Rezension: Der Sturz des Adlers

Vorbemerkung: Der Rabenkrieg schreitet weiterhin stetig voran, pünktlich zur Weihnachtszeit ist nun mit Der Sturz des Adlers bereits der 3. Teil der Kampagne von Armin Abele und David Schmidt erschienen. Nachdem in den ersten beiden Abenteuern größeres Schlachtengetümmel im Vordergrund stand, werden diesmal etwas leisere Töne angeschlagen, befinden sich die HeldInnen doch auf einer Geheimmission. Nach einem gelungenen ersten Drittel hoffe ich auch hier auf eine gute Fortführung, wobei eine Zwischenepisode mit diplomatischem Hintergrund keinesfalls die Spannungskurve nach unten drücken sollte.

In Zahlen:

– 64 Seiten

– Preis: 14,95 Euro

– Erschienen am 10.12. 2020

I. Aufbau und Inhalt 

Der Band beginnt erneut mit einer Einordnung in die Gesamtkampagne, d.h. mit einer Zusammenfassung des bisherigen Geschehens und einer Darstellung der Ereignisse, die sich Der Sturz des Adlers anschließen werden. Wie üblich wird dabei auch die Motivation der Strippenzieher im Hintergrund erläutert. Ein Schwerpunkt des vorliegenden Bandes ist demnach eine erste direkte Konfrontation mit den Interessensvertretern des Horasreichs.

Die konkrete Handlung schließt dabei direkt an Der Biss der Spinne an, somit befindet sich die Heldengruppe im Heerlager Oderin du Metuants und kann hier Zeuge eines Attentats auf den al´anfanischen Heerführer werden (und mutmaßlich auch die Retter in höchster Not werden). Der Verantwortliche ist schnell ausgemacht, indem der horasische Agent Mariano Demian ya Strozza als Auftraggeber ermittelt werden kann. Somit ergeht ein unmissverständlicher Auftrag an die Spielercharaktere: Oderin verlangt von ihnen, dass sie ihm den Kopf seines Kontrahenten bringen.

Ab dem Moment des Aufbruchs ergibt sich der Charakter eines Wildnis- und Rechercheabenteuers, indem die HeldInnen den Spuren Marianos folgen, wobei sich ihr Gegner als schwer zu fassen erweist, zudem gilt es gleichermaßen herauszufinden, wie er im Sinne des Horasreiches auf den Konflikt einwirken will, ohne irgendwelche Truppen zur Verfügung zu haben. Die Besonderheit ist dabei, dass die Helden sich in unterschiedlichen Bereichen der Region bewegen, die mal von den Kemi, mal von den Al´Anfanern kontrolliert wird. Dabei müssen sie somit teilweise auch feindliche Ortschaften infiltrieren, um dort Nachforschungen über Mariano durchführen zu können, wozu auch entsprechendes Kartenmaterial und Ortsbeschreibungen vorhanden sind. Zudem müssen sie feststellen, dass sie nicht die einzigen sind, die sich auf den Spuren ihres Antagonisten befinden. Wie bisher auch die gesamte Kampagne, ist das Abenteuer zwar in den grundsätzlichen Abläufen linear angelegt (was sich durch die Verfolgungssituation ergibt), die einzelnen Teilepisoden sind aber oft ergebnisoffen, es ist sogar eine Alternative vorgesehen, falls bestimmte Gegner früher ausscheiden, als es eigentlich von den Autoren antizipiert wurde.     

Der letzte Teil des Abenteuers gestaltet sich deutlich exotischer, indem zum ersten Mal innerhalb der Kampagne auch nichtmenschliche Wesen eine gewichtige Rolle spielen. Hier wird dann auch die finale Konfrontation implementiert, bei der es wiederum höchst unterschiedliche Ausgestaltungsmöglichkeiten gibt.

Natürlich existiert auch in diesem Abenteuer wieder die Option, als Agenten des Horasreichs zu agieren, um die Pläne der Al´Anfaner zu durchkreuzen. Das gestaltet sich diesmal deutlich schwieriger, da ja gegen einen offiziellen Vertreter der eigenen Nation vorgegangenen werden soll. Aber auch hierfür gibt es verschiedene Anregungen, unter anderem auch dadurch, dass Mariano sehr ambivalent angelegt ist und sogar von seinen eigenen Auftraggebern als (zu) eigenwillig angesehen werden kann.

Der Anhang beinhaltet wieder eine aktualisierte Zeittafel, eine Tabelle mit Plündergut und ein Glossar sowie kurze Informationen darüber, welche wichtigen Ereignisse sich an den anderen Schauplätzen des Krieges zutragen.

II. Figuren

Nach der ersten Begegnung im letzten Band kann Oderin du Metuant diesmal deutlich nahbarer werden, agiert er doch nun als direkter Auftraggeber. Seine Forderung nach dem Kopf des Gesandten zeigt aber gleichermaßen auch, dass es sich bei ihm nicht nur um einen charismatischen Anführer handelt, sondern auch um einen kompromisslosen Staatsmann, der in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich ist.  

Den zentralen Antagonisten stellt eindeutig Mariano dar, der den mit allen Wassern gewaschenen Intriganten verkörpert, der selbst aus einer Position völliger Unterlegenheit seinen Gegnern das Leben enorm schwermachen kann und sich dabei als wandlungsfähiger Überlebenskünstler entpuppt.

Daneben gibt es natürlich noch eine Reihe von anderen Figuren, die teils in einzelnen Episoden des Abenteuers eine Rolle spielen, teils als dauerhafte NSC das Geschehen prägen. Weiterhin ist natürlich Said als ihr Vorgesetzter ein wichtiger Ansprechpartner, während der Konflikt mit Marvana einstweilen seine Unterbrechung findet.

III. Kritik

Tatsächlich hat Der Sturz des Adlers eine deutlich andere Thematik als die beiden Vorgängerbände, in denen der Krieg direkter im Mittelpunkt steht und die HeldInnen auch von den Auswirkungen einer Kommandokette sehr unmittelbar betroffen waren. Diesmal dürften sie relativ unabhängig agieren und können die Verfolgung Marianos nach ihren eigenen Vorlieben gestalten.

Was dabei erneut wiederum gelingt, ist das durchaus nicht einfache Vereinbaren von einem relativ gradlinigen Plot, der bestimmte Etappen klar vorgibt, bei gleichzeitigem Gewähren von viel Handlungsfreiheit, was die Auflösung der jeweiligen Episoden betrifft.

Etwas ausklammern möchte ich hier den etwas arg vorhersehbaren und konventionellen Einstieg mit einem verhinderten Attentat, bei dem die Ausführenden eher wenig Raffinesse beweisen und somit letztlich nur ein Einstiegsvehikel ohne allzu großen Reiz konstruiert wird. Dafür gestaltet sich die anschließende Jagd auf Mariano umso herausfordernder. In gleich drei sehr unterschiedlichen Orten muss man ihm auf den Fersen bleiben, wobei die eigenen Möglichkeiten immer sehr offen gehalten sind. So sind alle Orte sehr variabel beschrieben, indem es viele Ansprechpartner und Antagonisten gibt und genauso viele Vorschläge für eine denkbare Vorgehensweise existieren, wobei Diplomatie genau wie Infiltration oder Gewalt eine Option sind. Die jeweiligen Begebenheiten sind gut ausgearbeitet, einzig für die Echsenstadt im Finale hätte ich mir auch eine Karte gewünscht, wie sie die beiden etwas konventionelleren Anlaufstationen zuvor erhalten haben. Natürlich mag man es als eine gewisse Form von Gängelung empfinden, dass ihnen der Gesuchte zweimal unbedingt entziehen soll, allerdings erscheint mir dies jeweils logisch begründet.

Gerade in Marianos Charakter liegt zudem ein klares Highlight des Abenteuers, indem sie mit dem gewitzten Gesandten einen ebenbürtigen Gegner erhalten, der selbst aus einer unterlegenen Position heraus seinen Kontrahenten das Leben schwer machen kann. Genau das macht einen guten Antagonisten aus, dass er als Feindbild stufig aufgebaut wird und sich keinesfalls als leichte Beute entpuppt. Sogar für Agenten des Horasreiches kann er eine ausgesprochen ambivalente Figur darstellen, da er sich durch sein eigenmächtiges Verhalten Feinde in der Heimat gemacht hat.

Gerade der letzte Teil des Abenteuers, der in einer Echsenstadt spielt, sorgt zudem dafür, dass die Kampagne neben ihrem bislang eher konventionellen Charakter mit Konflikten, die rein unter Menschen stattfinden, nun auch noch ein vertiefender Fantasy-Aspekt hinzukommt. Sich unter den Bedingungen dieser fremdartigen Umgebung beweisen zu müssen (in teils sehr kuriosen Wettbewerben), gibt dem Geschehen einige zusätzliche Facetten, vor allem da in die Wettbewerbe auch noch ihre Aktionen gegen Mariano eingebettet werden müssen.

Nach wie vor ein relevanter Kritikpunkt bleiben die schon bei Der Biss der Spinne angesprochenen Doppelungen. Hier bleibe ich weiterhin dabei, dass der Ansatz, das Abenteuer sei auch als Einzelabenteuer geeignet, nicht sinnvoll ist. Für Käufer ist es ausgesprochen ärgerlich, manche Textpassagen jetzt bereits zum dritten Mal (Liste von militärischen Rollen, Plündergut, Glossar, Anmerkungen zum Kolonialismus etc.) vorgesetzt zu bekommen, auch hier würde es sich anbieten, den Raum effektiver zu nutzen.       

IV. Fazit

Der Sturz des Adlers setzt die Rabenkrieg-Kampagne gelungen fort und legt mit der Jagd auf einen feindlichen Agenten einen neuen Schwerpunkt, indem die Heldengruppe nach den Misserfolgen des vorherigen Bandes von den Verfolgten zu den Verfolgern werden, zudem finden auch mehr Fantasy-Aspekte Berücksichtigung. Besonders der zentrale Antagonist stellt als schillernde Figur eine Herausforderung dar. Ärgerlich sind nach wie vor die unnötigen Doppelungen.

Bewertung: 5 von 6 Punkten      

1 Kommentar

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