Auf nach Havena?

Vorbemerkung: Havena nimmt innerhalb des DSA-Kosmos eine besondere Stellung ein. Immerhin gilt die albernische Hauptstadt seit Begründung der Spielwelt als die Stadt der Abenteuer, ist sie doch schon im allerersten Abenteuer Silvanas Befreiung Ort der Handlung und gibt es doch in der Folge sehr viele Abenteuer, die dort ihren Anfang nehmen. Und schon recht früh hat die Stadt sogar eine eigene Box erhalten (eine Ehre, die bis heute sonst nur der Hauptstadt Gareth zuteil wurde) Umso erfreulicher, dass sich Ulisses Spiele nach der Veröffentlichung der Albernia-Regionalspielhilfe entschlossen hat, Havena eine eigene Spielhilfe zu widmen. Allerdings unterscheidet sich die bald kommende Umsetzung doch ein wenig von dem, was ursprünglich angekündigt wurde, was teilweise für Fragen sorgt.

Eine neues Crowdfunding

Statt einer regulären Veröffentlichung wie bei den anderen Regionalspielhilfen startet heute ein weiteres Crowdfunding, wobei neben der Regionalspielhilfe auch sämtliche der üblichen Beiprodukte (Abenteuer, Heldenbrevier, Kartenwerk, Soundtrack) Bestandteil sein werden. Zudem kann – analog zur Kaiser Retro-Box – auch eine Neuauflage der alten Havena-Box erworben werden.

Das sagt Ulisses

„Warum Crowdfunding“ – so hat Michael Mingers einen Artikel im Verlagsblog betitelt, in dem genau auf die Fragen aus den Foren, Facebook etc. eingegangen wird. Zusammenfassend wird hier angeführt, dass sich die Ideen für ein Veröffentlichungspaket immer weiter summiert haben, bis letztlich kaum eine Alternative blieb, dies als Crowdfunding anzugehen, insbesondere die Neuauflage der alten Box ließe sich sonst nicht realisieren.

Genauso wird der Eventcharakter eines solchen Crowdfundings betont, das eng mit viel Bewerbung im Social Media-Bereich verbunden ist, womit man auch Leute auf die Produkte aufmerksam machen könne, die man sonst nicht erreichen würde. Dabei werden negative Folgen für den Handel negiert, da die Erfahrungen besagen, dass auch der folgende Absatz im freien Verkauf gut ist. Zudem komme dies der veränderten Unternehmensstruktur entgegen, ließe sich somit auch mehr direkter Gewinn erwirtschaften.

Mein erster Impuls, als ich von dem erneuten Crowdfunding hörte, war eindeutig eher Ablehnung. Die anderen DSA-Crowdfundings waren eindeutig eher exotische Produkte, vor allem die DSA1-Neuauflage und das schon in der Entstehungsgeschichte eher kuriose Wege der Vereinigungen. Warum ein Kernprodukt jetzt auch auf diesem Weg erscheinen muss, der doch mit den ganzen Zusatzprodukten eher langwierig erscheint, hat sich mir nicht erschlossen.

Ich hatte dann auf der RPC die Gelegenheit, mit Markus Plötz ein paar Gedanken zu dem Thema auszutauschen. Wobei dieser einerseits einige der oben genannten Argumente nannte, letztlich aber auch unterstrich, dass für ihn weniger der Weg zur Entstehung, sondern eher das Endprodukt im Vordergrund steht. Und dabei hielt er laut eigener Aussage ein Crowdfunding für den besten Weg, ein optimales Produkt erstellen zu können. Tatsächlich habe ich mir zuletzt einige Gedanken zum Thema angestellt, wobei ich über einen optimalen Weg selbst nicht so sicher bin, gibt es doch einige Aspekte, die in beide Richtungen weisen.

Das spricht für ein Crowdfunding:

Wirtschaftlich macht Ulisses sicher nichts falsch, ich vermute ohnehin, dass auch der enorme Erfolg von Wege der Vereinigungen überhaupt erst zum Wechsel der Veröffentlichungsstrategie beigetragen hat. Die Crowdfundings sind ohne Zweifel ein Event, ich habe bei den beiden oben genannten Sachen teils mehrfach täglich auf die Entwicklung geschaut und mitgefiebert, was noch freigeschaltet wird. Und wenn ich das Retro-Paket als Ganzes nehme, das ja schon veröffentlich wurde, dann kann ich da unterm Strich auch konstatieren, dass ich mein Geld gut investiert habe, hier hat der Verlag sehenswerte Arbeit abgeliefert.

Zusatzprodukte wie die alte Havena- Box sind zudem sicher sehr reizvoll, umgekehrt aber wahrscheinlich nicht lohnend genug für ein eigenes Finanzierungsprojekt, zumindest nicht, solange man nicht noch ein zweites umfangreiches Retro-Paket schnüren möchte.

Wie bei den letzten Vorhaben wird es unterm Strich wahrscheinlich auch dieses Mal so aussehen, dass man als Unterstützer einen Vorteil hat, nämlich ein etwas günstigeres Gesamtprodukt im Vergleich zum normalen Handel.

Ganz klar existiert auch die Aussage des Verlags, dass die Kernprodukte zu Havena auch ihren Weg in den regulären Handel finden werden. Wer also Havena will, wird Havena bekommen, ganz gleich über welchen Verkaufskanal. Und die Kaiser Retro-Box hat gezeigt, dass direkt nach der Entsendung an die Unterstützer auch der normale Handel bedient wurde. Somit wird kein monatelanges Exklusivprodukt für Unterstützer geschaffen.

Das spricht gegen ein Crowdfunding:

Grundsätzlich erscheint aufgrund des guten Namen von Anton Weste, der hauptverantwortlich für die neue Spielhilfe ist, ein Crowdfunding für den Erfolg einer solchen Spielhilfe kaum notwendig. Angesichts der Popularität des Schauplatzes und des Autors würde eine solche Spielhilfe wohl auch im regulären Handel ihren Absatz finden.

Mein Hauptbedenken liegt eher in dem Abnutzungsfaktor. Immerhin ist die Finanzierungsphase von Wege der Vereinigungen erst kürzlich abgelaufen. Jetzt das nächste – sicherlich im Gesamtpaket wieder durchaus kostenintensive – bandstarke Großpaket an den Start zu setzen, mag den einen oder anderen Geldbeutel überfordern. In solchen Momenten denke ich immer an die Lebensphase mit Studium und Ausbildung zurück, in der DSA manchmal ein zu teures Hobby war. Natürlich kann man auch auf das eine oder andere Zusatzprodukt verzichten, trotzdem dürften allein die Kernsachen schnell eine kleine dreistellige Summe erzeugen. Das ist aber natürlich auch im regulären Handel der Fall. So oder so halte ich es für nicht ratsam, für die gleiche Produktlinie zu viele solcher Finanzierungen vorzunehmen. Letztlich zeigt sich ja auch, dass der Verlag entgegen der ursprünglichen Annahmen viel an Kapazität darauf verwenden musste, so dass die regulären Veröffentlichungen gerade etwas stocken (was natürlich auch aus anderen Gründen resultiert, u.a. dem tragischen Ableben von André Wiesler).

Und auch wenn Ulisses im eigenen Shop keine Rückgänge im späteren Verkauf registriert, fehlt dabei natürlich der Abgleich mit den Zahlen bei den Händlern vor Ort. Für solche Läden sind die immer mehr Präsenz einnehmenden Crowdfundings sicherlich nicht unbedingt angenehm. Gerade die Geschäfte, die im Rollenspielbereich ja auch eher klein und überschaubar sind, verdienen sicherlich auch eine regelmäßige Unterstützung, sonst sterben sie aus.

Fazit

Ich bin tatsächlich sehr gespannt auf das Endergebnis, ob z.B. der Erfolg von Wege der Vereinigungen wiederholt werden kann. Natürlich werde ich selbst auch dieses Mal teilnehmen und mir die Sachen holen, die für mich interessant sind und mit deren Begutachtung ich meinen Blog wieder über einen längeren Zeit füllen kann. Und nebenbei kann ich eine gewisse Vorfreude auf die kommenden Wochen und das tägliche Reinschauen in die Entwicklung des Projekts nicht abstreiten.

Wichtig finde ich, dass die Aussage besteht, dass weiterhin der reguläre Handel normale bedient wird und jeder, der es haben möchte, Havena und die Zusatzprodukte auch auf normalem Wege erwerben kann.

Skeptisch bin ich in der Frage, ob nicht langsam erste Abnutzungserscheinungen aufkommen werden, wenn so zügig nach Wege der Vereinigungen das nächste Großprodukt in Angriff genommen wird. Ob sich diese Erfolge wiederholen lassen, wird sich natürlich erst am Ergebnis ablesen lassen. Ich habe meine Zweifel, ob hier so schnell wieder so viele Leute bereit sein werden, eine im Endeffekt für ein Hobby nicht kleine Summe zu investieren.

Pure Profitgier würde ich Ulisses allerdings nicht unterstellen, wie nicht selten zu lesen. Ich habe durchaus den Eindruck gewonnen, dass dort Leute am Werk sind, die gerne an DSA arbeiten und selbst die Spielwelt ungemein schätzen. Gerade in einigen der Publikationsaspekten von DSA5 stimme ich zwar nicht mit deren Haltung überein (so finde ich die vielen Wiederholungen mittlerweile wirklich störend), kann aber die Ideen meist nachvollziehen. Die Verringerung des unternehmerischen Risikos durch die Vorfinanzierung mag sicherlich auch ein Faktor sein, allerdings scheint mir dies hier nicht der ausschlaggebende Faktor zu sein, sind doch offenbar die meisten Produkte schon fertig, also die Autoren bereits bezahlt. Und Havena würde sich wohl auch so verkaufen. Eher dürfte hier der Gedanke des Werbeeffekts im Vordergrund stehen, der natürlich auch für Ulisses die Vorteile eines noch besseren Absatzes und natürlich auch einer besseren Kalkulierbarkeit z.B. für die Auflagengröße der Einzelprodukte mit sich bringt. Positiv finde ich auch den Ansatz, auf die Bedenken in Form des oben zitierten Blogartikels einzugehen.

Schade finde ich den Effekt, dass hier ein klares Signal für einen anderen Vertriebsweg klar vorgegeben ist, der nicht die Unterstützung der Rollenspielläden präferiert. Gefühlt bringt das DSA noch ein Stück weiter von den „goldenen Zeiten“ weg, in denen die Boxen und Abenteuer auch in den großen Spielwarenhandlungen auslagen. Hier mag aber meine Wunschvorstellung schlichtweg zu weit von der Realität entfernt sein, an der sich ein Wirtschaftsunternehmen auf Gedeih und Verderb orientieren muss. In dieser Hinsicht ist natürlich die Entscheidung des Verlags vollkommen legitim, den Weg zu wählen, der den meisten Erfolg verspricht.

So oder so stehen wieder ein paar spannende Wochen ins Haus, einerseits im Rahmen des Crowdfundings selbst, andererseits auch in der Rezeption der Entwicklung und den daraus resultierenden Diskussionen.

1 Kommentar

  1. Das Problem ist ja eher die furchtbare Informationspoltik von Ulisses. Wenn man den Verlautbarungen glauben schenkt ist das Buch ja schon seit Monaten fertig. Den Geld und Zeit-Eliten wurde auf dem KRK ja schon früher bescheid geggeben. Aber der Pöbel sah das erste Quartal 18 kommen und gehen ohne zu erfahren was eigentlich los ist. Das gleiche beim Kompedium 2, angekündigt für die RPC – kein sterbenswörtchend azu, dass es noch nicht fertig ist. Die Hälfte der Ankündigungen stellt sich als falsch heraus. Das ist doch kein Zustand. Direktvertrieb ist lukrativer, vorbestellungen reduzieren das unternehmerische Risiko. Das sind die treibenden Gründe. Bei so einem winzigen Markt wie PenandPaer ist das auch legitim, ich glaube nicht , dass irgendwer bei Ulisses übermäßig reich wird. Aber warum man Dinge ankündigt und dann die Planänderung nicht kommuniziert, ist mir schleierhaft. Es passt so garnicht zum sonstigen Auftreten des Verlags.

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