Rezension: Auf den Spuren der Träumer

Vorbemerkung: Bisher hat mich die 3. Staffel der DSA-Hörspielreihe von Winterzeit Audiobooks vor allem in Sachen Machart überzeugen können, insofern dass nach zwei eher schwächeren Vorgängerstaffeln endlich Aventurien klar als wiedererkennbarer Handlungsort verankert wurde. Allerdings kann die Dramaturgie bislang noch nicht ganz mithalten, plätschert der Aufenthalt von Gundar und Co. in Punin doch etwas vor sich her und man weiß noch nicht so recht, wo die Geschichte eigentlich hinwill. Deshalb ist meine Erwartungshaltung an den 4. Teil Auf den Spuren der Träumer auch, dass die Dramaturgie etwas anzieht.

I. Inhalt

Die Handlung teilt sich diesmal in unterschiedliche Handlungsstränge. Zu Beginn wird ein weiteres Mal das unheimliche Verhalten des Bajazzos thematisiert, der mit seinem grausamen Humor Opfer unter der Bevölkerung Punins verursacht. Ebenso hat sich Rastafan von der Gruppe absentiert und geht seinen eigenen Geschäften nach, die offenkundig in fremdem Auftrag geschehen. Doch selbst er, der sich am besten in Punin auskennt, ist nicht vor jeder Gefahr sicher.

Die Hauptgruppe hingegen sieht sich im Zahori-Lager mit der Tatsache konfrontiert, dass Alinnes Freundin Yasmina und ihr Freund Lumino verschwunden sind. Begleitet wird dies von düsteren Träumen, die möglicherweise Aufschluss über das Schicksal der Vermissten geben könnten. Um dies näher zu ergründen, suchen Gundar und seine Mitstreiter die Hexe Alruna auf, die eine Expertin in der Deutung von derartigen Träumen sein soll. Allerdings sieht ihr Vorschlag etwas anders aus, als man es erwarten könnte. Anstatt sich Träume schildern zu lassen und diese dann auszudeuten, möchte sie sich auf eine Traumreise begeben, auf die Alinne sie begleiten muss. Schnell stellt sich dabei heraus, dass der so erzeugte Traum durchaus reale Gefahren aufweist. Aber auch reale Orte werden aufgesucht, u.a. Unterpunin, wo die Gruppe den Teil Punins kennenlernt, über den der Arm der Gerechtigkeit wenig Kontrolle hat.

Das kleine Booklet der CD gibt diesmal ein paar zusätzliche Hintergründe zu dem Illustrator, der für die Cover der DSA-Reihe zuständig ist, Flavio Bolla.

II. Figuren

Wie immer, wenn es etwas mystischer wird, rückt innerhalb der Gruppe Alinne in den Mittelpunkt. Sie ist es, die Alruna als Traumreisende ausgesucht hat und damit obliegt es ihr, die Erkenntnisse zu sammeln, mit denen anschließend in der realen Welt weitergearbeitet werden kann. Zudem ist sie als Freundin Yasminas natürlich am meisten von deren Verschwinden betroffen. Der Rest der Gruppe ist diesmal – bis auf eine kurze Kampfszene – darauf beschränkt, das Geschehen zu kommentieren.

Sonst sind es eher die Nebenfiguren, die diesmal eine größere Rolle spielen. Alruna kann sich als wirkliche Hilfe erweisen, da ihr Spezialgebiet in Sachen Traumdeutung etwas ist, was Gundar und Co. fremd ist. Rastafan hingegen hält sich weiterhin im Hintergrund und betreibt seine eigenen Nachforschungen, allerdings erweist sich diesmal, dass auch er sich nicht aus jeder Gefahr ohne weiteres hinausmanövrieren kann.

Weiterhin findet ein nicht unbeträchtlicher Teil der Handlung noch relativ unbemerkt von der Heldengruppe statt, so dass gerade die Drahtzieher im Hintergrund ihre Auftritte haben. Sowohl der Bajazzo als auch der Blutalrik dürfen ihre Intrigen weiterspinnen, wobei sich langsam herauskristallisiert, dass beide Einfluss auf das Handeln der Hauptcharaktere nehmen wollen und dabei auf unterschiedlichen Seiten stehen.

III. Kritik

Gerade letztere Szenen sind für mich auch die Highlights der Folge. Das Gehabe des irren Bajazzos und des Mafiosi-haften Blutalriks ist zwar sehr klischehaltig, hat aber einen aus meiner Sicht wohlig-trashigen Charme. Generell erhält die Handlung auf diese Weise etwas comichaftes, wenn die beiden in ihren Unterschlüpfen Pläne schmieden. Der Bajazzo wirkt ein wenig an den Joker aus Batman angelehnt, wenn er sich einerseits Zeit nimmt für ausgiebige Gespräche mit seinen Opfern und diesen scheinbar eine Wahl lässt, dann aber plötzlich völlig gnadenlos das Sterben seines Gegenübers mit einem wahnsinnigen Lachen begleitet und seine Pläne weiterhin etwas verworren bleiben. Umgekehrt scheint dem Blutalrik am Ende die Rolle des Feindes des Feindes (der folglich Freund sein kann) zuzufallen, womit die Heldengruppe offenkundig kaum um eine Kooperation herumkommen wird.     

Abseits davon hat auch Die Spur der Träumenden wenig dramatische Höhepunkte, sondern setzt auf die verzerrenden Effekte der kurzen Traumreise, wozu auch Alruna mit ihrer Behausung möglichst düster in Szene gesetzt wird, indem z.B. ihr „Arbeitsplatz“ sehr ausführlich beschrieben wird. Dieser ist auch auf dem Cover zu sehen und ergänzt damit das Hörspiel schön um eine seltene visuelle Komponente. Gerade das Ende der Episode weist ihr einmal mehr den Charakter einer Übergangshandlung zu, da anscheinend ein wichtiger Wendepunkt ansteht (in der Frage, wie sich der Blutalrik ihnen gegenüber verhalten wird), die Aufklärung wird aber in bester Cliffhanger-Manier erst im 5. Teil erfolgen. Nach wie vor sind mir die Zusammenhänge im Hintergrund noch etwas zu verworren und hier würde ich mir langsam etwas mehr Informationen erwünschen, zu oft noch wird mir mit bloßen Schlagwörtern wie z.B. Feenmagie gearbeitet, ohne dass sich da zusätzliche Erkenntnisse ergeben. Somit wird sich die Qualität der Handlung diesmal wohl tatsächlich erst nach Abschluss der Gesamtstaffel einordnen lassen, die vorherigen beiden Staffeln hatten meist in sich geschlossenere Einzelepisoden.    

Die technische Seite kann ich wie immer mit lobenden Worten bedenken, es freut mich jedes Mal aufs Neue, wenn die bekannten Sprecher*innen die Figuren in absolut professioneller Machart mit Leben erfüllen.

IV. Fazit

In Die Spur der Träumer zieht die Dramaturgie der Staffel nicht nennenswert an, auch wenn die Handlung natürlich voranschreitet. Positiv zu erwähnen sind diesmal vor allem die Auftritte der Drahtzieher im Hintergrund, die die eigentliche Heldengruppe eher als Spielball zu betrachten scheinen.

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