Leid und Freud des DSA-Sammelns

Vorbemerkung: Ich muss gestehen, dass ich jahrelang ziemlich schludrig mit meinem DSA-Bestand umgegangen bin. Auch platzbedingt landeten neue Sachen meist in einem beliebigen Regal und wenn man einmal mit Unordnung angefangen hat und der dann zu sortierende Berg immer größer wird, schiebt man solche Dinge meist sehr gerne vor sich her. Ein kürzlich erfolgter Umzug hat mir nun aber jegliche Ausrede genommen und mich letztlich dazu genötigt, die ganzen Schätze einmal zu sichten und in eine ordentliche Sammelreihung zu bringen. Auch wenn ich mich nur eingeschränkt als Sammler sehe, merke ich dabei schon, dass es Spaß macht, alles einmal zusammenzufügen und gleichermaßen bietet die Gesamtsicht auch eine interessante Übersicht über die Publikationsgeschichte.   

Die Anfänge – Boxen und Abenteuer

Zunächst einmal fällt gerade bei den älteren Publikationen aus den Zeiten von DSA 1-3 eindeutig die Herkunft von Schmidt Spiele als treibende Kraft aus dem Brettspielsektor auf. Rollenspiel war für den Massenmarkt vergleichsweise neu und deshalb bot es sich offenkundig nicht an, auf den reinen Verkauf von Print-Produkten in Buch- oder Heftform zu setzen. Stattdessen wurden für die Grundregeln und die ersten Vorläufer der Regionalspielhilfen Boxen verwendet, so wie BrettspielerInnen nun mal den Anblick von Spielen gewohnt waren (was damals anscheinend ja auch funktioniert hat und wovon das Spiel in gewisser Weise heute noch zehrt). Bei mir hat das beispielweise für den Vorteil gesorgt, dass die Sachen abseits unserer Rollenspielrunden geschützt in ihrer Kartonage aufbewahrt wurden, weshalb auch die Hefte aus den 90er Jahren sich drei Jahrzehnte später immer noch in einem vergleichsweise guten Zustand befinden. Ganz anders sieht es da mit den Abenteuerbänden im unflexiblen Kartoneinband aus. Kaum eines meiner alten Abenteuer macht nicht einen eher abgegriffenen Eindruck, zumal ich damals noch nicht dazu übergegangen bin, Karten aus den Heften rauszukopieren, sondern die Klammerung aufgemacht und die legendären Pläne des Schicksals rausgenommen habe, was ebenfalls wenig zur Schonung beigetragen hat. Trotzdem bleiben das – zumindest bei mir – die liebsten Stücke – weil damit extrem viele Erinnerungen verbunden sind an die Zeiten, als man noch Das Grabmal von Brig-Lo durchstreifte oder Der Zorn des Bären über einen kam.

DSA4 – Hardcover-Bleiwüsten mit vielen Sondernischen

Deutlich mehr Eindruck schinden da eindeutig die Publikationen aus DSA4-Zeiten. Immerhin handelt es sich bei einem Großteil davon um deutlich wertigere Hardcover. Da die berühmten Bleiwüsten (bei mir eindeutig positiv besetzt) auch noch oft eine Seitenstärke von über 100 Seiten erreichten, kann man sie übersichtlich der Reihe nach sortieren und in der Seitenansicht gezielt die Bandtitel rausgreifen. Allein das sorgt auch für einen gewissen bibliothekarischen Nutzen. Gerade in der Endphase von DSA4 sind zudem einige echte Wälzer entstanden, z.B. die großartige Quanionsqueste oder einige Bände der Splitterdämmerung, auch wenn nichts davon in den Seitendimensionen an die Neuauflage von Die Sieben Gezeichneten heranreicht.          

Vor allem in dieser Zeit kann man aber genauso sehen, dass nicht nur aktuell immer wieder innerhalb der Nische DSA noch weitere Nischen aufgemacht wurden mit Sonderpublikationsreihen, sonders dies auch damals schon gang und gäbe war. Am größten ist dieser Fundus natürlich (maßgeblich vom Uhrwerk Verlag bedient) mit Myranor-Bänden bestückt, die seit Anbeginn im auffälligen orange-roten Einband daherkommen. Überhaupt wird hier bunt mit Farben umgegangen: eine Portion grün für die bislang einzige Uthuria-Kampagne Grüne Hölle und grau-rot für die drei Bände der Tharun-Neuauflage. Dazu kommen auch für Aventurien noch viele Sonderfarben: Beispielsweise sticht hier die rote Reihe der Einsteigerbände hervor, neben den grünen Regionalspielhilfen und den blauen und lilafarbenen Zusatzbänden. Gleich zweimal steht als besonderes Erinnerungsstück (und das sicher nicht nur bei mir) die Historia Aventurica im Regal, einmal im braunen Einband und einmal in der blauen Version, die ich unter fast körperlichen Schmerzen für die damalige Umtauschaktion verstümmeln musste.    

   

DSA5 – dick und dünn

Der Bereich DSA5 füllt jetzt schon sehr viel, was vor allem durch die vielen dicken Regelbände und Regionalspielhilfen erzeugt wurde, die bei mir schon eine ganze Regalabteilung einnehmen. Und das, wo noch über 2/3 der Regionalspielhilfen noch ausstehen. Hier wird wohl irgendwann ein Anbau stattfinden müssen, damit das noch passt. Wesentlich schlanker kommt dafür die Abteilung mit den Abenteuern daher, ist doch das Hardcover nunmehr wieder die Ausnahme, während dünne Softcover die Regel sind. Aus rein optischer Sicht ist es hier natürlich schade, dass wieder auf eine Klammerheftung gesetzt wird und man deshalb die Hefte aus dem Regal nehmen muss, um das richtige zu finden. Generell sind es hier aber natürlich die inneren Werte, die etwas mehr hermachen, indem die Illustrationen eben allesamt bunt sind (auch wenn ich hier eher neutral gestimmt bin, ich mag auch die alten Illustrationen, die etwas Ruhigeres an sich haben).

Nebenbei gibt es in der wohl nun angebrochenen Crowdfunding-Ära eine Wiederentdeckung bzw. eine Rückbesinnung auf das Box-Prinzips, indem nach zwei DSA4-Publikationen (die großartigen Boxen zu Gareth und den Dunklen Zeiten) nun die Einsteigerboxen in diesem Format erschienen sind und diese auch bei den Crowdfundings erhältlich sind (wobei ich persönlich nur die exorbitant große DSK-Box besitze). Zusätzlich kommen viele dünne Hefte dazu, z.B. weit über 30 Heldenwerk-Ausgaben.

Zusätzlich sind hier viele neuartige Formate entstanden, wie die dünnen Hefte der regionalen Rüstkammern, Meisterschirme-Beihefte, Crowdfunding-Sonderbände etc. Mit DSK, dem Cthulhu-Mythos und Wege der Vereinigungen sind zuletzt zudem diverse Sonderpublikationen entstanden (von denen zwar alle einen Platz in meinem Regal gefunden haben, allerdings nur Die Schwarze Katze mich wirklich überzeugen konnte).  

Wechselhafte Roman- und Botenära

Genauso kann man an den Romancovern verschiedene Publikationsären nachvollziehen. Einige der Bände aus den 90ern sind noch im Abenteuerdesign des Coverrahmens der damaligen Zeit gestaltet. Besonders dominant wirken aber natürlich die dicken Wälzer der aktuell erscheinenden Phileasson-Saga aus dem Heyne Verlag, die von Band zu Band breiter werden. Neben den eher uniformen Ulisses-Bänden stehen dann buntgemischte Fanpro-Romane und dann noch die schwarzen Bände der neuen Rocket-Bocks-Reihe. Dazu kommen auch noch Experimente wie die Hundstage-Reihe, die als pulpige Novellen konzipiert wurden, wobei es bei diesem einen Versuch geblieben ist.

Nicht ganz, aber fast in diese Kategorie fallen die kleinformatigen Bände der Vademeci und der braunen Heldenbreviers. Besonders die Vademeci bilden dabei die Farbtupfer, sind sie doch in solchen Farben gehalten, die zur entsprechenden Gottheit passen sollen. Hier ist zudem die Besonderheit, dass es sich quasi um die einzige Publikationsart handelt, die unverändert den letzten Editionswechsel überdauert hat.   

Der Bote ist ebenso – sogar mit fortlaufender Nummer (anders als bei den Abenteuern) – etwas, was die Zeiten überstanden hat. Aber auch hier stellt man einen Wandel fest, von den alten Papierklammerheften (bei mir mittlerweile meist etwas vergilbt) über die Magazinausgabe bis hin zu jüngeren großformatigen Zeitungsexemplaren.

Dies und das

Und daneben besteht DSA natürlich nicht nur aus Print-Publikationen, sondern weist z.B. eine lange Computer-Spiele-Historie auf und sicher bin ich nicht der einzige, der Drakensang, Memoria oder sogar die Nordlandtrilogie alle Jubeljahre wieder herausgreift und in den Rechner schiebt, um Daspota und den Kosch unsicher zu machen. Dazu gesellen sich weitere Silberlinge von Form der Hörspiele (z.B. die neuere Reihe von Winterzeit Audiobooks). Genauso kann man die durchaus vielfältige Gesellschaftsspieltradition sehen, wobei sich vermurkste Trash-Klassiker wie Das Dorf des Grauens neben Drachenjäger von Xorlosch, Schatten der Macht und den mittlerweile recht zahlreichen großen und kleinen Aventuria-Boxen scharen.  

Was sich bei mir nicht findet, aber sicherlich viele DSA-Sammlungen anreichert, sind Merchandising-Artikel. Die sehen sicher oft toll aus, sind aber nichts für mich, so dass sich bei mir außer einer gewonnenen Thorwal-Otta nichts derartiges findet. Viel mehr Freude habe ich dafür an einigen Publikationen wie Ilaris oder an einigen Sachen, an denen ein befreundeter Schelm beteiligt war, die beweisen, dass DSA auch abseits der offiziellen Publikationen als ein Spiel der Fans existiert.

Sammeln oder spielen?

Ich muss eindeutig sagen, dass ich kein expliziter Fan von einer Orientierung an Sammler-Interessen bin, beispielsweise besitze ich bis auf eine Ausgabe eines der Heldenwerk-Archive (und auch die nur durch Zufall) keine teuren Sammlerausgaben. Persönlich gefallen mir die Originalsachen mit gezeichneten Covern deutlich besser, weil gerade diese Cover für mich einen Gutteil der DSA-Tradition ausmachen.

Allerdings hält sich der Spielwert aus moderner Sicht fast schon wieder in Grenzen, gerade auch in Zeiten, in denen sich das Spielen immer mehr in das Digitale gewandelt hat und deshalb oft die handlicheren PDF-Varianten verwendet werden. Auch sind die neuen Regelbände aufgrund der großen Regelstreuung nur sehr begrenzt als Nachschlagewerke nutzbar und deshalb wird das Regel-Wiki frequentiert.

Trotzdem mutmaße ich, dass ein nicht geringer Teil der Spielerschaft wie ich eher altmodisch veranlagt ist und das bedruckte Papier immer noch zu schätzen weiß und sei es auch nur für den einen oder anderen nostalgischen Trip in die Vergangenheit. Hier finde ich es übrigens gerade toll, dass man an den oben erwähnten Charakteristika der einzelnen Publikations-Perioden überall Unterschiede sieht und eben keine Uniformität, gerade das zeugt von der Lebendigkeit eines Spiels, wenn es auch eine solche Geschichte hat.

Für mich sind solche Regale deshalb auch immer ein kleines Stück Lebensgeschichte, zumindest wenn diese mit etwas bestückt sind, mit dem man enorm viel Freude verbindet. An dieser Stelle bin ich mir übrigens sicher, dass es auch unter meinen LeserInnen viele Menschen gibt, denen es ähnlich geht. Wenn dieser Artikel andere dazu anregen würde, selbst einmal durch die eigenen Regale zu schauen und in den Lieblingsstücken zu schmökern und schwelgen, würde ich mich das sehr freuen und natürlich wäre ich auch brennend an den Geschichten, die dahinter stecken, sehr interessiert.      

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