Rezension Memoria Myrana 59

Vorbemerkung: Nachdem ich Anfang der Woche die bislang versäumte Ausgabe 58 der Memoria Myrana nachgeholt habe, möchte ich nun einen Blick in die neue Memoria Myrana 59 werfen. Während im vorherigen Magazin Ras Tabor einen Schwerpunkt dargestellt hat, dominiert hier wieder klar ersichtlich Myranor mit satten 7 Artikeln, besonders seitenstark sind aber einmal mehr die Riesland-Texte.

Myranor

Zunächst wird in Die Hydra von Christoph Michaelis eine Chimäre aus dem Haus Phraisopos vorgestellt, bei der es sich um eine Kreuzung aus Riesenlindwurm und Giftschlange handelt und die nach ihrem gezielten Einsatz im Kampf in die freie Natur gelangt ist. Neben der Hintergrundschilderung ist auch ein kompletter Wertekasten enthalten.

In Floriscanti, die Blütensänger thematisiert Daniel Bluhm eine Tradition der Perainiden, wobei sich primär naturbewusste Individualisten dieser Bewegung angeschlossen haben. Vor allem ihr Magiewirken ist dabei von Bedeutung, wozu auf ihre Ausbildung eingegangen wird und auf einige bekannte Vertreter.

Direkt spielbares Material liefert das Abenteuer Ein Phänomen und seine Folgen von Jochen Willmann und Sean David Schöppler. Dabei wird die Heldengruppe von einem Optimaten mit der Untersuchung eines magischen Phänomens betraut, wobei sie ihn in unwegsames Hochland zu den sogenannten Türmen des Morgens begleiten sollen. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Anreise, bei der unter anderem eine konkurrierende Unternehmung auftaucht, aber auch die Untersuchung des Phänomens selbst sorgt für Schwierigkeiten, die die Gruppe in eine völlig andere Region führt, in der die Umgebung deutlich lebensfeindlicher ist und wo es gilt, sich schleunigst in Sicherheit zu bringen. Im Anhang wird der Auftraggeber und Begleiter Arbaro il Tharamnos ausführlich beschrieben, vor allem auch mit den magischen Formeln, die er beherrscht. Als Erweiterung ist zusätzlich ein Arkaner Forscher vorhanden, wobei es sich um eine von Sean David Schöppler erstellte Basisversion von Arbaro handelt, der somit als Spielfigur geführt werden kann.  

Die satyarische Legendensängerin von Thomas Weber und der Melarythor-Forscher von Benedikt Megner sind neue Archetypen, wobei zunächst eine Hintergrundbeschreibung (nebst einführendem Ingame-Text) erfolgt, bevor sich die Spielwerte anschließen.    

Mit Myraner in Aventurien 2 führt Thomas Meier seine in der vorherigen Ausgabe begonnene Spielhilfe fort. Hierbei werden die restlichen Mitglieder der myranischen Gesandtschaft vorgestellt, die sich im Horasreich befindet, zudem wird ein Artefakt thematisiert, das die Gruppe mitgebracht hat. Erneut sind zudem zwei Szenarien skizziert, um die Gesandtschaft in Abenteuerplots einzubauen zu können.  

Vesayama

In der neuesten Episode Heimweh IX spitzt Daniel Bluhm den Konflikt, der sich länger angedeutet hat, nunmehr dramatisch zu, indem die Reisegruppe die Konfrontation mit den dämonischen Verfolgern austragen muss. Zunächst erscheint es, als wären die Gegner unüberwindbar, allerdings erweisen sich die EntdeckerInnen als durchaus wehrhaft.

Tharun

Mit Kinshis Laute kreiert Roland Hofmeister ein Artefakt, das mit der traurigen Geschichte des Musikers Kinshi verbunden ist, der sich auf ein ungleiches Duell mit einem Schwertmeister eingelassen hat. Im Kern handelt es sich um eine Legende, die jedoch als Aufhänger für ein Abenteuer verwendet werden kann.

Rakshazar

Für das Riesland hat Tobias Reimann gleich zwei längere Spielhilfen entworfen. In Kokodjos behandelt er ein besonderes Werwesen, wobei das einflussnehmende Tier hirschähnlich ist. Zunächst wird dessen Existenz mythologisch hergeleitet, was sehr eng mit Konflikten unter Göttern, Drachen etc. verbunden ist und sich letztlich auf Madas Frevel zurückführen lässt. Dann werden die Verwandlung und Übertragung konkret geschildert, deren Besonderheit eine Ansteckung im Traum darstellt. Abgeschlossen wird dies mit zwei konkreten Szenarien.    

Rimtheym, die Stadt der kranken Lungen stellt eine letzte Anlaufstelle vor dem ewigen Eis dar, wobei die Stadt im wahrsten Sinne des Wortes ein Schmelztiegel ist, wird sie doch durch vulkanische Aktivitäten weitgehend eisfrei gehalten, was umgekehrt für eine extrem belastete Luft sorgt (daher der Name der Stadt). Neben den besonderen Orten wird auch auf einige prägende Persönlichkeiten eingegangen, was ebenfalls mit einem Szenariovorschlag unterfüttert wird. Dazu wird auch hier der Legendensektor bedient, indem einerseits die Herkunft der das Stadtbild dominierenden Gigantenstatue skizziert wird, andererseits ein Gründungsmythos erstellt wird.

Kritik

Wieder einmal fällt direkt die Fülle der Artikel ins Auge, erhält man diesmal doch gleich 72 Seiten kostenfreies Material. Für Myranor sind dies zunächst viele kleine Artikel, mehrfach aus Wettbewerbsartikeln bestehend, die sich auf Figuren fokussieren. Schön ist die Tatsache, dass mit Ein Phänomen und seine Folgen auch wieder ein Abenteuer enthalten ist. Die Reise wird dabei sehr abwechslungsreich gestaltet, vor allem Kämpfer erhalten mehrfach die Gelegenheit sich zu beweisen. Allerdings hätte der Artikel zumindest eine weitere Korrekturrunde gut vertragen können, hier stören viele Fehler etwas den Lesefluss. Weiterhin als sehr interessant nehme ich die Serie zu den Myranern in Aventurien wahr, da hier der Brückenschlag zwischen den Kontinenten gelingt.

Für Vesayama wird diesmal wieder ein echter Spannungshöhepunkt gestaltet, indem die für meinen Geschmack etwas zäh hergeleitete Konfrontation endlich ausgetragen wird. Nach wie vor ergeben sich für mich aber aufgrund der kleinen Textepisoden Probleme in der Übersichtlichkeit, vor allem bei den Figuren muss ich immer wieder rekapitulieren, wer sie genau sind. Im Falle von Tharun freue ich mich immer, wenn neues Material erscheint, auch wenn es sich wie hier nur um eine einzelne Seite handelt, dafür wird eine originelle Geschichte erzählt.

Rakshazar erhält zur Abwechslung einmal kein neues Abenteuer, sondern zwei Spielhilfen. Hier fällt die intensive Recherche ins Auge, indem viel Legendenmaterial erstellt wurde bzw. viele Verknüpfungen zu bekannten Mythen hergestellt wurden. Die Kokodjos stellen ein sehr originelles Werwesen dar, auch was ihren Traumbezug angeht. Was hier nur etwas merkwürdig anmutet ist der sehr lange mythologische Teil, der nicht immer klar den Fokus behält, sondern abschweifend-opulent (aber durchaus lesenswert) geschrieben ist. Sehr gut gefällt mir die Stadtbeschreibung von Rimtheym, das mit seinem dreckigen Charme hervorragend in das Setting passt, ein wenig wie Mad Max im ewigen Eis wirkt (mit der Donnerkuppel als Kampfarena gibt es ja auch eine klare Anleihe). Hier bieten sich unheimlich viele Abenteueranlässe, sei es als Station auf einer Reise oder als Hauptschauplatz.  

Fazit

Die Memoria Myrana 59 beinhaltet sehr viel reizvolles Material, wobei Myranor vor allem auf der Figurenebene angereichert wird, als längerer Artikel ist zudem ein Abenteuer enthalten, was eine Heldengruppe stark fordern kann. Mein Highlight ist diesmal die Stadtbeschreibung von Rimtheym, die für mich Ton des Rieslands als Setting für schmutzig-epische Abenteuer ziemlich exakt trifft und dabei mit allen vorhandenen Stärken des Kontinents arbeitet.   

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