Rezension: Spuren im Sand

Vorbemerkung: Auch wenn bei DSK die Vorstellung des Settings schon vergleichsweise explizit aus einer Art Ingame-Sicht verfasst wurde (in Form einer Stadtführung durch ortskundige Figuren), gibt es auch zu Fasar – Brüchiger Frieden ergänzend ein Heldenbrevier. Spuren im Sand von Carolina Möbis wählt dabei die spezifische Perspektive einiger Bewohner*ìnnen des erwachten Fasars in Form einer zusammenhängenden Handlung, wobei diesmal eine Art Kriminalroman entstanden ist.

In Zahlen:

– 160 Seiten

– 4 Perspektivfiguren

– Preis: 17,95 Euro

– Erschienen am 7.12. 2021

I. Aufbau und Inhalt

Wie gewohnt handelt es sich um eine Art Briefroman, allerdings wird diesmal auf eine Sonderform zurückgegriffen, indem die erwachten Wesen ihre Erlebnisse nicht als Briefe abfassen, sondern es sich quasi um Mitschriften mündlicher Erlebnisse handelt, z.B. in Form von Kneipengesprächen. Hier sind dann auch typische Merkmale von mündlicher Kommunikation wie plötzliche Einschübe oder direkte Anrede der Zuhörenden erkennbar.

Da Fasar anders als Havena schon im Kernband 4 unterschiedliche erwachte Spezies aufweist, sind als Protagonisten auch genau vier VertreterInnen dieser Spezies vorhanden. Wichtigste Figur – auch mit sehr dominanten Erzählanteilen – ist der Mungo Altin Skorpionbeißer, der sein Glitzer als sogenannter Schnüffler verdient (die DSK-Variante eines Privatdetektivs). Er ist auch der Ausgangspunkt des Geschehens, beginnt die Handlung doch damit, dass er von der geheimnisvollen Katze Aphanja aufgesucht wird, die ihm einen delikaten Auftrag erteilt: Er soll den verschwundenen Harfi (=Klingenmacher, ein besonders talentierter Waffenschmied) Babur ibn Bey finden, der seit geraumer Zeit unauffindbar ist, auch für seinen Klan Al´Shaddai, für den er extrem wertvoll ist und der aktuell wohl die meistgesuchte Person unter den Erwachten Fasars darstellt.

An dieser Stelle beginnt dann die Geschichte einer sehr wechselvollen Ermittlung. Altin zieht alle Register seines Könnens, indem er seine bestehenden Quellen anzapft: Dabei handelt es sich unter anderem um das Bestechen von Wächtern der Klans in zwielichtigen Tavernen, nächtliche Ausflüge mit Beschattungsvorhaben, aber auch handfeste Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Gruppen. Im Laufe der Handlung werden viele unterschiedliche Orte aufgesucht, die in der Spielhilfe beschrieben werden. Dabei ist Altin nicht auf sich allein gestellt. Neben Aphanja, die hin und wieder ebenfalls in die Recherche eingreift (durchaus auch als Retterin in der Not), gewinnt er vor allem Pequenia saha Nasrin als treue Gefährtin. Die junge Hündin ist neu in Fasar und träumt davon, sich dort eine Namen als Klankriegerin zu machen und eine eigene Klinge zu erhalten. In ihrer noch etwas naiven und ungestümen Art eckt sie schnell an und braucht einen mit allen Wassern gewaschenen Mentor wie Altin dringend. Die letzte im Bunde ist die Fennek Haldime. Die Händlerin und ist schon lange mit Altin bekannt und ihm noch einen größeren Gefallen schuldig, den dieser jetzt einfordert.

Nach und nach gelingt es dem durchaus ungleichen Quartett der Spur des verschwundenen Harfis näherzukommen, wobei sie schnell bemerken, dass deutlich mehr hinter dessen Verschwinden steckt und dass hier die Interessen verschiedener Gruppen aufeinanderprallen. Die Handlung nimmt dabei einige Wendungen, die mitunter auch tragisch sind.

II. Figuren

Der Band ist wie immer als Ergänzung zur Regionalspielhilfe gedacht und hat diesmal primär die Funktion darzustellen, wie ein Nebeneinander der vier erwachten Spezies funktionieren kann. Stellvertretend dafür steht dann auch der Mungo Altin, der die Fixfigur ist und der die Verbindung zu den anderen Charakteren darstellt. Bei ihm handelt es sich um einen desillusionierten Veteranen seines Metiers, der mit allen Wassern gewaschen ist und der vor allem in den dunklen Gassen der Unterwelt zuhause ist. Aphanja hingegen hat eine deutlich schillernde Komponente, wobei viele ihrer Motive verdeckt bleiben. Erwähnenswert ist die Anziehung, die zwischen ihr und Altin besteht. Hadime verkörpert eine ebenbürtige Partnerin, die ebenfalls von ihren Kontakten lebt und Altin somit unterstützen kann. Pequenia hingegen unterscheidet sich von den anderen dadurch, dass sie kaum von Erfahrungen und Kontakten zehren kann, sondern alleine ihren Mut und ihre Tatkraft in die Waagschale werfen kann, womit sie die anderen aber durchaus positiv überrascht. Für sie ist Fasar zudem noch viel mehr ein faszinierender Ort mit mannigfaltigen Möglichkeiten.

III. Kritik

Anders als die meisten anderen Heldenbreviere stellt Spuren im Sand als Ergänzung zu einer Stadtspielhilfe eben kein Reiseabenteuer dar, sondern ist stark ortsgebunden. Das nimmt dem Ganzen aber keineswegs an Vielfalt, verfügt Fasar doch über viele unterschiedliche Orte und Stadtteile, die im Laufe der Handlung aufgesucht werden. Im Regelfall handelt es sich dabei aber um solche Orte, die eher mit der Halbwelt verbunden sind.

Dies liegt natürlich primär an der Wahl des Genres, indem diesmal ein Detektivroman vorliegt. Und Altin ist eben kein genialer und schillernder Ermittler im Stile von Sherlock Holmes, sondern orientiert sich eher an dem Prototyp des hard-boiled-Detektiv wie Philip Marlowe oder Kemal Kayankaya. Dementsprechend fällt auch die Hintergrundschilderung aus. Altins Fasar ist einerseits ein schmutziger und gewalttätiger Ort, düstere Gassen und Tavernen werden mehrfach aufgesucht und es finden gleich mehrere Auseinandersetzungen statt, in denen der Mungo und seine Gefährten auch ordentlich einstecken müssen. Andererseits aber ist Altin extrem vergnügungsorientiert, was sowohl in seiner Beziehung zu Aphanja deutlich wird als auch in seiner Zugewandtheit zu Alkohol und anderen Genüssen, die Fasar so bietet. Genauso weist er einen sehr ambivalenten Charakter auf, indem er sich zwar einerseits extrem hartgesotten gibt, andererseits immer wieder beweist, dass ihn seine Umgebung nicht völlig verrohen lassen hat. Dies zeigt sich unter anderem in der Bereitschaft, die eigentlich viel zu auffällige Pequenia als Gehilfin unter seine Fittiche zu nehmen, obwohl ihre ungestüme Natur ein ständiges Risiko für seine Ermittlung darstellt, die eigentlich ein möglichst unauffälliges Verhalten verlangt. Genauso kann er durchaus auch Gefühle wie Verlust und Trauer nicht einfach abschütteln. Stilistisch trifft der Roman dieses Genre sehr gut, wenn man Altin und seine Gefährten auf ihren Ermittlungen begleitet und vieles von den Protagonist*innen süffisant-distanziert kommentiert wird und den Leser*innen Figuren näherbringt, die sich mit einer Umgebung wie Fasar arrangiert haben. Dabei wird der Ernst, der dem Sujet zugrunde liegt, aber immer wieder durch einen durchschimmernden sarkastischen Humor gebrochen. Auch hier zeigt sich einmal mehr die Stärke des Briefromans, der eine sehr subjektive Perspektive bietet und somit auf den Horizont der jeweiligen Erzählfigur beschränkt wird, die als Individuum mit ihrem Erleben im Mittelpunkt steht. Aus meiner Sicht passen zu einem Setting, mit dem man vor allem alte schwarz-weiß-Filme verbindet, die schönen Zeichnungen von Katharina Niko sehr gut.

Etwas schade ist aus meiner Sicht der Umstand, dass am Ende des Romans viele der ausgelegten Handlungsfäden offen bleiben und die Auflösung vieles nur andeutet und eine ganze Reihe von Fragen unbeantwortet sind. Auch das liegt sicher im Genre begründet, das die Umgebung oft unkontrollierbar und übermächtig wirken lässt und somit kann das Gute immer nur eingeschränkt obsiegen. Bemerkenswert ist diesmal auch der Umstand, dass die Geschichte nicht für alle Figuren ein positives Ende bietet, umgekehrt ist dies natürlich auch eine reizvolle Facette, wenn nicht alles in erwartbaren Bahnen abläuft. Zudem ist hier eine sehr enge Anbindung an den Settingband erkennbar, werden doch viele Orte, Figuren und Mysterien aus diesem aufgegriffen bzw. mit noch mehr Hintergrundinformationen versehen.     

IV. Fazit

Spuren im Sand ist ein gelungenes Heldenbrevier, das vor allem Fasar und die dort lebenden Spezies anschaulich in Szene setzt. Inhaltlich wird eine unterhaltsame Detektivgeschichte erzählt, die bewusst die Halbwelt Fasars zeigt und vier interessante ProtagonistInnen in den Mittelpunkt stellt. Das Ende löst für mich aber nicht alle Handlungsfäden befriedigend auf, ist aber durchaus konsequent gehalten.        

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