431 Seiten Nostergast – Ein Fazit zur ersten Regionalspielhilfe samt Anhang

Man kann ja über DSA5 geteilter Meinung sein, keineswegs aber kann man behaupten, dass die Macher der neuen Edition den eifrigen Leser ohne Nachschub an Lesestoff verhungern lassen. Der Produktausschuss in den vergangenen Monaten war nicht eben klein, die Spitze aber wurde dem in den letzten Wochen aufgesetzt, als nicht weniger als 7 Publikationen zu den Streitenden Königreichen das neue Publikationsmodell für Regionalspielhilfen einführen durften. Waren es zu Zeiten von DSA4 nur die Spielhilfe selbst nebst einem flankierenden Abenteuerband (vorzugsweise eine Anthologie), gibt es nun auch noch einen Ausrüstungsband, ein kleines Quellenbuch, ein Spielkarten- und ein Landkartenset und zuletzt noch eine Soundtrack-CD.

Während letztere drei Publikationen für mich weniger interessant waren, habe ich mich durch alle 4 Printpublikationen durchgearbeitet. Neben den Einzelbewertungen stellt sich für mich nun abschließend auch die Frage, inwieweit diese große Bandbreite notwendig ist und ob es tatsächlich ein stimmiges Ganzes ergibt? Oder ist es am Ende lediglich eine Strategie, möglichst viel Gewinn abzuschöpfen, indem man notwendige Informationen auf möglichst viele Publikationen zu verteilt?

Tatsächlich bleibt natürlich noch Ungewissheit, inwiefern diese Veröffentlichungsstrategie repräsentativ ist für kommende Regionalspielhilfen. Nimmt man aber die Aussagen der Macher in diversen Videos von der RPC (und auch das, was ich dort selbst erfragt habe), dann scheint dies schon die Grundidee zu sein (wobei ich nichts über weitere Soundtracks gehört habe). Allerdings steht nicht zu vermuten, dass jetzt jedes Mal in dieser Geschwindigkeit bzw. teilweise sogar Gleichzeitigkeit die gesamte Publikationsreihe erscheint, sondern das sich dies wohl auf einen etwas längeren Zeitraum verteilen wird.

Im Folgenden möchte ich die für mich absehbaren Grundtendenzen unter unterschiedlichen Gesichtspunkten kurz durchgehen, wobei natürlich teilweise offen bleiben muss, ob dies nur spezifische Merkmale der Nostergast-Produktpalette sind oder ob es sich um ein übertragbares Modell für zukünftige Regionalspielhilfen handelt:

  1. Beschreibungstiefe

Diese ist naturgemäß ziemlich dicht, wer sich mit den drei informativ gehaltenen Bänden (also Spielhilfe, Rüstkammer, Heldenbrevier) beschäftigt hat, verfügt anschließend über ein vergleichsweise großes Wissen über die Streitenden Königreiche. Die Spielhilfe selbst sorgt dabei für das notwendige Überblickwissen, während die Rüstkammer mit den Waffen einen sehr spezifischen Aspekt beleuchtet. Das Heldenbrevier ist eher in atmosphärischer Sicht wichtig, hier werden die landestypischen Figuren zum Leben erweckt, eben auch aus der Eigenperspektive heimischer Charaktere (ob das immer so sein wird, entzieht sich aber meiner Kenntnis, ob z.B. in Zukunft auch der Blick eines Außenstehenden gewählt wird). Bei insgesamt 431 Seiten Text (beim Heldenbrevier freilich in einem kleineren Format), zumal noch verteilt auf 4 unterschiedliche Bände mit teils unterschiedlichen Autoren sind aber streckenweise auch Doppelungen ersichtlich, so dass man manche Informationen an verschiedenen Stellen erhält. Hier drängt sich der Eindruck auf, dass das gleichzeitige Erscheinen von Regionalspielhilfe, Rüstkammer und Abenteuerband in der Summe dafür sorgt, dass solche Passagen im Lektorat schwer zu finden sind.

  1. Spielbarkeit

Natürlich ist hier primär der Abenteuerband zu nennen: Positiv finde ich hier die Idee, statt einer Anthologie mit vielen kleinen Abenteuerschnipseln einen kurzen, dafür aber konsistenten Band zu veröffentlichen (Nachteilig bei einem Verzicht auf Anthologien ist natürlich das Fehlen breiterer Thematiken, so muss der Fokus auf eine bestimmte Handlung und nur wenige Lokalitäten gelegt werden). Auch wenn das etwas irrtümlich formuliert wurde, kann der Band zwar durch die Regionalspielhilfe stark angereichert werden, die vorhandenen Informationen reichen aber aus, um ohne weiteres Material für den Spielleiter leitbar zu sein. So ist z.B. Joborn, der Schauplatz von „Neue Bande & uralter Zwist“, kurz im Abenteuer beschrieben (mit Stadtplan), die Spielhilfe kann aber weiterführende Informationen liefern.  Aber auch die Spielhilfe selbst mit dem für beide Seiten (mit geringfügigen Änderungen bei den Figuren) erstellten Dorf und die Rüstkammer mit drei verschiedenen Händlerfiguren enthalten kleine Spielelemente, die universell im Setting eingesetzt werden können.

  1. Notwendigkeit

Hier ist der kritischste Bereich der vorherigen Diskussionen anzulegen, der aber nach meinem Eindruck stark entschärft wird. Wirklich notwendig für eine Spielbarkeit ist tatsächlich nur die Spielhilfe. Diese enthält den Grundüberblick, Kartenmaterial und auch schon eine Reihe von Abenteuervorschlägen und Mysterien. Der Abenteuerband ist natürlich für ein erstes Spiel vor Ort passgenau, aber bekanntlich greift längst nicht jede Gruppe auf fertiges Material zurück. Die beiden anderen Printbände sind reine Luxusprodukte, wenngleich auch nach meiner Auffassung gut gestaltet. Vorteilhaft sind allerdings sowohl das Heldenbrevier als auch die Rüstkammer für Spieler, die einen Heldentyp aus der Region kreieren wollen.

  1. Finanzierbarkeit

Hier stößt man natürlich im Vergleich zur Vergangenheit, als manche Regionen in ganzen Boxen mit Farbkarten, Spielhilfen und oft noch Abenteuern zusammen behandelt wurden, auf deutliche Unterschiede. Wer alle Produkte sein eigen nennen will, muss dafür ordentlich Geld investieren, insbesondere die Rüstkammer mit ihren vielen Abbildungen ist im Verhältnis Seitenzahl/Preis nicht billig. Wer nicht zuviel investieren möchte, muss also genau abwägen, welche Bereiche der Produktpalette einem besonders wichtig sind. Ulisses ist als Verlag sicherlich daran interessiert, die offenbar mannigfaltigen Interessen der Käufer zu berücksichtigen, was absolut legitim ist, da ein Unternehmen gewinnbringend arbeiten muss. Allerdings sehe ich es nach wie vor als etwas problematisch an, dass manche Bereiche sehr verstreut verteilt werden, z.B. die Zauber, die im Regionalband zu Nostria/Andergast enthalten sind und dort meiner Auffassung nach für spätere Doppelungen sorgen werden.

Fazit

Auch wenn die Einzelprodukte zum Teil unterschiedliche Stärken und Schwächen haben, kann ich grundsätzlich mit der Einteilung in Einzelsegmente leben. In der vorliegenden Form entgeht einem nichts von zentraler Spielrelevanz, wenn man die Regionalspielhilfe besitzt. Alle anderen Produkte sind rein optional. In Zukunft empfiehlt sich allerdings meiner Auffassung nach eine nicht ganz so komprimierte Veröffentlichungsstrategie, um im Lektorat vermehrt auf Doppelungen achten zu können, damit Informationen nicht in gleich mehreren Einzelprodukten vorhanden sind, wie insbesondere in der Regionalspielhilfe, der Rüstkammer und dem Heldenbrevier ersichtlich.

Verweise:

Die Einzelrezensionen finden sich hier:

Regionalspielhilfe

Rüstkammer

Heldenbrevier

Abenteuerband

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