Rezension: Aventurische Tiergefährten

Vorbemerkung: Es gibt sie im Rollenspiel offenbar in gleicher Beliebtheit wie im realen Leben, die tierischen Gefährten, die viele von uns in ihrem Alltag begleiten. Allerdings unterscheidet sich ein solches Gefährtentier von dem bisherigen Kreaturenansatz, der in Rollenspielen meist in Kreaturen- oder Monsterbänden vorhanden ist. Dort geht es im Regelfall um Gegnerkreaturen, mit denen Spielleiter die Helden vor Herausforderungen stellen können. Ulisses Spiele hat nun mit Aventurische Tiergefährten eine Grenzlinie zu den bisher erschienen Bestiarien gezogen. Ich finde dies auch insofern interessant, als dass ich an beiden Ausgaben des Aventurischen Bestiariums unter anderem das mangelnde Ordnungsprinzip kritisiert habe, also dass mir die beinhalteten Wesen vergleichsweise wahllos zusammengestellt wirkten.

In Zahlen:

– 128 Seiten

– 82 Tiere

– Preis: 27,95

– erschienen am 25.2. 2019

I. Inhalt und Aufbau

Kern des Bandes sind natürlich die Vorstellung der titelgebenden Tiergefährten. Jedes Tier erhält dabei eine ganze Seite, die mit einem Beschreibungstext und einigen relevanten Informationen über das Tier gefüllt ist. Zusätzlich gibt es einen ausführlichen Wertekasten und immer auch eine Illustration zur Veranschaulichung.

Als Ordnungsprinzip werden die jeweiligen Rassen gewählt: So finden sich 20 Hunde, 8 Katzen, 3 Esel und Eselartige und 16 Pferde. Als weiterer Oberbegriff werden die Hoftiere verwendet, von denen 6 enthalten sind (in der gängigen Form von Gans, Huhn, Rind, Schaf, Schwein und Ziege). Bei den Vögeln liegt der Fokus auf Boten- Jagd- und Ziervögeln, die mit 7 Exemplaren vertreten sind. Sehr breit gefasst ist das Kapitel Besondere Tiere, da hier eine Bandbreite von bekannten Tieren wie dem Dachs oder dem Elch bis hin zum Hippogriff und dem Westwinddrachen berücksichtigt werden. Die 22 Tiere dieser Kategorie haben zumeist gemeinsam, dass man sie nicht unbedingt als domestizierbare Tiere wahrnimmt, sei es ob ihrer Größe, ihrer Exotik oder ihrer Natur als eigentliches Wildtier.

Der etwa 30seitige Anhang stellt eine ganze Reihe von Regeln die Tiergefährten betreffend vor: Neben den Gangarten werden Kaufpreise, Futter- und Unterhaltskosten aufgeführt. Dazu erhält man Regeln zur Tierzucht, mittels denen die Tiere Ausbildungsaufsätze (z.B. eine Ausbildung zum Wachtier), Tricks und Loyalitäten vermittelt bekommen. Daneben werden auch weitere Aspekte wie Tierheilkunde- und Krankheiten aufgenommen.

Als besondere Tiere werden Heilige Tiere und Vertrautentiere (mit Beispieltieren inklusive Wertekästen) benannt, letztere können besondere Vertrautentricks erwerben. Auch Tiere können zusätzlich mit Vor- und Nachteilen sowie Kampfsonderfertigkeiten ausgestattet werden.

II. Kritik

Tatsächlich muss ich im Bereich der Bandstruktur im Vergleich zu den beiden Bestiarien ein großes Lob aussprechen: Durch die Wahl eines Schwerpunktes verfügt der Band über ein klar erkennbares Ordnungskonzept, das durch die die Summe der beinhalteten Tiere absolut nachvollziehbar erscheint. Das Oberthema ist tatsächlich hilfreich, einen konsistenteren Band zu kreieren, indem konsequent alle denkbaren Facetten angesprochen werden, wobei aber auch eine ordentliche Bandbreite vorhanden ist, da ja neben Begleitern für Abenteuer auch Nutz- und Reittieren enthalten sind. Auch der folgende Anhang ist thematisch völlig an die domestizierbaren Tiere angepasst. Gerade die Möglichkeit, den Tieren durch Tricks, Vor- und Nachteile oder Kampfsonderfertigkeiten ein individuelleres Profil verleihen zu können, gefällt mir sehr gut.

Rein formal sind die Informationstexte im Regelfall gut geschrieben und stellen die Besonderheiten des jeweiligen Tieres anschaulich dar, was besonders innerhalb einer Rasse wichtig ist, also z.B. in der Frage, was ein Elenviner Vollblut von einem Shadif unterscheidet. Auf diese Weise ist es auch hier möglich, das Tier nach den eigenen Bedürfnissen auszuwählen.

Allerdings liegt an dieser Stelle auch das große Aber: Wenn ich auf die Gesamtheit der beinhalteten Tiere schaue, so sind dort – wie oben angeführt – viele Hunde, Katzen, Pferde etc. vorhanden, dazu die gängigen Nutztiere. Was aber mir aber bis auf wenige Ausnahmen fehlt, sind originäre aventurische Tiere, die das Gefühl einer Fantasywelt vermitteln, die sich von unseren irdischen Begebenheiten merklich unterscheidet. Zwar sind die meisten Tiere durchaus aventurisiert, also mit einem passenden regionalen Hintergrund versehen, am Ende bleiben aber doch eher die Unterschiede in der Nutzung prägend, also z.B. ob es sich um einen Schoßhund oder einen Kampfbegleiter handelt oder um ein schnelles Reittier oder ein Lastpferd. Tiere wie der Taschendrache oder der Hippogriff sind klar in der Minderheit, hier hätte ich mir noch mehr Exotik gewünscht. Gerade beim Durchblättern erhält man tatsächlich eher den Eindruck, man würde ein (wirklich schön) bebildertes irdisches Tierbuch vor sich haben. Das ist sicherlich auch der gewählten Thematik geschuldet, die eben mehr mit gängigen Tieren verbunden ist, allerdings hätte hier auch in einem solchen Themenband die Chance gelegen, noch mehr Bandbreite und noch mehr rein aventurische Tiere zu zeigen, die den Charakter einer Fantasywelt noch deutlicher unterstreichen.

III. Fazit

Aventurische Tiergefährten ist ein sehr nützlicher Band, der den Spielern viele Möglichkeiten gestaltet, Tiergefährten nach den eigenen Bedürfnissen auszuwählen und diese durch die vorhandenen Regeln mit einem individuellen Profil auszustatten. Im Vergleich zu den bisherigen Kreaturenbänden fällt der klar gewählte thematische Schwerpunkt positiv ins Auge. Allerdings fehlt es mir an einem echten aventurischen Profil, die Tiere sind in ihrer Wahl für meinen Geschmack viel zu irdisch-konventionell und unterstreichen zu wenig den Charakter einer Fantasywelt. Gerade Aventurien hat hier sicherlich noch deutlich mehr an Bandbreite zu bieten.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

8 Kommentare

  1. Um mal ganz oberflächlich zu bleiben: Ich frage mich, wie die Elfe auf dem Titelbild an ihre Pfeile drankommt … XD
    Hmm, offenbar hält sie den Bogen normalerweise mit links, ist aber beidhändig und hat für diesen Schuss kurzzeitig die Seiten gewechselt. Respekt. oO

    Gefällt mir

    1. Cover sind bei DSA seit jeher ein Thema für sich, mit Realismus hat das meist nicht allzu viel zu tun. Allerdings muss ich zugeben, dass mich das nicht großartig kümmert. Letztlich finde ich ein Cover dann gut, wenn es entweder gut ausschaut oder schonmal eine interessante Geschichte beinhaltet. Das vorliegende Cover finde ich in der Hinsicht ganz ok.

      Gefällt mir

  2. Das ist in der Tat merkwürdig. Schade, wo doch das Bild sonst echt schön ist.

    Die Rezension liest sich erstmal nach mehr als 4 Punkten, aber mit deinen letzten Sätzen, wird es dann schlüssig. Klingt auf jeden Fall in Summe nützlicher, als ich zunächst erwarter hatte.

    Gefällt mir

  3. Ich verstehe nicht, was du dir noch an fantastischem Kram dazuwünschst. Im Vergleich zu vorherigen Editionen ist da doch schon massig Zeug dabei (Hippogriff! Flugechse! Riesenhirschkäfer! Ein MAMMUT!). Und klar gab es die früher auch schon, aber dass kommuniziert wird, dass Charaktere die haben können, ist neu. Was würdest du dir denn wünschen? Eine Schoßechse? Ein Hund der Feuer speit? Ich will nicht schnippisch klingen, mir ist nur unklar wie das aussehen würde.

    Gefällt mir

    1. Ich kann dir jetzt konkret keine Liste mit solchen Tieren nennen. Es ging mir ja auch eher um den Gesamteindruck: Du hast ein Rollenspielbuch aus einer Fantasy-Welt in der Hand und in der absoluten Mehrheit sind darin offensichtlich irdische Tiere enthalten, Ziegen, Schweine, Rinder etc. erzeugen bei mir einfach nicht den Sense of Wonder. Und auch das hätte ich im Rahmen einer neuen Edition für eine spannende Idee gehalten, da mehr Fantasy-Wesen einzubringen bzw. ggf. sogar neue zu kreieren.
      Und das ist ja auch nur mein Eindruck, den du überhaupt nicht teilen musst, es ist doch toll, wenn du damit absolut zufrieden bist. Generell halte ich den Band ja für völlig nützlich.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s