Auf zu alten Ufern! – DSA1 als Crowdfunding

Und da werden sie gerade wieder einmal herausbeschworenen, die fast schon mythischen goldenen Zeiten, als DSA kein Nischenprodukt war, sondern die Produkte überall in den großen Spielwarenläden zu finden waren. Ich selber habe die Anfangszeit in den 80er Jahren knapp verpasst, aber Anfang der 90er Jahre war es noch so. Fahrten mit meiner Mutter in die Nachbarstadt waren für mich abseits des drohenden Besuchs beim Kiefernorthopäden immer ein Highlight, weil es anschließend die Möglichkeit gab, im Vedes oder der Mayerschen Buchhandlung im DSA-Fundus zu kramen und – je nach Kassenstand meines Sparschweins – wieder ein Abenteuer oder gar eine Box mitzunehmen.

Genau diese Zeiten werden aktuell wieder höchst nostalgisch in Erinnerung gebracht, durch das neue Crowdfunding von Ulisses Spiele: die „Kaiser Retro-Box“. Dabei entsteht im Prinzip kein neues Produkt, sondern eigentlich handelt es sich um die Neuauflage eines absoluten Klassikers: Bestellbar ist eine Neuauflage der alten DSA1-Box, zusätzlich sind einige der ersten Abenteuer erhältlich.

Braucht man das wirklich?

Natürlich stellen die Regeln und die Hintergrundinformationen der 80er Jahre kein modernes Rollenspiel mehr dar, die Regeln haben ein eingeschränktes Darstellungsvermögen, die Hintergrundwelt ist heute fast völlig anders gestaltet, die Abenteuer sind unlogisch konstruiert. Trotzdem denke ich, dass die Daseinsberechtigung immer noch gegeben ist, gerade für Nostalgiker, aber auch für solche Spieler, die ein anderes DSA spielen wollen, in dem alles deutlich simpler ist und in dem vielleicht deutlich mehr Humor gefragt ist. Ich habe zumindest in den letzten Jahren mit meinen Retro-Checks immer viel Spaß gehabt, auch wenn manche Abenteuer mit dem heutigen Blick abstrus ohne Ende wirken und das dahinterstehende Verständnis von Rollenspiel arg antiquiert wirkt, liest man so manche Anmerkung der damaligen Macher um Ulrich Kiesow, die doch eine sehr konkrete Vorstellung davon gehabt haben, wie DSA gespielt werden soll.

Grundsätzlich sollen die Klassiker unverändert bleiben, bis auf Layout-Veränderungen. In der normalen Variante sollen aber zusätzlich Anmerkungen von Werner Fuchs enthalten sein, worauf ich mich natürlich sehr freue. Wer die Let´s Plays bei Orkenspalter-TV mag, kann alternativ eine Let´s Play-Version erwerben, mit den Anmerkungen der dortigen Spieler und mit Chibi-Versionen der alten Illustrationen. Die sehen auch durchaus nett aus, als großer Fan der klassischen Cover und Innenillustrationen bevorzuge ich aber erstere Variante.

Preislich muss man – will man denn in die Vollen gehen – ein wenig tiefer in die Tasche greifen: Die Basis-Box kostet 50 Euro, die Let´s Play-Variante 30 Euro, die Ausbauregeln 20 Euro und jedes dazu buchbare Abenteuer 10 Euro. Da ist man schnell bei über 100 Euro Kosten angekommen, allerdings erhält man natürlich auch jede Menge Spiel- und Lesestoff.

Und dann?

Ich bin insgesamt sehr gespannt, wie erfolgreich dieses Crowdfunding sein wird, eigentlich ist es ja wirklich ein reines Nostalgieprodukt, das sicher auch gerade bei vielen der älteren Spieler in der Ur-Version schon im Schrank stehen dürfte. Der Start ist ja durchaus gelungen, die Mindestsumme von 2.500 Euro war immerhin nach nur 20 Minuten bereits erreicht. Jetzt, knapp 24 Stunden später, sind immerhin schon fast 20.000 Euro von knapp 150 Unterstützern zusammen. Bei einem gewissen Erfolg würde ich z.B. auch schwer darauf hoffen, dass eine Folgerung daraus sein müsste, dass es sich lohnen könnte, wieder ab und an ein neues Abenteuer für DSA1 zu produzieren. Mit „Unheil im Schwarzen Keiler“ ist das ja vor drei Jahren auch schon einmal geschehen, meiner Auffassung dazu noch in einer außergewöhnlich guten Ausarbeitung. Sollte das wiederholt werden, wäre das für mich der positivste Effekt überhaupt an dem gesamten Crowdfunding. So bleibt für mich aber auf jeden Fall der eine oder andere Retro-Check, „Silvanas Entführung“ steht beispielsweise bislang noch aus und lockt somit am Horizont.

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Auf zu alten Ufern! – DSA1 als Crowdfunding

2 Gedanken zu “Auf zu alten Ufern! – DSA1 als Crowdfunding

  1. […] Noch einmal so spielen, als würde man zum ersten Mal Würfel, Stift und Papier vor sich haben und unerfahren und naiv in einen Dungeon stolpern. Die erste Runde war für viele wahrscheinlich ein ganz besonderer Moment. Einige haben ein neues Hobby entdeckt, andere eher nicht. Auch wenn es nicht die allererste Session war, an die man sich erinnert, so dürfte man gerne an die Zeit zurückdenken, in der man mehr Zeit fürs Hobby hatte. Diese nostalgischen Gefühle werden jetzt von Ulisses angesprochen. Mit der Kaiser-Retro-Box bringen sie DSA 1 wieder auf den Markt. Ob das ganze lohnt bzw. für wenn es sich lohnen könnte, erfährt man bei Engor. Auf zu alten Ufern – Engors Dereblick […]

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  2. Koronus schreibt:

    Also ich habe es unterstützt da ich gerne ganz an den Anfängen von DSA (neu) starten möchte und noch dazu ein Retro Fan bin. (Mein erstes P&P war BEAM D&D und DSA 1 soll ja nicht so anders sein) Außerdem würde es ganz den Nerv meiner Gruppe treffen. Unser regulärer SL wird da spielen da er unbedingt Mal ein Fantasy P&P als Spieler erleben will, ich werde leiten da ich so etwas sicher leiten kann und ich mich darauf schon freue, der Rest wird wohl mitmachen da er keine Lust auf komplizierte Regeln hat für die man einen Monat lang durchspielen muss um halbwegs sie beherrschen zu können.

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