Braucht Aventurien Katzenhelden?

Vorbemerkung: Meine früheren Helden haben so ziemlich alles mitgemacht, was es in der Vergangenheit an Großereignissen mitzugestalten galt: Sie waren mit Phileasson auf Abenteuerfahrt, haben das Orkland durchquert, den Khomkrieg überstanden, Greifenfurt gehalten, waren Zeugen von Hals Verschwinden und haben zuletzt eine entscheidende Rolle bei Borbarads Fall gespielt. Die Figuren meiner Wahl waren in der Regel schillernde Personen, vom materiell orientierten Profi-Söldner über den listigen Phexgeweihten bis zum ehrbaren Krieger mit Weltverbesserer-Attitüde. Das neueste Crowdfunding hingegen will den Spielern eine gänzlich andere Rolle zuweisen: In Jens Ullrichs Die Schwarze Katze gilt es, als sogenannte erwachte Katze die Gassen Havenas zu durchstreifen. Irgendwie passt das nicht so ganz in mein bevorzugtes Charakterprofil, zumal der Verfasser dieser Zeilen zugegebener Maßen im realen Leben mit Tieren nie viel zu tun hatte. Lohnt sich gespannte Vorfreude auf DSK also trotzdem?

Episch klingt anders

Zumindest der Epikfaktor klingt zunächst einmal weniger hoch: Letztlich kann ich mir zumindest auf Anhieb nicht vorstellen, dass ein Katzenrollenspiel, das sich zunächst auf eine Stadt beschränkt, große Geschehnisse beinhaltet. Letztlich würde das ja auch zur bekannten aventurischen Bodenständigkeit passen, die ich zwar nicht grundsätzlich ablehne, die ich mir aber zuletzt immer öfter mal aufgeweicht wünschen würde. Andererseits muss man natürlich bei Katzen wohl andere Dimensionen bedenken, zumal Havena ja eine der größten aventurischen Städte ist. Nimmt man diesen Faktor, so kann das durchaus ein ganzes Katzenreich darstellen. Zusätzlich halte ich den Schauplatz für sehr gut gewählt, immerhin hat mich die kürzlich erschienene Havena-Spielhilfe voll überzeugen können. Sich hier anzulehnen, ergibt da absolut Sinn.

Ist das nicht was für Kinder?

Irgendwie klingt die Grundidee tatsächlich zunächst eher nach einem Konzept, das weniger auf Erwachsene fokussiert ist. Katzen bzw. Tiere als menschlich agierende Figuren sind ja eigentlich eher ein klassisches Thema von Kinder- und Jugendromanen bzw. -filmen. Die fand ich früher als Kind teilweise wirklich gut und spannend (Basil, der große Mäusedetektiv ist beispielsweise auch heute noch sehenswert, auch die Der gestiefelte Kater in der Shrek-Version macht viel Spaß), reizen mich heute aber bei weitem nicht so sehr wie früher.

Allerdings denke ich irgendwie immer, dass man sich auch als Erwachsener durchaus eine gesunde Prise Kindlichkeit bewahren sollte, gerade wenn man sich mit irgendeiner Art von Spielen beschäftigt (ganz gleich, ob man von Rollenspielen, Computer- oder Brettspielen spricht). Tatsächlich muss ich zugeben, dass ich gerade das bislang veröffentlichte Bildmaterial sehr ansprechend finde, auch weil es an solche Geschichten aus der Kindheit erinnert.

Und tatsächlich scheint ja auch aus der Machersicht genau dieses Potential im Fokus zu stehen, sind doch als eines der Funding-Ziele Erzählregeln für Kinder realisiert worden. Das ist meiner Meinung nach ein sehr sinnvoller Gedanke, bedenkt man, dass die DSA-Spieler ja mittlerweile durchaus in die Jahre gekommen sind, zumindest waren das ja die Ergebnisse der Umfragen in der jüngeren Vergangenheit, dass die Mehrheit der Ü30-Fraktion angehört, oft Spieler sind, die schon in den 80er und 90er Jahren nach Aventurien gefunden haben. Neben einem erkennbaren Blick auf Einsteiger (überdurchschnittlich viele Abenteuer im DSA5-Portfolio richten sich auch an solche Spieler, zudem kommt ja im März die Einsteigerbox), ist es da nur sinnvoll zu versuchen, Rollenspielern etwas an die Hand zu geben, mit denen man auch mit dem Nachwuchs auf eine kindgerechte Art und Weise erste Schritte in das Rollenspiel wagen kann.

Erfolgsformel Crowdfunding

Auch wenn man über die Verkaufsform diskutieren kann und ich gerade bei der Fülle an Crowdfundings der letzten Jahre nach wie vor die Gefahr einer Übersättigung sehe, kann ich nicht leugnen, dass die Finanzierungsphase meist sehr spannend gestaltet ist. Als Unterstützer schaut man häufig rein, ob ein neues Ziel freigeschaltet ist und was als nächstes ausgegeben wird. Ganz eindeutig muss ich aber sagen, dass ich absolut mit weniger Zielen leben könnte, die dann eben wirklichen inhaltlichen Mehrwert mitbringen. Sprich: Die Erzählregeln, das Kompendium und das Bestiarium und natürlich vor allem die Abenteueranthologie sind für mich sehr sinnvolle Sachen, während sich mir der Reiz von „Markus Plötz spricht im Livestream Tierstimmen ein“ einfach vollständig entzieht, auch die Lesezeichen und Poster werden bei mir eher Staub ansetzen. Umgekehrt stören sie mich auch nicht wahnsinnig, zudem habe ich bei den bisherigen Ulisses-Crowdfundings nie so gefühlt, als wäre das Endresultat nicht sein Geld wert (hier quantitativ gemeint, unabhängig vom persönlichen inhaltlichen Gefallen oder Nichtgefallen).

Das aktuelle Resultat sprich in der Hinsicht insofern für sich, als dass zur Zeit ganz offenbar am Ende wieder ein erfolgreiches und ansehnliches Endresultat stehen wird, liegt die Unterstützerzahl gerade doch schon über 600 Unterstützern und die Summe wird bald die Sechsstelligkeit erreicht haben.

Nachhaltigkeit garantiert?

Ein Punkt macht mich allerdings in der Tat wirklich noch etwas skeptisch: Der Fokus lag zuletzt deutlich auf den aventurischen Regelaspekten, erst zuletzt sind die Regionalspielhilfen verstärkt in den Fokus genommen worden, Abenteuer gab es abseits der Heldenwerke nur wenige. Myranor und Tharun liegen derzeit zwar der Lizenz nach wieder bei Ulisses, irgendwelche Pläne sind im vergangenen Jahr nicht veröffentlicht wurden, auch Uthuria liegt bislang brach. Es macht also deutlich den Anschein, als sei die Auslastung voll gegeben und für die anderen Schauplätze sind keine oder nur wenig Kapazitäten vorhanden.

Somit stellt sich mir die Frage, ob Die Schwarze Katze als reines Basisprodukt erscheinen wird, das zwar einiges an Umfang haben wird durch die Möglichkeiten der Kreierung von Bonuszielen, danach aber nicht weiter mit Nachschub versorgt wird. Sicherlich hat ein Spiel, das allem Anschein nach nicht mit Regelfülle überstrapaziert werden soll, da auch nicht das Output-Potential. Zusätzlich ist es auch fraglich, ob es wünschenswert oder sinnvoll ist, auch nur annähernd eine solche Beschreibungsdichte wie im Fall von Aventurien anzustreben, also zig weitere Katzenstadtbeschreibungen nachzuschießen. Allerdings würde ich mir schon eine ungefähre Ansage zur Zukunft wünschen, z.B. ob hin und wieder neue Abenteuerbände oder andere kleine Erweiterungen zu erwarten sind. In großen Teilen der Gesamtplanung scheint es sich ja um ein Ein-Mann-Projekt von Jens Ullrich zu handeln (auch wenn einige der Zusatzbände von anderen Autorinnen und Autoren verfasst werden) und nicht um ein großes Team.

Fazit

Natürlich habe ich mich allein aus Gründen meiner Chronistenexistenz auch schon längst für eine Unterstützung entschieden. Allerdings sehe ich auch abseits davon Potential, gerade die Kinderregeln finde ich spannend, aber auch inhaltlich kann ich mir gut vorstellen, dass es gelingen kann, hier ein schönes Setting zu schaffen. Wichtig fände ich aber, die Frage zu klären, ob auch nach dem Crowdfunding Folgematerial zu erwarten ist. So oder so kann ich mir – um zur Eingangsfrage zurückzukommen – Katzenhelden durchaus vorstellen.

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