Abenteuerbände. Dabei bot eines der spannendsten Unterkapitel direkt den Anlass für eine breitere Ausarbeitung, „Steinerne Schwingen“ greift die Gargylen- Thematik auf und setzt die Helden in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Gruppen dieser Spezies. Hier wird vor allem eine relativ unverbrauchte Thematik verwendet, was das nächtliche Gareth – denn hier spielt naturgemäß ein Großteil des Abenteuers – noch etwas lebendiger werden lässt.

Ganz andere nächtliche Umtriebe stehen dafür im Zentrum von „Namenlose Nacht“. Hier ist der Schauplatz weit enger gefasst, nehmen die Helden doch an einer Orgie teil, die sich fast ausschließlich in einer Therme abspielt. Die Handlung ist dabei größtenteils etwas skurriler als gewohnt und verlangt viel Improvisationstalent ab, will man sich auch ohne schwere Rüstung seiner Haut erwehren. „Namenlose Nacht“ ist mit Sicherheit einer der spaßigsten Titel des Jahres und bietet jede Menge Abwechslung mit vielen Wendungen, die allerdings stellenweise dafür sorgen, dass der Band für meinen Geschmack leicht überfrachtet ist, was allerdings eher den Realismusfaktor stört, nicht aber das pure Spielvernügen.

Abseits des Abenteuers

Auch im Spielhilfenbereich hat sich einiges getan. Allerdings nicht im Bereich der Regionalspielhilfen, da hier natürlich nach dem Erscheinen des DSA5- Regelwerkes neue Bände vorgesehen sind. Mit „Orden und Bündnisse“ ist dafür aber eine weitere Vorstellung aventurischer Organisationen erschienen. Naturgemäß ist es hierbei Geschmackssache und auch eine Frage der eigenen Spielvorlieben, welche Organisationen einen ansprechen und welche nicht. Schön fand ich mit „Söldner, Skalden, Steppenelfen“ den Meisterpersonen- Band, der Figuren aus dem Norden Aventuriens beinhaltet, die hochwertige Aufmachung überzeugt und es sind auch viele interessante Figuren darin enthalten, die man zur Ausschmückung eigener Abenteuer oder zur Erweiterung von Kaufabenteuern verwenden kann.

Anthologien sind in diesem Jahr nicht erschienen, allerdings gab es – genau wie im Vorjahr ein neues Jahrbuch. Das Exemplar zum Jahr 1036 BF beinhaltet wieder drei Abenteuer, in denen am Metaplot weitergearbeitet wird: „Königsspiel“ setzt sich mit einem Mord in Tiefhusen auseinander, was die Spannungen zwischen Orks und Menschen forciert und bei dem den Helden die Aufgabe zufällt, eine Eskalation zu verhindern. „Der Zorn des Satuul“ führt die Helden nach Drol, wo sie schnell in eine Katastrophe rund um die berühmten „Hängenden Gärten“ verwickelt werden. „Lichtsucher“ zuletzt schließt an die Ereignisse der Quanionsqueste an und stellt die unterschiedlichen Strömungen der Praioskirche in den Mittelpunkt. Im Spielhilfe- Teil werden zudem die Metaplot- Ereignisse der letzten Jahre für mehrere Regionen angebunden, vor allem im Svelttal und im Südlichen Horasreich (was beides mit den enthaltenen Abenteuern verbunden ist) und dem hohen Norden, wo die Geschehnisse aus der Kampagne „Erben des Schwarzen Eises“ eingearbeitet werden. Auch dieses Jahrbuch sehe ich – wie seinen Vorgänger – als gelungene Mischung aus Informationen im Regionalteil und spannenden Abenteuern an.

Als das – neben dem Betaregelwerk – wohl umstrittenste Produkt hat sich die Historia Aventurica erwiesen, in der schließlich nicht weniger als die gesamte aventurische Geschichte zusammengefasst werden sollte. Dabei ist weniger der über zwei Drittel des Bandes in Anspruch nehmende Hauptteil mit den datierbaren Ereignissen in die Kritik geraten, sondern die Vorgeschichte, die vor allem das Handeln der Götter thematisiert, die von keiner neutralen Instanz geschildert wird, sondern von der Unsterblichen Chalwen, die oft sichtbar als parteiische und unzuverlässige Erzählerin fungiert und die viele bisherige Grundsätze verwirft.

Myranor

Da der Uhrwerk- Verlag ganz offenbar deutlich weniger Kapazitäten zur Publikation zur Verfügung hat, halten sich hier die Neuerungen in Grenzen. Im Hintergrundbereich ist mit „Myranische Geheimnisse“ ein Sammelband erschienen, in dem viel Hintergrundmaterial zu Personen, Orten und Artefakten beinhaltet ist, allerdings fehlen hier (notgedrungen, da hier eine Plattform für Fanveröffentlichungen gegeben wird) klar erkennbare Verknüpfungen, auch wenn der Band mit dem Briefwechsel zweier Würdenträger eine nette Hintergrundgeschichte hat.

Direkt zum Jahresbeginn wurde mit „Das Sterbende Land“ die Kampagne „Wächter des Imperiums“ mit einem seitenstarken Abschluss vervollständigt. Der Band bietet dabei eine wahrhaft epische Reise durch das Land Xarxaron, vor allem die abschließende Schlacht ist ausgesprochen bombastisch und spannend ausgefallen.

Und zum Jahresabschluss ist auch mit „Der letzte Tyrann“ das einzige Solo- Abenteuer des Jahres veröffentlicht worden, wobei es sich um eine umfangreiche und humorvolle Verarbeitung des Herkules- Mythos handelt und dem Helden die Möglichkeit zu einigen wahrhaften Großtaten bietet, die teils sehr unkonventionelle Lösungswege bieten.

Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle das „Uhrwerk! Magazin“, das regelmäßig kostenfrei kleinere Publikationen zu allen Produktlinien des Uhrwerk- Verlags anbietet und dabei natürlich auch Myranor und Tharun berücksichtigt.

Uthuria

Auch der Südkontinent wurde mit einen weiteren Abenteuer bedacht, allerdings dieses Mal mit einem Einzelband und keiner neuen Regionalkampagne. „Der Schrecken der Schädelbucht“ thematisiert das Schicksal der Kolonie des Horasreichs. Ist der Band für meinen Geschmack insgesamt zu konventionell ausgefallen, so bietet er doch etwas, was bisher fehlte: ein echtes Landungsszenario, bei dem man ein wirkliches Entdeckergefühl entwickeln kann.

Geh mit den Göttern!

Ebenfalls ausgebaut wurde die Vademecum- Reihe, wobei 2014 die Götter Firun, Tsa und Phex ihre Berücksichtigung fanden. Das Tsa- Vademecum sorgte dabei vor allem mit seiner – der Göttin des Lebens und der Vielfalt angemessenen – bunten Covergestaltung für Aufsehen. Inhaltlich findet die Charakterisierung durch einen Außenstehenden statt, was leider dafür sorgt, dass manches unzusammenhängend und wenig konkret wirkt. Firun und seine Geweihtenschaft werden dafür sehr plastisch und atmosphärisch nähergebracht, als einziges Manko sehe ich die Tatsache an, dass kaum Anregungen erfolgen, wie man einen eher eigenbrötlerischen Charakter in eine Heldengruppe integrieren kann. Phex wiederum wird so vorgestellt, wie man sich den Gott der Diebe und Händler vorstellt, alles erhält einen Grauschleier und das gesamte Bändchen ist mit Rätseln versehen (die allerdings manchmal den Lesefluss stören). Besonders authentisch wirkt die Idee, alles wie einen Leitfaden eines Mentors an seinen Schüler zu verfassen, der sich nun alleine in Aventurien zurechtfinden soll.

Auf Datenpfaden

Abseits des Print- Bereichs war auch Daedalic wieder aktiv, nach den beiden gelungenen Ausflügen in das Adventure- Genre führt „Blackguards“ in den Süden des Horas-Reichs (bis in Dschungelregionen) und ist ein rundenbasiertes Taktikspiel, das durch die Steigerungen der Eigenschaften und Kampffähigkeiten allerdings auch einen Rollenspielanteil hat. Abseits des eher unpassenden englischen Titels verbirgt sich dahinter ein gelungenes und abwechslungsreiches Spiel, das allerdings mangels Speicherfunktion in den einzelnen Kampfregionen einen teilweise verdammt hohen Schwierigkeitsgrad hat (zumindest für Gelegenheitsspieler).

Meine Jahreshighlights

Mein absolutes Jahreshighlight ist allerdings bereits schon im Januar erschienen und führt endlich wieder einmal nach Thorwal bzw. weit darüber hinaus. In „Friedlos“ müssen sich die Helden einer Gemeinschaft von Außenseitern anschließen, die sich eigentlich auf eine große Entdeckungsfahrt begeben wollen, die allerdings jäh ausgebremst wird durch die Entdeckung eines rätselhaften Nebels, der aus der ganzen Unternehmung schnell eine wilde Flucht werden lässt. Der Band bietet unheimlich viel Abwechslung in der Gemeinschaft einer ganzen Flotte von Nordmännern, wobei die ständige Verfolgungssituation für eine sehr dichte Atmosphäre sorgt, was durch eine Fülle von interessanten Handlungsepisoden und Charakteren angereichert wird.

Eine Nummer kleiner gestalten sich die Dimensionen der Handlung in „Schloss Strobanoff“, in dem die Helden eine Schatzsuche in einem halbverfallen bornischen Schloss wagen müssen, wobei der Reiz vor allem aus einer enormen Konkurrenzdichte entsteht, sind doch gleich mehrere Gruppen unterschiedlichster Ausprägung und Zusammensetzung ebenfalls auf der Spur der Geheimnisse rund um das Schloss.

Fazit

Die Eingangsfrage kann ich tatsächlich damit beantworten, dass ich 2014 für ein überwiegend gelungenes Jahr halte. Highlights waren für mich dabei vor allem „Friedlos“, „Schloss Strobanoff“, „Träume von Tod“, „Das Sterbende Land“ und „Namenlose Nacht“, die unterschiedliche Facetten (Stadtabenteuer, Dungeon- Crawl, Weiterstricken am Metaplot, regionale Atmosphäre) sehr gut hervorheben. Allerdings fand ich in diesem Jahr durchaus auch wichtig, dass eben nicht nur am Metaplot weitergearbeitet wurde, sondern dass auch Titel herauskamen, die eher übersichtliche Auswirkungen auf das aventurische Geschehen haben. Allerdings darf auch nicht übersehen werden, dass die hohe Publikationszahl manchmal offenbar dafür sorgt, dass auch Titel veröffentlicht werden, die offenbar noch nicht ganz ausgereift waren (z.B. „Schleierfall“). Als sehr schade habe ich empfunden, dass die Historia Aventurica leider nicht den hohen Ansprüchen gewachsen ist, die viele Interessierte an sie gestellt haben. Tharun- Fans haben dieses Jahr leider in die Röhre geschaut, „Wege nach Tharun“ hat leider einen schnelleren Anschluss an den schönen Weltenband von Ende 2013 nicht geschafft und erscheint wohl erst Anfang 2015. Damit wird es immerhin Bestandteil meiner Jahresvorschau auf 2015, die zu Jahresbeginn als nächster Artikel folgen wird.

Bis dahin verbleibt mir nur, allen einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen!
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