Rezension: Cthulhu-Compendium

Vorbemerkung: Der Kernband für den Cthulhu-Mythos ist mit über 400 Seiten schon ein echter Brocken. Trotzdem enthält er längst nicht alle Mythos-Elemente, da hier auch einige Aspekte aus der Vorlage entfernt wurden. Einige von diesen sind dafür im Cthulhu-Compendium beinhaltet, das ein buntes Sammelsurium an zusätzlichen Aspekten für die verschiedensten Bereiche bietet. Das Compendium ist dabei kein komplett eigenständiges Produkt, sondern Teil des Meisterschirmset Wahnsinn und Verzweiflung.

In Zahlen:

– 37 Seiten

– Preis: 19,95 Euro (zusammen mit dem Meisterschirmset)

– Erschienen am 4.6. 2020

I. Aufbau und Inhalt

Im Bereich Neue Mythos-Spezies werden die Tcho-Tcho und die Tiefen Wesen vorgestellt. Bei den Tcho-Tcho handelt es sich um eine Art Waldmenschen, während die Tiefen Wesen eine Unterwasser-Spezies sind. Beide Spezies waren im Hauptband ausgeklammert worden, weil sie sehr stark an die Erde als Lebensraum verankert sind. Zu beiden Spezies findet sich im Anschluss ein Abschnitt, in dem ihre jeweilige Kultur erläutert wird. Die Tcho-Tcho werden auch als spielbare Spezies ausgearbeitet, weshalb folgend der Tcho-Tcho-Okkator, eine Art Meuchelmörder, mit seinem Professionspaket zur Verfügung gestellt wird. Dem schließen sich neue Vorteile und magische Sonderfertigkeiten an, die ebenfalls auch die Tcho-Tcho bezogen sind. Zudem sind neue Mythos-Rituale enthalten, wobei auch hier ein Schwerpunkt auf solchen liegt, die von den Tcho-Tcho verwendet werden. Die folgenden neun Seiten sind Zaubererweiterungen für Zaubersprüche und Rituale gewidmet, die allgemein von Mythos-Wesen verwendet werden können. Weiterhin gibt es neue Mythos-Artefakte (ebenfalls vornehmlich für die Tcho-Tcho) und -Bücher.

Im Bereich der neuen Mythos-Wesen wird zunächst erneut auf die Tcho-Tcho und die Tiefen Wesen eingegangen, hier eher als Gegner, also auch mit einem kompletten Wertepaket. Mit Dagon und Hydra werden zudem zwei besondere Tiefe Wesen ausführlich (ebenfalls mit Werten) beschrieben, wobei hier wiederum die machtvollen Kreaturen des Settings erweitert werden, es sich also um solche Wesen handelt, die man realistischerweise kaum im Kampf mit gewöhnlichen Mitteln bezwingen kann. Zuletzt finden sich noch einige Blut-Vorteile.

II. Kritik

Was zunächst einmal auffällt ist die Vielzahl an Kleinigkeiten, die in das Heft gesteckt wurden, so finden sich sogar im Einband noch Texte, was allerdings für einen etwas ungeordneten Eindruck sorgt. Dies wird noch unterstrichen durch einige Fehler im Lektorat/Korrektorat, die aus meiner Sicht bei einer etwas genaueren Kontrolle vermeidbar gewesen wären, fallen sie doch beim ersten Lesen auf.

Auch die Struktur ist etwas ungünstig, z.B. werden die Aspekte für die Tcho-Tcho und die Tiefen Wesen immer wieder voneinander getrennt, also z.B. erst die allgemeine Speziesvorstellung, dann die Kultur etc. Hier wäre es aus meiner Sicht aus Gründen der Leserlichkeit und Kompaktheit deutlich günstiger gewesen, beides jeweils kompakt in einem Block abzuhandeln. Sehr verwirrend ist zudem der Ansatz, diese am Anfang des Bandes als Spezies (also spielbar) vorzustellen, am Ende dann erneut, nun als Gegner.

Grundsätzlich sind wiederum Erweiterungen enthalten, die vor allem die Möglichkeiten erweitern, selbst Mythoswesen zu spielen, hier ist der Fokus auf die Tcho-Tcho unverkennbar. Diese sind ausgesprochen fähig und zäh, erhalten zudem eine ganze Reihe nützlicher Fertigkeiten, Sprüche und Artefakte. Allerdings erschließt sich mir wie bei den Mythos-Ghoulen erneut kein Identifikationspotential, sind doch auch sie teilweise als Kannibalen angelegt. Auch fehlen ein wenig die passenden Anregungen, wie diese sich für ein Abenteurerleben entscheiden könnten. Das ist insofern schade, als dass diese als menschliche Spezies deutlich einfacher in Aventurien einsetzbar sein dürften.

Weitaus interessanter empfinde ich die Tiefen Wesen, die allerdings nicht im gleichen Maße als spielbare Spezies kreiert werden. Diese sind insofern reizvoll, als dass die lange Zeit eine andere Gestalt annehmen könne, bevor ab einem bestimmten Alter eine Metamorphose hin zu einem amphibischen Wesen stattfindet. Mit Dagon und Hydra sind zudem wiederum zwei ausgesprochen mächtige Wesen vorhanden, die aufgrund ihrer extrem hohen Werte aber eher einen Götterstatus haben. Dabei steht Dagon für den militärischen Aspekt, Hydra eher für das bürgerliche Zusammenleben. Gerade diese Aufteilung ergibt sicherlich einige spannende Storyansätze.

III. Fazit

Im Ganzen bietet das Cthulhu-Compendium wiederum einige interessante Erweiterungen des Hauptbandes, allerdings sind auch hier die gleichen Grenzen erkennbar, z.B. die großen Schwierigkeiten, sich mit der spielbaren Spezies der Tcho-Tcho zu identifizieren. In der Struktur wirkt der Band etwas ungeordnet.

Bewertung: 3 von 6 Punkten

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s