Ein erster Blick in das Mythos-Paket

Vorbemerkung: Bedingt durch die teilweise etwas surrealen Umstände des Jahres 2020 war das Jahr bisher eher ruhig, was DSA-Neuerscheinungen angeht. Diesen Zustand hat der DHL-Bote nunmehr beendet, liegt doch plötzlich wieder ein prall gefülltes Paket vor mir: Sandy Petersens Cthulhu-Mythos für DSA ist fertig. Sicherlich handelt es sich dabei um ein besonderes Produkt, sind es doch sehr unterschiedliche Bände, die dabei entstanden sind, in einer Bandbreite von Texten, die eigentlich für eine andere Spielwelt entstanden sind (originär ja auch noch in einer anderen Sprache) und nun für Aventurien adaptiert worden sind und solchen, die völlig neu sind und auch für die DSA-Variante verfasst wurden. Ob das eine gelungene Erweiterung der Spielwelt darstellt oder ob mir zu viele Bruchstellen erkennbar sind, das wird in den nächsten Wochen hier im Blog mit Sicherheit viel Raum einnehmen. Wie gewohnt möchte ich aber zunächst einen ersten Blick auf das Gesamtpaket und dessen Inhalte werfen und dabei auch schon ein wenig die sich dazu ergebenden Fragestellungen vorstellen und in welcher Form diese von mir thematisiert werden.

Seiten über Seiten

Das Paket wird natürlich dominiert von dem Hauptband Sandy Petersens Cthulhu Mythos, der allein durch seine enorme Seitenstärke beeindruckt. Mit 420 Seiten handelt es sich um den dicksten Band, der bislang zu DSA erschienen ist. Der Kernband bietet vor allem eine Vorstellung vieler Kulturen und Kreaturen, sowohl die spielbaren Wesen als auch alles, was an Antagonisten verfügbar ist. Auffällig ist dabei ein etwas anderes Layout als bei den „normalen“ DSA-Publikationen, die Seiten sind leicht grün-grau unterlegt, auch die Illustrationen sind meist farblich etwas düsterer gehalten, als man dies gewohnt ist. Viele Wertekästen legen zudem eine sehr intensive Regelkonverterierung nahe. Da in den anderen Bänden (v.a. den Abenteuern) immer wieder auf den Hauptband verwiesen wird, stellt er auch das Herzstück des gesamten Crowdfundings dar.

Als zentrale Ergänzung fungiert das Meisterschirmset Wahnsinn & Verzweiflung. Dies enthält zum einen eine große Karte der Traumlande (Format A2) zur Orientierung (eine kleinere Version der Karte ist aber auch im Einband des Kernbuchs zu finden) sowie Heldendokumente und Universal-Einleger für einen Meisterschirm. Das Cthulhu-Kompendium schließlich bringt auf 36 Seiten neue Professionen, Wesen, Magieergänzungen und Gegenstände ein.

Als Crowdfunding-Bonus finden sich zudem noch einige Zusatzmaterialien wie eine Sonderausgabe des Aventurischen Boten, deren Artikel vor allem die Inhalte der Produkte des Crowdfundings thematisieren, ein paar Karten zu den Abenteuerschauplätzen und einige gedruckte Quellen und Statuskarten. Spielbares Material ist mit der Abenteuerskizze Klappernde Schrecken enthalten.

Abenteuer am Rande des Wahns

Ein Quellenbuch allein stellt aber noch kein Komplettpaket dar, somit sind auch zwei Abenteuerbände vorhanden, in denen der Hintergrund auch in Form von konkreten Szenarien genutzt wird. Allerdings gibt es dabei einen fundamentalen Unterschied: Während Schweigen aus Somerisk primär eine Übersetzung von Originalmaterial zum Cthulhu-Mythos darstellt, handelt es sich bei Unheilvolles Grauen um Abenteuer, die speziell für die Aventurien-Variante erstellt wurden.

Schweigen aus Somerisk ist ein kurzes Gruppenabenteuer auf 32 Seiten, das in den Traumlanden spielt. Die Besonderheit hierbei ist, dass zusätzlich 4 Beispielhelden enthalten sind, so dass man das Abenteuer auch mit Wesen spielen kann, die aus den Traumlanden selbst stammen.

Unheilvolles Grauen ist hingegen eine Abenteueranthologie (56 Seiten), die drei Abenteuer enthält, die in diesem Fall alle in Aventurien angesiedelt sind. Das Gruppenabenteuer Das Fieber, das über Selem kam setzt die wohl verrufenste Stadt Aventuriens ins Szene und zwingt die Gruppe, sich mit beunruhigenden Vorfällen auseinanderzusetzen. Bei Letzter Vorhang für Vinsalt handelt es sich um ein Soloabenteuer, bei dem im Rahmen einer Theateraufführung eine Mordtat aufgeklärt werden soll, während sich die Protagonistin auf ihre Rolle in einer großen Aufführung vorbereitet. Was der Nebel verbirgt ist ebenfalls ein Soloabenteuer, das aber in die deutlich provinziellere nostrische Küstenregion führt, wo ein Gesandter der Efferdkirche untersuchen soll, warum der Kontakt zur örtlichen Efferdgeweihten abgebrochen ist.

Lesespaß im Kleinformat

Auch die beiden Prosatexte des Crowdfundings wurden originär für Aventurien entworfen, lehnen sich dabei an die bekannten Formate des Vademecums und des Heldenbreviers an. Das Cthulhu-Vademecum (160 Seiten) nimmt dabei die Perspektive eines Kultisten ein, der von den Lehren Cthulhus erfüllt ist und seine Erkenntnisse als persönliche Offenbarung schriftlich festgehalten hat. Das Heldenbrevier des Noioniten (ebenfalls 160 Seiten) nimmt hingegen eine gegensätzliche Grundsituation ein, sind hier doch zwei Protagonisten im Mittelpunkt, die mit allen Mitteln alptraumhafte Zustände verhindern wollen, die sich in einer Reihe von rätselhaften Todesfällen manifestieren.

Wie es hier weitergeht

In den kommenden Wochen möchte ich wie bewährt die einzelnen Inhalte des Crowdfundings in Form von Rezensionen besprechen, also den Kernband und das Kompendium, die beiden Abenteuer, das Vademecum und das Heldenbrevier (wobei die Reihenfolge noch offen ist). Sicherlich wird dies auch immer wieder durch andere Artikel unterbrochen werden, um thematisch nicht zu monoton zu werden zumindest haben mir die Erfahrungen mit den bisherigen Crowdfundings gezeigt, dass es irgendwann schwierig wird, sich ausschließlich mit demselben Themenkomplex auseinanderzusetzen).

Schwerpunktmäßig wird sicherlich die Frage im Vordergrund stehen, ob es wirklich gelingt, die Cthulhu-Elemente ohne große Bruchstellen in das andere Setting Aventuriens zu überführen. Obwohl schon in der „normalen“ Version von DSA gewisse Cthulhu-Elemente integriert sind (man denke beispielsweise an viele Aspekte des Konfliktes der Meeresgötter), muss ich gestehen, dass ich hier mit einer gewissen Skepsis herangehe, da ich schon Zweifel habe, ob es nicht an vielen Stellen merkliche Differenzen im Bereich von Atmosphäre, Spielstil und auch der handwerklichen Herangehensweise der Autoren geben könnte.

Interessant ist aus meiner Sicht zudem, ob Unterschiede existieren zwischen den Materialien, die Übersetzungen mit einer gewissen Form von Lokalisierung sind und denen, die durch das Crowdfunding originär für Aventurien erstellt worden sind, zudem von Autoren, die überwiegend schon seit vielen Jahren für DSA schreiben. So oder so freue ich mich aber auf jeden Fall, dass sich der Schwerpunkt des Blogs nach einem erscheinungsmäßig ruhigen ersten Halbjahr 2020 nun wieder stark hin zur Besprechung von Neuerscheinungen verschieben wird.

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