Historia Reloaded!

Die Historia Aventurica ist mit ziemlicher Sicherheit das meistdiskutierteste DSA-Produkt der letzten Jahre. Und leider sind das eigentlich keine Diskussionen, bei denen irgendwelche sonderlich extremen Ansichten aufeinanderprallen oder etwas einfach nur stark polarisiert. Der Tenor ist vielmehr einhellig, fast durchgehend wird den Autoren hier ein ziemlicher Fehlschlag zugesprochen.

Auch hier bin ich zu einer schwachen Wertung mit 2 von 6 Punkten gekommen, zu viele Einzelaspekte haben mich gestört. Was ich mir erhofft hatte, war ein gültiges und zuverlässiges Geschichtswerk, ein guter Überblick zum Nachschlagen.

Leider haben vor allem die einführenden Kapitel massiv enttäuscht, was primär an der Wahl von Chalwen als unzuverlässiger Erzählerfigur lag, aber auch an einigen neuen Setzungen, bei denen viele Bilder von aventurischen Gottheiten revidiert wurden, was schlichtweg für viele Spieler und Leser zu radikal angesetzt war, wobei ich mich mit einschließen muss.

Dann eine relativ deutliche Kritik zu schreiben, ist eigentlich etwas, was ich sehr ungerne tue, vor allem nicht, wenn die Autoren offensichtlich viel Zeit und Arbeit und sicherlich auch jede Menge Herzblut investiert haben. Aber gerade weil an ein solches Überblickswerk so viele Erwartungen geknüpft sind, fallen dann die Reaktionen zum Teil überdeutlich aus, was z.B. zu einer desaströsen Wertung im DSA4forum-Bewertungsthread führt. Ebenso skeptisch wurde dann auch die Ankündigung einer Q&A- Überarbeitung aufgenommen, eben auch mit den Zweifeln, ob Korrekturen so umfangreich sein können, dass sie etwas retten können, was insgesamt als missglückt angesehen wird.

Umso überraschender und lobenswerter finde ich jetzt den von Ulisses gewählten Ansatz: Es gibt offenbar eine Überarbeitung, die den Umfang von kleinen Korrekturen und Anmerkungen überschreiten wird, so viel, dass ein Neudruck vorgenommen wird, eben mit der Option für vorherige Käufer, ihr Exemplar (bzw. ausdrücklich nur den Buchrücken) umzutauschen.

Das ist schon eine gravierende Entscheidung, immerhin kann der Verlag im schlechtesten Fall – also wenn sehr viele Käufer die Umtausch-Option wahrnehmen – viel Geld verlieren. Neue Bücher müssen gedruckt werden, Arbeitszeit muss in die Überarbeitung investiert werden und auch die Logistik des Neuversands verursacht Kosten. Auch wenn die Käufer einen stattlichen Preis bezahlt haben, übertrifft das bei weitem meine Erwartungen.

Zunächst mal nötigt es mir Respekt ab, so offen Fehler zuzugeben, das macht keiner gerne, vor allem, wenn das Ganze eigentlich als Prestige-Produkt angedacht war und das Endergebnis eines langwierigen Arbeitsprozesses war. Und – wie gesagt – finanziell dürfte damit jetzt schon klar sein, dass die Historia damit bestimmt kein gewinnträchtiges Objekt sein dürfte, wenn an viele Kunden zwei Exemplare rausgegeben werden müssen (zumal ja schon zu Beginn Probleme mit dem Einband und der Haftung der Beschriftung aufgetaucht sind).

Unbehagen bereitet mir dabei lediglich der für mich etwas merkwürdige Umtauschmodus, ein Buch von seinem Einband zu trennen, das kann ich mir gerade noch nicht vorstellen. Mir würde da eine andere Vorgehensweise eher entgegenkommen, mit einer Kopie der Rechnung kann man den Kauf doch belegen, bei manchen Käufern liegt doch eh eine Bestellung im eigenen Shop von Ulisses vor, darüber existieren doch dann Kaufnachweise.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die Überarbeitung und freue mich darauf, dann erstmals einen „Nachtest“ vornehmen zu können, bei dem ich liebend gerne zu einer besseren Bewertung kommen würde. Auf jeden Fall hat der Verlag damit ein echtes Zeichen gesetzt, maximaler kann man seinen Kunden nicht entgegenkommen, was man ja auch jetzt an vielen Einträgen auf diversen Seiten und in den Foren sehen kann, die das durchweg als sehr positiv wahrnehmen.
Auf jeden Fall wünsche ich den Machern viel Erfolg bei diesem doch recht einzigartigen Projekt.
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Historia Reloaded!

3 Gedanken zu “Historia Reloaded!

  1. Grundsätzlich geht es mir in Sachen „Buchzerstörung“ da wie dir – ist ja auch OK, „Buchzerstörung“ als Sakrileg zu empfinden.

    Andererseits kann ich mir diverse Szenarien vorstellen, wo das mit der „Rechnungskopie“ nicht funktioniert: Habe vor drei Woche drei Sachen beim freundlichen RSP-Laden an der Ecke gekauft, aber den Kassenbeleg hab ich nicht mehr, ich wüsste auch nicht, ob die Kasse da modern genug war, um auf den Beleg zu schreiben, „was“ genau ich erworben habe, oder nur die Geldbeträge. Dazu kommen die Fälle, wo die Rechnung nicht beim aktuellen Besitzer ist (Ebay-Weiterverkäufer).

    Zudem ist es glaube ich, dass es bei so einer Umtauschaktion schon angebracht ist, das ursprüngliche Buch letztendlich ganz deutlich zu „entwerten“.

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  2. Moin!

    Zumal Rechnungen auch alles, aber nicht Fälschungssicher sind. Also wenn es drauf ankommt, baue ich dir die Kopie einer Rechnung irgendeines Ladens relativ flott nach, wenn ich eine Vorlage habe 😉

    Was ich aber eigentlich sagen wollte:
    Das ist im englischsprachigen Raum aber sogar Gang und Gäbe. Ich weiß, dass Hogshead das damals z.B. bei dem Fehldruck einer limitierten Druckauflage von (ich meine) Realms of Sorcery für WFRP1 ähnlich gemacht haben; da musstest du die Entwertung oder Zerstörung des Buches belegen.
    Und ich habe diverse englische Taschenbücher, bei denen im Impressum klein der Hinweis steht, dass man, wenn man dieses Buch ohne Cover erworben habe, dies dem Verlag bitte melden solle, da es sich vermutlich um ein entwertetes Exemplar handele, was nicht mehr verkauft werden dürfe …

    Ob so etwas auch in Deutschland Praxis ist, vermag ich nicht zu sagen, alleine, weil mir persönlich schlicht keine andere Umtauschaktion in diesem Maßstab bekannt wäre.

    Viele Grüße,
    Thomas
    *der zwar für Ulisses freelanced, aber nicht im DSA-Bereich, und daher auch nicht mehr weiß als der Rest vom Internet*

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  3. Das ist eine Praxis, die aus dem Buchhandel kommt:
    Eine Buchhandlung nimmt dem Verlag soundsoviele Exemplare eines Buches auf Kommission ab, d.h. nicht verkaufte Exemplare kann die Buchhandlung nach einer gewissen Zeit an den Verlag zurückschicken.
    Das Porto und das Einstampfen der Bücher kosten aber Geld, deshalb wird das gerade bei Paperbacks meistens so gehandhabt, daß die Buchhandlung die Bücher selber in den Müll wirft und nur die Buchcover an den Verlag schickt, das ist wesentlich billiger.
    Deswegen stand in älteren (v.a. englischen) Paperbacks auch immer mal eine Bemerkung drin à la „wenn Sie dieses Buch ohne Cover gekauft haben, war das illegal und der Autor hat kein Geld bekommen“ – weil das dann Exemplare waren, die von der Buchhandlung als unverkauft gewertet wurden.
    Ob das für die HA eine sinnvolle Vorgehensweise ist, muß sich zeigen, aber daher kommt die Idee wohl.

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