Rezension: Der Glückspilz

Vorbemerkung: Unverhofft kommt oft, nach meinen jüngsten Erfahrungen gilt das auch für Die Schwarze Katze. Im Crowdfundingpaket waren eigentlich ein Würfel Teil des Pakets. Bei diesem tauchten jedoch Produktionsschwierigkeiten auf, so dass stattdessen als kleiner Ausgleich das Kurzabenteuer Der Glückspilz (im Heldenwerk-Format) beilag, eben zusätzlich zu den eigentlich vorgesehenen Inhalten von Jens Ullrich verfasst. Aus meiner Sicht eine optimale Sache, freue ich mich ja ohnehin weit mehr über ein Abenteuer als über Würfel. Zumal es sich ja um ein neues Setting handelt, zu dem bislang ausschließlich das Material aus der Box vorhanden ist.

In Zahlen:

– 11 Seiten

– 1 Abenteuer statt 1 Würfel

– erschienen am 26.8. 2019

I. Aufbau und Inhalt

Das Abenteuer baut auf einer kurzen Vorgeschichte auf, laut der der Kapitän des Schiffes Möwe vor kurzem bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Aufgrund von angeblichen Geistererscheinungen wagt sich aktuell niemand in die verlassene Möwe. Das ändert sich aber, wenn die Helden den Auftrag der Menschenforscherin Mohrle Zitterbart annehmen, die sie beauftragt, einen Würfel aus dem Schiff zu holen, der ihr noch zur Vervollständigung ihrer Sammlung fehlt.

Ein kleines Abenteuer stellt für wasserscheue Katzen das Betreten eines Schiffes dar, zumal der Hafen nicht frei von Gefahren ist. Den Kern des Abenteuers nimmt aber die Erforschung des Schiffsinneren ein, wozu auch ein Plan der Möwe existiert. Zudem gibt es Beschreibungen der möglichen Begegnungen an Bord und natürlich auch der dort zu gewinnenden Fundstücke.

II. Figuren

Für die Helden besonders relevant ist primär ihre Auftraggeberin Mohrle, die sich der Menschenforschung verschrieben hat und deshalb sicherlich als eher untypische Figur gelten kann, die aufgrund ihres Interesses an den Menschen und ihren Besitztümern auch für die Zukunft ein interessanter und vor allem lohnender Kontakt sein dürfte. In der Frage des konkreten Auftrages kann man mit ihr aber durchaus auch in einen Konflikt geraten. An Bord ist unter anderem die tragische Geschichte des verstorbenen Kapitäns Diago Zornbrecht von Bedeutung.

III. Kritik

Der Glückpilz besitzt eine sehr überschaubare Handlung, die ausgesprochen gradlinig konstruiert ist, was aber auch angesichts des knappen Raums von gerade einmal einem guten Dutzend Seiten verständlich ist. Was dabei überzeugen kann, ist die Grundhandlung: Die Geistergeschichte hat eindeutig das Potential für ein unterhaltsames Einbruchs-Abenteuer, bei dem man sich – zumindest zu Beginn – weniger mit Gewalt durchsetzen muss, sondern kreativ versuchen muss, das Objekt der Begierde an sich zu bringen, optional existiert ja auch noch die Möglichkeit, die Situation durch das Auftauchen plötzlicher Konkurrenten zu verschärfen.

Sehr originell ist der Umstand, dass der Entstehungsgrund für das Abenteuer, also ein fehlender Würfel, zentral in die Hintergrundgeschichte eingearbeitet wurde, indem die Helden nun im Spiel auf der Suche nach einem ebensolchen Objekt sind. Positiv ist hier auch, dass die Eigenschaften des Würfels deutlich beschrieben sind und somit auch die Frage aufkommen kann, ob man getreu den Auftrag ausführen möchte oder ob man ihn für sich selbst behalten möchte.

Etwas schade ist, dass sich die Beschreibung des Inneren der Möwe sehr stark auf Diago und sein Verhalten reduziert. So wirkt das Schiff für ein Abenteuer zu leer, hier wären zumindest ein paar kurze zusätzliche Begegnungen oder Gefahrenquellen wünschenswert gewesen, um etwas mehr Leben auf das Schiff zu bekommen. Somit erscheint es auf jeden Fall ratsam, die optionale Konkurrenzgruppe auftauchen zu lassen. Diago selbst ist allerdings ein sehr interessanter Antagonist, auch weil seine tragische Hintergrundgeschichte ihn nicht als klassischen Schurken erscheinen lässt.

IV. Fazit

Der Glückpilz ist ein Szenario mit einigem Potential, was vor allem in der guten Grundidee begründet ist, die eine Gruselgeschichte mit einem tragischen Antagonisten bietet und vor allem kreative Lösungen ermöglicht. Insgesamt wirkt mir der Schauplatz allerdings etwas zu leer, hier müssen sicherlich von den SpielleiterInnen noch einige Plotideen hinzugefügt werden, vor allem wären mehr interessante Figuren wünschenswert.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

2 Kommentare

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