Rezension: Meisterschirm Katakomben & Ruinen

Vorbemerkung: Ulisses Spiele hat für Meisterschirme die Strategie, keine Neuauflagen von vergriffenen Exemplaren anzufertigen, stattdessen wird ein neuer Schirm mit einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt entwickelt. Nach den Themen Tavernen und Theaterrittern hat das jüngste Exemplar eines der ureigensten Genrephänomene als Oberthema, dreht sich doch alles rund um finstere Ruinen, die es zu durchforsten gilt. Wie üblich ist das Objekt der Begierde für mich weniger der Meisterschirm selbst, sondern das Beiheft mit einer themenbezogenen Materialsammlung.

In Zahlen:

– 1 Spielleiterschirm (4 DinA4 Seiten)

– 1 Begleitheft (47 Seiten)

– 4 Beispieldungeons

– erschienen am 11.5. 2018

– Preis: 24,95 Euro

I. Inhalt

Der Meisterschirm

Der Meisterschirm besteht wie seine Vorläufer auch aus vier stabilen DinA4-Blöcken. Außen kann man eine Heldengruppe dabei beobachten, wie sie in einen Dungeon eindringt. Die etwas illustre Zusammensetzung (u.a. ein Grolm und zwei Elfen) resultiert daher, dass es im Rahmen der Entstehung der englischsprachigen Produkte für finanzielle Unterstützer die Gelegenheit gab, ihren Helden in die Illustrationen einbinden zu lassen. Auf der Rückseite finden sich die üblichen Angaben, lediglich ein paar dungeontypische Angaben unterscheiden diese Variante von den vorherigen Schirmen.

Das Begleitheft

Das Begleitheft beginnt zunächst mit einem einleitenden Kapitel über die Funktion und den typischen Aufbau von Dungeons, zudem werden mehrere Typen differenziert (z.B. tote und lebendige Dungeons). Der folgende Regelbereich setzt sich mit Zusatzregeln zum Thema Beleuchtung und Orientierung auseinander.

Ebenso findet sich ein kleines Bestiarium mit Kreaturen, die besonders häufig in Katakomben anzutreffen sind (Ratten, Riesenamöbe, Schwarzkäfer und Skelett). Neben einer kurzen Vorstellung existiert auch jeweils ein kompletter Regelkasten. Neben solchen Wesen besteht eine große Gefahr im Vorkommen von Fallen. Auch hierzu sind einige besonders beliebte Vertreter aufgeführt (Falltür, Steinfalle, Pfeilschussfalle, Klingenfalle, Quetschfalle, Rutschfalle, Erstickungsfalle sowie magische und karmale Fallen). Zur Komplettierung gehören außerdem Regeln zum Bau und zur Entschärfung von Fallen. Um den Grabräuber auch mit entsprechender Ausrüstung ausstatten zu können, ist eine kleine Rüstkammer mit nützlichen Gegenständen enthalten, ebenso gibt es einige Elixiere und Alchimica (Eulentränen, Kaltes Licht, Leuchtkreide, Pyrophor und Trunk der ruhigen Hand).

Den größten Raum innerhalb des Heftes nehmen aber vier vollständig beschriebene fertige Dungeons ein. Konkret handelt es sich dabei um Die verlassene Zwergenbinge, Das Grabmal des trügerischen Scheins, Die Höhle der drei Verdammten und Die rattenverseuchte Kanalisation. Der Detailgrad ist jeweils unterschiedlich, erhalten die einzelnen Komplexe doch zwischen 4-8 Seiten, die Kanalisation z.B. stellt nur einen Teilabschnitt dar. Alle Dungeons sind beliebig verortbar, allerdings sind auch immer Vorschläge enthalten, wo man die jeweilige Anlage glaubhaft platzieren kann. Immer findet sich eine kurze Beschreibung der jeweiligen Örtlichkeiten und Räume (immer auch mit dem meist oberirdischen Zugang), teilweise (z.B. bei der Zwergenbinge) sind auch Hintergrundinformationen zur Geschichte der Anlage enthalten. Alle Dungeons verfügen natürlich über eine Übersichtskarte.

II. Kritik

Was den Meisterschirm selbst angeht, muss ich positiver Weise meine Kritik am Vorgänger (aus der Theaterritter-Kampagne), der mir viel zu wenig themenbezogen war, nicht wiederholen: Während drei der Rückseiten erneut die gängigen Angaben zu allgemeinen Regeln, Kampfregeln und Magie und Götterwirken enthalten, ist eine Seite komplett den Verhältnissen in einem Dungeon gewidmet, finden sich hier doch Angaben zu Sichtverhältnissen, der Orientierung und den Strukturen von Wänden. Die Bilder auf der Außenseite sind im Prinzip in jedem Abschnitt für sich durchaus gut gemacht, allerdings wirken sie (auch aufgrund der etwas merkwürdigen Zusammensetzung der Helden) nicht wie ein harmonisches Ganzes. Hier halte ich es für überdenkenswert, sich durch Crowdfunding-Erwerbungen solche Bindungen aufzuerlegen, die der Atmosphäre abträglich sein könnten.

Spannender ist für mich aber ohnehin das Beiheft, enthält es doch das inhaltliche Futter zum Thema. Sinnig ist dabei der kurze Einführungsteil mit den grundlegenden Gedanken zur Funktion und Systematisierung von Dungeons. Ähnliches gilt auch für den kurzen Regelbereich zu Sichtverhältnissen und Orientierung (zumindest für Spieler, die Spaß an der Reglementierung solcher Detailaspekte haben).

Für deutlich verzichtbar halte ich allerdings das Bestiarium, hier taucht wieder einmal das grundsätzliche Problem der Doppelungen bei DSA5 auf. Ich verstehe zwar den Gedanken, der dahintersteht (direkte Spielbarkeit nur mit dem vorliegenden Band und dem Grundregelwerk), trotzdem halte ich es für überflüssig, dass manche Kreaturen wie die Riesenamöbe ständig auch wieder in irgendwelchen Regelpublikationen landen. Passend ist hingegen die Vorstellung der verschiedenen Fallentypen, soll es doch gleichfalls eine Hilfestellung zur Konstruktion eigener Dungeons darstellen.

Das klare Highlight des Heftes sind dafür ganz eindeutig die Beispieldungeons. Vor allem die verlassene Zwergenbinge hat es mir angetan, handelt es sich doch um eine atmosphärische Beschreibung der seit langer Zeit von ihren Erbauern aufgegebenen Anlage, Hier gefällt mir auch, dass man zusammen mit der Hintergrundgeschichte und den aktuellen Bewohnern quasi ein direkt spielbares Abenteuer erhält.

Das unterscheidet dieses Szenario ein wenig von dem Grabmal des Priesters, das zwar seitenmäßig ähnlich stark ist, allerdings mit der variablen Wahl der Gottheit viel weniger konkret gestaltet ist. Hier hätte ich überhaupt kein Problem mit einer eindeutigen Nennung gehabt, wenn dafür noch mehr Raum für eine konkrete Ausgestaltung gewesen wäre (Wer war der Priester genau? Wer hat ihn getötet etc.). Gerade die Beantwortung solcher Fragen hätte die Erforschung noch spannender gestalten können, wenn man in den Wandmalereien gleichzeitig auch die Lebensgeschichte des Verstorbenen nachvollziehen könnte. So fehlt mir auch ein wenig die plausible Erklärung dafür, warum es sich bei diesem Grab um ein solches Sammelsurium von Fallen handelt.

Die anderen beiden Dungeons sind eher dazu angetan, in bestehende Abenteuer als zusätzliche Episoden eingearbeitet zu werden, dementsprechend ist mit 3 bzw. 4 Seiten der Detailgrad deutlich geringer, vieles wird der freien Ausgestaltung durch den Spielleiter überlassen. Passender Weise handelt es sich hier um einen Ort für ein Reiseabenteuer und um einen innerhalb eines urbanen Settings. Hier hätte ich mir allerdings in Ergänzung eher noch so etwas wie einen Dungeon-Bausatz gewünscht, mit dessen Hilfe man sich im Schnellverfahren kurz vor der abendlichen Spielerunde eine solche Anlange basteln kann.

III. Fazit

Der Meisterschirm Katakomben & Ruinen ist anders als sein unmittelbarer Vorläufer deutlich themenbezogener gestaltet, ohne dabei die notwendigen allgemeinen Angaben zu vernachlässigen. Das Begleitheft ist nicht frei von Längen bzw. Wiederholungen vorheriger Publikationen, kann aber vor allem im Bereich der Beispieldungeons überzeugen, wenngleich der Detailgrad deutlich unterschiedlich gestaltet ist. Noch mehr Anregungen zur eigenen Ausgestaltung von Dungeonkonstruktionen wären meiner Auffassung nach aber wünschenswert gewesen.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

4 Kommentare

  1. Interessant,
    Ich wusste garnicht, dass sie so ausgefuchst sind und alle Schirme nur 1x produzieren.
    Ich hab nur einmal kurz überflogen und fand die Abenteuer im Schirm nett anzuschauen, was den Sammeltrieb nochmal erhöht.

    Da ich der Meinung bin DSA kann kein Dungeon, finde ich die Innenseite zu dem Thema leider verschwendet, aber Kaufempfehlung würde ich trotzdem aussprechen

    Danke für deine Rezi

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  2. Was die Vorderseite des Schirms angeht, ist der Meisterschirm mit der Taverne bis jetzt ungeschlagen. Kurioser Weise wurden aber dort ja auch Charaktere von Fans eingearbeitet wenn ich nicht irre. Also alleine daran sollte es eigentlich nicht liegen.

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      1. Ja, da konnte abgestimmt werden (per Likes auf FB wenn ich nicht irre), aber die Charaktere über die Abgestimmt wurde stammten von Fans (nach Vorauswahl durch die Redax).

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