Gratisfutter – Memoria Myrana Nr. 54

Vorbemerkung: Nach wie vor harren die Fans der außeraventurischen Kontinente auf Nachrichten über neue offizielle Produkte, aber weiterhin hat Ulisses Spiele als Lizenzhalter noch nichts Konkretes dazu geäußert (auch wenn mein Optimismus weiterhin groß ist, dass sie natürlich dahingehende Pläne haben). Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor gutes Spielmaterial, da die Enthusiasten der Memoria Myrana sehr zuverlässig neue Texte veröffentlichen, aktuell handelt es sich um die 54. Ausgabe. Natürlich habe ich mich wieder mit viel Vergnügen auf die 44 Seiten gestürzt und möchte im Folgenden wie gewohnt einen kurzen Überblick über die Inhalte geben.

Myranor

Den Anfang macht der Siegerbeitrag der 3. Runde der Ars Myrana 2018: Roland Hofmeister schickt die Helden dabei in seinem Szenario Die Jagd auf die Blaue Chrysir auf die hohe See. Im Auftrag der Niederlassung der BVOC sollen sie einen Demergator namens Blauer Chrysir entern und nach Porto Miziron bringen, wo die Brabaker das für aventurische Verhältnisse völlig unbekannte Wunderwerk untersuchen wollen. Dabei gilt es zum einen, einen passenden Plan zu entwickeln, wie man das von einer Eskorte begleitete Unterwasserschiff in Besitz nehmen kann und zum anderen sicherzustellen, dass man die Revanchegelüste der Vorbesitzer abwehren kann.

Die Spielhilfe Reisende Gladiatoren von Jan Stawarz führt hingegen in die Parallelwelt von reisenden Gladiatorencirkeln, die überall im imperialen Bereich existieren. Hierbei handelt es sich weniger um die blutigen Kampfveranstaltungen, die man aus den großen Arenen gewohnt ist, sondern eher um schauspielerisch geprägte Darstellungsleistungen, bei denen die Kämpfer ihr Publikum in teils sehr lange weiterentwickelten Rollen unterhalten und die Kampfergebnisse oft bereits vorher feststehen. Zunächst wird das allgemeine System dieser Veranstaltungen und seiner Protagonisten vorgestellt, danach folgt die Schilderung einiger der wichtigsten Gladiatorencirkel und deren führenden Mitgliedern.

Auch die beiden folgenden Beiträge widmen sich dem Thema Gladiatoren, stellen sie doch spielbare Figuren vor. Die Meranische Gladiatorin von Mark Koschmieder und Mario Miernik setzt die Gladiatorin Mala in den Mittelpunkt, mit ihrer Hintergrundgeschichte und den spielrelevanten DSA4-Werten. Der Satyrische Gladiator von Dennis Rüter präsentiert als Archetyp einen Satyr, der trotz errungener Freiheit beim blutigen Arenahandwerk geblieben ist.

Der Wasserwurm von Julian Klippert erweitert das myranische Bestiarium um ein drachenartiges Unterwasserwesen, das allerdings bei weitem friedlicher als seine an Land lebenden Verwandten agiert. Neben der Speziesbeschreibung sind auch hier Spielwerte vorhanden.

Auch der Aufruf „Wir setzen eure Ideen um“ trägt erste Früchte: Jochen Willmann, Sean David Schöppler und Daniel Bluhm haben gemeinsam eine Anregung von Thorsten Habermann aufgenommen und die Spielhilfe Das Zepter des Acrobius ter Nesseria verfasst. Hier geht es um ein altes Artefakt, in dem dämonische Kräfte verborgen sind. Neben dem Hintergrund des Zepters wird dabei auch auf dessen Fähigkeiten und die dazugehörige Domäne Plagarya eingegangen.

Vesayama

Mit Heimweh schildert Daniel Bluhm mittlerweile das 4. Kapitel der Fortsetzungsgeschichte um das Schicksal zweier myranischer Prospektorinnen, die nach wie vor in einer Kloake gefangen sind und deren Lage immer bedrohlicher wird.

Rakshazar

Erneut aus der Feder von Roland Hofmeister stammt Die Herrscherin von Kasa. Hierbei handelt es sich um eine Abenteuer-Sandbox, bei der die Helden sich auf einer Insel vor der Küste Rakshazars für eine von drei Machtgruppen entscheiden müssen, die verbissen um die Vorherrschaft kämpfen. Nach der Vorstellung der Insel Kasa selbst schließt sich eine Schilderung der drei Gruppierungen an, wobei es sich um zwei ansässige Stämme und eine Gruppe Schiffbrüchiger handelt. Darauf folgen Beschreibungen relevanter Orte, die die Fraktionen für sich gewinnen können und denkbare Verläufe des Machtkampfes (und natürlich die Siegbedingungen für die Konkurrenten). Zuletzt sind einige Werte dort lebender Wesen enthalten.

Fazit

Wieder einmal enthält die Memoria Myrana einen bunten Strauß an unterschiedlichen Beiträgen, diesmal mit einem Schwerpunkt auf Szenarien und Spielhilfen (zum Thema Gladiatoren). Die beiden Abenteuer von Roland Hofmeister sind sehr skizzenhaft gehalten, beinhalten aber jede Menge Potential, besonders die Jagd nach dem Demergator kann aus meiner Sicht hollywoodreif umgesetzt werden.

Mein Highlight ist diesmal allerdings Reisende Gladiatoren, womit Jan Stawarz auch seitenmäßig den umfangreichsten Textbeitrag beigesteuert hat. Das Thema der Gladiatorencirkel wird sehr intensiv beleuchtet und beinhaltet sicher viele Möglichkeiten, solche Cirkel in ein Abenteuer einzubauen, auch weil viele Facetten dieser Gemeinschaften aufgezeigt werden. Klar erkennbar ist hier natürlich das Vorbild amerikanischer Showkampfveranstaltungen im Stile von Wrestling. Zwar finde ich stellenweise die Umsetzung sogar etwas zu vertieft (vor allem im Bereich der aktuellen Handlungsfäden, die die einzelnen Cirkel gerade aufführen), aber das Thema enthält erkennbar viel Abenteuerpotential, selbst wenn man wie ich mit solchen Veranstaltungen irdisch überhaupt nichts anfangen kann. Die beiden Archetypen stammen aus dem alten Ars Myrana-Wettbewerb von 2011 und stellen demgemäß eine andere Art von Gladiatoren vor, ergänzen aber natürlich die Spielhilfe thematisch passend.

Im Vergleich zu einigen vorherigen Aufgaben ist die Memoria Myrana 54 mit einer überschaubaren Anzahl an Beiträgen ausgestattet, ich muss aber sehr positiv anmerken, dass ich selten so ein durchgehend gutes Niveau der Beiträge wahrgenommen habe, das ist schlichtweg richtig professionell erstelltes Material, das sich mehrheitlich nicht vor offiziellen Publikationen verstecken muss, weshalb ich gerade diese Ausgabe jedem wärmstens empfehlen, der sich für alles jenseits Aventuriens interessiert.

3 Kommentare

  1. Danke Engor! Die Rezensionen der inoffiziellen Produkte gefallen mir besonders gut, auch wenn sie selten sind. Vermutlich weil ich viele Rezensionen lese und das doch immer was besonderes ist 😀

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