Rezension: Myranische Meere

Vorbemerkung: Myranor unterscheidet sich von Aventurien allein schon durch seine Größe und Bevölkerungsdichte, alles hat hier andere Dimensionen. Und dies beschränkt sich eben nicht nur auf die Landmasse, auch der maritime Bereich weist eine große Vielfalt auf. Ergänzend zu „Unter dem Sternenpfeiler“, in dem vor allem das Imperium beschreiben wird, wird genau diesem Umstand Rechnung getragen, erhält man hier nun eine umfassende Schilderung der Zustände auf und in den myranischen Meeren.

In Zahlen:
– Myranor-Spielhilfe
– 223 Seiten
– Preis: 40,00 Euro
– Erschienen am 16.4.2015

I. Aufbau und Inhalt
Zunächst erhält der Leser einen groben Überblick über die Gesamtheit der myranischen Meere, wobei die einzelnen großen Meeresflächen sowohl in ihrer Beschaffenheit als auch mit ihren Bewohnern und besonderen Mysterien unterschieden werden. Ebenso verfügt der Band über einen kurzen historischen Abriss der Begebenheiten, die mit den maritimen Gegenden in Zusammenhang stehen, wozu unter anderem auch die myranische Besiedlung Aventuriens gehört.

Das Kapitel „In den Tiefen der Meere“ setzt sich dann vor allem mit den besonderen Umständen auseinander, mit denen man unter Wasser konfrontiert wird. Dabei werden viele spielrelevante Details geklärt, z.B. wie Bewegung, Atmung und Ernährung auf diesem Terrain funktioniert. Als Hilfe werden zudem Möglichkeiten im Bereich von Flora und Fauna angesprochen, die das Reisen und Überleben unter Wasser gewähren. Die weitaus gängigste Methode für eine Unterwasserreise dürfe allerdings an Bord eines Demergators, der myranischen Variante des U-Boots, stattfinden, wozu kurz das typische Leben auf einem dieser besonderen Schiffe beschrieben wird , die es ja in dieser Form in Aventurien nicht gibt.

Genauer werden zudem die einzelnen Regionen eines Meeres betrachtet, vom Schelf, dem Gebiet zwischen Küste und der Tiefsee, über Korallenriffe, Unterwasserhöhlen und -berge bis hin zur Tiefsee. Dabei werden sowohl die typischen Merkmale als auch die Bewohner (mit Werten) ebenso wie die dort vorhandenen Gefahren berücksichtigt. Ein längerer Abschnitt widmet sich zudem den vielen Unterwasserstädten der unterschiedlichen Kulturen.

Genau diese maritimen Kulturen werden dann im folgenden Kapitel „Völker und Bewohner“ der Meere vorgestellt, wobei zunächst das Aussehen beschrieben wird, bevor auf Verbreitung, Lebensart, Sitten und Sprache eingegangen wird. Für die meisten Völker sind zudem kurze Infokästen mit Modifikationen enthalten, für den Fall, dass jemand sich für einen spielbaren Vertreter dieser Kultur entschiedet.

Aber auch die seefahrenden Kulturen, zu denen ja die Menschen gehören, erhalten ihren Raum, wenn die allgemeinen Bedingungen für Seefahrt in Myranor erläutert werden, wozu z.B. das Bordleben gehört, der sprichwörtliche Aberglaube der Seeleute, Handel und Navigation. Zur genaueren Übersicht gibt es auch Angaben zur Größe der Flotten der wichtigsten Seemachte. Daneben werden neben diesen offiziellen Seefahrern auch kurz die Umtriebe der gesetzlosen Piraten angesprochen.

Sehr umfangreich werden in der Folge die einzelnen Schiffstypen vorgestellt, von Drachenbooten über Galeeren hin zu Segelschiffen. Natürlich beschränkt sich dies nicht nur auf die konventionellen Schiffsarten, speziell für das myranische Setting werden hier auch einige Beispiele für Demergatorentypen berücksichtigt, die zur Erforschung der Unterwasserwelt dienen. Zur besseren Veranschaulichung ist dieser Abschnitt besonders reich bebildert mit Zeichnungen der einzelnen Schiffstypen. Für einige Schiffe existieren im Anhang zudem Kartenskizzen.

Zur konkreten Umsetzung am Spieltisch folgt auf die Schiffsbeschreibungen ein längeres Regelkapitel, in dem die verschiedenen Schritte eines Seekampfes erläutert werden, von der Bewegungsphase über die Geschwindigkeitsbestimmung hin zur Geschütz- und Enterphase. Dazu existieren noch viele Manöverbeschreibungen sowie Detailangaben zu Schiffswerten oder Schadensauswirkungen für einzelne Geschütztypen.

Als konkrete Abenteueranregungen enthält auch dieser Band die obligatorischen Mysterien, bei denen unterschiedliche Geheimnisse der myranischen Meere offenbart werden. Hier stehen vor allem die Kreaturen der Meere aber auch besondere Orte im Fokus, wobei zu letzteren auch Übergänge nach Aventurien, Uthuria und Tharun gehören.

Abgerundet wird die Spielhilfe zuletzt noch mit einer Reihe von Regelergänzungen und Werteangaben, einem Glossar und einem Index zur besseren Übersichtlichkeit und einigen Kopiervorlagen, z.B. für die Durchführung eines Seekampfes nach den im Band erläuterten Regeln.

II. Kritik
Unterwasserwelten haben eine besondere Faszination mit ihren Lebewesen und ihren teils bizarr anmutenden Landschaften, die sich so gänzlich unterscheiden von unserem Leben an Land. Myranor kann in dieser Hinsicht zudem mit deutlich mehr Vielfalt als Aventurien aufwarten, verfügt es doch z.B. über mehr Ozeane und auch Binnenmeere.

Der vorliegende Band konzentriert sich daher auch darauf, diese Meere mit entsprechend viel Leben zu füllen. Sehr gut haben mir dabei vor allem die Beschreibungen der einzelnen Meeresregionen, vom Schelf bis zur Tiefsee gefallen, weil dort die Atmosphäre sehr schön verdeutlicht wird und auch die Möglichkeiten zur Nutzung im Rollenspiel angesprochen werden.

Durch die vielen maritimen Kulturen erhält die Unterwasserwelt zudem einen ähnlich reichen Charakter wie das Festland. Die Demergatoren stellen natürlich zudem ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu Aventurien dar, gibt es doch so die Gelegenheiten, auch für Menschen oder menschenähnliche Wesen, in diese Regionen vorzudringen. Besonders das Kapitel über das Bordleben auf den Demergatoren klingt dabei spannend, weil dieses sehr anschaulich beschreiben wird und auch berücksichtigt wird, welche Optionen zur Einbindung einer Heldengruppe hier vorhanden sind.

Damit funktioniert „Myranische Meere“ wirklich als eine ausgesprochen nützliche Spielhilfe, finden sich doch überall wichtige Hilfestellungen, wie man Abenteuer in Meeres- oder Tiefseeregionen mit den hier enthaltenen Informationen anreichern kann, z.B. wenn man weiß, auf welche Wesen man als Meister in welcher Tiefenregion eines Meeres zur Ausgestaltung zurückgreifen kann.

Das gilt natürlich auch für das Spiel oberhalb des Wasserspiegels, wenn z.B. die verschiedenen Schiffstypen und ihre Funktionsweise beschreiben werden und zudem eine sehr ausführliche Regelumsetzung für Seeschlachten vorhanden ist. Diese ist zwar für meinen Geschmack relativ komplex, dafür sehr detailreich, so dass sehr viele Eventualitäten berücksichtigt werden, die im Gefecht eine Rolle spielen können.

Allerdings verlangt „Myranische Meere“ einiges an Expertenwissen, viele Informationen sind nur dann verständlich, wenn man „Unter dem Sternenpfeiler“ und „Wege nach Myranor“ kennt, z.B. wenn man den Geschichtsteil liest, der eben nur einen sehr partikularen Geschichtsabriss bietet, der sich speziell auf Begebenheiten konzentriert, die mit den Meeren und deren Bewohnern zusammenhängen.

Dafür werden viele Abenteueranregungen geboten, sowohl in den konkreten Mysterien als auch in den Beschreibungen des Seefahrerlebens und den Unterwasserregionen. Zusätzlich hätte ich mir aber noch einige konkrete Figuren gewünscht, z.B. berühmte Seefahrer, kompetente Schiffsbauer oder Machthaber in bestimmten Meeresregionen, in der Hinsicht wird z.B. genau ein Sklavenhändler beschrieben, weitere Charaktere fehlen.

Ich hoffe sehr, dass der Uhrwerk-Verlag in absehbarer Zeit einen Abenteuerband folgen lässt, der diese meiner Meinung nach ausgesprochen gelungene Spielhilfe durch konkrete Handlungen nutzbar werden lässt, immerhin offenbaren sich bei der Lektüre unzählige reizvolle Orte und Kulturen, die formlich danach schreien, weiter ausgestaltet zu werden. Auch als Ergänzung zu „Unter dem Sternenpfeiler“ knüpft der Band an dessen Niveau an.

III. Fazit
„Myranische Meere“ stellt für mich eine ganz hervorragende Spielhilfe dar, die viele neue Anregungen bietet, indem sie die faszinierende und enorm vielfältige Unterwasserwelt von Myranor lebendig werden lässt.

Bewertung: 6 von 6 Punkten
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Rezension: Myranische Meere

Ein Gedanke zu “Rezension: Myranische Meere

  1. Als eine der Autorinnen des Bandes freue ich mich sehr über diese positive Kritik! Als Einstieg in die Unterwasserwelt -und solange noch keine Anthalogie in Planung ist- kann ich das AB „Der Korallengarten“ aus der Anthalogie „Jäger und Beute“ empfehlen, der das Setting mMn nach sehr gut umsetzt.

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