Rassismus im Rollenspiel

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Der April bringt dieses Mal ein moralisch ausgesprochen schwergewichtiges Thema für den Karneval der Rollenspielblogs mit sich (hier der Eröffnungsbeitrag der Zeitzeugin). Immerhin geht es um nichts Geringeres als Rassismus. Allerdings ergeben sich hier sehr viele interessante Aspekte, gerade auch, wenn man die Metaebene hinzunimmt und nach spielerischer Funktion von Rassismus sucht. Referenz ist dabei wie immer hier „Das Schwarze Auge“ mit seinen Wesen.

Realität vs. Rollenspiel

Rassismus ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema, in der realen Welt aktuell eine dringliche Thematik angesichts tiefgreifender Differenzen zwischen unterschiedlichen Kulturen. Und hier zeigt sich, dass auch eine vermeintlich moderne Welt immer noch große Schwierigkeiten hat, ein Miteinander von Menschen zu gestalten, die sich durch eben auch durch Unterschiede und Andersartigkeit auszeichnen. Eine demokratische Gesellschaft muss hier hohe Standards setzen und massiv daran arbeiten, Konflikte abzubauen.

Das Rollenspiel ist zwar in vielerlei Hinsicht durchaus eine gewollte Realitätsflucht, indem man sich in fremde Welten begibt und in Rollen schlüpft, die sich von dem Alltagstrott, in dem wir leben, gewollt in unzähligen Facetten unterscheidet. Insofern ist es sicherlich zumindest fraglich, ob es für Rollenspieler einen großen Reiz ausübt, solch ernste Debatten auch in ihr Hobby hineinzutragen, Sinn ist in der Regel ja auch seitens der Macher eher Unterhaltung denn Gesellschaftskritik. Trotzdem hat eine jede Fantasywelt ihre Anker in der Realität, die in irdischen Gegebenheiten ihre Inspirationsquellen gefunden haben. Sei es in geografischer, historischer, politischer oder kultureller Gestaltung, überall finden sich zumindest Ähnlichkeiten, z.B. in der Götterwelt oder eben auch in den Völkern.

Gerade zwischen letzteren bleiben Konflikte in der Regel nicht aus, umso verstärkter, wenn es sich, wie bei den DSA-Welten um archaischere Grundlagen handelt, die deutlich in einer vergangenen historischen Periode spielen (vergleichbar mit Antike und Mittelalter), somit über wenig aufgeklärte Ansätze verfügen. Damit bleibt Rassismus nicht aus, bei uns verpönte Haltungen wie Nationalismus sind dort gang und gäbe, in Ländern mit festen Grenzen und in einer Welt, in der unterschiedliche Rassen leben, die sich z.T. optisch durch mehr als nur die Hautfarbe unterscheiden.

Spielerische Funktion

Allerdings unterscheidet sich meine Wahrnehmung von Rassismus im Rollenspiel sehr von realen Gegebenheiten. Hier sehe ich Rassismus primär als Anlass für Spielsituationen, werden hier doch wesentliche Konflikte aufgeworfen, in deren Lösung der Reiz des Spiels besteht.

Dabei ist die Rolle nicht unbedingt festgelegt, anders als in der realen Welt agiert man hier ja aus einer ganz anderen Position heraus, vor allem wenn der eigenen Charakter selbst von seinen Vorurteilen bestimmt wird und auch auf dieser Basis handelt. So wird beispielsweise ein menschlicher aventurischer Held sich sehr schwertun, Verständnis und Mitgefühl für einen in Bedrängnis geratenen Orkkrieger aufzubringen, vor allem wenn die Spielfigur schlechte Vorerfahrungen besitzt. Die wenigsten Rollenspiele verwenden zudem noch eine klassische Gut vs. Böse- Aufteilung, in der strahlende Helden permanent für höhere moralische Werte einstehen, weshalb ein solch schwergängiges moralisches Thema meist nicht so sehr im Mittelpunkt der Wahrnehmung steht wie in der realen Welt, vor allem sind die Regeln der inneren Logik solcher Welten meist so gestaltet, dass man sich erst gar nicht der Illusion hingeben dürfte, nachhaltig Ressentiments unter Rassen und Völkern beenden zu können.

Ohnehin sind kriegerische Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Rassen und Völkern ein bestimmendes Merkmal vieler Welten. Dabei ist es durchaus auch häufig so, dass bestimmte Rassen sehr eindimensional und klischeehaft gezeichnet sind, man denke nur an die Orks bei Tolkien, die ausschließlich negative Eigenschaften aufweisen. In dieser Hinsicht sind viele Rollenspielwelten durchaus abstrakter gestaltet und mit mehr Grautönen versehen.

Rassismus als Thema

Militärische Konflikte zwischen Rassen sind durchaus normal in Fantasywelten, Aventurien beispielsweise ist ja in der aktuellen Zeit von einer menschlichen Perspektive dominiert, deren Hegemonie allerdings von Zeit zu Zeit in Frage gestellt wird, sei es durch den Ogerzug (der allerdings von einem Menschen initiiert wurde) oder die verschiedenen Orkenstürme. In der Vergangenheit war es sogar ein Kennzeichen der unterschiedlichen Zeitalter, dass diese von den verschiedensten Rassen beherrscht wurden, bis ein umwälzendes Ereignis für eine Ablösung sorgte.

Als explizites Thema ist Rassismus eher selten zu finden, interessanterweise gibt es mit dem Beginn der Theaterritterkampagne einen Schwerpunkt in der Begegnung von Menschen und Goblin, wobei die Diskriminierung der Rotpelze ausdrücklich ein Schwerpunkt ist (vor allem in „Ein Goblin mehr oder weniger“ und „Der weiße See“, allgemein auch in „Die Thorwalertrommel“). Dabei werden die Spielercharaktere tatsächlich ausdrücklich in eine Beschützerrolle gedrängt.

Sehr spannend ist hier allerdings der Ansatz, dass die generelle Goblinrolle eine Überarbeitung findet, da plötzlich vermehrt intelligente und vielschichtige Goblinfiguren entwickelt werden, die sich deutlich von den bisherigen Zeichnungen einer eher zurückgebliebenen, feigen, primitiven Spezies unterscheiden. Gerade das ist meiner Auffassung nach tatsächlich eine bislang vernachlässigte Komponente in der Rassencharakterisierung in Aventurien, da viele Vertreter einer Rasse eher klischeehaft nach allgemeinen Grundzügen strukturiert sind. Hier finde ich beispielsweise Myranor deutlich vielschichtiger mit seiner großen Rassenvielfalt, bei der Charakterporträts häufig viel individuellere Züge aufweisen und man oft erst beim zweiten oder dritten Lesen darauf achtet, aus welcher Rasse eine Figur eigentlich stammt. Eine solche Entwicklung würde ich für Aventurien durchaus gutheißen.

Fazit

Tatsächlich sehe ich die Funktion von Rassismus im Rollenspiel eher im Bereich des Abenteueranlasses, da er hier als Konfliktmotivation wirken kann. Als Thema im Mittelpunkt einer Rollenspielgeschichte ist Rassismus insofern von realen Geschehnissen zu unterscheiden, als dass hier – anders als beispielsweise in Romanen – kaum die Intention einer Gesellschaftskritik vorhanden ist. Man begibt sich in Fantasywelten, weil man sie mit all ihren Begebenheiten spannend findet, nicht weil man ihre Gegebenheiten kritisieren will und im Regelfall sind die dortigen Begebenheiten kaum auf reale Zustände übertragbar.

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