Kaiser Retro – ein Ersteindruck

Vorbemerkung: Seit dem Crowdfunding der Kaiser Retro-Box ist mittlerweile doch einige Zeit vergangen und die ursprünglich einmal für die Zeit um den Jahreswechsel angestrebte Veröffentlichung hat sich letztlich doch um ein paar Monate verzögert. Allerdings hat das Warten nun ein Ende, seit Freitag haben die meisten Unterstützer ein ziemlich dickes Paket erhalten, in dem sich (neben einer nicht unerheblichen Menge an Füllmaterial) unheimlich viel Rollenspielnostalgie verbirgt. Der Ersteindruck ist grundsätzlich ziemlich erschlagend, so viel DSA-Material auf einmal habe ich noch nie erhalten und ich vermute, dass es den meisten anderen ebenso gegangen ist. Somit kann ich jetzt auch noch keinen umfassenden Gesamteindruck liefern, eher geht es darum, was insgesamt beinhaltet ist, was mir bemerkenswert erscheint und natürlich auch darum, was hier im Blog damit geschehen soll. Kleine Anmerkung: Da ich die Let´s Play-Variante nicht unterstützt habe, bezieht sich das Folgende nicht auf diese Version. Genauso beziehe ich mich in diesem Artikel bis auf kleine Ausnahmen nicht auf die zubuchbaren Produkte, sondern auf die Box, wie sie bald wohl auch im regulären Handel erhältlich sein wird.

Was ist in der Box?

Auch wenn es sich grundsätzlich im Prinzip um eine Neuauflage der Originalbox handelt, merkt man alleine schon an der Dicke der Pappbox, dass der Umfang um einiges gewachsen ist im Vergleich zum Jahr 1984. Das liegt in erster Linie an den Bonusinhalten, die durch das Crowdfunding entstanden sind und zu einer deutlichen Erweiterung geführt haben. Insgesamt enthält die Box: Das Buch der Regeln I, Das Buch der Abenteuer (mit den Abenteuern Das Abenteuer beginnt und Silvanas Verschwinden, Das Buch der Macht, ein kleines Würfelset (1W20 und 3W6), das Soloabenteuer Nedime – Tochter des Kalifen, das Aventurischer Bote Retroheft, das Kaiser Retro-Sonderheft, Bodenpläne, Stanz- und Ausschneidebögen für Aufsteller mit 10 Plastikfüßen, einen Meisterschirm, Blöcke mit Dokumenten der Stärke, Plänen des Schicksals und Kampfprotokollen und eine Maske des Meisters. Zusätzlich sind die Pläne des Schicksals der einzelnen Abenteuer noch als Poster auf Magazinpapier beigelegt, so dass es nicht notwendig ist, die Pläne aus den Abenteuern zu entfernen.

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Die Inhalte der Kaiser Retro-Box

Was ist alt?

Grundsätzlich erkennt man das intensive Bemühen, tatsächlich den originalen Stil zu bewahren, die Texte in den Bänden sind – soweit ich das auf den ersten Blick überschauen kann – gleich geblieben, was ebenfalls für die Illustrationen in den Heften gilt. Entfernt wurden lediglich einige Einführungstexte, die mittlerweile als überholt angesehen werden, z.B. die Basisinformationen über DSA. Das Sammelheft für den Aventurischen Boten, das Aventurischer Bote Retroheft, enthält die ersten 10 Ausgaben des Boten, wobei hier alle Sachen entfernt wurden, die heute nicht mehr relevant sind, z.B. Anzeigen, die sich auf die 80er beziehen. Zudem ist der alte Vorstellungstext, der erläutert, was der Aventurische Bote genau ist, nur noch einmal der ersten Ausgabe vorangestellt und sonst gestrichen worden, so dass nur noch eine große Nummer am oberen Seitenrand signalisiert, wo in dem Heft eine neue Ausgabe des Boten beginnt. Ebenfalls mit ihren alten Inhalten wurden die sogenannten Werkzeuge des Meisters integriert, die früher allerdings ein eigenständiges Produkt waren und nun als Buch der Macht hinzugefügt wurden, wozu auch die oben genannten Aufsteller und die sagenumwobene Maske gehören.

Was ist neu?

Für die Abenteuerbände gibt es eine grundsätzliche Veränderung in der Machart, statt dem alten Hardcover haben alle Bände jetzt ein Softcover, allerdings hat man wieder auf die alte Klammerbindung zurückgegriffen. Dem Buch der Regeln wurde zudem eine Seite vorangestellt, in der alle Unterstützer des Crowdfundings namentlich aufgeführt werden.

Auf der Textebene gilt, dass der Löwenanteil schlicht eine Neuauflage ohne Veränderungen ist. Allerdings gibt es hier drei Ausnahmen:

  1. Alle Hefte (das gilt auch für alle zubuchbaren Abenteuer und das Ausbau-Spiel) enthalten eine zusätzliche Doppelseite mit Kommentierungen von Werner Fuchs, der Anmerkungen aus der Sicht des Zeitzeugen bzw. Insiders anbringt. Teilweise handelt es sich dabei um zusammenhängende Texte, teilweise aber auch um niedergeschriebene Interviews, die Orkenspalter TV mit Werner Fuchs geführt haben.
  2. Durch ein Bonusziel wurde das eigentlich eigenständige Solo-Abenteuer Nedime – Tochter des Kalifen in die Box mit aufgenommen. Dieses stellt in seinem Mittelteil auch immer noch das Abenteuer dar, das Ulrich Kiesow 1984 als erstes Soloabenteuer verfasst hat. Dazu findet sich hier nun aber eine erweiterte Fassung aus der Feder des heutigen Solospezialisten Sebastian Thurau, der eine Rahmenhandlung um die alte Geschichte herum entworfen hat, so dass es nun eine Art Prolog, eine Palasterweiterung und ein Nachspiel gibt. Basis dafür ist eine später entstandene Handyvariante, die nun wiederum für eine Printveröffentlichung überarbeitet wurde. Mit immerhin 80 Seiten ist Nedime somit der seitenstärkste Band der gesamten Veröffentlichung.
  3. Gänzlich neu ist auch das Kaiser Retro Sonderheft. Im Kern enthält es 60 vorgefertigte Charakterbögen für Helden, mit denen man direkt in die Abenteuer starten kann. Die letzten 6 Seiten des Heftes sind allerdings für das kurze Soloabenteuer Die Burg der Ungeheuer reserviert, das ursprünglich ein kleines Gewinnspiel für einen Messeauftritt darstellte und aus der Feder von Ulrich Kiesow stammt.

Was habe ich damit vor?

Wie gesagt, dieser Artikel soll erst einmal eine Grundinformation darstellen und einen kleinen Überblick geben. Eine Wertung möchte ich noch nicht vornehmen, das soll Thema eines bzw. mehrerer Extraartikel sein. Dem Umfang der Box (und der Zahl an Zusatzprodukten, die ich auch noch bestellt hatte) Rechnung tragend, wird ein Schwerpunkt der nächsten Wochen hier im Blog sicherlich auf der Auswertung der Inhalte liegen. Feste Vorhaben sind dabei bislang:

– ein inhaltlicher Gesamtblick auf die Kaiser Retro-Box

– ein Retro-Check des Abenteuer-Ausbau-Spiels

– Retrochecks zu den Abenteuern Das Abenteuer beginnt, Silvanas Verschwinden und Die sieben magischen Kelche

– ein erneuter Blick auf Nedime-Tochter des Kalifen unter besonderer Berücksichtigung der neuen Spielanteile

Dabei will ich natürlich einerseits der Kernfrage schlechthin nachgehen, ob die Sachen heute noch einen realen und motivierenden Spielwert haben oder ob es sich um ein reines Nostalgieprodukt handelt, eher dazu gedacht, in alten Erinnerungen zu schwelgen. Genauso ist aber mit Sicherheit auch ein Blick darauf interessant, inwiefern hier das Material mit dem notwendigen Respekt behandelt wurde. Für die Neuanteile ist für mich zuletzt vor allem relevant, ob sie wirklich eine Bereicherung darstellen, sprich ob die Anekdoten von Werner Fuchs wirklich einen Mehrwert darstellen (vor allem für Leute, die als Besitzer der alten Ausgaben daran interessiert sind) und ob sich die Zusatzabschnitte gut in Nedime einfügen.

Allerdings handelt es sich um eine schier erschlagende Band- und Textmenge, somit wird dies alles wohl nach und nach geschehen, hoffentlich auch unterbrochen durch die eine oder andere „echte“ Neuerscheinung.

3 Kommentare

  1. Der Pedant in mir stört sich daran, dass Nedime (weil beigelegt) keinen eigenen Strichcode hat, aber grundsätzlich war ich bei meinem Überfliegen der Produkte durchwegs angetan. Mit einer Ausnahme: Die Maske des Meisters ist ein schlechter Scherz. Dass sie leider nicht an die Qualität des sagenumwobenen Originals heranreichen würde, war ja von Anfang an klar, okay, und (ausgestanzter) Schaumstoff hat auch den Vorteil, dass sie sicher mehr aushält, aber dass es nur ein „Mäskchen“ wurde, enttäuscht mich dann doch sehr. Außerdem hätte man das dritte Auge, wenn schon nicht ausformen, dann zumindest ausstanzen können, um nicht zu sagen müssen.

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  2. Ich bin nach bisheriger Lektüre der Regeln und des Wirtshauses positiv überrascht von der damaligen Qualität der Texte und der Regeln – insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass das alles in nur sehr kurzer Zeit erstellt wurde.
    Damit bin ich auch schon bei meinem einzigen Kritikpunkt. Die Kommis von Werner, die ja einen wesentlichen Anteil des neuen Contents darstellen, fand ich doch eher enttäuschend. Viele der Anekdoten kennt man schon und auch sonst sind die eher ziemlich knapp und oberflächlich bzw. allgemein gehalten.

    Insgesamt wirkt es auf mich jedenfalls inspirierender als viele Publikationen der letzten Jahre.

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  3. Ich finde die Textqualität generell auch gut, tatsächlich merkt man die wenigen Wochen Produktionszeit nicht, wobei die Regeln schon einige Löcher haben, auch wenn sie natürlich angenehm einfach zu erlernen sind.
    Was die Kommentare angeht, finde ich die im Bereich der Regelsachen durchaus interessant. Schwierig wird es da, wo er offensichtlich eigentlich nicht der passende Ansprechpartner ist, zum Teil kennt er ja die Abenteuer nicht, die er kommentieren soll. Das wird dann humorig gelöst, hat aber irgendwie wenig Sinn.

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