Romane als Metaplottreiber?

Vorbemerkung: Über den Metaplot habe ich ja immer wieder einmal was geschrieben, vor allem darüber, in welcher Intensität man ihn in Abenteuern und Spielhilfen findet und welche Möglichkeiten darin enthalten sind, die Entwicklung der Spielwelt Aventurien mitzugestalten. Allerdings gibt es noch ein weiteres Feld, das man hierbei beachten sollte, welches allerdings nach anderen Regeln funktioniert: die Romane. Sie sind zwar kein spielbares Element, dafür aber bietet sich auch auf dieser Ebene die Gelegenheit, nicht nur kleine Geschichten zu erzählen, sondern auch solche, die im großen Ganzen relevant sind. Das soll nun allerdings kein historischer Abriss durch die Romangeschichte werden, sondern der Fokus soll darauf liegen, wie dies seit dem Editionswechsel, also seit 2015 gehandhabt wird.

Blicke in die Vergangenheit

Dominant sind in den letzten Jahren vor allem Romanreihen, während der klassische Einzelroman eher die Ausnahme ist. Zuerst muss man dabei natürlich die derzeit erfolgreichste Reihe nennen, die Phileasson-Saga, die nicht aus dem Hause Ulisses stammt, sondern vom Heyne Verlag. Hier steht bekanntermaßen ein alter Abenteuerstoff Pate, indem man die klassische Drachenhals-Tetralogie in einer erzählten Version erleben kann. Aktuelle Geschehnisse streift dies nur sehr mittelbar, indem kleinere Anteile Verbindungen aufweisen zur unlängst beendeten Sternenträger-Kampagne, dies betrifft aber nur einzelne Figuren und weniger wirkliche Ereignisse. Im Kern geht es um den Wettbewerb der beiden Kapitäne Beorn und Phileasson, der ja Teil der jüngeren DSA-Geschichte ist.

Deutlich weiter zurück blicken gleich mehrere andere Romanreihen: Das Blut der Castesier reicht mit seinen 6 Bänden bis in die Dunklen Zeiten und beschreibt Intrigen im Bosparanischen Reich, während gleichzeitig Krieg gegen das Sultanat Elem geführt wird. Ebenfalls einen solchen Konflikt greift das aktuelle Roman-Duo Das erste Blut bzw. Das letzte Blut auf, indem geschildert wird, wie Alhanien sich verzweifelt gegen die Bedrohung durch Bosparan zur Wehr setzt. Eine späte Abrundung hat zudem noch die Jurga-Saga erhalten, indem der letzte Roman Eis das Vordringen der Hjaldinger nach Aventurien komplettiert. Eine Sonderrolle nehmen zuletzt die Pardona-Romane ein, die in die Zeit der Hochelfen zurückreichen, allerdings durch verschiedene Umstände bis in die aventurische Gegenwart führen. Da ja mit Pardona eine der zentralen Figuren im Mittelpunkt steht, hat dies natürlich auch eine gewisse Relevanz, zumal sich aus den anderen Figuren theoretisch auch in Zukunft noch etwas machen ließe, vorausgesetzt, dies wird weitergeführt.

Die Gegenwart

Im gegenwärtigen Aventurien spielen vergleichsweise wenig Romane: Besonders hervorzuheben ist dabei Mehrer der Macht, der kurz vor der damals ersten DSA5-Regionalspielhilfe erschien und tatsächlich das Intrigenspiel der Mächtigen nachzeichnete und vor allem die Umstände beschrieb, durch die die Herrschaft von Wendelmir VI. eingeleitet wurde. Nicht einer Regionalspielhilfe, sondern einer Kampagne vorgeschaltet wurde das Romanduo Rabenerbe und Rabenbund. Hier wird die Vorgeschichte der Rabenkrieg-Kampagne ausgeführt, wobei insbesondere die Konkurrenz der Granden Al´Anfas um die Vorherrschaft in der Metropole im Vordergrund steht. Dabei gibt es auch direkte Verbindungen zur Kampagne, indem auf diese Weise auch die zentralen Figuren mit einer Hintergrundgeschichte ausgestattet werden, mit denen die Spielercharaktere später interagieren müssen.      

Viele aventurische Persönlichkeiten werden auch in den Kurzgeschichten-Anthologien Sternenleere und Fesseln der Lust aufgenommen. Während erstere die folgenden Ereignisse des Sternenfalls anteasern soll, hat letztere einen anderen Fokus, geht es doch sehr speziell um das Liebesleben der Protagonisten, worunter sich illustre Persönlichkeiten wie Kaiserin Rohaja, ihre Großmutter Alara, Nahema, Rakorium oder Amir Honak befinden.

Künstlerische Freiheit

Die auffällig häufigen Rückgriffe auf die aventurische historische Vergangenheit lässt sich wahrscheinlich recht einfach erklären: Zum einen gibt es jede Menge spannende Ereignisse, die in den letzten Jahrzehnten in unterschiedlichen Publikationen eingeführt wurden und bei denen es sich anbietet, sie in literarischer Form umzusetzen. Das gilt eben z.B. für die Überfahrt der Hjaldinger nach Thorwal, die schon lange als Setzung vorhanden war, bevor man sich ihrer in Romanform angenommen hat.

Zum anderen haben diese Ereignisse einen großen Vorteil gegenüber den Begebenheiten der aventurischen Gegenwart. Alles, was seit der Hal-Zeit entstanden ist, verfügt mittlerweile über eine stetig wachsende Dichte an teils extrem detaillierten Hintergrundinformationen. Wer sich aktuell als Autor*in eines Stoffes annimmt, der auch nur irgendwie mit offiziellen Geschehnissen in Verbindung steht, muss enorm viele Vorgaben berücksichtigen, die in den letzten Jahren von anderen Schreibenden entwickelt wurden. Wählt man hingegen einen Erzählzeitraum, der weiter in der Vergangenheit liegt, muss man lediglich einige historische Setzungen berücksichtigen, die oft sehr vage und eben auch nur kurz gehalten sind. Die erzählerische Freiheit ist damit deutlich größer und man muss nur ein paar grobe Eckpfeiler akzeptieren. So gibt es in den Pardona-Romanen durchaus einige relevante Setzungen, z.B. der Untergang einiger Elfenstädte oder biografische Details die Titelfigur betreffend, innerhalb dessen kann man sich aber deutlich freier bewegen, viele Details können freier ausgeschmückt werden. Sogar die meisten Hauptcharaktere konnten hier frei gewählt werden und ihr Schicksal ist somit in die Hände von Autorin Mhaire Stritter gegeben worden, was innerhalb bekannter Fakten wieder mehr Spannung gewährt.

Fazit

Somit kann ich verstehen, dass das Roman-Schreiben im Metaplot-Bereich zumindest in diesem Teil einer Recherche aufwändiger ist. Trotzdem würde ich mit deutlich mir Romane im Stil von Mehrer der Macht und Rabenerbe/Rabenbund wünschen. Aus meiner Sicht stellt das eine gute Variante dar, um elegant an der Weiterführung aventurischer Großgeschehen zu arbeiten und um Figuren weiterzuentwickeln. In Abenteuern stellt sich oft das Problem, dass es schwierig ist, gleichzeitig Setzungen für die Zukunft aufzubauen und dazu noch den Spieler*innen die Gelegenheit zu gewähren, spürbaren Einfluss zu nehmen. Das schränkt den Handlungsspielraum ein und führt nicht selten dazu, dass es sich nach Gängelung anfühlt, wenn bestimmte Resultate unbedingt eintreffen müssen, z.B. das Schicksal von wichtigen Personen betreffend. Bei Romanen existiert diese Anforderung natürlich nicht und deshalb können sie gut dazu verwendet werden, um den Metaplot aus Sicht einer Redaktion gezielt weiterzuführen. Auf keinen Fall sollte dies das einzige Mittel sein und die interaktive Form halte ich trotz der beschriebenen Schwierigkeiten für unverzichtbar: Es ist z.B. natürlich spannender, selbst gegen Borbarad in der Dritten Dämonenschlacht anzutreten, als dies nur in Erzählform zu konsumieren. Aber es gibt eben auch diese Zwischenräume, die man genau so füllen kann. Gerade die Rabenkrieg-Lösung gefällt mir ausgesprochen gut, da so immer noch viel interaktiver Raum geboten wird (eben folgend in der Kampagne spielbar), die Figuren aber durch die intensive Vorgeschichte lebendiger wirken zu lassen. In gewissem Maße ist das ja schon durch die sogenannten Heldenbreviere intensiviert worden, die seit dem Heldenbrevier der dampfenden Dschungel in konkreter Verbindung zur Regionalspielhilfe und zum Regionalabenteuer verfasst werden.

Einige Felder liegen ja schon sehr lange brach, beispielsweise hat Kaiserin Rohaja außer dem kurzen Auftritt in Fesseln der Lust keine offiziellen Auftritte mehr gehabt und gerade solche Figuren könnte man hin und wieder auf dieser Ebene weitererzählen, ebenso könnte man auch andere Plotfäden zusammenführen, gerade auch die aktuellen Themen wie Sternenfall oder Karmakorthäon würden sich dafür anbieten. In dieser Hinsicht würde ich es für äußerst wünschenswert halten, wenn in Zukunft der Metaplot in Romanen noch präsenter (und häufiger) weitergestaltet werden würde. Somit hätte man noch eine weitere Säule, um ein pflegeintensives Feld noch besser zu bestellen. Zwar wird dies hin und wieder auch genutzt, steht aber (siehe obige Zustandsbeschreibung) deutlich hinter solchen Romanen zurück, die eher weit in die Vergangenheit reichen. Das soll beispielsweise auch keine Geringschätzung kleinerer Plots ohne übergreifende Bezüge sein, aber diese gibt es ja ohnehin durch die explizit metaplotfreien Fanpro-Romane.

3 Kommentare

  1. Im Großen und Ganzen stimme ich Deiner Meinung zu. Aber bei „Sie sind zwar kein spielbares Element“ muss ich Veto einlegen. Phileasson ist spielbar. Und so einige der frühen Romane auch. Natürlich nicht 1:1, denn wer will schon jemanden aus Tarshoggyn spielen!? Doch auf der einen Seite lassen sich kleine Geschichten am Spieltisch umsetzen, und auf der anderen Seite gaben mir die zahlreichen Romanfiguren viele Vorlagen für meine Charaktere. Bei mir/uns sind die Romane ein spielbares Element.

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  2. Zu G7 gab es viele Romane die Nebenplots erzählten, viele andere erwiterten dne Hintergrund zu manchen NSCs, und berichteten von vergangenne Ereignissen, von dnene wir huete fast nur die Feiertage kennen. Mit Das Greifenopfer wurde gar das Erlebnis eines NSCs erzählt, und erst dann treffen die Helden ihn im Abenteuer.
    Und Al’Anfa wurde stark von seinen Romanen geformt.
    Nur früher wurden häufiger die Storys aus Romane im Botne – und gar im offiziellen Hintergrund weiterverfolgt, und das vermisse ich u.a. bei Sternenleere.
    (Bei D&D waren es immer die Romane, die die Welt vorantrieben.)

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  3. Wir hatten ja schon das Thema warum ich und andere sich nicht so für die aktuelle Entwicklung in Aventurien begeistern können. Ich glaube nach wie vor das zentrale Thema ist wie sehr man sich mit zentralen npcs identifizieren oder interessieren kann. Ich würde sagen dass Romane deine herausragende Bedeutung haben zentrale npcs aufzubauen, spannend zu machen und dann aber auch regelmäßige Handlung zu geben. Das finde ich tatsächlich eine aktuelle Schwäche von DSA, dass das in viel geringeren Maße passiert und für mich für meisten zentralen NPCs der aktuellen Zeitlinie leer und uninteressant erscheinen.

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