Gastspiel und Liebeserklärung an einen Bären

Wie schon in den Vorjahren durfte ich auch 2016 mein Scherflein zum immer wieder schönen Nandurion-Adventskalender beitragen. Jeden Abend in den ersten 24 Tagen des Dezembers sorgt dieses anscheinend niederhöllische Machwerk dazu, dass ich nicht anders kann und meine ohnehin schon viel zu knapp bemessene Schlafzeit noch einmal verkürze, indem ich zwanghaft bis nach Mitternacht warte, um auf die Überraschung des Tages zu warten. Tsagefällige Vielfalt findet sich dort, von Kurzgeschichten über Spielmaterial, das hauseigene Markenzeichen in Form der Dispute und eben auch ein paar Rezensionen. Letztere sind ja meine liebste Disziplin, so dass nach der Anfrage von Einhorn Nick-Nack wie bisher immer die Wahl auf einen Retro-Check fiel.

Allerdings habe ich mir für dieses Jahr ein besonderes Abenteuer aufgehoben, das mir etwas mehr am Herzen liegt als die meisten anderen Klassiker. Zwar ist es immer wieder schön, ein wenig in alten Erinnerungen zu schwelgen, oft ist dann aber auch ein gewisses Gefühl der Ernüchterung damit verbunden. Manches Kleinod der frühen DSA-Jahre ist doch arg in die Jahre gekommen, inhaltlich etwas angestaubt oder gar aus heutiger Sicht fast schon unspielbar. Bei anderen wiederum zeigt ein erneuter Blick in das Heft, dass der eine oder andere Band eher verklärt wird, statt höheren Qualitätsansprüchen wirklich gerecht werden zu können. Paradebeispiele sind dabei für mich „Mehr als 1000 Oger“ und „Die Seelen der Magier“. Deren Handlungsstränge sind zwar bedeutend für den aventurischen Metaplot und werden immer wieder aufgegriffen, spielen sich dann aber im Vergleich dazu reichlich unspektakulär.

Ganz anders geht es mir in vielerlei Hinsicht mit „Der Zorn des Bären“. Nur wenige andere Abenteuer haben sich mir mit vielen einzelnen Szenen und Figuren derart eingeprägt, dass ich auch gute 20 Jahre nach dem ersten Durchspielen immer noch das meiste in Erinnerung behalten habe. Und das bei dem ersten Abenteuer, das den bodenständigen Ansatz gewählt hat, für den Aventurien ja in vielen Foren heute berühmt-berüchtigt ist. Davon sollte man sich in dem vorliegenden Fall aber keineswegs abschrecken lassen, schließlich spielt der Band gekonnt die Stärken einer solchen Grundidee aus: Hier wird ein begrenztes Setting mit sehr viel Atmosphäre und sympathischen Figuren ausgestattet, dabei aber mit einer spannenden Handlung verbunden, die nie Langeweile (wohl aber durchaus einige gewollte Frustmomente) aufkommen lässt.

Und darum empfehle ich es auch heute noch gerne jedem, der sich auf eine Geschichte einlassen will, die eine Welt im Kleinen schildert und von den Protagonisten verlangt, sich mit einer kleinen Dorfgemeinschaft sehr vertraut zu machen und sich letztlich auch nicht davor scheut, an den Abenteuern der Dorfjugend teilzuhaben. Dank der großzügigen Veröffentlichungspolitik seliger Schmidt-Spiele-Zeiten ist das Abenteuer offensichtlich in einer großen Stückzahl erschienen, die auch heute noch dafür sorgt, dass man es im Netz immer wieder zu erschwinglichen Preisen findet. Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten kann ich in diesem Fall sehr gerne eine uneingeschränkte Kaufempfehlung abgeben.

Jedem, der mehr darüber wissen will oder der noch mal seine eigenen Erinnerungen abgleichen möchte, sei somit das Türchen Nr. 17 des Nandurion-Adventskalenders empfohlen.

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