Rezension: Aventurisches Pandämonium

Vorbemerkung: Der Alltag eines Fantasy-Helden ist natürlich vornehmlich davon geprägt, sich in Konflikte und Gefahrensituationen zu begeben. Die Gegner sind dabei unterschiedlichster Art, gewöhnlich handelt es sich um humanoide Wesen oder Tiere bzw. tierähnliche Geschöpfe. Manche von ihnen stellen größere Herausforderungen dar als andere, gilt doch in einer Welt wie Aventurien beispielsweise der Kampf gegen einen Drachen als eine Art Königsdisziplin. Eine Art von Gegner ist allerdings im Regelfall besonders furchteinflößend und vor allem herausfordernd: Dämonen. Wesen, die einen unnatürlichen Ursprung haben und denen man auf herkömmliche Weise nicht beikommt, u.a. weil normale Waffen bei ihnen meist keinen Schaden anrichten. Ulisses Spiele hat diesen Wesen nun im Stile der Bestiarien einen eigenen Band gewidmet, das Aventurische Pandämonium. Sinn ist es, für Spieler und Spielleiter eine gute Bandbereite an Wesen aus den Domänen aller Erzdämonen zur Verfügung zu stellen.

In Zahlen:

– 160 Seiten

– 65 Dämonen aus 13 Domänen

– Preis: 34,95

– Erschienen am 26.7. 2019

I. Aufbau und Inhalt

Nach einem kurzen Vorwort und den üblichen Erläuterungen zu Fokusregeln erfolgt zunächst eine jeweils einseitige Vorstellung der verschiedenen Domänen. Dabei werden in einem kurzen Infokasten die wesentlichen Fakten angeführt (z.B. Herrscher, Aspekte, Feindbilder). Zudem folgt ein Text mit weiterführenden Informationen, die vor allem skizzieren sollen, was die Besonderheiten der jeweiligen Domäne sind. Zusätzlich zu denen der Erzdämonen wird als 13. Domäne unter dem Titel „Der Abgrund“ das Wirken des Namenlosen erläutert.

Den Kern des Bandes (insgesamt 130 Seiten) nehmen aber die konkreten Dämonenbeschreibungen ein. Diese folgen einem klaren Ordnungsprinzip, zu jeder der 13 Domänen werden 5 Dämonen präsentiert, wobei es sich immer um 2 niedere Dämonen, zwei Dämonen mit 1-5 Hörnern und einen machtvollen Dämon mit mehr als 5 Hörnern handelt. Die jeweilige Doppelseite pro Dämon wird zunächst mit einem kurzen Ingame-Text eingeleitet, der in der Regel die Begegnung mit der Kreatur zum Thema hat. Dem schließt sich ein längerer Infotext an, der u.a. auf die äußerliche Erscheinung und die Eigenschaften und Fähigkeiten eingeht. Zusätzlich wird erläutert, zu welchem Zweck diese Art von Dämon für gewöhnlich beschworen wird. Oft erfolgen noch Angaben zu historischen Besonderheiten (z.B.: gab es bekannte Beschwörungen in der Vergangenheit?) und speziellen Eigenarten (z.B. unter welchen Umständen sich ein Dämon gegen seinen Beschwörer wenden könnte). Jeder Dämon hat zudem einen umfangreichen Kasten mit allen relevanten Werten (natürlich auch mit Angaben zum jeweiligen Kampfverhalten), aber auch mit stufig angeordneten Informationen, die man mittels Proben über den Dämon erhalten kann und natürlich mit Hinweisen zu benötigten Sonderregeln (z.B. welche Empfindlichkeiten und Schwachstellen ein Dämon hat, die für Schaden sorgen können). Für jeden Dämon ist eine farbige Illustration vorhanden. Im Anhang sind noch einige neue Zaubersprüche, Rituale und Sonderfertigkeiten hinzugefügt, z.B. Aspekte der Dämonenbeschwörung, u.a. auch wie man mehrere Dämonen gleichzeitig beschwören kann.

II. Kritik

Dämonen sind – richtig eingesetzt – sicherlich absolute Highlights in Abenteuern, werden ja auch eher selten mal eben zwischendurch zum Frühstück verputzt, sondern stellen im Regelfall die letzte, enorm schwere Hürde vor dem Erreichen des angestrebten Ziels dar. Aus diesem Grund halte ich einen solchen Band wie den vorliegenden nur für folgerichtig und höchst sinnvoll.

Ohnehin sehe ich in dieser Hinsicht einen grundlegenden Unterschied zum Aventurischen Bestiarium I+II, die für meinen Geschmack in der Zusammensetzung der Inhalte etwas willkürlich zusammengewürfelt waren und kein richtiges Ordnungsprinzip hatten. Hier ist die Auswahl klar begründet und erkennbar: Für jede Domäne ist eine nachvollziehbare Auswahl an Dämonen vorhanden, von „einfachen“ bis hin zu extrem mächtigen, aber schwer zu kontrollierenden Wesen. Somit haben sowohl der Spielleiter als auch der Spieler eine gute Grundlage, um Paktierer mit entsprechenden Möglichkeiten auszustatten. Natürlich hat der Band angesichts von über 30 Jahren DSA keinen Anspruch auf Vollständigkeit, allerdings sind 65 Dämonen durchaus eine ordentliche Anzahl. Positiv bleibt dazu anzumerken, dass es sich diesmal auch nicht um eine bloße Neuauflage des bestehenden Dämonenbestandes handelt, sondern auch eine beträchtliche Anzahl an völlig neuen Wesen entstanden ist (immerhin 17 Stück). Dem gegenüber stehen allerdings auch ein gutes Dutzend an Doppellungen, da einige der Dämonen schon in einem der beiden Bestiarien oder dem Grundregelwerk (dort aber in verkürzter Form) beinhaltet waren. In diesem Aspekt sehe ich nach wie vor einen Nachteil innerhalb der Publikationsstrategie.

Im Gegensatz zu den Aventurischen Tiergefährten, die mir unterm Strich viel zu irdisch wirken, sehe ich zudem naturgemäß eine hohe Relevanz für eine Fantasywelt, immerhin sind die hier vorgestellten Wesen mitunter die machtvollsten Gegner (bzw. für einen Beschwörer auch die wichtigsten Machtmittel) und jedes einzelne stellt eindeutig ein Fantasywesen dar.

In dieser Hinsicht fällt auch der klar erkennbare DSA-Fokus auf, die Beschreibungen der einzelnen Wesen sind gut angepasst an die Besonderheiten und Anforderungen der einzelnen Domänen. So sind beispielsweise alle Dämonen der Mishkara-Domäne mit Krankheit und Verderben verbunden, während die Nagrach-Dämonen alle das Element Eis benötigen/pervertieren. Im Bereich der Infotexte fällt positiv auf, dass man hier schon häufig gute Abenteueranregungen finden kann, wie Dämonen genutzt werden können. So kann ich mir beispielsweise aus der Beschreibung des Tasfarel-Dämonen Balkha´bul gut einen Plot ableiten, wie man diesen als Wächter eines Schatzes überlisten muss oder wie der Nagrach-Dämon Glaz´madraa ein Dorf im hohen Norden zu entvölkern droht, wenn er nicht bekämpft wird. Gerade in dieser Hinsicht sehe ich eindeutige Vorteile gegenüber den bisherigen Bestiarien. Die Auswahl der Kreaturen wirkt überwiegend stimmig, für jedes Machtlevel und für jede Domäne sind genügend Dämonen vorhanden, hier ist mir lediglich aufgefallen, dass es aus meiner Sicht wenig Sinn ergibt, die im Prinzip von ihrer Funktion und ihren Eigenschaften fast völlig gleichen Dharai und Je-Chrizlayk-Ura beide aufzunehmen. Zudem hätte ich es eventuell als hilfreich empfunden, zur Vollständigkeit für jede Domäne einen kleinen Absatz mit der Nennung der anderen bekannten Dämonen anzufügen.

Eine sehr wichtige Rolle nehmen in einer solchen Publikation sicherlich auch die Illustrationen ein, handelt es sich doch ausschließlich um Wesen, die nicht in der irdischen Realität vorhanden sind. Aus meiner Sicht ist dabei wirklich gute Arbeit geleistet worden, die meisten Dämonen haben ein schön-schauriges Aussehen erhalten, manchmal durchaus auch mit einem gehörigen Ekelfaktor, der hier aber tatsächlich gut passt. Während diese visuellen Hilfestellungen gut gelungen sind, fällt mir beim Nachschlagen das Fehlen eines Indexes auf, hier wäre trotz der überschaubaren Anzahl an Kreaturen eine zusätzliche Seite mit einer alphabetischen Sortierung praktisch gewesen.

III. Fazit

Das Aventurische Pandämonium stellt ein gelungenes Dämonen-Bestiarium dar, indem eine bereite Auswahl an Kreaturen für alle 13 Domänen bereitgestellt wird, wobei auch auf eine ausgewogene Verteilung der Machtlevel zwischen mehrgehörten und niederen Wesen geachtet wurde. Abseits von einigen Doppellungen fällt auch positiv auf, dass eine ganze Reihe völlig neuer Dämonen entwickelt wurden. Zudem sind die Beschreibungen so formuliert, dass sie häufig gute Abenteueranregungen enthalten. Im Vergleich zu den bisherigen Bestiarien wurde auch ein nachvollziehbares Ordnungsprinzip gefunden.

Bewertung: 5 von 6 Punkten

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für die Rezension, die war das letzte was ich gebraucht habe um das Buch zu kaufen. Und auch, wie immer, schön geschrieben. Wegen dem Bloggen-Essay hatte ich jetzt die Augen aufgehalten und nun eine passende Möglichkeit gefunden um mich, als stiller Leser, mal zu bedanken.

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