Rezension: Stimmen der Vergangenheit

Vorbemerkung: Eine Weile hat es gedauert, nun beginnt die dritte Staffel der DSA-Hörspiele von Winterzeit Audiobooks. Die beiden vorigen Staffel habe ich ja auch hier im Blog besprochen, wobei unterm Stich immer dasselbe Credo galt: Lob für die technische Seite mit einer guten Soundbearbeitung und tollen, sehr professionellen (und bekannten) Sprechern, Tadel für die inhaltliche Umsetzung, in der Aventurien kaum zur Geltung kam. Bis zu einem gewissen Punkt kann ich ja völlig verstehen, dass in der Hinsicht nicht zuviel Hintergrundwissen notwendig sein darf, damit man eine breitere Zielgruppe ansprechen kann. Aber den Hintergrund fast völlig zu ignorieren, kann auch nicht der Weg sein, wenn es unter dem Label DSA läuft. Hoffnung macht mir nun die Ankündigung im Booklet der CD zur 13. Folge Stimmen der Vergangenheit, dass nun mit Kristina Lohfeldt eine neue Autorin verpflichtet wurde, die sich gut mit DSA auskennen soll. Dementsprechend hoffe ich auf deutlich mehr Stimmigkeit, gepaart natürlich mit einer spannenden Geschichte.

I. Inhalt

Die neue Staffel setzt da an, wo die letzte geendet hat: Die Gruppe um den Zwerg Gundar Gemmenschneider sitzt (mal wieder) im Kerker von Gareth, da ihre Heldentat, immerhin die Rettung des ganzen Kontinents, erneut völlig unbemerkt stattgefunden hat und sie nun sogar als Ketzer gelten. Immerhin scheint Gundar seine dämonische Besessenheit hinter sich gelassen zu haben. Hoffnung kommt allerdings auf, als der undurchsichtige Jahrmarktszauberer Rastafan zu ihnen in die Zelle geworfen wird. Mit seinen magischen Fähigkeiten ermöglicht er der ganzen Gruppe die Flucht.    

Zusätzlich gibt es im Hintergrund Unterstützer: Ein als Hochwürden bezeichneter Geweihter einer ungenannten Gottheit befiehlt dem Gardehauptmann Guntlieb von Drosselheim von einer Verfolgung der Flüchtigen abzusehen. Schnell ist die Gruppe bereit, Rastafans Vorschlag zu befolgen, sich nach Punin zu wenden, weil man im Trubel der dort bald beginnenden großen Gladiatorenspiele hoffen kann, nicht allzu sehr aufzufallen. Alinne möchte zudem dort mehr über ihre magische Begabung und ihr Amulett erfahren. Allerdings ist schon die Reise von merkwürdigen Ereignissen begleitet, indem z.B. Alinne und Filoen Visionen erfahren und auch Gundar hat ständig ein schlechtes Gefühl.

Eine Nebenhandlung findet am sogenannten Schattenhof statt, wo sich ein Fürst Bajazzo genannter Mann im Untergrund mit seinen Anhängern trifft, der offenbar Pläne für Punin zu haben scheint, was aber noch weitgehend im Dunkeln bleibt.

II. Figuren

Die alte Kerngruppe bleibt bestehen, wobei die größte Veränderung unter den Stammcharakteren ist, dass Gundar seine Besessenheit losgeworden ist. Weiterhin eine Sonderrolle nimmt Alinne mit ihren Fähigkeiten ein, die offenbar die Aufmerksamkeit weiterer Personen gewonnen hat. Erweitert wurde die Gruppe um Hothars Schwester Ragna, die nach ihrer Fluchbefreiung in der 2. Staffel nun fest zusammen mit den Gefährten ihres aufbrausenden Bruders bleibt.

Als völlig neue Figur kommt Rastafan hinzu. Einerseits nimmt er sofort Sardos Funktion als kompetenter Magiewirker ein. Andererseits bleibt er ein undurchsichtiger Charakter, indem er offenbar fremdgesteuert ist, ohne dass man freilich einschätzen kann, ob seine Absichten direkt feindlich sind. Zusätzlich belegt er auf der Reise die Rolle des Führers, da er als einziger die Gegend kennt, in die sie sich begeben.

Ein klarer Antagonist ist noch nicht erkennbar, da der angesprochene Fürst Bajazzo nicht nicht einschätzbar ist und auch bei Guntlieb von Drosselheim wird noch nicht deutlich, ob er mit dem Verlassen von Gareth, seinem Einflussbereich, auch aus der Handlung ausscheidet.

III. Kritik

Beginnen möchte ich mit der für mich größten Auffälligkeit: Mit Stimmen der Vergangenheit hat sich bei mir erstmals wirklich das Gefühl eingestellt, dass man sich in Aventurien befindet und nicht in irgendeiner generischen Fantasywelt. Das wird vor allem in vielen Kleinigkeiten deutlich: Nach einer glücklichen Aktion bedankt man sich bei Phex, Personen werden als „Stumm wie eine Salzarele“ bezeichnet, Thorwaler verwenden Redewendungen wie „Das wohl“. Die Magierakademie zu Punin hat einen charakteristischen Elfenbeinturm und die Stadt liegt an der Reichsstraße 2, Wegmarken tragen die Namen existierender aventurischer Orte etc. Auch wenn das manchmal etwas hölzern klingt, wenn solche Passagen vorgetragen werden, aus meiner Sicht hat sich damit der Wechsel in der Autorenschaft jetzt schon ausgezahlt, Kristina Lohfeldt kennt sich offenbar gut in Aventurien aus bzw. hat eine gründliche Recherche betrieben. Und gleichermaßen wird das Hörspiel nicht zu komplex für Leute, die von DSA noch nie gehört haben, weil die entsprechenden Informationen, immer dann, wenn sie kontextbedürftig sind, direkt erläutert werden, wozu zumeist Rastafan als Erklärinstanz verwendet wird, z.B. wenn er seinen Gefährten beschreibt, wer denn die Zahori sind. Auch das ist gut eingearbeitet, da man ja beim durchschnittlichen Aventurier davon ausgehen muss, dass sie weit weniger Weltwissen und Bildung besitzen im Vergleich zu heutigen Realität. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn die Staffel genau so fortgeführt wird.

Inhaltlich ist die Qualität der Geschichte nach dem reinen Auftakt schwer einschätzbar. Etwas redundant wirkt eben der erneute Auftakt im Kerker von Gareth, allerdings ist dies ja dem Resultat der vorherigen Staffel geschuldet. Die Handlung ist bisher dann recht konventionell gestaltet, indem der Ausbruch stattfindet und ein neues Reiseziel gefunden wird. Spannend wird dann die Frage in der Folge werden, wie denn Punin als Handlungsort behandelt wird, ob man wirklich das Flair einer südlicheren Metropole einfängt, die sich von Gareth deutlich unterscheidet.

Einen Gewinn stellt auf jeden Fall Rastafan als neuer Charakter dar, der herrlich abgedreht von Michael Pan (Mr. Data aus Star Trek – The next Generation) gesprochen wird. Die alten Figuren sind ja mittlerweile in ihrem Verhalten (der aufbrausende Hothar, die Notretterin Alinne, die ewig zankenden Gundar und Filoen) vorhersehbar, so dass frisches Blut der Gruppe guttut. Ein undurchsichtiger Jahrmarktszauberer ist hier definitiv bereichernd, zumal ja vieles in seinem Verhalten noch Optionen offenlässt, da er ja weit mächtiger ist, als es jemand in seiner Position sein dürfte und er umgekehrt mit seiner Loyalität nicht bei seinen neuen Gefährten verhaftet ist. Hier wird sich im Verlauf der Staffel sicher noch das Potential zeigen.

Technisch ist die Folge einmal mehr tadellos gemacht, der Sound ist wie immer sehr professionell gestaltet und es macht nach wie vor großen Spaß, dass die Figuren von derart bekannten Sprechern vertont wurden, was meist bis die kleineren Nebenrollen der Fall ist.

IV. Fazit

Stimmen der Vergangenheit ist ein vielversprechender Auftakt für die neue Staffel der Hörspielreihe. Der Hauptgrund ist die viel größere Stimmigkeit, weil die neue Autorin in vielen Details dafür gesorgt hat, dass man wirklich das Gefühl hat, sich in einer aventurischen Handlung zu befinden. Wie überzeugend die Reihe inhaltlich ist, kann die erste Folge noch nicht offenbaren, da die wirkliche Handlung noch nicht ersichtlich ist und hier eher der Prolog stattfindet.   

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