Rezension: Das Heldenbrevier der Flusslande

Vorbemerkung: Zu einer festen Institution sind mittlerweile als Begleiter einer jeden neuen DSA5-Regionalspielhilfe die Heldenbreviers geworden. Somit gibt es natürlich auch Das Heldenbrevier der Flusslande von Carolina Möbis, in dem sich prototypische Figuren aus der Region einander begegnen, um miteinander in ein Abenteuer verwickelt zu werden. Nebenbei ist ein wichtiges Merkmal der meist als kleiner Briefroman verfassten Bände, dass sie als eine Art von Reisebericht fungieren, sind die Protagonisten doch auch immer auf Reisen, um den Lesern zumindest einen kleinen Querschnitt der prägenden Orte oder Landschaftstypen zu präsentieren.

In Zahlen:

– 160 Seiten

– 2 zentrale Erzählperspektiven

– Preis: 14,95 Euro

– Erschienen am 13.12. 2018

I. Aufbau und Inhalt

Diesmal sind es bis auf kleine Ausnahmen zwei Erzählfiguren, die uns mit auf ihre Abenteuerreise nehmen: Zum einen dienen als Quelle die Aufzeichnungen der Inquisitorin Aurane von Weiseprein, deren Reise in Elenvina beginnt. Dort wird sie von niemand anderem als Herzog Hagrobald mit einem delikaten Auftrag ausgestattet: Seit Kurzem ist seine Mutter, die alte Landesmutter Grimberta verschwunden, nachdem sie sich klammheimlich mit unbekanntem Ziel aufgemacht hat. Aurane soll sie demnach ausfindig machen und wohlbehalten zurückgeleiten.

Auch die zwergische Braumeisterin Feligra hat einen hochherrschaftlichen Auftrag, wenn auch etwas weniger brisant: Auf Geheiß von Fürst Blasius von Eberstamm soll sie ein Festbier für das berühmte Schützenfest von Gratenfels produzieren und dorthin transportieren. Und natürlich – wie sollte es auch anders sein – gestaltet sich diese Aufgabe nicht ganz problemlos. Als Eskorte wird sie von dem ehemaligen Angbarer Sappeur Idamil Halmbusch begleitet.

Zunächst machen sich beide Erzählerinnen unabhängig voneinander auf den Weg. In diesem Bereich der Geschichte werden vor allem die Figuren vorgestellt, wobei Aurane natürlich die Perspektive einer distanzierteren Person einnimmt, die als Beauftragte der Praioskirche die Obrigkeit repräsentiert, dabei aber keineswegs hartherzig ist, sondern auch im rechten Moment Milde walten lassen kann. Feligra hingegen scheint auf der Reise an jedem Fleckchen Bekannte und Freunde zu haben, ist dabei sehr jovial und natürlich auch sehr trinkfest. Ihr Begleiter Idamil kann sich mehrfach als handfester und fähiger Beschützer auszeichnen, der vor allem in der Wildnis wertvoll ist.

Über gewisse Umwege führt die Handlung die drei ungleichen Figuren in Gratenfels zusammen, wobei Aurane Feligra und Idamil als Ortskundige anwirbt, da sich die Spur der Herzogsmutter alles andere als leicht verfolgen lässt. Zudem rätselt sie weiterhin, was die hohe Würdenträgerin dazu bewegt haben könnte, das sichere Heim zu verlassen und sich auf die gefahrvolle Reise zu begeben.

Bevor dies jedoch am Ende aufgelöst wird, finden sich im Band viele Beschreibungen der Region, sowohl von den großen Städten Elenvina, Angbar und Gratenfels, aber auch von den ländlichen Gebieten. Und natürlich verläuft die Reise keineswegs ohne Unterbrechungen, gilt es doch für die Protagonisten, sich mit Räubern, Entführern und den Launen der Natur auseinanderzusetzen.

II. Kritik

Im Rahmen der bisherigen Heldenbreviers verdient die Kombination aus einer Inquisitorin und einer zwergischen Braumeisterin sicherlich einen Preis für die originellste Zusammensetzung. Was aber zunächst kurios klingt, passt durchaus zu der Region, funktioniert aber auch vor allem deshalb, weil Aurane nicht mehr dem alten Klischeebild entspricht. Vielmehr folgt ihre Figurenzeichnung dem deutlich offeneren und aufgeklärten Bild der Praioskirche, welches vor allem durch die Quanionsqueste geprägt wurde. Insofern kann die aufkommende Freundschaft zu der lebensfrohen Zwergin Feligra durchaus glaubhaft dargestellt werden, auch wenn trotzdem Auranes etwas distanziertere Haltung immer wieder betont wird. Dafür sorgen dann Szenen, in denen die Inquisitorin sturzbetrunken ihr Mitleid für ein liebendes Pärchen entdeckt, auch für einen gewissen Humorfaktor, der durch die Schilderungen der belustigten Feligra noch ausgebaut wird.

Genauso sind die Beschreibungen der Region wie in den vorherigen Heldenbreviers sehr anschaulich gehalten, wenn das geschäftige Gratenfels in der Zeit des Schützenfestes als Hintergrund dient oder wenn lokale Räuberbanden am Wegesrand mit etwas Geschimpfe zur Raison gebracht werden. Wie üblich passt hier die ruhige Erzählweise in Form der Tagebucheinträge gut zum Inhalt. Zwar mangelt es durch diese Einträge jeweils in der Rückschau etwas an Dramatik, nichtsdestotrotz wird auch eine gewisse Spannung offen gehalten, hier vor allem durch die Frage, was die Herzogin dazu bewegt haben mag, ohne den gebotenen Schutz eine solche Reise auf sich zu nehmen. Immerhin wird hier ein Geheimnis im Bereich der Herzogsfamilie angedeutet, womit eine enge Anbindung an den regionalen Metaplot existiert. Auch die Einbindung von Hagrobald persönlich als Auftraggeber verleiht den Ereignissen eine gewisse Tragweite. Positiver Nebeneffekt ist, dass man hier einen Eindruck des neuen Landesherren der Nordmarken gewinnen kann, zeigen seine Mutter und er selbst sich doch überraschend nahbar, vor allem die Herzogsmutter, die sogar zur temporären Reisegefährtin wird.

Allerdings wird es mir stellenweise dann doch etwas zu bedächtig, für ein echtes Abenteuer sind letztlich zu wenige Spannungsmomente vorhanden und selbst diese entpuppen sich im Regelfall als noch deutlich harmloser, als ursprünglich zu erwarten war. In dieser Hinsicht knüpft das Heldenbrevier ein wenig an die Die Flusslande an, was mir zwar als Regionalspielhilfe durchaus gefällt, aber das Abenteuerliche ebenfalls leicht vermissen lässt. Hier überwiegt dann doch das Bodenständige, liegt der Fokus augenscheinlich deutlich mehr auf der Schilderung von Land und Leuten, was eben auch bedingt, dass die mutmaßlich gefährliche Räuberbande im Endeffekt nicht den großen Prüfstein darstellt. Allerdings sind die beiden Protagonistinnen ohnehin eher darauf ausgerichtet, ihre Konflikte mehr durch Beherztheit und Schläue zu lösen, denn durch den Gebrauch des Schwertarms.

III. Fazit

Das Heldenbrevier der Flusslande erzählt eine unterhaltsame Geschichte, die zwei sympathische Protagonistinnen auf eine anschauliche Rundreise durch den Kosch und die Nordmarken entsendet. Die Handlung ist dabei sehr bodenständig gehalten in der Darstellung von Land und Leuten. Trotz eines staatstragenden Auftrags fehlen allerdings echte Spannungsmomente, dafür sind einige sehr humorige Passagen enthalten.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

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