Danke Ugurcan Yüce!

Eigentlich sollte hier ein Artikel zum aktuellen Karneval der Rollenspielblogs stehen, in dem ich mich über visuelle Elemente im Rollenspiel äußern wollte, z.B. auch über den Reiz von Covern. Vor allem wollte ich etwas dazu schreiben, dass mich gerade die Cover der alten Abenteuerhefte und Boxen von Schmidt Spiele neugierig auf den Inhalt werden ließen.

Irgendwie ist dieses Vorhaben gerade von der Realität eingeholt worden, muss ich doch heute lesen, dass Ugurcan Yüce, der Mann, dessen Bilder mich als 12jährigen in eine andere Welt entführt haben, leider verstorben ist.

Also will ich an dieser Stelle zunächst einen anderen Ansatz finden, ich denke, einem Künstler kann man vor allem damit Dank sagen, indem man schildert, was dessen Werke in einem bewegt haben. Als kleiner Junge konnte ich Anfang der 90er Jahre nicht viel anfangen mit dem Begriff Rollenspiel, ich kannte nur einfache Brett- und Kartenspiele. Geändert hat sich dies, als unser örtlicher Spieleladen auf einmal in einer Ecke diese merkwürdigen Hefte und Boxen führte. Hineinschauen konnte man nicht, schließlich waren alle Produkte verschweißt.

Aber die Cover ließen mich einfach nicht los, bei den nächsten Besuchen zog es mich immer wieder in diese Ladenecke und nach und nach schaute ich mir alle Cover an und fragte mich, was das wohl für ein Spiel war. Die Bilder versprachen Abenteuer, überall waren muskelbepackte Recken zu sehen, die sich mit fremden Kreaturen wilde Kämpfe lieferten. Schon als kleines Kind hatte meine Mutter mir Tolkiens „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“ vorgelesen und genau hieran fühlte ich mich erinnert, auch wenn mich vor allem die Schnauzbartträger mit den Flügelhelmen eher etwas an Wikinger erinnerten. Auch praktisch hatte ich einige Zweifel an der Sinnhaftigkeit, erschien es mir doch unlogisch, dass man mit so viel nackter Haut in einen Kampf ziehen sollte, wie es die meisten Figuren auf den Covern taten.

Ich wollte schließlich wissen, in was für einer Welt diese Abenteuer stattfinden sollten, wer diese Figuren waren und was das generell für ein Spiel sein sollte. Zusammen mit der Regelbox kaufte ich mir „Das Grabmal von Brig- Lo“: Auch da waren sie wieder, gleich drei Exemplare dieser leichtbekleideten Schnauzbartträger, die offensichtlich sogar dann große Posen vornehmen, wenn sie gerade ihre Mittagspause halten.
Schnell fand ich heraus, dass die Coverbilder oft wenig mit den Inhalten der Bände zu tun hatten, manchmal waren sie – wie bei dem vorliegenden Beispiel – sinnbildlich für die Situation (besagter Band spielt tatsächlich zum Teil in einem Ruinenfeld), manchmal sollten sie wohl einfach nur cool aussehen (wie z.B. der merkwürdige Schlangenmensch mit der Axt auf „Staub und Sterne“).
Über die Jahre hatte ich mich sehr an Yüces Stil gewöhnt und tatsächlich haben sie mein Aventurienbild geprägt, obwohl ich mir merkwürdigerweise immer bewusst gewesen bin, dass die Bilder eigentlich wohl mehr mit „Conan“ zu tun hatten als mit Aventurien. Trotzdem war es komisch, als Yüce langsam aber sicher von anderen Zeichnern abgelöst wurde bzw. seine Cover irgendwann völlig verschwanden. Die neuen Zeichner liegen oft mit Sicherheit näher dran als Yüce, der ja auch sagenumwobene Klöpse wie die menschlichen Oger oder die Affenmenschen produziert hat. Trotzdem habe ich dieses Urtümliche und Naive immer gerne gemocht.
Daher möchte ich Ihnen danken, Herr Yüce, Ihre Cover haben mir (und wohl auch anderen DSA- Spielern) immer viel gegeben, auch heute noch kann ich mich an dem einen oder anderem Bild nicht sattsehen, wenn ich alte Bände mal wieder aus dem Regal hole.
Zum Schluss möchte ich noch einmal auf zwei Cover verweisen, die ich für die gelungensten von Ugurcan Yüce halte und die beide vollkommen ohne sein Markenzeichen auskommen:
„Der Zorn des Bären“: Ich mag die Dynamik, die von dem Bild ausgeht, der riesenhafte Bär in dem zerstörten Haus strahlt eine Urgewalt aus. Tatsächlich war ich das ganze Abenteuer über gespannt auf die Konfrontation mit der Bestie mit ihren gewaltigen Dimensionen und ihrer Zerstörungskraft.
Am besten aber gefällt mir „Das Schiff in der Flasche“. Anders als den meisten seiner Cover liegt diesem Bild eine ruhige Grundstimmung zugrunde, wenn der alte Mann in seinem Studierzimmer das titelgebende Flaschenschiff untersucht. Zudem handelt es sich zur Abwechslung wirklich um ein Cover, dass die Abenteuersituation gut einfängt, in dem man dem Rätsel des Schiffs in der Flasche nachgeht. Erst viele Jahre später habe ich dann erfahren, dass es sich hierbei tatsächlich um ein Selbstporträt von Ugurcan Yüce handelt, der sich selbst damit zu einem Teil von Aventurien werden ließ.
Und das werden seine Werke für mich auch immer bleiben. Und dafür möchte ich ihm meinen tiefen Dank aussprechen.

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