Rezension: Blackguards 2

Vorbemerkung: Nachdem ich mich nun etwas orientiert habe (ohne schon alle Feinheiten von wordpress rauszuhaben), will ich hier nun direkt weitermachen und den ersten nuen Rezensionsartikel reinstellen. Nach „Demonicon“ bleibe ich noch einmal im Computerspiele-Bereich, die letzten Tage habe ich zum Durchspielen von „Blackguards 2“ genutzt, in dem uns Daedalic ein zweites Mal mit den zwielichtigen titelgebenden Schurken, den sogenannten Blackguards, ins Abenteuer schickt.

I. Inhalt und Aufbau
Eine erste große Änderung sticht direkt ins Auge: Anders als im ersten Teil basteln wir uns keinen eigenen Helden (der dann auch inhaltlich logischerweise nicht eindeutig in die Story integriert werden kann), sondern bekommen eine Hauptfigur vorgesetzt. Allerdings ist Cassia, so ihr Name, keineswegs prototypisch, sondern eine höchst ungewöhnliche Wahl. Vorgestellt wird sie als eine in Ungnade gefallene Frau Marwans, der als Arenabetreiber von Mengbilla im ersten Teil schon einmal Gegenspieler der Heldengruppe war, dort aber eher eine Nebenrolle spielte. Nun wird er der Hauptantagonist, nachdem er sich zum Herrscher von Mengbilla emporgeschwungen hat.

Statt dies aber nun an seiner Seite genießen zu können, ist Cassia unvermittelt im Kerker unter der Arena gelandet und fristet nun über Jahre hinweg ein grausames Schicksal in fast vollkommener Isolation. Ihre einzigen Kontakte sind ein mürrischer Wächter und eben Spinnen, sogenannte Corapien. Zu ihrem Leidwesen sind dies aber keine harmlosen Kleinspinnen, sondern großgewachsene und ausgesprochen giftige Exemplare. Trotzdem geht die zähe Cassia in den Jahren ihrer Gefangenschaft an dem Gift nicht zugrunde, sondern freundet sich mit den Spinnen an, auch wenn das ätzende Gift an ihrem Verstand nagt und für eine Entstellung ihrer Gesichtszüge sorgt.

Diese Vorgeschichte wird in kurzen Dialogen mit dem Wächter und immer wieder auftauchenden Selbstgesprächen Cassias erzählt. Die spielbare Handlung beginnt damit, dass man Cassia durch ein Labyrinth unter der Arena lotst, durch das sie schließlich entkommen kann. Nach diesem Tutorial setzt dann die Haupthandlung ein, in der man deutlich größere Ziele als im ersten Teil verfolgt: Vom Rachedurst getrieben, strebt Cassia nichts weniger als die Eroberung Mengbillas an. Das gestaltet sich allerdings ausgesprochen schwer, verfügt Marvan doch neben seinen Soldaten über weitere schlagkräftige Truppen aus Untoten und Chimären, die in seinem Auftrag entfesselt wurde.

Sprich: Dies ist keine Aufgabe für eine Solistin. Auf der Suche nach Mitstreitern ist Cassia also auf todesmutige Charaktere angewiesen, die keine Probleme damit haben, sich mit Autoritäten anzulegen. Womit sie selbstredend bei dem Magier Zurbaran, dem Zwerg Naurim und dem Moha-Gladiator Takate landet, den Protagonisten des ersten „Blackguards“. In einigen kurzen Rekrutierungsmissionen verschafft sie sich schnell deren Mithilfe. Diese allein genügt aber nicht, für ihre Mission braucht Cassia ein ganzes Heer. Unter dem Söldnerführer Faramud baut sie sich also über den Verlauf der Handlung ein immer größer werdendes Heer von Söldlingen auf, von normalen Kämpferklassen über Magier und Assassinen bis hin zu einem Schwarzoger(!), die durch das Erlangen bestimmter Ziele immer schlagkräftiger werden.

Hier ergibt sich im Spielaufbau dann auch die größte Änderung. Bestand der Vorgänger noch aus einem einer Folge von Missionen am Hauptstrang und einigen Nebenmissionen, gibt es hier nur zu Beginn eine festgelegte Folge, nämlich bei dem Ausbruch Cassias und den Rekrutierungsmissionen für die drei Blackguards. Danach erhalt das Spiel einen deutlichen Strategiecharakter. Auf der Karte von Mengbilla und Umgebung kann man nun wählen, welchem Ort Cassia und ihr Heer sich als nächstes zuwenden sollen. Eingeschränkt ist dies allerdings durch vorgegebene Wege, nur an Orten, die man von eigenem Gebiet aus erreicht, kann man einen Angriff starten. Stück für Stück arbeitet man sich so bis nach Mengbilla vor, wobei man hin und wieder auch Gegenangriffe parieren muss, wenn Marwans Truppen verlorene Gebiete zurückerobern wollen.

Trotzdem wird natürlich weiterhin eine Geschichte erzählt, in der Cassia nach und nach Marwans Handlanger ausschaltet bzw. zur Rechenschaft zieht. Herzstück des Spiels sind aber nach wie vor die einzelnen Kampfeinsätze, bei denen man immer noch rundenbasiert auf Hexfeldern die jeweiligen Missionen ausführt. Von zentraler Bedeutung sind dabei die stetig steigenden Fähigkeiten von Cassia und ihren Verbündeten.

Im Gegensatz zum Erstling wurde hier aber einiges verändert. Das Regelwerk wurde drastisch zusammengestrichen, z.B. sind die klassischen DSA-Eigenschaftswerte wie Mut, Charisma etc. diesmal vollständig gestrichen worden, stattdessen wird mit wenigen Talenten gearbeitet, dafür verstärkt mit Sonderfertigkeiten, Zaubern und Kampfmanövern. Ebenso wurde der Zufallsfaktor entfernt, im Kampf z.B. berechnet der Computer einfach die Wahrscheinlichkeiten. Somit sind Schläge ins Leere nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme.

Ein weiterer Kernaspekt des Spiels sind die Dialoge, in denen vor allem Cassia ein deutlicheres Profil erfährt, wenn sie sich zwischen den Missionen mit ihren Mitstreitern unterhält. Ein Faktor ist dabei auch die Frage von Gnade oder blutiger Rache, wenn sie durchaus schwierige moralische Fragen klären muss, ob ein Gefangener z.B. hingerichtet werden soll oder ob er laufen gelassen wird. Mit den Söldnern kann es Konflikte geben, wenn diese die Erlaubnis haben wollen, ein besiegtes Dorf zu plündern.

Grafisch liegt immer noch das gleiche Gerüst wie beim ersten Teil zugrunde, anders lässt sich ja auch kaum erklären, wie man nur ein Jahr später einen Nachfolger präsentieren kann, auch die Musikuntermalung ist z.T. gleich. Im Umfang ist der zweite Teil deutlich kürzer, die Spielzeit ist fast halbiert, was aber bei Erscheinungsdatum auch für den Preis galt. Ein Grund für die Spielzeitverkürzung ist aber auch der Schwierigkeitsgrad. „Blackguards 2“ ist zwar immer noch recht happig, die geänderte Balance (vor allem der Abbau des Zufallsprinzips) sorgt aber dafür, dass die Einsätze der Blackguards deutlich berechenbarer werden.

II. Figuren
Im Kern der Geschichte steht Cassia, die mit ihrem Wahnsinn und ihrem Rachedurst die anderen Figuren deutlich überstrahlt, hängt doch schließlich der gesamte Kriegszug an ihrer persönlichen Initiative. Verstärkt wird dies noch durch ihr Erscheinungsbild, das sie eben nicht als strahlende Heroine im Stile von Tomb Raider und Konsorten darstellt, sondern als Entstellte und vom Leben Gezeichnete. Trotz ihrer Irrationalität kann sie durchaus als Identifikationsfigur dienen, da man den Grund ihrer Vergeltungssucht nachvollziehen kann, da auch die Kerkerhaft und die Bedingungen am Anfang des Spiel gezeigt werden.

Dies ist auch deshalb wichtig, weil die anderen Figuren eher Staffage bleiben. Zurbaran, Naurim und Takate spielen zwar in den Dialogen hin und wieder eine Rolle, einen Charakter mit Tiefenschärfe erhalten sie aber nicht. Ähnliches gilt für Marwan, der nur in einigen kurzen Zwischensequenzen vorkommt und im Finale, im Prinzip aber eher ein Klischeebösewicht bleibt, der vor allem von Machtgier und Grausamkeit angetrieben wird.

III. Kritik
In vielen Teilen könnte ich an dieser Stelle fast eine Kopie meiner Kritik zum Vorgänger einstellen. Auf der Habenseite stehen nach wie vor die schönen Hexfeldkarten, auf denen man in den Kämpfen immer jede Menge entdecken kann, was man im Gefecht nutzen kann. Zudem werden dem Spieler durch die Mitnahme von Söldnern zusätzliche Optionen gegeben. Bei mir mangelte es beispielsweise an Bogenschützen, die man dann eben in den meisten Einsätzen aus den Reihen seiner Truppen erhält. Die Gefechte sind zwar immer noch lang, trotzdem habe ich durch die Herausnahme des Zufallsprinzips das gesamte Spiel als wesentlich leichter empfunden. Was allerdings nicht bedeutet, dass „Blackguards 2“ dadurch ein leichtes Spiel wird, es ist immer noch ein eher hartgesottenes Taktikspiel und in einigen Missionen kann eine falsche Entscheidung für eine Niederlage sorgen. Ärgerlicher Weise gibt es nach wie vor nur nach vollbrachtem Einsatz die Gelegenheit zum Speichern, was bei einem Level mit einer halben Stunde Spielzeit (oder mehr) ein ordentliches Frustpotential in sich birgt. Und trotzdem sorgt das Spiel wieder für ein wenig Suchtpotential, wenn man vor lauter Vorfreude auf den nächsten Einsatz („ein Level noch…“) plötzlich einen Schreck beim Blick auf die Uhr bekommt. So spät schon? Gerade der Eroberungsfeldzug verstärkt diesen Effekt noch, da man so ein stetiges Vordringen in Richtung Mengbilla erkennen kann, was dazu verleitet, diesen Fortschritt noch etwas auszubauen.

Clever ist der oben angesprochene Eindruck von spielerischer Freiheit erzeugt worden, der in der Fachpresse auch hervorgehoben wurde. Grundsätzlich halte ich das aber für vernachlässigbar. Man hat zwar in der Regel die Wahl zwischen 2-4 unterschiedlichen Orten, an denen man weitermachen kann, allerdings sind den Einsätzen auch jeweils Schwierigkeitsgrade zugewiesen. Diese sollte man auch tunlichst beachten, da sonst einige Scharmützel sehr schwer werden können. Hält man sich allerdings an diese Angaben, sind die Gefechte zwar immer noch recht happig, aber lösbar. Vor allem reizen die Belohnungen, die man erhalten kann. Mal sind dies neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände, mal ein Upgrade für die Truppen oder auch ein gänzlich neuer Truppentyp für Cassias Söldnerarmee. So kann man Mengbilla beispielsweise schon vergleichsweise früh angreifen. Besser ist es aber, man wartet damit und spielt einige andere zusätzliche Missionen durch, weil man dann deutlich besser gerüstet in den Endkampf geht.

Was mir nach wie vor fehlt, ist ein klares DSA-Flair. Auch wenn Marwan eine echte DSA-Figur ist (mit allerdings anderem Hintergrund), sind die Ereignisse um einen großangelegten Eroberungsfeldzug durch die gesamte Region natürlich nicht kanonisch. Das allein ist eigentlich weniger ein Problem, trotzdem ist die gesamte Welt recht oberflächlich gezeichnet. Von den Städten sieht man in der Regel nur einen Platz mit den dortigen Händlern, im Regelfall spielt die Handlung zwischen den Missionen aber fast ausschließlich im begrenzten Horizont von Cassias Kriegslager, wodurch man wenig über Land und Leute erfährt. Auch die Gegnertypen wiederholen sich ständig, gerade im Bereich der Kreaturen, wo doch das DSA-Bestiarium deutlich mehr hergibt. Die grundsätzlich eher dünne Handlung könnte meiner Meinung nach auch in jeder anderen Fantasy-Welt angesiedelt werden. Für Wiedererkennungswert sorgen eher Elemente wie die Zaubersprüche, die jedem DSA-Fan bekannt sind, sowie Götterbezeichnungen und einige mythologische Aspekte. Trotzdem ist das der Gesichtspunkt, den ich mir klarer hervorgehoben gewünscht hätte.

Eine echte Verbesserung stellt dafür mit Cassia der neue Hauptcharakter dar, der das Spiel in dieser Hinsicht über Durchschnittkost hinaushebt. Die Figur ist ungewöhnlich, gerade in die Hässlichkeit und Irrationalität reizvoll. Unterstrichen wird dies durch die mitunter harten Entscheidungen, die dem Spieler abverlangt wird, wenn Cassia über Leben und Tod entscheiden muss. Dass die anderen Figuren wenig bis kaum Tiefenschärfe gewinnen, fällt interessanterweise weniger ins Gewicht, weil man diese eben eher als Einsatzspezialisten nutzt, wodurch man sie dadurch zu schätzen weiß, dass man sie im Verlauf des Spiels mühevoll zu echten Elitekämpfern ausgebaut hat.

Von den reinen Aspekten des Computerspiels her hat sich wenig getan, da Grafik, grundsätzliches Spielprinzip und in Teilen auch die Musik unverändert im Vergleich zum ersten Teil sind. In vielen Momenten fühlt sich „Blackguards 2“ auch eher wie eine Fortführung bzw. Add-on an, weniger wie ein eigenständiges Spiel. Da diesem Umstand aber auch preislich Tribut gezollt wurde, halte ich das für nicht weiter wichtig. „Blackguards 2“ richtet sich auch weniger an Liebhaber von leichtgängigen Action-Spielen mit High-End-Grafik, sondern an Freunde von hartgesottener Taktik.

IV. Fazit
Genau wie sein Vorgänger hat mir „Blackguards 2“ viel Spielspaß bereitet, die Missionen sind abwechslungsreich und Erfolge werden mit reichlich Fortschritt und anderen nützlichen Erweiterungen belohnt. Vor allem die Wahl der interessanten Hauptfigur Cassia wertet das Spiel auf. Abstriche muss man im Bereich der Stimmigkeit als DSA-Spiel in Kauf nehmen, hier fehlt mir die Unverwechselbarkeit.

Bewertung: 4 von 6 Punkten

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