Aventurien für die Ohren: Im Reich des Nekromanten

Vorbemerkung: Nach einer kleinen Wartephase gibt es nun wieder Nachschub für die DSA-Hörspielreihe von Winterzeit Audiobooks. Langsam gelangt diese erste Veröffentlichungsfolge eines aventurischen Hörspiels auch auf die Zielgerade, ist Im Reich des Nekromanten doch die 5. von sechs Episoden, womit sich die gefahrenreiche Reise der Heldengruppe ihrem End- und Höhepunkt annähert.

I. Inhalt

Tatsächlich knüpft Im Reich des Nekromanten direkt an die vorherige Episode Verschwörung bei Hofe an. Für den Handlungsstrang um Gundar Gemmenschneider und seine Gefährten bedeutet dies, dass sie nach dem vorherigen Erreichen des Feindeslandes nun das Ziel ihrer Queste erreicht haben, die Burg, die den ehemaligen Stammsitz der Familie ihres Auftraggebers Lares vom Weißen Turm darstellt. Allerdings werden sie vor Ort mit einer Übermacht an Untoten konfrontiert, den ehemaligen Kriegern von Lares Familie, die nunmehr ihr Dasein als stumpfe und seelenlose Wächterkreaturen fristen. Problematischer Weise müssen sie am dieser Horde vorbei, um im Burginneren an den gesuchten Siegelring zu kommen, mit dem Lares in Gareth seine Ansprüche auf das Familienerbe und eine hohe gesellschaftliche Stellung belegen will. Gundar hat hierzu einen pikanten Plan, der bei einigen seiner Mitstreiter auf wenig Gegenliebe stürzt. Das große Finale wird dabei zu einer Konfrontation mit den eigenen Ängsten. Tatsächlich geht dieser Kampf nicht ohne tragische Verluste in den Reihen der Helden vonstatten.

Der zweite Handlungsstrang spielt weiterhin in Gareth, wo Sardos auf Anschuldigung seines alten Gegenspielers Beltram von Lauterfurt unter Mordverdacht steht und im Kerker einsitzt. Nun ist es an Lares selbst, Eigeninitiative zu beweisen, um seinem Mentor aus der Notlage herauszuhelfen. Sardos wird dabei mit der Tatsache konfrontiert, dass sein Schützling von einem anderen Schlag zu sein scheint als bislang gedacht.

II. Figuren

Weiterhin stehen natürlich die bisherigen Protagonisten im Mittelpunkt. Ein besonderer Fokus liegt in dieser Episode auf Leonida und Lares, da beide plötzlich Charakterfacetten offenbaren, die bislang im Verborgenen lagen. In beiden Fällen hängt dies mit einem Teil ihrer Hintergrundgeschichte zusammen, die Laufe der Episode aufgedeckt wird. Somit findet quasi eine Umdrehung ihrer bisherigen Rollen statt, wenn die selbstbewusste Kriegerin und Anführerin der Gruppe ungeahnte Schwächen zeigt, während der Erbe des Türmergeschlechts Stärke beweisen muss. Nach den vorherigen Eindrücken hatte sich ja eher der Eindruck eines verwöhnten Adeligen manifestiert, der ohne Sardos Lenkung keine Chance hat, seine Interessen eigenverantwortlich durchzusetzen.

Als einzige neue Figur wird Lares Vater Jangorn eingeführt, der den Helden am Ende ihrer Queste begegnet. Auch hier liegt der Reiz des Charakters in einer plötzlichen Wende, die für das fulminante Finale eine zentrale Rolle spielt.

III. Kritik

Tatsächlich schafft die 5. Episode es, meinen bisherigen Kritikpunkt dieses Mal nicht allzu sehr zu bedienen. Zwar ist nach wie vor der Aventurien-Bezug eher gering, allerdings fällt es in Im Reich des Nekromanten nur teilweise ins Gewicht. Das liegt grundsätzlich an der sehr dichten und atmosphärischen Handlung: Letztlich ist der dominante Handlungsstrang mit Gundar und seinen Gefährten recht stringent, vom Ankommen an der Burg hin zum Entwickeln und durchführen eines Infiltrationplans bis hin zum großen Finale.

Auffällig ist dabei der vergleichsweise große Splatter-Anteil, beginnend mit Gundars morbidem Plan, um in die Burg zu gelangen. Die Auseinandersetzungen werden dabei stufig schwerer bis zur finalen Konfrontation mit einem scheinbar übermächtigen Gegner. Das läuft trotzdem nicht ganz ohne Logikfehler ab, sowohl aus aventurischer als auch aus allgemeiner Sicht.

So erscheint wenig nachvollziehbar, dass nach all den bisherigen Erlebnissen immer noch der kleingeistige Zank unter den Gefährten herrscht, vor allem wenn direkt zu Beginn der Episode Hothar seine Waffe zieht (während dies später gut begründet ist). Nach wie vor wird sein Charakter viel zu eindimensional gezeichnet, scheinbar durchlaufene Entwicklungen aus den vorherigen Folgen werden plötzlich wieder negiert. Zudem ist etwas unklar, woher die allesamt Ortsfremden zwischenzeitlich plötzlich wissen, welche Gefahren im Inneren der Burg auf sie lauern werden. Inneraventurisch erscheint es mir zudem nicht stimmig, dass eine gefallene Rondrageweihte sich durch eine ihrer Göttin gefällige Tat von einer vergangenen Schuld reinwaschen will, sich dafür aber mit einer eindeutig ehrabträglichen und unrondrianischen Methode den Zugang zur Burg erschleicht. Dazu fehlen erneut konkrete aventurische Benennungen, weiterhin wird dem „Nekrokmanten“ keine richtige Bezeichnung zugewiesen, auch wird der verwendete Dämon nicht konkret benannt, die Burg erhält keine Namen. Zusätzlich wird nicht erläutert, was an der Burg strategisch so wertvoll ist, dass es die Bewachung durch ein ganzes Heer von Untoten rechtfertigt.

Trotzdem kann mich die Episode in Sachen Spannung überzeugen, wenn man mit den Helden mitfiebert, während sie sich ihren Weg durch die Untoten bahnen müssen, hier wird durchaus bewusst eine Atmosphäre wie in einem Zombiefilm kreiert. Hinzu kommt, dass die plötzlichen Wendungen Lares und Leonida betreffend durchaus überraschend kommen und so nicht vorhersehbar waren. Gerade Lares wandelt sich somit plötzlich vom fremdbestimmten jungen Adeligen, der bei konkreten Handlungen immer auf Sardos oder Leonida angewiesen ist, hin zu einer Figur mit einer eigenen Agenda und eigener Tatkraft. Das Finale ändert zudem die Erwartungshaltung für die letzte Episode, ist doch ab jetzt klar, dass ein Überleben der positiv besetzten Figuren keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist.

Weiterhin tadellos gestaltet sich die formale Umsetzung in Sachen Ton und Sprecherqualität, hier wird das seit Beginn der Reihe durchweg hohe Niveau nahtlos weiterführt, vor allem die Darstellung des Untotenheeres gerät passend unappetitlich.

IV. Fazit

Die vorletzte Episode der Hörspielreihe bleibt keineswegs frei von Logikfehlern und kann weiterhin in Sachen aventurischer Stimmigkeit nicht überzeugen, allerdings wird dies im Falle von Im Reich des Nekromanten durch eine gute Dramaturgie mehr als ausgeglichen, auch weil einige Charaktere mit interessanten Wendungen die Hörer durchaus überraschen können.

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