Rezension: Angbarer Bock

Vorbemerkung: Eine neue Regionalspielhilfe bringt immer auch den Bedarf mit sich, entsprechendes Material zur Verfügung zu haben, um die dort enthaltenen Informationen auch sinnvoll nutzen zu können. Genau in diese Kerbe schlägt das neue Heldenwerk Angbarer Bock von David Lukaßen, das die im Dezember erschienene Spielhilfe Die Flusslande mit einem Abenteuerplot unterfüttert. Und schon der Blick auf den Klappentext verrät, dass die regionaltypische Bodenständigkeit bedient werden soll, geht es doch nicht um ganze Landesteile verwüstende Untotenheere oder die Masterpläne finsterer Schwarzmagier, sondern um eine Bedrohung der lokalen Brauereizunft, also etwas, was man seit jeher mit dem Kosch und auch speziell mit Angbar verbindet.

In Zahlen:

– 15 Seiten

– Heldenwerk Nr. 22

– Erschienen am 8.2. 2019 (zusammen mit dem Aventurischen Boten Nr. 193)

I. Aufbau und Inhalt

Das kurze Abenteuer besteht im Wesentlichen aus zwei zentralen Abschnitten: einer längeren Einführungsszene, in der der Abenteueranlass aufgeworfen wird, danach folgt die Suche nach einer Lösung für das Problem mit verschiedenen Anlaufstationen.

Zunächst wird eine lange zurückliegende Hintergrundgeschichte erzählt, in der es um die Bannung einer Bedrohung für das gesamte Brauereiwesen Angbars geht. Allerdings ist das Wissen um diese Eindämmung mittlerweile verloren gegangen. So kommt es, wie es kommen muss: Just in dem Moment, in dem die Helden es sich in einer traditionsreichen Gastwirtschaft gemütlich gemacht haben, verschafft sich eine uralte Wesenheit die Kontrolle über die Situation und droht damit, die Erzeugnisse der lokalen Braukunst zunichte zu machen.

Da dem Wesen auf klassische Art und Weise (also mit Schwert und Magie) nicht ohne weiteres beizukommen ist, ergibt sich nun Recherchebedarf: Die Helden müssen dem alten Geheimnis auf die Spur kommen, die Bannmöglichkeit ermitteln und die dazu notwendigen Schritte nachvollziehen. Hier ist es vor allem wichtig, sich mit den Hügelzwergen Angbars in Verbindung zu setzen. Im Ganzen ist der Ton des Abenteuers allerdings eher humorig angelegt, geht es doch letztlich nicht um Leben und Tod, sondern nur um Bier.

II. Figuren

Im Kern sind es vor allem die zwergischen Bewohner Angbars, mit denen die Spielercharaktere interagieren: Zentrale Ansprechpartnerin (und letztlich auch Auftraggeberin) ist die Braugrevin Feligra Steinlettner (die schon im Heldenbrevier für die Flusslande eine der Hauptfiguren war), zudem ist es vor allem die Familie Braubäumler, die bei der Lösung des Rätsels Unterstützung bieten kann.

Eine besondere Rolle nimmt hingegen der Broxxel (eine Art Bierkobold) Cerevisivisorix ein, der auf den ersten Blick den Antagonisten des Abenteuers verkörpert, umgekehrt aber auch ein unterhaltsamer Saufkumpan sein kann und der im Grunde seines Herzens ähnlich wie die Helden an einer Wiederherstellung der Ausgangssituation interessiert ist.

III. Kritik

Ein Abenteuer über die Bedrohung der Bierbraukunst, dazu noch in Angbar angesiedelt und mit alten zwergischen Geheimnissen verbunden – viel mehr regionales Flair lässt sich für den Kosch eigentlich nicht herstellen. Die Verbindung zur Regionalspielhilfe funktioniert gut, vor allem die Stadtbeschreibung Angbars, aber auch die Bereiche zur Kultur des Koschs lassen sich gut nutzen zur Anreicherung. Zudem gefällt mir die Einbindung des Heldenbreviers, indem die dortige Protagonistin Feligra nun hier einen Auftritt als NSC erhält, der auch ihrer dortigen Rolle vollkommen entspricht.

Was ebenfalls zum Kosch und zur Region passt, ist die humorige Grundanlage des Abenteuers: Die Kämpfer und Strategen werden hier sicher nicht auf ihre Kosten kommen (sieht man von der optionalen Auseinandersetzung mit einer Schlägerbande ab), hier sind eher gesellschaftliche Interaktion (z.B. bei der Besänftigung des Broxxels) gefragt und Recherchefähigkeit. Nimmt man das Abenteuer so, wie es offensichtlich gedacht ist, dann ist das Anliegen eher, eine kurzweilige Abenteuerepisode zu bieten, in der mehr der Spaß am Spieltisch im Vordergrund steht und weniger das Ausschalten einer ernsthaften Bedrohung, was auch für eine eher leichtere Atmosphäre sorgt. Dazu passt es dann auch, sich mehr mit unliebsamen Koboldstreichen auseinandersetzen zu müssen, als den Schwerthieben feindlicher Soldaten. Dies wird dann in der Eröffnungsszene bis zum Erwachen des Broxxels gut umgesetzt, genauso können sich aus dem späteren Hinhalten/verstecktem Ausfragen des Koboldwesens spaßige Momente ergeben. Unterm Strich ist es sicher auch wichtig, hin und wieder neue Abenteueransätze zu finden und in dieser Hinsicht ist Angbarer Bock sehr originell, wobei allerdings gleichzeitig auch zu bedenken ist, dass ein solches Abenteuer wahrscheinlich nicht den Geschmack jeder Heldengruppe finden wird.

Dann folgt allerdings für mich das große Aber: Die folgende Rechercheepisode ist für meinen Geschmack viel zu eng gesetzt. Im Prinzip müssen die Helden folgend nur die richtigen Personen aufsuchen, einen guten Bierbrauer finden und eine Quellnymphe um Hilfe bitten. Somit läuft es auf ein reines Abklappern von verschiedenen Figuren hinaus, während der Eigenanteil der Helden relativ gering ist, er ist immer nur auf die Interaktion beschränkt. Auch das kann natürlich bei richtiger Umsetzung viel Spaß bereiten, hier hätte ich mir aber eine viel offenere Anlage gewünscht. Es gibt eigentlich nur die eine Lösung und keine Alternativen. Bei einer interessanten Figur, wie sie Cerevisivisorix darstellt, hätte ich mir hier deutlich mehr Alternativen und keinen derart klaren Ablauf gewünscht. Stattdessen fällt den Helden hier vornehmlich die Rolle von Laufburschen zu. Beispielsweise halte ich es nicht für zwangsläufig, dass der Broxxel unbedingt wieder zurück ins Fass muss, also der vor Jahrhunderten gewählte Lösungsweg einfach nur imitiert werden muss (der sich ja durch die jetzigen Geschehnisse auch noch als lückenhaft entpuppt hat), andere Ideen werden aber gar nicht berücksichtigt. Natürlich können im Umfang eines Heldenwerks solche Optionen maximal angerissen werden, dies wäre meiner Auffassung nach aber dem engen Korsett der stattdessen etwas expliziter skizzierten Szenen vorzuziehen gewesen.

IV. Fazit

Die Grundanlage des Abenteuers ist originell, indem hier ein eher humoriger Plot die Akzente setzt und die Bedrohung auch nicht als lebensgefährlich eingestuft werden kann. Die Stärke des Abenteuers liegt vor allem in der Interaktion mit den Figuren, was zumindest im Fall des Antagonisten für sehr skurrile Momente sorgen kann. Leider ist für mich der gesamte Bereich der Problemlösung viel zu eng angelegt und bietet wenig Raum für kreative Ideen. Mit der guten Figurenriege hätte ich mir hier eine viel offenere Anlage gewünscht.

Bewertung: 3 von 6 Punkten

1 Kommentar

  1. Wenn man diese Wesenheit auf Brabak(bräu) loslassen würde, würde es das Ergebnis noch schlimmer machen oder womöglich doch gar veredeln (denn schlimmer als Brabakbräu geht doch eigentlich nicht mehr)? Diese für mich sehr bedeutende Frage wurde in dem HW leider nicht geklärt. 😉

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