Ein erster Blick in das Thorwal-Crowdfunding

Vorbemerkung: Die Gestade des Gottwals, die Regionalspielhilfe zu Thorwal und dem Gjalskerland hat eine ausgesprochen wechselhafte Entstehungsgeschichte hinter sich, war dies doch in der ursprünglichen Planung die zweite Regionalbeschreibung nach Die Streitenden Königreiche. Unter anderem bedingt durch einen Wechsel in der Zuständigkeit der SchreiberInnen wurde dies aber so schnell nicht realisiert, stattdessen kam es Ende 2019 zu einem Crowdfunding, wobei aber auch hier einige Verzögerungen zustande gekommen sind. Nun, im Februar 2021 ist es endlich soweit: die prallgefüllten Pakete haben die Unterstützer erreicht und auch ich konnte mich jetzt ans Auspacken begeben. Wie üblich bei einem Crowdfunding möchte ich einen kurzen Überblick über die Inhalte geben und dann noch einen Ausblick darauf, was hier in den nächsten Wochen die Schwerpunkte im Blog sein sollen.

Was ist alles drin im Paket

Ins Auge fällt natürlich zunächst das Herzstück des Ganzen, die Regionalspielhilfe Die Gestade des Gottwals selbst, die 192 Seiten stark ist und vor allem die Kernbeschreibung des Settings enthält, was sowohl die geografischen als auch die kulturellen Begebenheiten betrifft, mit den Mysteria und Arkana ist zudem wie üblich ein Kapitel vorhanden, das sich primär an SpielleiterInnen richtet. Grafisch unterstützt wird dies durch das Landkartenset, das aus unterschiedlichen Karten besteht, u.a. Karten der Gesamtregion, aber auch Stadtkarten der größeren Städte Thorwals.

Während bei einer normalen Regionalspielhilfe hier nur die weiteren sonstigen Bestandteile der sogenannten „Flöte“ erschienen wären, ist durch das Crowdfunding noch viel zusätzliches Material entstanden. Schicksalsschwur und Skaldensang ist als Meisterschirmpaket angelegt und der dazugehörige Begleitband (47 Seiten) besteht aus einer bunten Mischung aus Abenteuerskizzen, Möglichkeiten der Zukunftsweissagung, der Dichtkunst und der Sprache. Das Kompendium des Gottwals fasst gleich drei Spielhilfen zu einem Sammelband zusammen, so dass auch hier 148 Seiten geschrieben wurden. Inhaltlich werden dort viele Schwerpunkte angegangen, vieles sind (Regel-)Ergänzungen des Kernbandes, aber auch viele Hintergrundbeschreibungen kommen dazu, u.a. werden Magier- und Kriegerakademien der Region ausführlicher erläutert. Eine übliche Erweiterung bei DSA5 stellt Die Rüstkammer der Gestade des Gottwals dar, bei der es sich um ein schlankes Heft von 32 Seiten handelt, in der vor allem regionale Waffen und Ausrüstungsgegenstände präsentiert werden.

Wer eher narrative Zugänge zum Setting bevorzugt, der wird wie sonst auch in dem Heldenbrevier der Gestade des Gottwals fündig. Auf 160 Seiten wird die Geschichte einer ungewöhnlichen Heldengruppe bestehend aus einen thorwal´schen Abenteurer (mit einer besonderen Verbindung zum Glück), einer Runjaska, einer Tierkriegerin aus dem Gjalskerland und dem Geschichtenerzähler Amud als regionalfremde Figur. Diese wollen gemeinsam dem Geheimnis von Tätowierungen auf den Grund gehen, die sie alle von derselben Person erhalten haben. Der Roman Der Pfad des Wolfes (232 Seiten) stellt hingegen keine eigentliche Neuerscheinung dar, ist er doch bereits 2011 erschienen und nun neuaufgelegt worden. Hierin wird der junge Wolftierkrieger Druan auf eine Abenteuerreise geschickt, nachdem sein Heimatdorf von Untoten attackiert wurde. Das Swafnir-Vademecum liefert zuletzt Ingame-Hintergrundmaterial (160 Seiten) zu dem Glauben an den Walgott, verfasst aus der Sicht der Swafnirgeweihten Jorunn Swafnirdottir.

Ein neues Settings will aber natürlich vor allem bespielt werden und somit ist auch einiges an Abenteuermaterial vorhanden. Zentral ist dafür in erster Linie der Abenteuerband Runen des Schicksals zuständig, in dem auf 48 Seiten ein uraltes Geheimnis aus den Gründertagen Thorwals gelöst werden soll. Wie bei den bisherigen Begleitabenteuern findet hier eine Rundreise statt, bei der sowohl Thorwal als auch das Gjalskerland aufgesucht werden, inklusive der Begegnung mit einigen der NSC aus dem Kernband. Etwas schlanker, quasi im Heldenwerk-Format (mit 19 Seiten), kommt Mittsommerrache daher. Dort gilt es, einem kleinen Dorf beizustehen, das von merkwürdigen Ereignissen geplagt wird. Eher an Einsteiger richtet sich Treueschwur aus der Reihe Auf ins Abenteuer (31 Seiten, liegt dem Meisterschirmset bei). Die Besonderheit dabei ist, dass man auf 6 vorgefertigte HeldInnen zurückgreifen kann, für die ein narrativer Abenteuereinstieg existiert. Während die drei vorherigen Abenteuer alle für Gruppenerlebnisse angedacht sind, handelt es sich bei Die Nacht der Feuertaufe um ein Soloabenteuer (64 Seiten). Dabei verspricht der Inhalt scheinbar eine eher humoristische Note, indem eine Art Hangover-Geschichte die Grundlage bildet.

Dazu kommen noch einzelne kleine Sachen wie ein Aventurischer Bote mit den gesammelten Artikeln, die in den Ereignisstand der Regionalspielhilfe überleiten, ein Zufallskartenset – Die Gestade des Gottwals, bestehend aus 52 Karten, sowie diverse Bonussachen aus dem Crowdfunding wie Poster und Aufkleber.  

Erste Auffälligkeiten

Was natürlich auf den ersten Blick beeindruckt ist die Masse an Einzelprodukten, wobei ich mich hier ja schon nur auf die Printprodukte fokussiert habe: Allein 11 Bände bzw. Hefte mit insgesamt über 1100  Seiten (Wenn auch in unterschiedlichen Formaten) sind schon wahnsinnig viel. Was ich dabei natürlich positiv registriert habe, ist der verhältnismäßig große Anteil an Abenteuern, nachdem ich das Fehlen solcher im vergangenen Jahr bemängelt habe. Dabei freut mich natürlich, dass mit Die Nacht der Feuertaufe auch ein Soloabenteuer dabei ist.

Bei dem Heldenbrevier und dem Vademecum sind meine Erwartungen insofern relativ hoch, als dass beide Reihen meiner Auffassung nach in den vergangenen Jahren eine bewährte Qualität entwickelt haben und immer sehr kurzweiligen bzw. nützlichen Lesestoff enthalten.   

Was den allgemeinen Hintergrund angeht, so liegt natürlich hier eindeutig der Schwerpunkt, über 400 Seiten sorgen dafür, dass zumindest aktuell Thorwal unter den DSA5-Settings die größte Detaildichte hat. Das ist sicherlich für SpielerInnen mit einem Faible für die Region sehr erfreulich. Nachteilig kann dabei aus meiner Sicht auch sein, dass auf diese Art und Weise einmal mehr eine große Zersplitterung von Informationen auf mehrere Bände stattfindet. Allerdings hängt das auch davon ab, wie relevant die Texte sind, die außerhalb des Hauptbandes zu finden sind, ob diese wirklich zentrale Informationen behandeln oder ob die eher eine Art Lupenfunktion haben, also einfach nur noch mehr Detailschärfe dazugeben oder weniger relevante Aspekte behandeln. Inhaltlich scheinen sich zudem einige Veränderungen ergeben zu haben, z.B. in was die maßgeblichen NSC angeht. Hier interessiert mich vor allem, ob das passend motiviert hergeleitet wird oder über das Knie gebrochen wirkt.

Was geschieht im Blog?

Thorwal wird natürlich in den kommenden Wochen hier im Blog eine dominante Rolle einnehmen. Dabei möchte ich selbstverständlich mit dem Hauptband beginnen, schließlich ist das auch das das Kernprodukt und muss bis zur nächsten Edition als Settingbeschreibung einer der beliebtesten Regionen herhalten. Wie üblich sind die eher regellastigen Publikationen für mich weniger interessant, während ich gerade bei den Abenteuern auf eine gute Qualität hoffe, die für mich immer noch die Bände sind, die das Spiel mit Leben erfüllen. Gerade Thorwal ist im Gesamten innerhalb der DSA-Historie trotz der Beliebtheit vergleichsweise unregelmäßig mit Abenteuern bedacht worden, so dass DSA5 damit jetzt schon einen guten Grundbestand hat. Natürlich ist aber reine Quantität noch kein Maßstab, wichtig ist selbstverständlich auch, dass der Inhalt qualitativ überzeugen kann.

So oder so freue ich mich aber vor allem, dass es nach der langen Wartezeit endlich losgehen kann mit der Sichtung, Thorwal ist auch meine persönliche Lieblingsregion, dementsprechend ist meine Erwartungshaltung und Vorfreude sehr hoch. Weiter geht es dann Anfang der Woche mit der Rezi zu Die Gestade des Gottwals.  

3 Kommentare

  1. Kleiner Einwurf zu deiner tollen Rezi.
    Auch wenn es nicht so viele Abenteuer (aber auch nicht wenige) um Thorwal gab, gab es dafür recht viele Botenartikel die die Entwicklung der Region und NSCs über Jahre begleiteten; manches davon dürfte aus den Thorwal-Fanzinen stammen; u.a waren Thorwaler auch aktiv gegen Gloranien beteiligt. Und es muß Pläne um Phielassons Schicksal gegeben haben.

    Warte gespannt auf die gneauen Rezis – sehr zum Vadenecum.

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    1. Soloabenteuer sind seit jeher ein Steckenpferd von mir und sind quasi seit der Jahrtausendwende immer seltener geworden, jetzt gibt es sie wieder regelmäßiger. Ist aber eher ein rein persönliches Ding, ich gehe davon aus, dass die meisten Leute sich mehr über Gruppenabenteuer freuen und die sind natürlich für das Spiel insgesamt auch relevanter.

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