Rezension: Meisterpersonen – Handel und Wandel

Vorbemerkung: Viele Spielleiter dürften die Situation kennen, dass ein (Kauf-)Abenteuer zwar oft über gut ausgearbeitete Auftraggeber, dauerhafte Begleiter und Antagonisten verfügt, die Detailschärfe in anderen Bereichen massiv abnimmt. So ist in einer Anwerbung zwar der Tavernenbesuch vorgesehen, bekannt ist aber nur der letztliche Auftraggeber für das folgende Reiseabenteuer und dazu vielleicht noch der Name des Wirtes. Ohnehin beinhaltet ein jedes Abenteuer mehr Figuren als im Grobablauf vorgesehen sind. Viel Arbeit also für einen Spielleiter. Eine kleine Erleichterung sollen die neuen Spielkartensets der Reihe Meisterpersonen schaffen. Das erste Set widmet sich dabei dem Oberthema Handel und Wandel.

In Zahlen:

– 53 Meisterpersonen

– Preis: 9,95 Euro

– Erschienen am 6.12. 2017

I. Inhalt

Insgesamt besteht das Set aus 53 Karten, die alle dem gleichen Aufbauschema folgen: Auf der Vorderseite finden sich ein Porträt des NSC, sein Name und seine Profession ggf. auch noch seine regionale Herkunft, z.B. Hexander Arsago, horasischer Zuckerbäcker. Die Rückseite enthält nähere Informationen, zunächst eine Kurzcharakterisierung, z.B. erzählfreudiger alter Charmeur, zudem herausragende Talentwerte. In wenigen Sätzen schließt sich die Hintergrundgeschichte der Figur an. Zuletzt folgen vier Kategorien zur konkreten Ausgestaltung: ein paar Charakterzüge, die Dienstleistungen, die dieser NSC anbieten kann, ein Abenteueraufhänger und eine abschließende Zusammenfassung in Schlagwörtern.

Dabei findet sich eine bunte Figurenmischung wieder. Neben Händlern, Dienstleistern, Handwerkern, Adeligen und Amtspersonen gibt es auch Magiebegabte und Geweihte. Der Sinn ist dabei weniger einen kompletten Markt füllen zu können, sondern für verschiedene Gelegenheiten NSCs zur Verfügung zu haben, z.B. wenn die Helden einen Termin beim lokalen Baron haben oder eben eine bestimmte Dienstleistung benötigen.

II. Kritik

Sicherlich kann man über die Frage geteilter Meinung sein, ob ein solches Kartenset unbedingt das ist, was dem typischen DSA-Spielleiter zu seinem Glück noch gefehlt hat. Wer sein eigenes Abenteuer mit viel Liebe zum Detail zusammenbastelt oder mit akribischer Vorarbeit ein Kaufabenteuer individuell auf seine eigene Gruppe zuschneidet, der fährt mit selbst erstellten Figuren sicherlich besser.

Das schmälert aber meiner Meinung nach nicht den grundsätzlichen Nutzen des Sets: Sicherlich liegt der Hauptverwendungszweck in der Anreicherung von Szenen, vor allem wenn man schnell einen Charakter braucht. Die Angaben sind absolut ausreichend, um darauf basierend den betreffenden NSC einsetzen zu können. Gerade bei Kaufabenteuern gibt es tatsächlich recht häufig Situationen, in denen die Detailschärfe eher gering ist und eine Szene in wenigen Sätzen skizziert ist, die in der Realität beträchtliche Spielzeit einnimmt. Seit der Einführung von DSA5 hat ja die Seitenmenge der Publikationen signifikant abgenommen, wodurch die Beschreibungsdichte ebenfalls kleiner geworden ist, nicht zuletzt in den Heldenwerk-Heften. Gerade hier bietet sich ein Einsatz durchaus an.

In der Durchmischung kann das Set in der Breite durchaus überzeugen, für jeden Anlass finden sich 3-4 Figuren, sei es, dass die Helden einen Magier brauchen, Heilung, unterschiedliche Formen der Unterhaltung etc. Auch bestimmte Szenen lassen sich konstruieren, z.B. reichen ein Wirt, eine Schankmagd, eine Skaldin, eine hügelzwergische Traviageweihte, eine Kutscherin, ein Kämmerer und ein Schmied sicherlich aus, um eine lebendige Tavernenszene auszugestalten. Genau in solchen Bereichen kann ich mir einen Einsatz wirklich gut vorstellen.

Etwas irreführend finde ich allerdings den gewählten Titel Handel und Wandel. Sicherlich sind viele der Figuren sehr gut auf einem typischen Markt denkbar, (so gibt es einen Jahrmarktszauberer, eine Gauklerin, einen Dieb, einen Geschichtenerzähler, einen Ausrufer etc.) Allerdings ist schon auffällig, dass es vergleichsweise wenige NSCs gibt, die wirklich in die Kategorie des Händlers, Dienstleisters oder Handwerkers fallen. Hier wären vielleicht ein paar mehr Figuren wünschenswert gewesen, die gerade alltägliche Anlaufstationen für Helden darstellen, z.B. einen Krämer für allgemeinen Bedarf oder einen Waffenhändler für speziellere Wünsche. Dazu sind auch Figuren vorhanden, die prinzipiell wenig in die Thematik passen, z.B. ein Rechtsgelehrter des Hüterordens, ein nivesischer Späher, ein Totengräber, ein Questador, eine Spionin oder ein erzzwergischer Schachtfeger, der laut Beschreibung seinen Stollen kaum verlässt. In diesem Punkt wäre es für folgende Kartensets möglicherweise bedenkenswert, die sicherlich interessanten Figurenkonzepte auf ihre Passgenauigkeit hin zu überprüfen. Trotzdem passt die Mehrheit absolut in das Oberthema, beispielsweise überwiegen urbane Professionen, zudem haben fast alle Figuren eine mehr oder weniger konkrete Dienstleistung anzubieten.

III. Fazit

Das erste Meisterpersonen-Set beinhaltet eine bunte Mischung an vielseitig nutzbaren NSCs, die zur Ausgestaltung vieler Alltagsszenen verwendet werden können. Die Karten bieten naturgemäß zwar nur wenig Raum für allzu viel Hintergrund, für einen schnellen Einsatz als Nebenfiguren ist das Vorhandene aber absolut ausreichend. Lediglich das gewählte Oberthema wird nicht immer genau getroffen.

 

3 Kommentare

  1. Eigentlich hätte ich gedacht, wenn man schon Ideen klaut, dann macht man es mindestens genauso gut wie das Original. Was ich persönlich immer noch am meisten vermisse ist ein Seite für Zufallsbegegnungen in einer Stadt. Ein Set für jede größere Stadt die offiziell bespielt werden soll. Da kann man zwischen Statisten auch ein paar Meisterpersonen mischen,die noch mal eine Rolle spielen und schon treffen die Spieler in einem Abenteuer auf alte Bekannte. Vielleicht zusätzlich Sets für größere Abenteuer oder Kampagnen. Ginge natürlich auch als Ergänzung zum Regionalmodul.
    Mann, wär das geil!

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  2. Ah sorry. Es gibt sowas, wie so vieles in DSA5, schon seit ich-weiß-nicht-wie-viel Jahren zum Beispiel von Paizo für Pathfinder. Heißt dann Face-Cards und läuft mit leicht anderem Schwerpunkt. Nur Portraits und es gibt meist keine festen Namen oder Werte dazu. Man gestaltet das dann selbst indem man dem Gesicht eben spontan Eigenschaften zuordnet und hinten draufschreibt. Allerdings gibt es neben den generischen Sets auch spezifische Kampagnensets. Das passt natürlich hervorragend zu den Abenteuerpfaden von Pathfinder und dann werden dort auch die zentralen Figuren illustriert. Gibt es auch für Gegenstände.
    Habe ich mir wie gesagt schon lange mal für DSA gewünscht. Nur halt nicht so, ah – irgendwie plump. Das ist wieder irgendwie abgekupfert, aber ohne eigene Idee, ohne wirkliche Inspiration und ohne was wirklich original DSA draus zu machen.

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