Karneval der Rollenspielblogs: Abenteuertitel

Vorbemerkung: Der Karneval der Rollenspielblogs hat jeden Monat ein neues Oberthema, bei dem verschiedene Blogs mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten einen Beitrag leisten können. In diesem Monat gab es ein kurzfristiges Problem, so dass ich mit dem Dereblick für den Juni eingesprungen bin. Als Thema habe ich etwas ausgewählt, das mir seit geraumer Zeit im Kopf herumschwirrt: Abenteuertitel. Mag der Titel eines Abenteuers zwar auch nur aus ein paar Worten bestehen, so ist er doch, neben dem Cover die erste Visitenkarte, die man beim potentiellen Leser/Spieler/Käufer abgibt, noch bevor der Klappentext oder der tatsächliche Inhalt zur Kenntnis genommen wird, bilden sich hier schon im Kopf erste Vorerwartungen.

Der Titel – ein wohldurchdachtes Element?

Allein kurzes Googlen zeigt die Relevanz des Problems, dass sich ja auch auf den gesamten Print- bzw. Romansektor bezieht: Es gibt unzählige Ratgeberseiten, die sich mit dem Thema Titelfindung auseinandersetzen. ZeitungsredakteurInnen brauchen einen guten Titel für ihre Schlagzeilen, um den Leser dazu zu bringen, ihre Artikel zu lesen, AutorInnen wollen ihre Geschichten griffig/außergewöhnlich betiteln, um die Leute dazu zu bewegen, im Buchladen ihr Buch interessehalber in die Hand zu nehmen oder es beim Onlinehändler anzuklicken. Dazu bedarf es guter Überlegungen, oft wird zudem mit sogenannten Arbeitstiteln gearbeitet, die am Ende durch etwas ersetzt werden, das nun deutlich besser zum fertigen Ergebnis passt, z.B. laufen James Bond-Filme anfangs oft einfach unter der jeweiligen Nummer, also Bond 22, bevor der endgültige Titel gefunden wird, Alien hieß zunächst Star Beast (und hätte unter diesem Titel womöglich nicht so großen Erfolg gehabt).

Und umgekehrt gibt – gerade aus dem Rollenspielbereich – auch genügend kuriose Beispiele, in denen solche an sich logischen Vorgehensweisen unterwandert werden. In der DSA-Doku von Orkenspalter TV berichtet beispielsweise der bekannte Autor Hadmar von Wieser, dass der DSA-Schöpfer Ulrich Kiesow nach dem Erfolg der ersten Publikationen vom Verlag aufgefordert wurde, für die kommende Produktvorschau die Titel zu neuen Abenteuern zu nennen, damit diese angekündigt werden können. Daraufhin setzt sich Kiesow hin und schrieb eine Reihe von Abenteuertiteln auf, die er anschließend dem Verlag weitermeldete – ohne allerdings für die meisten davon irgendeine inhaltliche Vorstellung oder auch nur grobe Planungen zu haben. Somit wurden die Titel folgend unter den Autoren aufgeteilt, mit der klaren Vorgabe, nunmehr ein Abenteuer zu schreiben, dass irgendwie zu dem Titel passen müsste.

Und nicht nur für die Produzenten, also die Schreibenden, hat der Titel eine hohe Relevanz, auch für uns Konsumenten spielt es sicherlich eine große Rolle: Wer ist nicht schonmal durch einen Rollenspielladen oder eine Buchhandlung bzw. das Angebot eines Onlinehändlers gestreift und dort hängengeblieben, wo ein Titel unsere Neugier weckt?

Gerade im Rollenspielbereich gibt es ja viele Pfunde, mit denen man wuchern kann: Man kann besondere Wesen oder Kreaturen der Spielwelt im Titel unterbringen, genauso kann man schon bestimmte regionale Bezüge herstellen oder berühmte Persönlichkeiten des Settings als handlungstragend kennzeichnen. Dazu können Titel auch die Genre-Spezifik ausdrücken, so würde man unter „Der Sumpf der erschlagenen Helden“ vermutlich eher ein klassisches Fantasy-Szenario vermuten und unter „Der Planet der Giganten“ eher ein Sci-Fi-Abenteuer.

Spielleiter werden umgekehrt oft auch vor das Problem gestellt, dass ein Titel vielleicht schon zu viel über das verrät, was Inhalt eines Abenteuers sein könnte. Nicht selten wird deshalb so mancher Spielgruppe vorab nicht mitgeteilt, was für ein Abenteuer sie gerade spielen (und beispielsweise das Cover am Spieltisch abgedeckt).

Artikelanregungen

Wer sich also von den oben angesprochen Aspekten angesprochen fühlt, kann sich gerne Gedanken zum Thema Abenteuertitel machen und einen eigenen Blog- oder Forenartikel schreiben oder sich im Rahmen seines Vlogs dazu äußern, um interessante Beiträge beizusteuern, sicherlich gibt es hier für die inhaltliche Kreativität keine großen Grenzen.

Gleichwohl möchte ich auch direkt ein paar konkrete Anregungen zum Thema geben, die gerne aufgegriffen werden können:

– Mit der Tür ins Haus oder diffus: Wie konkret soll ein Rollenspieltitel sein?

– Das Autorenproblem: Wie finde ich einen passenden Titel für mein Abenteuer?

– Aus der Perspektive eines Autors: Warum habe ich mein Abenteuer so benannt? Welche Ideen habe ich verworfen?

– Das Übersetzungsproblem: Verlieren fremdsprachige Titel bei einer Übersetzung an Wirkung?

– Die Leser-/Spielerperspektive: Was braucht ein Titel um mich anzusprechen? Welche Rolle spielt ein Titel für mich beim Kauf? Sind Titel überhaupt besonders wichtig?

– Was war der (un-)passendste/schönste/schlechteste/kurioseste/irreführendste Abenteuertitel, der mir bislang untergekommen ist?

– Sprachsensibilität: Gibt es Aspekte, die man bei der Titelfindung beachten/vermeiden sollte?

– Für Rezensenten: Welche Rolle spielt ein misslungener bzw. gelungener Titel bei der Bewertung eines Abenteuers?

– Für Bastler denkbar: ein Titelgenerator für Rollenspielabenteuer

Natürlich sollte sich zudem niemand von meiner Themenüberschrift unnötig Grenzen setzen lassen und dies zu eng auf Abenteuer beziehen, genauso lassen sie auch Spielhilfen, Romane zu Rollenspielwelten, Computerspiele etc. thematisieren. Auch die Bloggerperspektive kann natürlich eingenommen werden, auch hier stellt sich uns allen ja oft genug die Frage, wie man einen Artikel griffig betiteln kann, damit dieser auch angeklickt wird.

Eine Herausforderung für Kreative

Analog zu der eingangs geschilderten Anekdote von Ulrich Kiesow und seinem Titelsammelsurium möchte ich natürlich auch gerne zu einem kreativen Umgang mit dem Thema inspirieren. Dazu habe ich in einfach wahllos ein paar Titel zusammengestellt. Wer möchte, kann sich gerne einen (oder natürlich auch mehrere) herausgreifen und kurz skizzieren, wie man diesen in Form eines Szenarios oder eines Klappentextes mit Inhalt füllen könnte:

– Der Sumpf der erschlagenen Helden

– Der Planet der Giganten

– Die Eisbarriere

– Die letzten Tage der Königin

– Ein Mord unter alten Freunden

– Trübe Tiefen

– Das Schwert der Trollprinzessin

– Elf Tage Finsternis

– Unter dem Kristallpalast

– Das Labyrinth des Dr. Morr

Ich gebe zu, dass keiner der Titel besonders originell oder gar oscarverdächtig ist, allerdings würde mich natürlich sehr interessieren, zu welchen Ideen man sich davon inspirieren lassen könnte. Auch hier gilt natürlich, dass jeder sich liebend gerne auch mit eigenen Ideen auseinandersetzen kann bzw. Ideen für andere entwickeln kann.

Wer einen Beitrag zu dem Thema leisten möchte, ist also herzlich dazu eingeladen. Um eine Übersicht über das Thema und die einzelnen Artikel zu haben, bitte ich darum, diese entweder hier im Blog in der Kommentarspalte oder hier im Forum von RSP-Blogs zu verlinken. Nach Monatsende werde ich dann einen Abschlussartikel verfassen, in dem ich alle Beiträge kurz zusammenfassen und verlinken möchte. Ich hoffe natürlich auf eine möglichst rege Beteiligung, um viele Facetten des Themas abdecken zu können.

6 Kommentare

      1. Danke! Und zudem nochmals danke für das Verlinken bei RSP Blogs, wo ich offenbar nicht genug Vertrauen erweckt habe, um meinen Accountantrag rasch durchzuwinken. 😉

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