Rezension: Kampf um die Macht

Vorbemerkung: Ein gutes Jahr ist vergangen, seit die erste Staffel der DSA-Hörbuch-Reihe von Winterzeit Audiobooks um den jungen Zwerg Gundar Gemmenschneider und seine Gefährten ihren Anfang nahm. Nun liegt mit Kampf um die Macht die sechste und letzte Folge vor, die die vorherigen Geschehnisse zu einem Ende führen soll. Bisher fielen meine Eindrücke ja ausgesprochen durchwachsen aus, eine handwerklich gute Produktion mit kompetenten Sprechern wird immer wieder dadurch getrübt, dass viel zu häufig offenkundig wird, dass die Autoren Aventurien nur in Grundzügen kennen und vieles recht beliebig wirkt. Positiv war allerdings der Trend der der letzten Folgen, dass die Story an Spannung gewonnen hat und man sich gut unterhalten fühlt. Interessant ist natürlich die Frage, ob das große Finale dies fortführen und gelungen abschließen kann.

I. Inhalt

Wiederum ist die Handlung zunächst zweigeteilt. In Gareth ist es weiter ein munteres Intrigenspiel, das seine Kreise zieht, nunmehr mit Dexter von Crumold im Mittelpunkt, der eine Gruppe von Verschwörern um sich schart. Als ihn Gerüchte von der erfolgreichen Mission der Gruppe um Gundar erreichen, schickt er ihnen seine Schergin Seminole Silberhaar entgegen, um sie endgültig auszuschalten.

Bei der ersten Konfrontation entpuppt sie sich als eine alte Bekannte von Filoen, die die Gruppe zwar gefährden kann, trotzdem gelingt den Helden die Flucht. In Gareth angekommen, erwarten die überlebenden vier Gefährten nichts sehnlicher als den Moment der Übergabe der Herrscherinsignien an Lares und Sardos, befreit sie dies doch von ihrer Schuld gegenüber ihren Befreiern aus dem Kerker. Was ein Augenblick des Triumphs werden soll, kehrt sich aber in einer überraschenden Wende in das Gegenteil, werden doch plötzlich unselige Mächte freigesetzt.

Unverhofft finden sie jedoch neue Verbündete, die ihnen helfen, einen Wahnsinnigen dabei zu stoppen, Gareth in Aufruhr zu bringen. Allerdings ist es natürlich der Heldengruppe selbst vorbehalten, das große Finale auszufechten. Doch auch dieser Kampf gegen einen Feind mit übermenschlichen Kräften geht nicht ohne Verluste vonstatten.

II. Figuren

Dieses Mal sticht kaum einer der Gefährten aus der Gruppe heraus, der Fokus liegt eindeutig auf der Gruppe, auch wenn Gundar tatsächlich die finale Heldentat überlassen wird. Naturgemäß wird der Hintergrund von Lares weiter aufgedeckt, allerdings werden die Zusammenhänge seiner Herkunft eher grob erläutert. Ähnliches gilt für Dexter von Crumhold, der eine deutlich Umdeutung erfährt, da man nun seine wahren Motive erkennt.

Als einzige neue Figur wird Dexters Gefolgsfrau Seminole eingeführt. Diese darf sich als kompetente Kämpferin zeigen, ihre Vorgeschichte, die sie offenbar eng an Filoen bindet, wird aber nur angedeutet und nicht vertiefend aufgelöst.

III. Kritik

Leider kann Kampf um die Macht den Aufwärtstrend der beiden vorherigen Folgen nicht im Ansatz halten. Im Gegenteil, die Story wirkt reichlich abstrus und eine klare dramatische Zielrichtung ist für mich nicht erkennbar. Zwar werden grundsätzlich erwartbare Elemente eines Handlungsabschlusses eingehalten, in diesem Fall die Rückkehr der Helden nach Gareth und die letzte Herausforderung im Kampf gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner.

Auch konkret werden bestimmte Elemente sinnhaft fortgeführt. Lares Wandel wurde ja schon im letzten Teil herbeigeführt, was auch zur interessanten Umdeutung der Motive seiner Gegner, z.B. beim Attentat, führt. Ebenso agieren die einzelnen Charaktere nunmehr endlich nicht ausschließlich wie ein Haufen unreifer und zerstrittener Kinder, sondern wie eine echte Einheit (was nicht bedeutet, dass das Gezanke aller vorherigen Teile nicht bis zu einem bestimmen Maß weitergeführt wird).

In vielen Details sehe ich aber leider eine sehr schwache Umsetzung: So bleibt Lares abschließender Plan ausgesprochen diffus, er zieht letztlich nach dem Erhalt der Insignien aus, um auf einer Feier die Gäste zu ermorden. Ob er eine große Agenda hat, wird nicht aufgelöst, auch nicht, ob er abseits der individuellen Stärke noch andere Kräfte hat, die ihn zu einer ernsten Bedrohung für ganz Gareth werden lassen könnten, ist nicht erkennbar. Sein Abgang legt nahe, dass er zwar für diese Heldengruppe eine ernsthafte Herausforderung darstellt, aber nicht für sein gesamtes Umfeld, kann er doch mit einer quasi „herkömmlichen“ geweihten Waffe bezwungen werden, wie sie in Gareth sicher mindestens hundertfach existiert. Etwas schade ist dann auch die wenig heroische Beendigung des Kampfes, wenn Gundar seinen Feind mit einem einzigen Schlag, noch dazu in den Rücken des Gegners, vernichtet. Das hätte man meiner Meinung nach deutlich dramatischer lösen können.

Ohnehin wirkt die gesamte Geschichte wenig konsistent, weil zu viele Lücken in der Handlung bleiben. So ist Seminole sicherlich ein interessanter Charakter, kommt aber kaum zur Geltung und ihr Verhältnis zu Filoen bleibt zudem ungeklärt. Genauso sind bestimmte Zusammenhänge unklar: Woher wissen alle (Freund und Feind) von der baldigen Ankunft der Helden, wenn diese doch abseits der Wege reisen? Warum versuchen Dexter und seine Mitverschwörer nicht viel früher, die Helden von ihren guten Absichten zu überzeugen? Wieso wählen solche Leute statt einer offenen Anklage ein Attentat auf Lares? Wozu ist gegen einen einzigen Jüngling ein Geheimbund notwendig, obwohl dieser offenkundig nur über Sardos und die Helden als Verbündete verfügt? Für mich sind das zu viele Fragen, auf die man keine befriedigende Antwort erhält. Auch plötzliche Offenbarungen über Alinnes Herkunft tragen nicht unbedingt dazu bei, die Plausibilität der Handlung zu vergrößern.

Nach wie vor fällt zusätzlich auf, dass die Macher wenig Wert auf eine gründliche Recherche legen: Manchmal sind es Kleinigkeiten, z.B. wenn Dexter Seminole, einer Elfe, den Segen Rondras mitgibt. An anderer Stelle mutet es dann merkwürdig an, wenn statt der reichhaltigen Anzahl an aventurischen Dämonen irgendwelche Fantasienamen aus dem Hut gezaubert werden. Schließlich wird Dexter von Crumold als einer der einflussreichsten Menschen Gareths bezeichnet, obwohl sein Name im offiziellen Aventurien nie erwähnt wird. All das sind nur einige Beispiele für einen Sachverhalt, der sich durch die gesamte Reihe gezogen hat.

Insgesamt finde ich es schade, nach dem Aufwärtstrend der beiden vorherigen Folgen hatte ich auf ein spannende Finale gehofft, auch weil die Stärken zuletzt sicherlich im Bereich der Story und der dramatischen Verschärfung lagen.

IV. Fazit

Kampf um die Macht stellt für mich leider nicht das erhoffte große Finale dar, sondern ist meiner Meinung nach der Schwachpunkt unter den Einzelepisoden. Letztlich gelingt es nicht, glaubhaft die bisher aufgelegten Plotfäden konsistent aufzuschlüsseln, stattdessen sind weitere deutliche Brüche in der Handlung erkennbar, zudem existiert weiterhin das Problem, dass aventurische Sachverhalte viel zu wenig eingebaut werden, so dass immer noch eine gewisse Beliebigkeit vorhanden ist. Hier hoffe ich, dass gerade dieser Kritikpunkt in der bereits angekündigten zweiten Staffel aufgenommen wird. Die professionelle Machart, die durchgehend auf hohem Niveau gelegen hat, würde durch mehr inhaltliche Stimmigkeit deutlich aufgewertet werden.

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