Rezension: Unendlichkeit & Tiefenrausch

Vorbemerkung: Ein Charakteristikum der DSA-Crowdfundings ist der – für den deutschen Rollenspielmarkt – immer noch sehr breiten Spieler- und Leserschaft geschuldet: Die finalen Finanzierungssummen sind beachtlich und so fällt auch die Ausstattung mit Bonuszielen relativ üppig aus, was natürlich auch den Eventcharakter des Finanzierungszeitraums betont. Vor allem werden so auch noch solche Anteile freigeschaltet, die dann nicht mehr in thematisch ähnlich gestaltete Bände passen. Ein solcher Fall ist Unendlichkeit & Tiefenrausch, das all die Themen bündelt, die eigentlich in die Stadtspielhilfe selbst passen würden, dort aber keinen Platz mehr hatten. Damit stellt sich mir immer Frage nach der Konsistenz, da das Heft ja auch einzeln zu erwerben ist: Handelt es sich um ein buntes Sammelsurium oder eine sinnvolle Ergänzung?

In Zahlen:

– 32 Seiten

– Preis: 11,95 Euro

– erschienen am 25.10. 2018

I. Aufbau und Inhalt

Das Heft ist im Wesentlichen in vier voneinander unterscheidbare Einzelbereiche aufgeteilt. Am Anfang steht dabei ein Bestiarium der Unterstadt, das neue Meereswesen vorstellt. Dabei handelt es sich um sieben Wesenheiten (Blauling, Geisterqualle, Panzerkrebs, Rirgit, Rochenwurm, Schattenrochen und Wasserleiche), die jeweils einen Info-Text und einen Wertekasten erhalten. Auf zwei Seiten schließt sich eine Rüstkammer für Schatzsucher und Kultisten an, allerdings ohne Beschreibungen oder Werte, sondern lediglich als Ausrüstungspaket angelegt.

Folgend erhält man als Spieler Unterfütterung für die Anhänger des Numinoru und der Charyptoroth. Einerseits wird der Numinoru-Geweihte als Professionspaket vorgestellt, also mit seinen Traditionen, dem Muschelhorn als Traditionsartefakt und den Liturgien und Zeremonien. Charyptoroth-Paktierer werden hier um alles Wissenswerte zu Pakten erweitert, also um Angaben zur Art des Paktes und natürlich auch um die entsprechenden Paktgeschenke. Zuletzt sind noch inneraventurische Quellen enthalten, die ebenfalls mit den beiden beinhalteten Meeresgottheiten verbunden sind.

II. Kritik

Interessant ist sicher der gewählte Schwerpunkt, der Zweck des Heftes ist es eindeutig, Spielern und Spielleitern zu ermöglichen, Anhänger von Numinoru und Charyptoroth ins Spiel einbringen zu können. Dabei geht beispielsweise von den Erläuterungen zu einem möglichen Pakt mit Charyptoroth ein ausgesprochen morbider Charme aus, wenn da die Kontraste zwischen den teils sehr mächtigen Paktgeschenken und umgekehrt dem schrittweisen Verkauf der Seele aufgezeigt werden.

Für Numinoru finde ich es zusätzlich wichtig, dass hier dessen Priester spielbar werden, immerhin birgt dieser ja klares Herausforderungspotential für Efferd. Wenn das angekündigte Götterbeben wirklich ernstgemeint ist, ist es auch notwendig, die alternativen Konzepte vorzustellen und dabei auch die Besonderheiten anzuführen, die Unterschiede zu Efferd aufwerfen. Numinoru wird hier als kalkulierende Gottheit dargestellt, mit extrem langfristiger Agenda, was auch für seine Geweihten gilt. Trotzdem kann nicht per se die Rede von einer Gemeinschaft mit negativer Ausrichtung sein, wie es unzweifelhaft bei Charyptoroth der Fall. Der Gedanke eines „Schläfer“-Kults hat sicherlich seinen Reiz, nach ewigen Zeiten des Daseins im Untergrund drängen seine Anhänger nun sukzessive weiter vor, eben auch soweit, dass sie als Heldentypen denkbar sind. Dabei wird auch darauf eingegangen, welche Problematiken sich hier ergeben können, immerhin wird Numinoru in den meisten Gegenden Aventuriens nicht akzeptiert, d.h. der entsprechende Held ist wahrscheinlich dazu gezwungen, seine Gesinnung zu verbergen, so denn Komplikationen vermieden werden sollen.

Das Bestiarium ist zwar mit lediglich sieben Wesen recht kurz gehalten, alle Wesen dienen jedoch gut dazu, die Unterstadt mit passenden Wesenheiten ausstatten zu können. Nach wie vor existiert hier allerdings der Nachteil, dass die exorbitant großen Wertekästen viel Platz einnehmen, was die Anzahl an Kreaturen stark begrenzt, die eingeführt werden.

Im Gesamten bleibt in der Zusammenstellung tatsächlich nur ein mäßig konsistenter Eindruck. Die beiden Beschreibungen zu Charyptoroth und Numinoru passen zwar wie angesprochen zusammen, die Kreaturen und die Ausrüstungspakete sind hingegen völlig andere Themenkomplexe. Zwar fügt sich natürlich alles in den Kontext eines maritimen Settings, trotzdem sind keine engeren Verbindungen erkennbar. In dieser Hinsicht handelt es sich für mich dann doch um eine Zusammenfügung von Themen, die im Hauptband keinen Platz mehr hatten und nun noch eingebaut werden sollen. Hier wäre mir persönlich ein reiner Kultband noch lieber gewesen.

Hier allerdings setzt dann doch mein zentraler Kritikpunkt an: Von der Wertigkeit her (nimmt man die investierte Arbeitszeit, die farbigen Illustrationen etc.) sind die knapp 12 Euro sicherlich gerechtfertigt. Verglichen mit anderen Bänden ist es mir aber letztlich zu wenig an Inhalt, den ich hier erhalte, wenn ich z.B. einen Abenteuerband oder eine regionale Rüstkammer daneben setze. Somit würde ich bei einem solchen Band genau abwägen, inwiefern ich die angebotenen Inhalte wirklich verwenden will. Allerdings sind solch kleine Heft umgekehrt ja auch kein Regelfall, sondern als Nebenprodukt eines Crowdfundings eher eine Ausnahme, die sonst wahrscheinlich als reines PDF für kleines Geld erscheinen würde.

III. Fazit

Unendlichkeit & Tiefenrausch ist vor allem dann interessant, wenn man sich für Anhänger von Charyptoroth und Numinoru erwärmen kann, insbesondere wenn man einen Geweihten von letzterer Gottheit als Spielfigur in Erwägung zieht. In der Zusammenstellung der Heftinhalte merkt man den Charakter eines Anhängsels des Hauptbandes, da hier unterschiedliche Themen beinhaltet sind, die nur lose miteinander verbunden sind.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

4 Kommentare

    1. Ich persönlich finde Begriffe wie „Fanboy“ oder „Hater“ ja im Prinzip einfach nur grauenhaft, weil sie viel zu pauschal und nichtssagend sind. Aber es steht dir natürlich frei, diese Meinung über mich zu haben. Ich bemühe mich, meine Kritik so gut es geht zu begründen, mehr kann ich nicht machen. Es ist zudem lediglich meine eigene Meinung, ich erwarte von niemandem, dass das geteilt wird. Aber ich freue mich sehr über den Abgleich mit anderen Eindrücken.
      Nur mit dem Urteil „schrecklich“ kann ich ohne weitere Anmerkungen leider wenig anfangen.

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  1. Mir hat der Band ganz gut gefallen. Ich finde auch, dass die Kreaturenbeschreibungen sich zu Numinoru und CPT gut einfügen, schließlich sind die beiden Unsterblichen ja auch Herr bzw. Herrin über solche „Seemonstren“. Was ich vermisse, sind Abbildungen des Rirgit und des Rochenwurms.
    Die Rüstkammer ist in der Tat völlig deplatziert und hätte mit ihren zwei Seiten ruhig auch in die eigentliche SSH gepasst.

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