Rezension: Lied der Sieben Sphären

Vorbemerkung: Wie es sich für eine mehrteilige Reihe gehört, endete Kind des Goldenen Gottes mit einem zwiespältigen Resultat und einer Art Cliffhanger. Triumph und Niederlage lagen eng beieinander, was gerade von den drei Hauptfiguren Israni, Kilgan und Acurien große Opferbereitschaft verlangt hat. Der zweite Band der Pardona-Trilogie von Mháire Stritter und Nicolas Mendrek muss diesen Faden nun wieder aufgreifen. Nach wie vor spielt dabei eine wichtige Rolle, dass viele Leser*innen bestimmte Passagen in Pardonas Lebensgeschichte gut kennen. Somit ist die Frage vor allem, wie dies hergeleitet wird und wie es trotzdem gelingen kann, Spannung aufzubauen.    

In Zahlen:

– 308 Seiten

– Preis: 14,95 Euro

– erschienen am 25.11. 2021

I. Inhalt

Man kann nicht unbedingt davon sprechen, dass der Band direkt an den Vorgänger anknüpft, da weiterhin Lücken von sehr großen Zeitabständen bestehen, bedingt durch die Langlebigkeit der Protagonisten. Anders als ihre Gefährten ist Israni weiterhin in Aventurien unterwegs und führt nach dem Fall Simlyalas den Kampf gegen die dunklen Mächte fort, wobei sich zu Beginn der Handlung eine Entscheidung im Kampf der Völker Aventuriens gegen Pyrdacor abzeichnet.

Allerdings muss sie dabei nach seinem heldenhaften Ende auf die Hilfe von Acurien verzichten. Hier aber bietet sich ihr ein plötzlicher Hoffnungsschimmer, als sie dem Echsenmenschen Narsharram begegnet, der ihr verkündet, dass ihr alter Freund durchaus noch lebt und gerettet werden kann, auch weil er im weiteren Verlauf der Geschichte noch eine wichtige Rolle spielen soll. Dazu ist es aber notwendig, sich in die belagerte Zwergenstadt Schtromonosch zu begeben, um dort ein Artefakt zu erlangen, das notwendig ist, um ihn aufzuspüren. Auf dem Weg dorthin weckt sie Kilgan aus einem Jahrhunderte währenden Schlaf, da sie seine Tatkraft dringend braucht.

Vor Ort angekommen, werden sie vor massive Probleme gestellt, indem Schtromonosch sich in einem Belagerungszustand durch Pyrdacors Truppen befindet und schon das Eindringen eine enorme Hürde darstellt. Hier gesellt sich mit dem Zwerg Calmador ein weiterer neuer Gefährte zur Gruppe, der sie in den Untergrund und zu seiner Sippe führen soll. Den Zwergen setzt besonders eine dämonische Entität zu, die einen Krieger nach dem anderen tötet und somit gilt es für die Gruppe, dieses Wesen um jeden Preis zu bezwingen.

Dies alles geht nicht ohne große Reibungsverluste vonstatten und vor allem Calmador und Kilgan werden mit tragischen Verlusten konfrontiert, die sie auch daran zweifeln lassen, ob Israni und Narsharram sie nicht nur benutzen, um höhere Ziele zu erreichen.

Folgend nimmt die Handlung, die zuvor von Kämpfen geprägt ist, eine noch deutlich fantastischere Note an, indem deutlich wird, dass man die Sphärengrenzen überqueren muss, um zu Acurien zu gelangen. Dazu ist unter anderem eine Reise durch den Limbus vonnöten, um hilfreiche Verbündete zu finden. Dies geschieht dann in Form eines Zusammentreffens mit dem Troll Kaschmallarun, der sie auf Wegen führen soll, die Normalsterblichen eigentlich verwehrt sind. Erschwert wird dies aber durch den Umstand, dass der Höhepunkt des Drachenkrieges sogar den Limbus und dort betretbare Welten/Globulen ins Chaos stürzt. Hier wird schnell deutlich, dass die Gruppe große persönliche Opfer bringen muss.

Eine weitere Handlungsebene spielt tatsächlich jenseits der Sphären der Sterblichen. Dort wird Acurien mit unglaublichen Qualen konfrontiert, während immer wieder Wahnvorstellungen und Visionen auf ihn einprasseln. Die einzige Konstante sind ständige Zusammentreffen mit Pardona, die ebenfalls dazu verdammt ist, die Ewigkeit hier zu verbringen. Doch selbst an einem Ort der totalen Hoffnungslosigkeit scheint sie weiterhin Pläne zu schmieden.

II. Figuren

Weiterhin sind es die drei Hauptcharaktere des ersten Bandes, denen man perspektivisch folgt. Allerdings ist der Ton noch etwas düsterer geworden: Israni als Anführerin ist eine ewige Kriegerin geworden, die seit Jahrhunderten ihre Feinde bekämpft und dabei viel verloren hat, darunter nicht wenige ihrer Kinder. Sie zeichnet trotzdem nach wie vor ihre Zielstrebigkeit und ihre Hartnäckigkeit aus.

Weiterhin eng mit ihr verbunden ist ihr menschlicher Begleiter Kilgan. Allerdings ist auch er nach einem sehr lange andauernden Schlaf verändert, indem er mehrfach an sich und seinen Fähigkeiten zweifelt und er zudem mit Verlusten umgehen muss, was sogar zu einer gewissen Entfremdung zu Israni führt. Dennoch kennzeichnet ihn nach wie vor seine Opferbereitschaft für seine Freunde, indem er sich aufgrund der Tragweite ihrer Mission nie schont.

Acurien hingegen befindet sich in einer surrealen Umwelt und wirkt dementsprechend oft eher entrückt und seine Gespräche mit Pardona haben einen teils sehr philosophisch anmutenden Charakter. In seinen Handlungskapiteln finden auch die Auftritte der Fokusfigur der Reihe statt: Aber auch Pardona ist den Gesetzen ihrer zerstörerischen Umgebung ausgesetzt. Trotzdem bleibt die Entschlossenheit ihr dominanter Charakterzug, der sie auch weiterhin an einen Ausweg glauben lässt.

Dazu kommen allerdings auch drei neue Charaktere. Am wenigsten greifbar ist dabei der Echsenmensch Narsharram, weil seine Motive meist undurchsichtig bleiben. Er ist deutlich zynischer als seine Gefährten und weit weniger an einer persönlichen Beiziehungsebene interessiert, sondern will an sein Ziel, den Aufenthaltsort von Ancurien und Pardona, gelangen.

Calmador hingegen als vergleichsweise junger Zwerg handelt wesentlich impulsiver als seine Gefährten, vor allem steckt er mehrfach in der Zwickmühle, wem seine Loyalität gehört, seinen neuen Freunden um Israni oder seiner Zwergensippe, die sich aber durch eigene Fehler in eine extrem missliche Lage manövriert hat.

Sicherlich die ungewöhnlichste Figur ist aber der kauzige Troll Kaschmallarun. Auch wenn er in seiner verworrenen Ausdrucksweise nicht immer so wirkt, handelt es sich bei ihm um den mächtigsten Teilnehmer der Queste, kann er doch Pforten öffnen, die den anderen versperrt sind.

III. Kritik

Besonders auffällig ist zunächst, dass Lied der Sieben Sphären seinem Vorgängerband in Sachen Epik in nichts nachsteht. Auch wenn hier nicht immer das große Schlachtgetümmel im Vordergrund steht, sind es nun andere Höhepunkte, die beim Lesen fesseln. Zum einen sind es die Ereignisse um die Belagerung von Schtromonosch, wobei die Gruppe sich zunächst an einem leibhaftigen Drachen und dem ihm untergebenen Heer vorbeischleichen müssen und dann die Tunnel, in denen eine dämonische Präsenz auf sie lauert. Und folgend wird ja sogar die rein derische Ebene verlassen und auf den Limbus und diverse Globulen zurückgegriffen, bis sogar die 7. Sphäre selbst Schauplatz des Geschehens wird, die normalerweise von Sterblichen gar nicht betreten werden kann. Gerade das Chaos und die unvorstellbaren Schrecken, die dort jeden ergreifen, werden gut dargestellt und geben dem Roman einen sehr ungewöhnlichen Verlauf, auch weil dort die Grenzen zwischen Realität und wahrgewordenem Alptraum verschwimmen.      

Das ist zwar sehr unterhaltsam, auch weil das Spannungslevel durch immer neue Wendungen, Feinde, Katastrophen und auch interne Konflikte stetig hoch gehalten wird, gerade in der zweiten Hälfte gibt es kaum Verschnaufpausen. Dennoch kommt der Roman nicht ganz ohne Längen aus, der Aufenthalt in Schtromonosch könnte z.B. für meinen Geschmack etwas knapper ausfallen, vor allem ab dem Moment, wo die Verteidiger sich selbst einschließen, das passt auch für mich nicht zu dem Wunsch, schnell zu Acuriens Rettung aufbrechen zu können.    

Wirklich gut gefällt mir die Charakterentwicklung. Israni, Kilgan und Acurien sind an schwierigen Punkten ihrer persönlichen Heldenreise angekommen, haben Verlust, Schrecken und Tod erlebt, wobei Acurien sich ja ohnehin in einer völlig anderen Situation befindet. Israni und Kilgan sind zwar nach wie vor erfahrene Veteranen, die ihre Mission zielstrebig verfolgen, aber ihnen merkt man an, dass sie fatalistischer geworden sind.

Umso wichtiger, dass dieses Trio um drei neue Charaktere erweitert wird, die auch nicht leicht einzuschätzen sind. Narsharram nimmt dabei eine besonders ambivalente Rolle ein, da man seine Motive nicht einfach durchschauen kann und man bei ihm stetig eher egoistische Hintergründe vermutet und er in der Gruppe eher geduldet denn akzeptiert wird. Als uraltes und mächtiges Wesen wird Kaschmallarun eingeführt und dementsprechend scheint er stets etwas entrückt und betrachtet die Dinge aus einer anderen Perspektive als seine Mitstreiter. Calmador hingegen nimmt die Rolle des noch unsicheren Neulings ein, der den anderen an Erfahrung deutlich unterlegen ist, aber auch einen wichtigen Beitrag leistet, vor allem im Kampf gegen den unterirdischen Dämon.

Die Auflösung am Ende hinterlässt einen ausgesprochen reizvollen Cliffhanger zum letzten Roman. Gerade hier kommt auch noch einmal die Sonderrolle von Pardona zum Vorschein. Lange Zeit wirkt sie ja eher wie eine Erscheinung und nicht wie eine reale Person, da sie in der Siebten Sphäre anderen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist, die sie nicht kontrollieren kann, die sie aber überraschender Weise auch nicht brechen können. Die Dialoge mit Acurien lassen sie umgekehrt etwas nahbarer werden, da sie hier mehr von ihrem Denken und Fühlen offenbaren kann, als es vorher bei der stets kühl kalkulierenden feindlichen Anführerin der Fall war. Trotzdem muss man weiterhin betonen, dass sie nur vom Reihentitel her in den Vordergrund gehoben wird, nach wie vor sind ihre Gegner die eigentlichen Hauptdarsteller. Spannend wird in dieser Hinsicht natürlich auch die Frage, wie das Kräftemessen zwischen ihr und der kleinen Heldengruppe am Ende entscheiden werden wird.

IV. Fazit

Lied der Sieben Sphären ist ein spannender Roman mit ungewöhnlichen Schauplätzen, die die Gesamthandlung weiterhin sehr episch halten, allerdings in gänzlich anderen Facetten als zuvor.  Eine Stärke ist die Charakterentwicklung der drei bekannten Hauptcharaktere, die sich durchweg ins Tragische verkehrt. Gut fügen sich zudem die neuen Protagonisten ein, die teils schwerer zu durchschauen sind.

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