Aventurien für die Ohren: Verschwörung am Hofe

Vorbemerkung: Auch wenn ich mich zuletzt schon an einem ausführlichen Jahresrückblick für 2017 versucht habe, ist dieser eigentlich noch nicht ganz vollständig, da zwei Rezensionen zu Publikationen des abgelaufenen Jahres noch ausstehen. Während das Aventurische Bestiarium II wohl in der nächsten Woche genauer betrachtet werden wird, habe ich mich heute wieder auf Lauschpfade begeben und mir den 4. Teil der Hörbuchreihe der Winterzeit-Studios mit dem klangvollen Titel Verschwörung am Hofe zu Gemüte geführt.

I. Die Story

Nachdem die Gruppe um Gundar zuletzt bei ihrem Vordringen in die Gebiete der Heptarchen nur sehr zögerlich vorangekommen ist, erreichen sie nun endgültig die Warunkei. Im Vordergrund steht dabei vor allem die Beschreibung der Umgebung, die sich durch eine sehr düstere Atmosphäre auszeichnet. Trotzdem droht die größte Gefahr noch nicht von Dämonenpaktierern, Untoten usw., sondern geht von ihrem Rücken aus, wird die Gruppe doch von einem hünenhaften Söldner verfolgt, der sich an die Fersen der Gruppe geheftet und es besonders auf Alinne abgesehen hat. Obwohl er alleine unterwegs ist, stellt die Konfrontation für die Gruppe eine echte Nagelprobe dar.

Tatsächlich rücken Gundar und seine Gefährten allerdings diesmal ein wenig in den Hintergrund, spielt ein großer Teil der Handlung doch in Gareth und setzt sich mit dem Strang um Lares und seinen Mentor Sardos auseinander. Während Sardos versucht, Lares zu seinem Geburtsrecht zu verhelfen, wird der junge Adelige auf einer Feier des undurchsichtigen Gastgebers Dexter von Crumold vergiftet. Sardos ist nun ausgerechnet auf die Hilfe seines alten Konkurrenten Beltram von Lauterfurt angewiesen. Dabei wird einerseits eine unversöhnliche Feindschaft der beiden Männer deutlich, andererseits aber auch eine gemeinsame Vergangenheit.

II. Kritik

Die bisherigen Folgen konnten mich ja inhaltlich nicht überzeugen, im Kontrast zur guten Vertonung mit professionellen Sprechern. Das gute Produktionsniveau kann auch dieses Mal hervorgehoben werden, gerade auch in den dramatischen Szenen erzeugen die Sprecher und die Hintergrundmusik eine passende Untermalung.

Inhaltlich muss ich meine Kritik diesmal etwas ausdifferenzieren: Nach wie vor fühlt sich das gesamte Geschehen nicht aventurisch an, auch wenn hin und wieder originäre Begriffe wie Götternamen etc. verwendet werden. Im Kern bleibt die Hintergrundwelt viel zu wenig spürbar und könnte in jedem x-beliebigen Fantasy-Setting verortet werden, z.B. wird nach wie vor durchgehend von „dem Nekromanten“ gesprochen und nicht Rhazzazor persönlich genannt, geschweige denn die Tatsache erwähnt, dass es sich um einen untoten Drachen handelt. Genauso gibt es eine Szene, in der die Helden einen an einen Baum genagelten Dämonenschädel (!) finden, was kaum hintergrundkompatibel ist.

Dafür kann mich diese vierte Folge erstmal dramaturgisch überzeugen. Beide Handlungsstränge sind spannend gemacht, mit Istav erhält die Gruppe um Gundar erstmals einen wirklich gefährlichen Gegenspieler, der gut eingeführt wird, wenn er quasi im Vorbeigehen eine Gruppe von Grenzsoldaten niedermetzelt und dabei Filoen stellvertretend für die Hörer entsetzter Zeuge sein muss. Auch die Konfrontation ist diesmal cineastisch gestaltet, auch wenn ich mir hier kein so schnelles Ende für Istav  gewünscht hätte.

Ähnliches gilt für die Darstellung der Antagonisten Sardos und Beltram, auch weil der vermeintliche Schurke Beltram zwischenzeitlich mit den Erwartungen der Zuhörer bricht, wenn er sich Sardos als Verbündeter anbietet und sogar in Teilen die gemeinsame Vergangenheit offenbart wird. Hinzu kommt mit Dexter von Crumold eine weitere undurchsichtige Figur, deren Motivation noch im Verborgenen bleibt.

Das Ganze bleibt zwar nach wie vor nicht ohne Logiklöcher, z.B. stellt sich hier die Frage, warum die erfolgreiche Attentäterin sich ausgerechnet im Keller versteckt, statt einen echten Fluchtplan zu haben. Ähnlich verhält es sich mit der nach wie vor für mich eher ärgerlichen und plumpen Gestaltung von Hothar, der – nach den zarten Ansätzen der Besserung in der vorherigen Folge – wieder vollkommen irrational und eindimensional als primitiver Unruhestifter agieren muss.

III. Fazit

Nach wie vor fehlt mir die ernsthafte Einbindung von Aventurien als Hintergrundwelt, zumindest all das, was über ein paar unmotiviert verwendete Schlagwörter hinausgeht. Dafür ist Verschwörung am Hofe dramaturgisch deutlich die beste Folge und erzeugt erstmals echte Spannung auf das, was noch folgen wird.

Links zu den Rezensionen der anderen Reihenteile:

Im Kerker von Gareth

Freund oder Feind

Die Geweihten des Totengottes

1 Kommentar

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