Rezension: Die Abrechnung

Vorbemerkung: Das Jahr nähert sich so langsam seinem Ende und passend dazu kommt nun auch die 2. Staffel der Hörspielreihe von Winterzeit Audiobooks zu ihrem Abschluss. Mit Die Abrechnung erreicht der Reigen des zweiten großen Abenteuers von Gundar Gemmenschneider und seinen GefährtInnen das Finale, in dem es weiterhin um die Lösung des Fluchs des Goldes geht, zudem der besessene Gundar selbst seinen inneren Konflikt austragen muss. Nachdem ich die einzelnen Episoden der Staffel sehr unterschiedlich bewertet habe, hoffe ich jetzt auf einen spannenden Schlussakkord. 

I. Inhalt

Die Finalfolge knüpft direkt an die vorherige Episode an: Nachdem die Gruppe Gundar verloren hat, befinden sie sich weiterhin im Untergrund Gareths, genauer in einer riesigen Zisterne im Umfeld der Alten Residenz, wo Sardos den Unterschlupf der Kultisten des Namenlosen um ihren Anführer Bragdul vermutet. Dieser Teil der Geschichte beschreibt vor allem die Widrigkeiten, denen sich die Gefährten in den düsteren Gängen stellen müssen, wozu natürlich auch Fallen und Hindernisse gehören. Am Kultort angekommen, werden sie mit einer erschreckenden Entdeckung konfrontiert und sind einmal mehr auf Alinnes besondere Fähigkeiten angewiesen, um weiterzukommen, wozu diese sich in große Gefahr für ihr geistiges Wohlergehen begeben muss.

Parallel dazu befinden sich Gundar und Bragdul auf ihrem Queste, den Namenlosen mithilfe von Ingerimms Hammer zu befreien, wobei sie alle Hindernisse mit Gewalt aus dem Weg räumen. Gundar macht dabei auch äußerlich eine sichtbare Transformation durch, wächst er doch beispielsweise weit über Zwergengröße hinaus.

Somit findet das Finale mitten in Gareth statt und verlangt der Gruppe ein weiteres Mal viele Opfer ab, vor allem Sardos, der ein ungewöhnliches Bündnis eingehen muss, um den Feinden auf der Spur zu bleiben. Die letzte Konfrontation gestaltet sich zudem auch insofern schwierig für Alinne und Co. als dass ihnen neben Bragdul eben kein finsterer Schurke gegenübersteht, sondern mit Gundar jemand, der unter normalen Umständen ein enger Freund ist.

II. Figuren

Nachdem er anfangs der Staffel eher in den Hintergrund gerückt ist, spielt diesmal Gundar eindeutig die Hauptrolle, nachdem seine Besessenheit völlig die Kontrolle über ihn eingenommen hat und er nun wie ein echter Schurke agiert, der mit seiner neu gewonnenen Macht alles vernichtet, was sich ihm entgegenstellt. Unter seinen Gefährten nimmt diesmal Sardos eine besondere Funktion ein, muss er den anderen doch einerseits den Weg weisen, andererseits auch ein großes Risiko eingehen, um die verhängnisvollen Ereignisse noch stoppen zu können.

Als einzig nennenswerte neue Figur wird der Gardehauptmann Guntlieb von Drosselheim eingeführt, der mit seiner herrischen Arroganz bei gleichzeitiger Unfähigkeit eindeutig einen gewissen Slapstick-Faktor in ein sonst eher ernstes Geschehen einbringt.   

III. Kritik

Gerade zu Beginn hat die finale Folge einige gute Momente, vor allem wenn die Gruppe um Sardos in der alten Zisterne um ihr Überleben kämpft, was gerade durch die Soundeffekte und die Musikuntermalung ausgesprochen dramatisch und gleichermaßen dynamisch gestaltet ist, selbst wenn den ZuhörerInnen natürlich klar ist, dass die Gruppe nicht einfach sang- und klanglos ertrinken wird.

Was diesmal außerdem gut gelingt, ist die Hintergrundeinbindung, wenn Sardos den Fremdenführer durch Gareth spielt und von verfallenen Gängen unter der Alten Residenz spricht oder wenn Bragdul und Gundar ein Rätsel lösen müssen, was mit den Zwölfen und ihren jeweiligen Domänen verbunden ist.

Gleichermaßen werden umgekehrt alte Probleme weitergeführt, wie die vergleichsweise absurde Geschichte um die Erweckung des Namenlosen, die mithilfe von Ingerimms Hammer doch recht einfach vonstatten gehen soll. Nach wie vor widerspricht das über 30 Jahren DSA-Geschichte, in denen dieses Unterfangen, also die Verhinderung eines solchen Frevels, die ultimative Herausforderung mit einem gewaltigen Epikfaktor darstellen würde. Hier wird wiederum zu viel mit Begrifflichkeiten und Fakten um sich geworfen, die in ein solches Abenteuer von den Dimensionen her nicht passen. Das gilt weiterhin auch für die Existenz von Bragdul, der als solch machtvolles Wesen plötzlich aus dem Hut gezaubert wurde, anstatt dafür einfach auf ein bekanntes Konzept wie die 13 Augen des Namenlosen zurückzugreifen, was mit relativ wenig Recherchearbeit ermittelbar gewesen wäre. Damit muss ich meine Kritik am Skript ein weiteres Mal unterstreichen. Ich verstehe völlig, dass es für ein Produkt, das auch für Mainstream-HörerInnen gedacht ist, nicht sinnvoll ist, diese mit allzu viel aventurischem Kanon abzuschrecken. Aber kleine Details hätten hier für die DSA-Fans unter den HörerInnen – und aus dieser Perspektive muss ich hier werten – deutlich mehr Plausibilität herstellen können, ohne die Grundidee irgendwie verändern zu müssen.     

Dazu ergeben sich Ungenauigkeiten für Zuhörer, die in Kleinigkeiten deutlich werden: So soll z.B. in einer Szene im Untergrund Ragnar für Sardos ihre Fackel höher halten und ein Zeichen anleuchten. Was aber genau das Zeichen abbildet, wird nicht gesagt, hier wird die Gelegenheit ausgelassen, mehr Atmosphäre zu schaffen. Was für ein Zeichen verwendet wohl ein Kult des Namenlosen, um seinen Anhängern den richtigen Weg zu weisen? Genau das hätte auch in den Hintergrund eingebunden werden, zudem stellt es ein Problem dar, wenn ein Hörspiel, das eben über keine visuellen Möglichkeiten verfügt, keine präzisen Beschreibungen liefert.

Letztlich hatte ich das aber ohnehin erwartet, keine der bislang 11 Folgen der Gesamtreihe bestach durch eine besondere Hintergrundgenauigkeit. Was ich allerdings ausgesprochen schade finde, ist dass mich das Finale auch von der allgemeinen Geschichte und der Dramaturgie eher enttäuscht. Letztlich wirkt alles ähnlich zur ersten Staffel, nach wie vor verstehe ich nicht, warum erneut Gareth der Schauplatz ist und wieder ein von einem Dämon besessener Gegenspieler zur Strecke gebracht werden muss, damit er nicht zu viel Macht gewinnt. Und weiter ist mir völlig unklar, wieso mitten in der zweiten Staffel der Ton völlig geändert wurde und aus dem anfangs sehr munteren Piratenabenteuer nichts weiter gemacht wurde. Ohnehin spielen viele Elemente der Ausgangsgeschichte gar keine Rolle mehr, so wird der Fluch des Goldes, der ja eigentlich alles ausgelöst hat, mit keiner Silbe mehr erwähnt. Manche Dinge erscheinen mir auch nicht logisch, z.B. warum am Ende der Geschichte, nach dem Verlust einen wichtigen Gefährten, das Auftauchen der Stadtwache plötzlich dafür sorgt, dass Gundar und Co. bereits wieder zu Scherzen aufgelegt sind. Hier hätte für mich deutlich mehr Potential gelegen. Für die schon im Booklet angekündigte dritte Staffel würde ich mir dementsprechend auch einen Neuanfang wünschen, z.B. in einer völlig anderen Region und auch mit einer neuen Heldengruppe.   

Ein weiteres Mal gänzlich ohne Tadel bleibt die generelle Machart des Hörspiels, es ist jedes Mal eine Freude die bekannten und hochprofessionellen Sprecher zu hören, während der gesamte Hintergrund akustisch stimmig hinterlegt ist. Hier merkt man immer wieder, dass der Verlag seit vielen Jahren Hörspiele produziert und über das entsprechende Know-how verfügt.       

IV. Fazit

Leider kann mich Die Abrechnung nicht überzeugen. Nach einem durchaus spannenden Auftakt verflacht das Staffelfinale wieder und gerade die letzte Konfrontation ist mir viel zu profan gestaltet, wenn man bedenkt, welch episches Unterfangen hier vereitelt werden soll. Schade ist auch, dass die Atmosphäre mitten in der Staffel deutlich verändert wurde und die Grundidee am Ende gar keine Rolle mehr spielt.  

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