Rezension: Der Fluch des Goldes

Vorbemerkung: Neben den Printprodukten hat sich in den letzten beiden Jahren die DSA-Hörspielreihe von Winterzeit Audiobooks zu einer gewissen Konstante entwickelt. Die sechsteilige erste Staffel erzählte die Geschichte von Gundar Gemmenschneider und seinen Gefährten auf einer gefährlichen Mission in die Schwarzen Lande. Unterm Strich konnte mich die Reihe bislang durchgehend in technischer Hinsicht überzeugen, vor allem mit guten und professionellen Sprechern, Musik und Soundeffekten, während der Storyaufbau sich durchwachsen gestaltete und ich vor allem das Gefühl vermisst habe, wirklich eine Geschichte aus Aventurien zu hören. Die zweite Staffel versetzt die Handlung nun offenbar auf die See und verspricht laut Ankündigung noch mehr aventurische Expertise, wobei ich gerade in die dieser Hinsicht besonders gespannt bin, wie dies in der siebten Folge Der Fluch des Goldes umgesetzt wird.

I. Inhalt

Die Handlung schließt tatsächlich unmittelbar an die vorherige Folge an: Nach ihrem Erfolg muss die Gruppe Gareth verlassen und eigentlich steht nunmehr die Trennung der Schicksalsgemeinschaft bevor. In kurzen Passagen wird die bisherige Geschichte (z.B. in Form einer Erzählung Hothars) zusammengefasst, wobei die Stimmung weitaus gelöster wirkt als zuvor, es überwiegt die Erleichterung, die vorherige Mission wider Erwarten überlebt zu haben.

Allerdings ändert sich dies plötzlich, als ein alter Bekannter Hothars auftaucht und von einer missglückten Schatzsuche erzählt, in deren Folge mehrere Mitglieder von dessen ehemaliger Mannschaft unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommen sind. Diese Nachricht lässt den sonst so polternden Nordmann nicht kalt und er beschließt, hinter das Geheimnis des angeblich verfluchten Goldes zu kommen. Natürlich sind seine Freunde nicht gewillt, ihn alleine ziehen zu lassen, womit der Weg gemeinsam fortgesetzt wird.

Aufgrund ihres Status als gesuchte Verbrecher kehren die Helden Gareth den Rücken zu, wobei sie ihr Weg bis nach Perricum führt und zuletzt aufs Meer hinaus. Ein zweiter Handlungsstrang spielt allerdings nach wie vor in Gareth, wo sich eine erneute Gefahr für Gundar und seine Gefährten abzeichnet.

II. Figuren

Im Mittelpunkt der Folge steht diesmal Hothar, der sich im Verlauf der Handlung von einer anderen Seite zeigen darf. Der großmäulige Thorwaler, der bislang oft eher ich-fixiert wirkte, demonstriert Besorgnis um seine alte Ottajasko und ist sogar bereit, eine lange Reise auf sich zu nehmen, um ihnen zur Hilfe zu eilen. Zwischenmenschlich erscheint auch innerhalb der Gruppe einiges in Bewegung, wird doch mehrfach angedeutet, dass Alinne Gefühle für Hothar entwickelt, was von den übrigen Gefährten mit sanftem Spott begleitet wird. Ohnehin wirkt das Gruppengefüge homogener als in der ersten Staffel, indem deutlich wird, dass das gemeinsame Abenteuer die Gruppe zusammenwachsen lassen hat. Sardos, Gundar und Filoen rücken diesmal etwas in den Hintergrund. Als einzige relevante neue Figuren werden mit Laske und Ragna zwei ehemalige Mitglieder von Hothars Mannschaft eingeführt. Zudem taucht im zweiten Handlungsstrang mit Bragdul anscheinend ein neuer Gegenspieler auf, dessen Agenda allerdings noch unklar bleibt.

III. Kritik

Tatsächlich wirkt Der Fluch des Goldes insgesamt deutlich runder, was die Stimmigkeit angeht. Es wird durchgehend auf aventurische Begebenheiten hingewiesen, die Thorwaler im Einstieg klingen so, wie man sich eine Ottajasko auf Kaperfahrt vorstellt, umgekehrt fallen wenig Merkwürdigkeiten auf. Dabei handelt es sich eher um Kleinigkeiten, z.B. wenn Gundar vom „Zwergenreich“ als Heimat spricht, anstatt konkret ein Bergkönigreich zu nennen oder wenn die Helden in einem namenlosen Ort ihren Sieg feiern, anstatt dass einfach von der Landkarte ein konkretes Dorf gewählt wurde. Nach wie vor denke ich mir, dass so etwas den Aventurien-Kenner noch etwas mehr mitnehmen würde, ohne dass es den „normalen“ Hörer ohne Vorkenntnisse großartig irritieren würde.

Was die Handlung angeht, so handelt es sich eindeutig um einen Übergangsfolge, die natürlich an Dramatik nicht mit dem vorherigen Finale vergleichbar ist, das unbeschwerte Durchatmen ist nachvollziehbar. Auffällig ist aber tatsächlich, dass vergleichsweise wenig geschieht, da in Perricum lediglich die Begegnung mit Laske stattfindet, die die Helden auf ihre neue Mission verweist. Die kurze Vorstellung von Bragdul lässt einen ausgesprochen finsteren Protagonisten erahnen, allerdings liegen dessen Motive noch weitgehend im Dunkeln und werden sich in den weiteren Folgen erweisen müssen. Hier wird sicherlich auch die Frage spannend sein, in welche Gesamtrichtung sich die Story bewegen wird, ob beispielsweise mehr auf raue Wikingeromantik oder auf Fluch der Karibik-Flair gesetzt wird.

Positiv gestaltet sich die gesamte Gruppendynamik, die auf mich sehr stimmig wirkt. Auf die teils unnötigen und erzwungen Streitgespräche zwischen Gundar, Filoen und Hothar wird weitgehend verzichtet (z.B. die klischeehaften Elf-Zwerg-Zankereien), stattdessen erwecken sie eher den Eindruck von zusammengewachsenen Veteranen, die ihre Handlungen nun eher mit wohlmeinendem Spott kommentieren und besonders Hothar erhält eine wohltuende Weiterentwicklung seines Charakters, der mit den Andeutungen über eine tragische Vergangenheit deutlich mehr Tiefe erhalt. Die angedeutete Schwärmerei Alinnes für den Thorwaler erscheint mir allerdings etwas unmotiviert.

Nach wie vor ist die technische Seite ausdrücklich zu loben, das hervorragende Sprecherniveau wird beibehalten, was genauso für Musikuntermalung und Soundeffekte gilt. Wiederum erhält die CD zudem ein schönes Cover, wobei lediglich die Totenkopfflagge nicht ganz ins aventurische Bild passt.

IV. Fazit

Der Fluch des Goldes stellt eine durchaus vielversprechende Einstiegsfolge für die zweite Staffel der Hörspielreihe dar. Die Geschichte um den mutmaßlichen Fluch stellt die Motivation für eine zweite Abenteuerreise dar, wird ihr Potential aber noch unter Beweis stellen müssen. Positiv ist die Weiterentwicklung der Gruppendynamik zu bewerten. Als sichere Basis bleibt zudem die technische Machart ihrem bisherigen guten Niveau treu.

2 Kommentare

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