Auf nach Fasar?

Vorbemerkung: Die Schwarze Katze war vor zwei Jahren ein Überraschungserfolg in der Finanzierungsphase, war doch die Resonanz mit über 1.100 UnterstützerInnen doch ungefähr auf dem Niveau in dem Bereich des Mutterspiels DSA. Nun geht DSK mit dem neuen Crowdfunding Fasar – Brüchiger Frieden in eine zweite Runde. Ich habe nach dem bereits erfolgreichen Start einen ersten Blick auf die Inhalte geworfen, natürlich auch unter der Frage der Erwartungshaltung.

Was ist im Paket enthalten?

Wie gewohnt gibt es verschiedene Unterstützerlevel, sowohl für Leute, die nur die PDFs wollen, als auch für diejenigen, die zusätzlich Printprodukte bevorzugen (was erfahrungsgemäß für die Mehrheit gilt). Daneben kann man sich das Ganze aber auch noch einiges zusätzlich kosten lassen, wenn man außerdem noch ein Komplettpaket mit weiteren Zusatzprodukten wie Spielkarten haben möchte. Wer wirklich viel Geld in die Hand nehmen will, kann sich für stolze 450 Euro zusätzlich zu den normalen Inhalten noch ein offizielles Porträt hinzukaufen.

Bei den Produkten ist natürlich der Hauptband Fasar – Brüchiger Frieden der Mittelpunkt des Ganzen. Neben der Settingvorstellung sind mit den Katzen, Hunden, Fenneks und Mungos diesmal gleich 4 spielbare Wesen enthalten. Den Kern soll dabei die Präsentation von Fasar als Hintergrund ausmachen, wo gerade Hunde und Katzen nach ihrem Erwachen einen tiefen Konflikt führen. Hierbei kommt DSK sogar DSA zuvor, gibt es für Fasar doch noch keine entsprechende DSA-Spielhilfe. Mit Jenseits der Türme gibt es zudem eine Spielhilfe zum Umfeld Fasars. Für die Darstellung von Gegnerwesen ist das Bestiarium Fasar zuständig. Daneben ist wieder ein Heldenbrevier aus der Feder von Carolina Möbis enthalten, das den Titel Spuren im Sand trägt. Für den Abenteuerbereich ist die Anthologie Hundstage zuständig.

Gleichzeitig versteht sich das Crowdfunding auch als eine Erweiterung zu den Havena-Inhalten. Die Stadtspielhilfe wird deshalb um den Band Jenseits der Mauern ergänzt, in dem das von Hunden dominierte Umland der Hafenstadt vorgestellt wird. Auch hier gibt es mit der Anthologie Flötenspiel zusätzlichen Abenteuerinhalt, der sich dem Thema Märchen widmet, was auch bei DSA ja eine lange Tradition hat.    

Neben den Printprodukten kann man zusätzlich auch noch weitere Inhalte erwerben, die in den letzten Crowdfundings Teil des Standardrepertoires geworden sind: eine Stoffkarte von Fasar, Spielkartensets zur Spielhilfe und zum Bestiarium. Dazu hat Ralf Kurtsiefer mit Klänge von Fasar wieder einen begleitenden Soundtrack komponiert.

Mein Eindruck

Ganz grundsätzlich machen die Printinhalte eine guten Eindruck auf mich. Bei Brüchiger Frieden hoffe ich sehr, dass es sich stilistisch an die Havena- Variante anschließt. Diese hat mich vor allem durch die augenzwinkernde Settingpräsentation überzeugt, wobei aber gleichzeitig auch überall Anregungen vorhanden sind, so dass sogar ohne Abenteuerbegleitung vieles direkt spielbar ist. Zusätzlich ist DSK dort deutlich regelleichter als die Vorlage DSA angelegt. Gleiches würde ich mir für Fasar auch wünschen, wobei ich grundsätzlich vermute, dass hier ein etwas ernsterer Ton angeschlagen wird, da ja Konflikt als Grundthema angekündigt ist. Auf jeden Fall halte ich Fasar mit seinen uralten Geheimnissen, dem Schwerpunkt im Süden Aventuriens und den speziellen Herrschaftsverhältnissen für eine gute Wahl, um einen Kontrast zu Havena zu setzen. Die Erweiterung auf vier spielbare Tierarten sorgt zudem sicherlich für noch mehr Abwechslung.  

Die beiden Erweiterungen zu den Außenbereichen von Havena und Fasar sind insofern sinnvoll, als dass sie ein anderes Flair erzeugen können, nachdem ja Havena einzig Stadtabenteuer ermöglicht hat. Wie die intelligenten Hunde, Katzen etc. sich in der Wildnis schlagen, kann sicherlich eine Bereicherung darstellen. Dazu freue ich mich natürlich besonders auf Abenteuernachschub, die beiden Anthologien versprechen wieder viel Material. Generell finde ich auch gut, dass in den Kategorien von Spielhilfen und Abenteuern auch Havena bedacht wurde, so dass auch Besitzer von den Havena-Sachen Erweiterungsmaterial erhalten. Was mir persönlich fehlt, ist ein längeres Abenteuer für DSK. Anthologieabenteuer haben sicherlich den Vorteil, gleich mehrere Abenteuer auf einmal zu liefern, allerdings sind es eben kleinere Szenarien ohne einen allzu großen Detailgrad. Zudem lassen sich hier auch kaum größere Handlungsbögen abbilden. Hier sehe ich noch eine Lücke, die ich in Zukunft gerne gefüllt haben würde. Umgekehrt verstehe ich natürlich auch, dass für ein Produkt abseits des Markenkerns DSA nur begrenzte Kapazitäten zur Verfügung stehen, immerhin besteht ja umgekehrt oft große Kritik am Fortschritt des Metaplots oder bei der Veröffentlichung von Regionalspielhilfen. Daneben warten natürlich auch einige Produkte, bei denen die Routine für ein wahrscheinlich gutes Endergebnis spricht, nimmt man z.B. das Heldenbrevier von Carolina Möbis und den Soundtrack von Ralf Kurtsiefer.

Was ich nach wie vor kritisch sehe, sind hohe Bonusziele wie die Illustrationen, mit denen einzelne Personen Einfluss auf das Endergebnis haben können. Illustrationen und Text sollten nach meiner Auffassung rein von denjenigen, die sie erstellen, frei und unabhängig angefertigt werden können (bzw. nach Wunsch der Redaktion), alles andere empfinde ich als künstlichen Eingriff.

Informationenstand bei Projektstart

Was ich allgemein sowohl an diesem Crowdfunding (aber auch an den bisherigen DSA-Projekten) als etwas ungünstig empfinde, ist dass man (hier sogar um wahrsten Sinne des Wortes) die Katze im Sack kaufen soll. In der Vorbereitung wäre es aus meiner Sicht als Käufer praktisch, wenn es z.B. für den Kernband 1-2 Beispielseiten geben würde, mit denen man sich ein Bild von Design und Inhalt machen kann. Genauso sollte eine ungefähre Angabe von Seitenzahlen bei den einzelnen Bänden eigentlich Standard sein. Mir ist klar, dass bei einem Crowdfunding auch noch Zusatzinhalte entstehen, was den einen oder anderen Band noch etwas länger werden lassen kann. Aber auch das könnte man doch durch eine Angabe wie „48+ Seiten“ umgehen. Und wenn man zudem ehrlich ist, laufen doch die Crowdfundings aus dem Dunstkreis von DSA alle völlig vorhersehbar gut, gerade bei den Bonuszielen hat man doch höchstens den Eindruck, dass ganz am Ende keine Ziele mehr vorhanden sind und Ulisses schon im Vorfeld relativ klar vorkalkulieren kann, wie viel Unterstützung zu erwarten ist. Ähnliches gilt z.B. auch für die Anthologien, hier wäre es doch sicher machbar, zumindest zu sagen, worum es ansatzweise in den Abenteuern gehen soll, wie der Titel ist (oder eben der Arbeitstitel) und wer daran schreibt. Solche Informationen sollten doch längst bekannt sein, nachdem ja klar gesagt wurde, dass Crowdfundings erst dann losgehen sollen, wenn die Inhalte gesichert sind und der Vorbereitungsstand so fortgeschritten ist, dass es zu keinen allzu großen Verzögerungen kommen wird.      

Ganz generell habe ich zwar bei den bisherigen Crowdfundings von Ulisses nie das Problem gehabt, dass man als Unterstützer nicht auch viel geboten bekommt oder gar dass das Endergebnis sein Geld nicht wert ist, ganz im Gegenteil. Trotzdem wäre etwas mehr Klarheit in der Produktbeschreibung absolut wünschenswert.

Worauf ich mich definitiv freue – gerade in aktuellen Zeiten von Homeoffice und deprimierenden Nachrichten – ist der Entertainmentfaktor, z.B. was für Bonusziele noch freigeschaltet werden und wie die Unterstützerzahl ausfallen wird, gerade das ist ja auch das Spannende bei dieser Art der Finanzierung, dass man dabei etwas Einblick bekommt, wie Sachen ankommen.

5 Kommentare

  1. Wie immer ein fundierter und umfassender Überblick.👍🏼 Ich muss gestehen, dass die DSK-Produkte als „zu niedlich“ bisher an mir vorbeigeschwappt sind, mich der Schauplatz Fasar jetzt aber schon reizt. Vielleicht juckt es mich mal in den Fingern und ich veranschauliche den lange schwelenden Konflikt der Joborner Flößerkatzen mit der berüchtigten Gerberviertel-Meute… 🐈🐩

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  2. Ich kann mich deinem Statement in Positivem wie leichter Kritik/Verbesserungsvorschlägen nur voll anschließen, Sehe das genauso. LG vom DSA Sammlerarchiv

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    1. Ich denke, dass viele sicher wissen, was sie ungefähr erwartet. Mir geht das auf jeden Fall so und dir sicher auch, deshalb hab ich auch keine Bedenken, das Crowdfunding zu unterstützen. Aber gerade für Leute, die DSK noch nicht kennen oder noch nicht bei Ulisses vom Preis relativ sicher auf eine bestimmte Seitenzahl schließen können, für diejenigen wäre das, was ich mir in Sachen zusätzlichen Informationen wünsche, bestimmt sinnvoll. Was den Inhalt angeht, bin ich mir eigentlich ziemlich sicher, dass es gelingen sollte, die Qualität von DSK zu halten.

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