Ein hohes Lied auf das gedruckte Wort

Mit „Bücher und Rollenspiel“ hat der Karneval der Rollenspielblogs im März (organisiert von Gelbe Zeichen) bei mir einen wichtigen Nerv berührt, gerade auch weil Bücher rein beruflich Teil meines Alltages sind. Sicherlich sind sie nicht das Medium der Zukunft, für den durchschnittlichen DSA-Spieler, der ja seit den 80ern mittlerweile erwachsen geworden ist, sind sie aber in der Regel fundamentaler Bestandteil des eigenen Aufwachsens. Das Folgende soll dabei nicht unbedingt ein Beschwören längst vergangener Zeiten sein, eher eine Bestandaufnahme aktueller Möglichkeiten.

Seit den Anfangstagen von DSA hat sich die Welt massiv verändert, zumindest was den Literaturmarkt angeht. In den 80ern war das Internet für jeden Haushalt – wie es heute existiert – noch weit weg, wer lesen wollte, hatte im Prinzip noch keine Alternative zum gedruckten Wort.

Das ist heute gänzlich anders: Das Digitalzeitalter hat uns alle erreicht, mit dem entsprechenden Equipment ist alles Geschriebene letztlich auch überall verfügbar. EBook-Reader, Handys, Tablets, Laptops, jedes der genannten Geräte kann Bücher und andere Printprodukte in ihrer reinen Lesefunktion ersetzen. Und tatsächlich besitze ich auch alle dieser Gerätschaften, die stetige Verfügbarkeit von Informationen und Textgrundlagen ist als immenser Vorteil kaum von der Hand zu weisen.

Die Zeit des Schleppens ist vorbei!

Gerade im Rollenspielbereich ist die praktische Funktion nicht zu bestreiten, wer sich noch daran erinnert, was man unter Umständen in den 90er Jahren alles an „schwerem Gerät“ mit sich führen musste, wollte man einen Spielenachtmittag oder -abend bestreiten, der wird die PDF-Verfügbarkeit schätzen. Auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass gerade DSA ein komplexes Regelmonster ist, zusätzlich mit einer 30jährigen Ereignisgeschichte versehen, die unzählige Seiten füllt. Kurz: Nachschlagebedarf kann sich mitunter schneller ergeben, als einem lieb ist. Dann die Regelwerke, Regionalbeschreibungen und weiteren Hintergrundbände auf einem Endgerät allesamt abrufen zu können, erleichtert viel Schlepp- und Nachschlagearbeit.

Ähnliches gilt natürlich auch für den Romansektor, wenn man beispielsweise unterwegs lesen möchte, hier ist ein Ebook-Reader die platzsparende Variante, vor allem im Urlaub ein nicht zu unterschätzender Vorteil, auch ich habe auf die Art und Weise schon den einen oder anderen DSA-Roman (bzw. Romanserie) an fremden Gestaden verschlungen.

Die Sicht des Nostalgikers

Trotzdem muss ich das aus meinem persönlichen Empfinden als die absolute Ausnahme bezeichnen: Als Buchliebhaber geht für mich schlichtweg nichts über das gedruckte Wort. Nichts könnte meine geliebten Bücherregale ersetzen, nichts gehört für mich so sehr zum entspannten Verleben meiner Freizeit wie ein Buch in den Händen zu halten und sich Seite um Seite weiterblätternd mit den Protagonisten zum Ende der Geschichte zu bewegen. Das gilt generell für meine Lesegewohnheiten, für DSA aber im Speziellen.

Ich bin in einer Kleinstadt großgeworden, in der es nur einen Laden gab, der ab und an mal ein DSA-Abenteuer führte, es gab auch noch nicht die Möglichkeit, sich umfassend im Internet über Neuigkeiten zu informieren. Somit waren es Highlights, wenn ich in die benachbarte Großstadt fahren konnte, wo es auch einen großen Spielwarenladen mit einem DSA-Regal gab (Hach, die guten alten Zeiten!). Die Hefte in den Händen zu halten und die Cover zu betrachten (Lesen ging ja erst nach dem Durchspielen) war allein schon ein Erlebnis. Das hat sich bei mir bis heute gehalten, auch wenn ich in der Regel auf den Versand zurückgreifen muss. Jedes Mal, wenn ich ein Paket mit dem neuesten DSA-Material entgegennehme ist bei mir die Vorfreude da, endlich darin blättern zu können. Eine Datei am Computer zu öffnen löst da längst nicht das gleiche Gefühl aus.

Natürlich weiß ich digitale Mittel zu schätzen, sonst würde ich auch kaum ein Blog betreiben, das Netz hat gerade für das Rollenspiel einen immensen Wert. Und mehr und mehr gibt es ja neben der optionalen PDF-Variante auch Lesestoff, der exklusiv digital erhältlich ist. Ulisses hat dies mit einigen eigenen reinen Pdf-Produkten begonnen (z.B. dem Zusatzmaterial für das zerstörte Arivor), nun existiert mit dem Scriptorium Aventuris sogar eine eigene Plattform für solche Texte. Genau hier halte ich eine solche Einrichtung auch für absolut sinnvoll, ermöglicht es doch die Verfügbarkeit von Fanmaterial, das wohl mangels kommerzieller Erfolgsaussichten schlichtweg auf dem Printmarkt niemals zur Veröffentlichung gelangen würde. Hier sehe ich einen unschätzbaren Vorteil, somit können die unzähligen Ideen, die bei vielen DSA-Fans in der Schublade liegen und zuvor nur in der eigenen Gruppe zur Anwendung kamen, einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden.

Fazit

Tatsächlich schließen sich die unterschiedlichen Varianten nicht aus. Der praktisch denkende Teil in mir sieht unheimlich viele Vorzüge in der totalen digitalen Verfügbarkeit. Der Bücherwurm jedoch möchte sein gutgefülltes Bücherregal nicht missen, vor allem nicht das Blättern voller Erwartungsfreude, was sich zwischen der nächsten Doppelseite verbirgt. Interessant wird natürlich die Zukunft sein, inwieweit sich ein an sich fast schon antiquiertes Medium weiterhin halten kann. Das wiederum ist aber ohnehin keine Rollenspiel-exklusive Frage…

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